Historische Statistiken

Je länger das Vergangene her ist, desto schwieriger gestaltet sich die Datenlage: Die Antike bietet dank ihrer Schriftlichkeit, der guten Geschichtsschreibung und Überlieferung zumindest einige Anhaltspunkte. Nach neuesten Schätzungen hatte zum Beispiel das Römische Reich im Jahr 14 nach Christus rund 70 Millionen Einwohner. Nach Fläche war jedoch das Britische Empire das mit Abstand größte Reich der Weltgeschichte, gefolgt vom chinesischen Reich unter der Yuan-Dynastie.

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Mit dem Ende der Antike im fünften Jahrhundert nach Christus wird die Quellenlage jedoch erheblich schlechter. Nicht umsonst wird diese Zeit im Englischen als "Dark Ages" bezeichnet. Eine Änderung tritt mit der Gründung zahlreicher neuer Klöster ein, denn in diesen wurde Wissen verschriftlicht und blieb damit der Nachwelt erhalten. Die Zahl der Klöster wuchs rasant: Im Gebiet des heutigen Deutschlands gab es im 6. Jahrhundert rund 138 Klöster – bis zum 13. Jahrhundert waren es bereits mehr als 3.000.

Das Mittelalter war auch der Beginn des europäischen Universitätswesens, die Wissen verbreiteten und damit überlieferten: Die ersten sechs Universitäten wurden bereits im 12. Jahrhundert gegründet. Bis ins 18. Jahrhundert wuchs die Zahl jedoch bereits auf knapp 100 an, davon 24 im heutigen Deutschland.

Der Beginn des 19. Jahrhunderts ging mit großen Veränderungen einher: Das Heilige Römische Reich wurde als Folge der Französischen Revolution und der Napoleonischen Kriege im Jahr 1806 aufgelöst. In der Folge kam es zu den Befreiungskriegen, die in den Wiener Kongress und einer Restauration der Verhältnisse in Europa mündeten. Diese Restauration sorgte in demokratischen und patriotischen Kreisen sowie den handarbeitenden Klassen für Unzufriedenheit, die – in einem gesamteuropäischen Kontext – zur Märzrevolution von 1848 und der Proklamation der Frankfurter Nationalversammlung führte. Das erste deutsche Parlament bot dem preußischen König die Kaiserkrone an, die dieser jedoch ablehnte.

Parallel dazu kam es ab der Mitte des 19. Jahrhunderts zur Industrialisierung, die zu gänzlich neuen Lebensverhältnissen führte und sich neben dem Entstehen großer Kohlereviere, Fabriken und Industrieanlagen am sichtbarsten durch den Ausbau der Eisenbahn zeigte.

In den 1860er Jahren führte schließlich eine Reihe von Kriegen zur Einheit Deutschlands unter Ausschluss von Österreich und das Deutsche Kaiserreich wurde 1871 in Versailles ausgerufen. Das Kaiserreich führte die Industrialisierung fort und war von großem technischen Fortschritt, wirtschaftlichem Wachstum, militärischer Aufrüstung und Flottenbau sowie erster moderner Sozialgesetzgebung geprägt. Die Sozialgesetzgebung wurde durch die neu entstandene Sozialdemokratie vorangetrieben, die in den erstmals allgemeinen, direkten und gleichen Wahlen im Kaiserreich – gleichwohl unter Ausschluss von Frauen – trotz Repressionen ihre Anteile massiv ausbauen und zu einer bestimmenden politischen Kraft aufsteigen konnten.

Zunehmende Spannungen – insbesondere innerhalb der K.u.K.-Monarchie und zwischen Frankreich und Deutschland – in Europa, eine massive Aufrüstung und Fehleinschätzungen sowie Fahrlässigkeit der Verantwortlichen führten schließlich im Jahr 1914 zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs, in dem sich das Deutsche Reich, Österreich-Ungarn und das Osmanische Reich dem Rest Europas unter Führung des Vereinigten Königreichs, Frankreichs und Russlands sowie ab 1917 den Vereinigten Staaten von Amerika gegenübersah. Der Erste Weltkrieg – nach George F. Kennan "die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts" – forderte mehr als 13 Millionen Menschenleben und veränderte die Landkarte Europas nachhaltig.

Nach einem flächendeckenden Matrosenaufstand und ausbleibenden Erfolgen kapitulierte Deutschland und Kaiser Wilhelm II. musste abdanken - es wurde die erste Demokratie auf deutschem Boden ausgerufen. Die Weimarer Republik wurde von Reichspräsident Friedrich Ebert (SPD) geführt, hatte aber von Anfang an die Hypothek zu tragen, die harten Bedingungen des unpopulären Versailler Friedensvertrags erfüllen zu müssen. Dies führte zur Radikalisierung der Ränder: Auf der einen Seite die politische Rechte, welche die Demokratie ablehnte, sich in militanten Freikorps sammelte und mit Gewalt gegen den Staat vorging. Auf der anderen Seite war die radikale Linke unzufrieden mit dem Status quo und träumte von der proletarischen Revolution nach sowjetischem Vorbild und der Errichtung einer Räterepublik. Beide Seiten schreckten vor Gewalt und politischen Morden nicht zurück. Im rechten Spektrum tat sich insbesondere die Nationalsozialistische Arbeiterpartei (NSDAP) unter ihrem Führer Adolf Hitler hervor. Nachdem das Parlament durch die radikalen Parteien zunehmend geschwächt war und es zu andauernden Neuwahlen gekommen war, konnte die NSDAP 1933 die Macht in Deutschland ergreifen und die Demokratie abschaffen.

Nun begann das Zeitalter der nationalsozialistischen Diktatur: Grundrechte und Rechtsstaat wurden außer Kraft gesetzt und die jüdische Bevölkerung, Sinti und Roma, Homosexuelle und viele weitere Minderheiten wurden verfolgt, inhaftiert und massenhaft ermordet. Die Situation verschärfte sich durch den Beginn des Zweiten Weltkriegs: 1939 überfiel NS-Deutschland seinen östlichen Nachbarn Polen, kurz danach griff die Sowjetunion vom Osten her Polen an. In der Folge eroberte das Deutsche Reich große Teile Europas und attackierte 1941 schließlich auch die Sowjetunion. Nach dem Kriegseintritt der USA 1941 und der Niederlage der Wehrmacht bei Stalingrad 1943 befand sich Nazideutschland endgültig in der Defensive. Die alliierten Mächte Großbritannien, die USA, die UdSSR und Frankreich konnten Deutschland und seine Verbündeten – Japan und Italien (bis 1943) – besiegen. Deutschland kapitulierte 1945 endgültig. Im Zweiten Weltkrieg wurden mindestens 70 Millionen Menschen getötet. In den besetzten Gebieten hatten deutsche Truppen besonders gewütet und Vernichtungslager zur systematischen Ermordung der jüdischen Bevölkerung errichtet. Mehr als sechs Millionen jüdische Europäer wurden im Holocaust ermordet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Deutschland besetzt und in vier Besatzungszonen unterteilt. Die drei Westlichen (die Französische, die Britische und die Amerikanische) wurden im Jahr 1949 zur Bundesrepublik Deutschland. Auf dem Gebiet der Sowjetischen Besatzungszone wurde die Deutsche Demokratische Republik ausgerufen. In der Folge existierten zwei deutsche Staaten – ein Freiheitlich-westlicher und ein Realsozialistischer. Die Nachkriegsjahre waren vom Wiederaufbau und einem Aufschwung beider Teilstaaten geprägt. Die junge Bundesrepublik zeigte sich wirtschaftlich jedoch schnell überlegen, was – zusammen mit den Repressionen der SED-Führung der DDR – zu einem massenhaften Bevölkerungsschwund der DDR führte. Das Regime versuchte dies mit dem Bau einer gutgesicherten Grenzbefestigung zu unterbinden – der Mauer. Zum 13. August 1961 wurde die Mauer errichtet und trennte in Berlin über Nacht ganze Familien. Allein in Berlin wurden 140 Menschen bei dem Versuch aus der DDR zu flüchten getötet und die DDR-Führung versuchte weiterhin mittels massiver Überwachung durch den Inlandsgeheimdienst (der Staatssicherheit, StaSi) seine Bürger im Land zu halten.

Der Rückstand zur Bundesrepublik, zunehmende Unzufriedenheit und massenhafte Demonstrationen in der DDR führten schließlich zur friedlichen Revolution und zur Wende. Die Mauer wurde am 9. November 1989 geöffnet und die deutsche Bevölkerung konnte sich wieder frei bewegen. Am 3. Oktober 1990 wurde Deutschland schließlich wiedervereinigt.

International war die Zeit geprägt durch den Kalten Krieg in dem sich die Vereinigten Staaten von Amerika und ihre Verbündeten mit der Sowjetunion und deren Verbündeten gegenüberstanden und neben den Staaten auch Ideologien aufeinanderprallten und zahlreiche Stellvertreterkriege geführt wurden.

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