Geschichte der Europäischen Union

In der Europäischen Union (EU) leben heute zirka 447 Millionen Menschen auf einer Fläche von mehr als vier Millionen Quadratkilometern. 27 Staaten sind Mitglieder der EU, die außerdem über sieben teils supranationale Organe verfügt. Die Zahl der offiziellen Amtssprachen der EU liegt derzeit bei 24. Um diese Dimensionen zu erreichen, hat die EU einen langen Weg zurückgelegt. Seit den 1950er Jahren hat sie sich schrittweise aus ihren Vorgängern entwickelt: aus der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS), der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) von 1957 sowie der Europäischen Gemeinschaft (EG) von 1967.

EGKS 1951 und Römische Verträge 1957: die Anfänge der "Europäischen Integration"

Die erste Vorläuferin der Europäischen Union war die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS oder Montanunion), die nur wenige Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges gegründet wurde: Mitgliedstaaten waren die Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Belgien, die Niederlande, Luxemburg und Italien, das Kernstück stellte die Schaffung eines gemeinsamen Marktes für die Schwerindustrie dar. Die EGKS-Länder schlossen sich am 25. März 1957 im Rahmen der Römischen Verträge zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) zusammen. Die EWG war der erste Schritt in Richtung eines einheitlichen europäischen Binnenmarktes.
In den folgenden Jahren und Jahrzehnten erzielten die Gründerstaaten ein Wirtschaftswachstum, das Westeuropa einen beispiellosen Wohnstand brachte: Seit den 1950er Jahren hat sich das reale BIP pro Kopf in allen sechs Staaten mehr als verdreifacht.

1. Januar 1973: Beitritt von Dänemark, Irland und dem Vereinigten Königreich

Nur drei Jahre nach Gründung der EWG beantragte Großbritannien die Aufnahme. Der französische Präsident Charles de Gaulle lehnte eine Erweiterung jedoch ab. Zu groß war seine Befürchtung, dass die Zusammenarbeit durch die Mitgliedschaft der Briten komplizierter werden könnte. So dauerte es fast zwanzig Jahre, bis das Vereinigte Königreich, gemeinsam mit Dänemark und Irland, der Gemeinschaft beitreten konnte.

Juni 1979: Das Europäische Parlament wird zum ersten Mal direkt gewählt

Im Juni 1979 wählten die Bürgerinnen und Bürger der nun neun Mitgliedsstaaten der Europäischen Gemeinschaft (EG) zum ersten Mal direkt die Abgeordneten des Europäischen Parlaments. Die Wahlbeteiligung erreichte den Rekordwert von knapp 62 Prozent – dieser Erfolg konnte in den folgenden Wahlen nicht mehr wiederholt werden. 410 Abgeordnete zogen nach der Wahl ins Parlament; heute umfasst es 751 Sitze.

1981, 1986 und 1989: Süderweiterung in zwei Etappen und Wiedervereinigung

Der Kreis der Wählerinnen und Wähler wuchs in den 1980er Jahren weiter: 1981 trat Griechenland der EG bei, 1986 kamen Portugal und Spanien dazu. Man sprach nun vom "Europa der 12". Nur wenige Jahre später veränderte außerdem das Ende des Ost-West-Konflikts die Europäische Gemeinschaft nachhaltig: Mit der Wiedervereinigung wurde die DDR quasi über Nacht Mitglied der EG.

15. Juni 1985: Schengener Abkommen

Im Juni 1985 entschieden die Staaten Belgien, Frankreich, Niederlande, Deutschland und Luxemburg mit dem Schengener Abkommen, die Kontrollen an ihren gemeinsamen Grenzen abzubauen. Im Laufe der Jahre sind viele weitere Länder dem Schengener Abkommen beigetreten, unter ihnen auch Länder, die nicht der EU angehören. Auf der anderen Seite haben nicht alle EU-Staaten das Schengener Abkommen unterzeichnet. Der Schengen-Raum ist daher nicht identisch mit dem EU-Raum.
Das "grenzenlose Reisen" gilt als eine der greifbarsten Errungenschaften der europäischen Integration. Die Zunahme der Migration Richtung Europa und Sicherheitsbedenken mit Blick auf Terroranschläge und organisierte Kriminalität hatten aber in den letzten Jahren Auswirkungen auf den Schengen-Raum. Zum einen wurden die EU-Außengrenzen stark aufgerüstet. Zum anderen sahen verschiedene Mitgliedstaaten sich dazu veranlasst, wieder Grenzkontrollen einzuführen. Auch der Ausbruch der Corona-Pandemie im Jahr 2020 veranlasste mehrere Staaten zur Wiedereinführung von Kontrollen an den Binnengrenzen.

1. November 1993: Vertrag von Maastricht

1993 trat der Maastrichter Vertrag in Kraft und begründete die Europäische Union (EU). Mit der EU verdichteten die Mitgliedsstaaten ihre Zusammenarbeit in einer Reihe von Politikfeldern weiter. Sie einigten sich unter anderem auf eine eigene europäische Gesetzgebung und die Gründung neuer europäischer Behörden wie den Rat der Europäischen Union. Der Vertrag enthielt zudem bereits den Plan zur Schaffung einer gemeinsamen europäischen Währung.

1. Januar 2002: Euro-Bargeld wird Zahlungsmittel

Im bargeldlosen Zahlungsverkehr gab es den Euro ab 1999. Am 1. Januar 2002 wurde er in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Währungsunion auch als Bargeld zum Zahlungsmittel. Die nach dem Vorbild der Bundesbank konzipierte Europäische Zentralbank erhielt die Aufgabe, für stabile Preise zu sorgen. Anders als befürchtet profitierte Deutschland nach der Euro-Einführung tatsächlich von Verbraucherpreisen, die konstanter als zu Zeiten der D-Mark waren.
Durch die in den USA ausgelöste Banken- und Finanzkrise erlebte die Europäische Währungsunion ab 2010 eine schwere Krise: Diese umfasste eine Staatsschuldenkrise, eine Bankenkrise und eine Wirtschaftskrise. Häufig wurde vom Begriff der "Eurokrise" gebrauch gemacht. Allerdings bezog sich diese Bezeichnung nicht auf den Außenwert des Euro, der 2010 und in den folgenden Jahre stabil blieb.

1. Februar 2003 und 1. Mai 2004 : Vertrag von Nizza und Osterweiterung

Im Februar 2003 trat der Vertrag von Nizza in Kraft. Dieser sollte die EU auf die bevorstehende Ost- und Süderweiterung vorbereiten: Um die Handlungsfähigkeit auch in einer wesentlich größeren EU nicht zu verlieren, verabschiedete man sich in vielen Politikfeldern vom Einstimmigkeitsprinzip. Außerdem sah der Vertrag von Nizza eine maximale Mitgliederzahl für die Europäische Kommission vor: Seit 2005 entsendet jedes Land nur noch eine Person in die Kommission. Bis dahin hatten größere Mitgliedstaaten je zwei Kommissionsmitglieder gestellt.
Im Mai 2004 kam es schließlich zur größten EU-Erweiterungsrunde: Polen, Tschechien, die Slowakei, Ungarn, Slowenien, die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen sowie die beiden Mittelmeerstaaten Malta und Zypern traten der EU bei. Rumänien und Bulgarien folgten Anfang 2007, 2013 schließlich Kroatien. Mit der Osterweiterung nahm die wirtschaftliche Heterogenität in der EU erheblich zu: Bis heute ist das Pro-Kopf-BIP in den seit 2004 aufgenommenen Ländern im Durchschnitt niedriger als in den übrigen EU-Staaten. Allerdings zeigen die Daten der letzten zehn Jahren hier eine Annäherung.

31. Januar 2020: Brexit

Am 23. Juni 2016 entschieden sich 51,9 Prozent der Menschen in Großbritannien in einem Referendum für den Austritt aus der Europäischen Union (EU), den sogenannten Brexit. Das Vereinigte Königreich ist das erste und bisher einzige Land, das die Europäische Union wieder verlassen hat. Der Austritt erfolgte am 31. Januar 2020, seit dem 1. Januar 2021 ist Großbritannien nicht mehr Teil des europäischen Binnenmarktes.

Wichtige Kennzahlen

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Wirtschaft

Werte und Identität

Weitere interessante Statistiken

Geschichte der Europäischen Union

In der Europäischen Union (EU) leben heute zirka 447 Millionen Menschen auf einer Fläche von mehr als vier Millionen Quadratkilometern. 27 Staaten sind Mitglieder der EU, die außerdem über sieben teils supranationale Organe verfügt. Die Zahl der offiziellen Amtssprachen der EU liegt derzeit bei 24. Um diese Dimensionen zu erreichen, hat die EU einen langen Weg zurückgelegt. Seit den 1950er Jahren hat sie sich schrittweise aus ihren Vorgängern entwickelt: aus der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS), der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) von 1957 sowie der Europäischen Gemeinschaft (EG) von 1967.

EGKS 1951 und Römische Verträge 1957: die Anfänge der "Europäischen Integration"

Die erste Vorläuferin der Europäischen Union war die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS oder Montanunion), die nur wenige Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges gegründet wurde: Mitgliedstaaten waren die Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Belgien, die Niederlande, Luxemburg und Italien, das Kernstück stellte die Schaffung eines gemeinsamen Marktes für die Schwerindustrie dar. Die EGKS-Länder schlossen sich am 25. März 1957 im Rahmen der Römischen Verträge zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) zusammen. Die EWG war der erste Schritt in Richtung eines einheitlichen europäischen Binnenmarktes.
In den folgenden Jahren und Jahrzehnten erzielten die Gründerstaaten ein Wirtschaftswachstum, das Westeuropa einen beispiellosen Wohnstand brachte: Seit den 1950er Jahren hat sich das reale BIP pro Kopf in allen sechs Staaten mehr als verdreifacht.

1. Januar 1973: Beitritt von Dänemark, Irland und dem Vereinigten Königreich

Nur drei Jahre nach Gründung der EWG beantragte Großbritannien die Aufnahme. Der französische Präsident Charles de Gaulle lehnte eine Erweiterung jedoch ab. Zu groß war seine Befürchtung, dass die Zusammenarbeit durch die Mitgliedschaft der Briten komplizierter werden könnte. So dauerte es fast zwanzig Jahre, bis das Vereinigte Königreich, gemeinsam mit Dänemark und Irland, der Gemeinschaft beitreten konnte.

Juni 1979: Das Europäische Parlament wird zum ersten Mal direkt gewählt

Im Juni 1979 wählten die Bürgerinnen und Bürger der nun neun Mitgliedsstaaten der Europäischen Gemeinschaft (EG) zum ersten Mal direkt die Abgeordneten des Europäischen Parlaments. Die Wahlbeteiligung erreichte den Rekordwert von knapp 62 Prozent – dieser Erfolg konnte in den folgenden Wahlen nicht mehr wiederholt werden. 410 Abgeordnete zogen nach der Wahl ins Parlament; heute umfasst es 751 Sitze.

1981, 1986 und 1989: Süderweiterung in zwei Etappen und Wiedervereinigung

Der Kreis der Wählerinnen und Wähler wuchs in den 1980er Jahren weiter: 1981 trat Griechenland der EG bei, 1986 kamen Portugal und Spanien dazu. Man sprach nun vom "Europa der 12". Nur wenige Jahre später veränderte außerdem das Ende des Ost-West-Konflikts die Europäische Gemeinschaft nachhaltig: Mit der Wiedervereinigung wurde die DDR quasi über Nacht Mitglied der EG.

15. Juni 1985: Schengener Abkommen

Im Juni 1985 entschieden die Staaten Belgien, Frankreich, Niederlande, Deutschland und Luxemburg mit dem Schengener Abkommen, die Kontrollen an ihren gemeinsamen Grenzen abzubauen. Im Laufe der Jahre sind viele weitere Länder dem Schengener Abkommen beigetreten, unter ihnen auch Länder, die nicht der EU angehören. Auf der anderen Seite haben nicht alle EU-Staaten das Schengener Abkommen unterzeichnet. Der Schengen-Raum ist daher nicht identisch mit dem EU-Raum.
Das "grenzenlose Reisen" gilt als eine der greifbarsten Errungenschaften der europäischen Integration. Die Zunahme der Migration Richtung Europa und Sicherheitsbedenken mit Blick auf Terroranschläge und organisierte Kriminalität hatten aber in den letzten Jahren Auswirkungen auf den Schengen-Raum. Zum einen wurden die EU-Außengrenzen stark aufgerüstet. Zum anderen sahen verschiedene Mitgliedstaaten sich dazu veranlasst, wieder Grenzkontrollen einzuführen. Auch der Ausbruch der Corona-Pandemie im Jahr 2020 veranlasste mehrere Staaten zur Wiedereinführung von Kontrollen an den Binnengrenzen.

1. November 1993: Vertrag von Maastricht

1993 trat der Maastrichter Vertrag in Kraft und begründete die Europäische Union (EU). Mit der EU verdichteten die Mitgliedsstaaten ihre Zusammenarbeit in einer Reihe von Politikfeldern weiter. Sie einigten sich unter anderem auf eine eigene europäische Gesetzgebung und die Gründung neuer europäischer Behörden wie den Rat der Europäischen Union. Der Vertrag enthielt zudem bereits den Plan zur Schaffung einer gemeinsamen europäischen Währung.

1. Januar 2002: Euro-Bargeld wird Zahlungsmittel

Im bargeldlosen Zahlungsverkehr gab es den Euro ab 1999. Am 1. Januar 2002 wurde er in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Währungsunion auch als Bargeld zum Zahlungsmittel. Die nach dem Vorbild der Bundesbank konzipierte Europäische Zentralbank erhielt die Aufgabe, für stabile Preise zu sorgen. Anders als befürchtet profitierte Deutschland nach der Euro-Einführung tatsächlich von Verbraucherpreisen, die konstanter als zu Zeiten der D-Mark waren.
Durch die in den USA ausgelöste Banken- und Finanzkrise erlebte die Europäische Währungsunion ab 2010 eine schwere Krise: Diese umfasste eine Staatsschuldenkrise, eine Bankenkrise und eine Wirtschaftskrise. Häufig wurde vom Begriff der "Eurokrise" gebrauch gemacht. Allerdings bezog sich diese Bezeichnung nicht auf den Außenwert des Euro, der 2010 und in den folgenden Jahre stabil blieb.

1. Februar 2003 und 1. Mai 2004 : Vertrag von Nizza und Osterweiterung

Im Februar 2003 trat der Vertrag von Nizza in Kraft. Dieser sollte die EU auf die bevorstehende Ost- und Süderweiterung vorbereiten: Um die Handlungsfähigkeit auch in einer wesentlich größeren EU nicht zu verlieren, verabschiedete man sich in vielen Politikfeldern vom Einstimmigkeitsprinzip. Außerdem sah der Vertrag von Nizza eine maximale Mitgliederzahl für die Europäische Kommission vor: Seit 2005 entsendet jedes Land nur noch eine Person in die Kommission. Bis dahin hatten größere Mitgliedstaaten je zwei Kommissionsmitglieder gestellt.
Im Mai 2004 kam es schließlich zur größten EU-Erweiterungsrunde: Polen, Tschechien, die Slowakei, Ungarn, Slowenien, die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen sowie die beiden Mittelmeerstaaten Malta und Zypern traten der EU bei. Rumänien und Bulgarien folgten Anfang 2007, 2013 schließlich Kroatien. Mit der Osterweiterung nahm die wirtschaftliche Heterogenität in der EU erheblich zu: Bis heute ist das Pro-Kopf-BIP in den seit 2004 aufgenommenen Ländern im Durchschnitt niedriger als in den übrigen EU-Staaten. Allerdings zeigen die Daten der letzten zehn Jahren hier eine Annäherung.

31. Januar 2020: Brexit

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