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Statistiken zur Geschichte der Europäischen Integration

Der Begriff "Europäische Integration" bezeichnet den seit den 1950er Jahren stetig laufenden Prozess der politischen, wirtschaftlichen und zivilgesellschaftlichen bzw. sozialen Annäherung und Zusammenarbeit in Europa, die laufende Aufnahme anderer Staaten in die Union und die zunehmende Verlagerung der Kompetenzen von der nationalen Ebene auf eine supranationale europäische Ebene.

Anfänge der "Europäische Integration"
Die Anfänge der Europäischen Union finden sich in der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS), die fünf Jahre nach dem verheerenden Zweiten Weltkrieg insbesondere aus einem Grund entstand: Um den Frieden in Europa zu sichern. So schlug der französische Außenminister Robert Schuman am 9. Mai 1950 eine sogenannte "Montanunion" vor, die eine gemeinsame Verwaltung der Kohle- und Stahlindustrie durch die lange in Konkurrenz stehenden Länder Deutschland und Frankreich vorsah. Die Schwerindustrie als gemeinsames Projekt wurde somit zum Instrument der Annährung und Zusammenarbeit genutzt. Konrad Adenauer, damaliger deutscher Bundeskanzler, erkannte dies als eine Möglichkeit für Deutschland, wieder in die Völkergemeinschaft aufgenommen zu werden und sich mit den westlichen Staaten zu versöhnen. Auch andere Länder wurden ausdrücklich bestärkt, sich der Gemeinschaft anzuschließen, und so trat 1952 die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl mit Deutschland, Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Luxemburg und Italien in Kraft. Bis heute sind Deutschland und Frankreich, die Initiatoren der Montanunion und oft auch als Motoren der EU bezeichnet, gegenseitig sehr wichtige Handelspartner füreinander. So gehört Frankreich zu den Hauptimporteuren deutscher Produkte, während das Land EU-weit der zweitgrößte Handelspartner für Deutschlands Importe ist.

Der Weg zur heutigen EU: Von Wirtschaftsgemeinschaft zu politischer Zusammenarbeit
Im Laufe der 1950er Jahre nahm die Bedeutung des verbindenden Elements Kohle ab, denn diese wurde zunehmend durch Öl und Erdgas als Energieträger ersetzt. So wurde auf der Konferenz von Messina 1955 über eine potenzielle Weiterentwicklung der EGKS zu allgemeinen überstaatlichen Institutionen im Wirtschaftsbereich beraten. Es wurden auf dieser Konferenz jedoch bereits auch Ziele gesetzt, die über die rein wirtschaftliche Zusammenarbeit hinausgingen. Es sollte neben der Abschaffung von Zollschranken auch eine politische Einigung Europas geben und eine allgemeine Verbesserung der Lebensstandards vorangebracht werden. Am 25. März 1957 wurde also die Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), als auch die Europäische Atomgemeinschaft (EAG oder Euratom) im Rahmen der Römischen Verträge von Belgien, Frankreich, der BRD, Italien, Luxemburg und den Niederlanden gegründet. Die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft stellte die Grundlage für einen einheitlichen europäischen Binnenmarkt mit Zollunion dar. Es wurden Freiheiten im Verkehr, für Personen, für Dienstleistungen und für Güter geschaffen, sodass sich Westeuropa sich zu einem einheitlichen Wirtschaftsraum entwickeln konnte. Doch bis heute haben sich die Länder in ihrer wirtschaftlichen Lage noch lange nicht angeglichen und nicht alle Staaten profitieren gleichermaßen von einer scheinbaren wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Erkenntlich wird dies beispielsweise in den Diskrepanzen der Arbeitslosenquoten, der Jugendarbeitslosigkeit der einzelnen Länder, den Diskrepanzen des Bruttoinlandsprodukts (BIP) der Staaten, als auch den Staatsverschuldungen.

Von Wirtschaft und Politik zur supranationalen Volkssouveränität: ein laufender Prozess
Das Schengener Abkommen im Jahr 1985 war nicht nur praktisch, sondern auch symbolisch ein wichtiger Schritt: das Öffnen der Binnengrenzen bedeutete mehr Zusammenarbeit, Zusammenhalt und „Vertrauen“ unter den einzelnen Staaten. Heute sind 22 der 27 EU-Mitgliedsstaaten Teil des Schengenraums. Die Europäische Union (EU), wie wir sie heute kennen, wurde 1992 mit dem Vertrag von Maastricht gegründet. Nun wurden mit der Stärkung des EU-Parlaments insbesondere die überstaatlichen Zuständigkeiten im Politikbereich erweitert und demokratische Verfahren für Entscheidungsprozesse optimiert. Die EU-Bevölkerung wird seither unmittelbar durch das Europäische Parlament repräsentiert, das alle fünf Jahre EU-weit gewählt wird. Die Exekutive, also die ausführende Gewalt, bildet die Europäische Kommission, während die Judikative, also die rechtssprechende Gewalt, durch den Gerichtshof der EU (EuGH) ausgeführt wird. Die Regierungen der einzelnen Mitgliedsstaaten sind im Europäischen Rat und Ministerrat vertreten. Mit der zunehmenden Verlagerung von Politik und Wirtschaft auf die supranationale Ebene, sowie der Möglichkeit für EU-Bürger in allen Mitgliedsstaaten leben, arbeiten und ohne Grenzkontrollen reisen zu können, bildet sich zunehmend eine europäische- bzw. hybride- Identität in der Bevölkerung aus. Eine europäische Identität, die die nationale gänzlich in den Hintergrund rücken lässt, ist in den meisten Ländern allerdings noch nicht vorhanden. Insbesondere die zunehmenden rechtspopulistischen und europakritischen Bewegungen, die sich auch in den EU-Wahlergebnissen widerspiegeln, bedeuten eine Herausforderung für den europäischen Zusammenhalt und verteidigen die nationale Identität in extremen Formen. So steht auch der Brexit für die Bestrebungen der britischen Bevölkerung, sich von einer supranationalen Volkssouveränität abzuwenden, mit der Überzeugung, dass Länder unter den Strukturen der EU finanziell und politisch leiden, während die Fokussierung auf rein nationale Interessen mit klarer Abgrenzung zu anderen Staaten von Vorteil seien.

Die Werte der EU für eine gemeinsame Identität
Gemeinsame Werte sind ein wichtiger Bestandteil der Europäischen Union. So gibt es nicht nur wirtschaftliche Voraussetzung, die für einen Beitritt in die Staatengemeinschaft erfüllt werden müssen, sondern auch Menschenrechte und demokratische Werte sind wichtige Richtlinien. So finden beispielsweise seit dem Jahr 2000 Beitrittsgespräche mit der Türkei statt, allerdings gibt es in puncto Menschenrechte, Freiheit und Demokratie eine Reihe von Diskrepanzen. Ankara erkennt religiöse Gruppen nicht als Minderheiten an und verfolgt sie zum Teil, es besteht keine vollkommene Meinungsfreiheit und Proteste werden gewaltsam niedergeschlagen. Im Vertrag von Lissabon über die Europäische Union ist festgelegt: "Die Werte, auf die sich die Union gründet, sind die Achtung der Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und die Wahrung der Menschenrechte, einschließlich der Rechte der Personen, die Minderheiten angehören. Diese Werte sind allen Mitgliedstaaten in einer Gesellschaft gemeinsam, die sich durch Pluralismus, Nichtdiskriminierung, Toleranz, Gerechtigkeit, Solidarität und die Gleichheit von Frauen und Männern auszeichnet." Insbesondere die Bedeutung der Würde des Menschen, die Wahrung der Menschenrechte und das Solidaritätsbestreben werden in Zusammenhang mit der Aufnahme von Asylsuchenden durch die EU oft thematisiert. Nicht nur die wiederholte Verhinderung der Seenotrettung für Flüchtlingsboote an den EU-Außengrenzen spaltet die Gesellschaft und die Staaten. Auch die Aufnahmezahlen von Geflüchteten in den einzelnen EU-Mitgliedsstaaten zeigen Uneinigkeit bei politischen Maßnahmen und Diskrepanzen der Wertevorstellungen.

Vertiefung der Europäischen Integration: Kultur- und Bildungsaustausch
Nicht nur wirtschaftlich sind Deutschland und Frankreich wichtige Kräfte in der EU, denn auch im Kultur- und Bildungsaustausch besteht eine in Europa einmalige Zusammenarbeit der beiden ehemals verfeindeten Länder. So ist der europäische Kulturkanal ARTE ein gemeinsames Projekt der Länder und ein Paradebeispiel deutsch-französischer Verbundenheit. Auch das Deutsch-Französische Jugendwerk (DFJW) ist eine wertvolle Errungenschaft, um interkulturelle Begegnungen im Schul- und Hochschulrahmen durch Austausche, Praktika, Sport, Wissenschaft, Sprachkurse sowie Aus- und Fortbildungen zu fördern. Die Wahrnehmung eines "Europas" kann dank des freien Arbeitsmarktes und Bildungsaustausches zu einer nahezu selbstverständlichen Dimension der Bevölkerung werden. So sind Angebote wie das ERASMUS-Programm einerseits ein Zeichen der bereits erfolgreich vollzogenen europäischen Integration, gleichzeitig sind sie auch Teil der sich stetig weiterentwickelnden Annäherung aller EU-Länder. ERASMUS bietet EU-Studenten die Möglichkeit, Teil ihres Studiums im Ausland zu absolvieren. Allein aus Deutschland gab es 2017 über 32.000 Studenten und Studentinnen, die das Angebot nutzten. Auch für die vielen unterschiedlichen Sprachen Europas findet eine zunehmende Inklusion statt, die sich mit keinen anderen internationalen Organisationen und Sprachensystemen anderer Staaten vergleichen lässt. So gibt es mittlerweile 24 offizielle Amtssprachen in der Europäischen Union, während beispielsweise die Vereinten Nationen (UN) nur sechs offizielle Sprachen festgelegt haben.

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