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Statistiken zur Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

Die Bundesrepublik Deutschland wurde am 23. Mai 1949 durch die Verabschiedung des Grundgesetzes gegründet. Sie bestand zunächst aus elf Bundesländern: Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein, Württemberg-Hohenzollern, Württemberg-Baden und Baden. Die drei letztgenannten wurden 1952 zu einem Bundesland verschmolzen. Das Saarland kam erst später zur Bundesrepublik (1957) und für West-Berlin galt noch ein Sonderstatus. Der Osten Deutschlands (nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg Sowjetische Besatzungszone) bildete dagegen ab dem 7. Oktober 1949 das Staatsgebiet der Deutschen Demokratischen Republik (DDR).

Mit der Gründung der beiden Staaten wurde die Teilung Deutschlands zur Tatsache. Gleichzeitig war es für das Selbstverständnis der Bundesrepublik elementar, diese Teilung als vorläufig zu betrachten. Das Grundgesetz sollte nicht dauerhaft sein und wurde daher auch nicht als Verfassung bezeichnet. Und als man Bonn, und nicht Berlin, zur Bundeshauptstadt machte, wollte man damit auch den provisorischen Charakter der Bundesrepublik unterstreichen.

Konrad Adenauer und die Westintegration der Bundesrepublik

Die Geschichte der Bundesrepublik zeichnet sich durch eine auffällige Stabilität aus (vor allem, wenn man sie mit den politischen Wirren der Weimarer Republik vergleicht). Zwischen 1949 und 1969 stellte die CDU/CSU den Bundeskanzler. Erster Kanzler (von 1949 bis 1963) wurde Konrad Adenauer. Dieser bekannte sich bereits in seiner Antrittsrede zur Aussöhnung mit dem "Erbfeind" Frankreich und zur europäischen Integration. Die Verankerung der Bundesrepublik in Westeuropa bildete den außenpolitischen Pfeiler seiner Kanzlerschaft. So wurde Westdeutschland 1951 Gründungsmitglied der Montanunion (dem Vorläufer der späteren Europäischen Union) und 1955 Mitglied der NATO. Die Westintegration ging mit einer zunehmenden Abgrenzung zum Osten einher, die die bipolare Weltordnung des Kalten Krieges zementierte.

Wirtschaftswunder

Äußerst bedeutsam für die Bundesrepublik sollte werden, dass sich Konrad Adenauer zum Prinzip der sozialen Marktwirtschaft bekannte. Nachdem die ersten Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg von Hunger und Wohnungsknappheit gezeichnet waren, erlebte die deutsche Wirtschaft ab 1950 einen regelrechten Boom. Während Bruttoinlandsprodukt und Volkseinkommen wuchsen, investierten die Deutschen ihren neuen Reichtum in Möbel und Haushaltswaren, Automobile und Reisen. Technische Geräte wie Telefone, Kühlschranke und Waschmaschinen wurden in den 60er Jahren in immer mehr Haushalten zur Normalität. Dieser "Kaufrausch" markierte gemeinsam mit dem Autoboom und der neuen Reiselust den Weg in die Wohlstands- und Konsumgesellschaft.

Die "Gastarbeiter" kommen

Obwohl in den 1950er Jahren fast zwei Millionen Menschen aus dem Osten zuwanderten und viele Beschäftigte aus der Landwirtschaft in andere Wirtschaftssektoren wechselten, gab es Ende des Jahrzehnts kaum noch Arbeitslosigkeit. Tatsächlich gab es bereits Anfang der 50er Jahre in manchen Berufen einen Arbeitskräftemangel. Das hatte zunächst noch mit den Folgen des Zweiten Weltkriegs zutun: Viele Männer waren im Krieg gestorben, in Kriegsgefangenschaft geraten oder aufgrund von Kriegsverletzungen arbeitsunfähig. Vor allem im Bergbau war das ein Problem. Wirtschaftsminister Ludwig Erhard setzte sich daher dafür ein, ausländische Arbeiter anzuwerben. In den 50er und 60er Jahren wurden so genannte "Anwerbeabkommen" mit verschiedenen europäischen Staaten abgeschlossen. Anders als das Wort "Gastarbeiter" suggerierte, wurde für einen Teil der Zugezogenen Deutschland zur neuen Heimat.

Brüche im Frauenbild und die Sexy Sixties

Viele Unternehmen versuchten, mit Hilfe von Werbung von der wachsenden Kaufkraft der Deutschen zu profitieren. Diese umwarb in den 50er und 60er Jahren besonders die Frau in ihrer Rolle als Ehegattin, Hausfrau und Mutter. Tatsächlich waren die 50er Jahre familienpolitisch eine recht konservative Zeit. Die aus dem Krieg zurückkehrenden Männer drängten Frauen aus den Berufen und zurück ins Heim und an den Herd. Noch 1961 erschwerte die Politik die Ehescheidung per Gesetz. Diese Entwicklung wurde in den 60er Jahren durch die Frauenbewegung gebremst und Ende der 60er Jahre schließlich umgekehrt. Unter anderem entwickelte sich eine Debatte um den Paragraphen 218, der den Schwangerschaftsabbruch unter Strafe stellte. 1976 führte die Regierung eine "Indikationslösung" ein, durch den ein Schwangerschaftsabbruch in Ausnahmefällen straffrei war.

Beeinflusst wurde das Rollenverhalten damals auch durch die 1961 eingeführte Antibabypille. Die Pille löste eine Aufklärungswelle aus, durch die Sexualität entscheidend enttabuisiert wurde. Die Lockerung der Sexualmoral fand auch ihren Niederschlag in einer Strafrechtsreform: Homosexualität und Ehebruch wurde entkriminalisiert und der so genannte Kuppelei-Paragraph gestrichen.

Die 68er-Bewegung

Die späten 60er Jahre waren von gesellschaftlichen Umbrüchen und Konflikten gezeichnet. Seit dem 1. Dezember 1966 regierte in Bonn eine große Koalition aus den Volksparteien CDU/CSU und SPD. Die parlamentarische Opposition, bestehend aus der FDP, brachte es gerade auf 49 Abgeordnete. Diese Situation im Parlament ließ die Außerparlamentarische Opposition (APO) erstarken: Vor allem Studierende und Intellektuelle protestierten gegen die Macht des "verkrusteten" Staates und die Übermacht der Springer-Presse, für mehr Mitbestimmung, eine Aufarbeitung der Nazi-Zeit, aber auch gegen den Krieg der USA in Vietnam. Dabei bedienten sie sich friedlicher Protestformen wie dem Sitzstreik ("Sit-ins"), es kam aber auch zu gewalttätigen Straßenschlachten mit vielen Verletzten.

Am 2. Juni 1967 wurde bei einer Demonstration in Berlin der Student Benno Ohnesorg von einem Polizeibeamten in Zivil erschossen. Ohnesorgs Tod spaltete die Studentenbewegung. Ein Teil radikalisierte sich, was schließlich zur Gründung der RAF und der "Bewegung 2. Juni" führte. Andere blieben auf dem legalen Weg und machte sich auf den "langen Marsch durch die Institutionen".

Die Regierungszeit Willy Brandts

Am 21. Oktober 1969 wählte eine sozialliberale Koalition aus SPD und FDP Willy Brandt zum neuen Bundeskanzler. Brandt war der erste sozialdemokratische Bundeskanzler der Bundesrepublik. Bereits eine Woche nach seiner Wahl verkündete er ein umfangreiches Reformprogramm. Unter seinem Motto "Mehr Demokratie wagen“ erweiterte er die politische Partizipation, z.B. durch ein neues Betriebsverfassungsgesetz und das Herabsenken des Wahlalters von 21 auf 18 Jahre.

Ein Schwerpunkt der sozialliberalen Reformpolitik lag auf der Bildung. Über die Notwendigkeit einer Bildungsreform war man sich über die Parteigrenzen hinweg einig. Damals studierten nur etwa acht Prozent eines Jahrgangs, und Frauen und Kinder aus Arbeiterfamilien waren deutlich unterrepräsentiert. Daher wurden in den späten 60er und frühen 70er Jahren die Hochschulen ausgebaut und vergrößert. Andere Hochschulen wurden neu gegründet (zum Beispiel in Bochum, Bielefeld und Passau).

Außenpolitisch trat Brandt für einen Umgestaltung der Ostpolitik ein. Er erklärte sich zu gleichberechtigten Verhandlungen mit der DDR bereit: Der neue Begriff lautete "Zwei Staaten – eine Nation". Brandts auf einer Reihe von Verträgen (Ostverträge) basierende Entspannungspolitik verlief nicht gradlinig. Dennoch führte sie zu Rüstungsbegrenzungen und zu intensiven wirtschaftlichen und kulturellen Kontakten zwischen Ost und West. Einen Höhepunkt der Entspannungspolitik bildete die Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) von 1973 bis 1975.

Krisen in den 70er Jahren

Eine große Wirtschaftskrise und der Terrorismus der RAF stellten Westdeutschland in den 70er Jahren vor große Herausforderungen. 1974/75 erschütterte eine tiefe Rezession die Bundesrepublik. Das wirtschaftliche Wachstum schrumpfte 1975 um 0,9 Prozent und es kam zum ersten Mal seit langer Zeit zu Massenarbeitslosigkeit. Die Krise hatte verschiedene Gründe. Unter anderem führte ein enormer Anstieg der Rohölpreise zum so genannten "Ölpreisschock", der die Konjunktur stark belastete. Nach 1975 setzte die Bundesrepublik vermehrt auf die eigene Ölproduktion, um weniger abhängig von den arabischen Staaten zu sein. So entstanden viele Bohrinseln in der Nordsee. Aber auch die Entwicklung der Atomenergie wurde von nun an vorangetrieben.

In den 70er Jahren kam es zu einer Reihe grausamer Terroranschläge durch die Rote Armee Fraktion (RAF), die sich gegen führende Repräsentanten des Staates richteten. Zur Bekämpfung des Terrorismus verschärfte die Bundesregierung (die Terroranschläge fielen in die Amtszeit von Kanzler Helmut Schmidt) mehrfach das Strafrecht. Im "Deutschen Herbst" 1977 trat kurzzeitig erstmals die Notstandsverfassung in Kraft, als die RAF den Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer und ein Flugzeug der Lufthansa entführten.

Die Bildung neuer Protestbewegungen

Die Aufbruchstimmung, die Willy Brandts Amtsantritt ausgelöst hatte, wurde durch die Wirtschaftsrezession ausgebremst. Dies führte gemeinsam mit dem Ausbau der Atomenergie zu einer neuen Entfremdung zwischen Bürgern und Regierung. Es bildeten sich Bürgerinitiativen, die sich zunächst vor Ort gegen den Bau von Atomreaktoren wandten. Die Initiativen griffen mehr und mehr auch andere Themen aus dem Bereich der Umweltpolitik und schließlich auch die Rüstungsfrage auf. In zahlreichen Großdemonstrationen kämpfte man (letztlich erfolglos) gegen den NATO-"Doppelbeschluss". Aus der neuen Bürgerbewegung ging 1978 die Partei der Grünen hervor, die 1983 erstmals den Sprung in den Bundestag schaffte.

Deutsche Wiedervereinigung

In den 1980er Jahren beschleunigten friedliche Massendemonstrationen in der Deutschen Demokratischen Republik den Machtzerfall des SED-Regimes. Am 9. November 1989 kam es in der DDR zur "Wende": Die Mauer fiel und es wurden Rufe laut, die deutsche Teilung von 1949 zu überwinden. Bereits ein knappes Jahr später – am 3. Oktober 1990 – wurden die beiden Teile Deutschlands wiedervereinigt und die DDR trat der Bundesrepublik Deutschland bei.

Wichtige Kennzahlen

Die wichtigsten Kennzahlen liefern Ihnen eine kompakte Zusammenfassung des Themas "Geschichte der Bundesrepublik bis 1990" und bringen Sie direkt zu den zugehörigen Statistikseiten.

Bevölkerung

Bundestagswahlen und Kanzler

Wirtschaftswachstum

Arbeit

Freizeit & Konsum

Familie & Sexualität

Geschlechterverhältnis

Sozialstruktur

Bildungsexpansion und Studentenproteste

Umweltbewegung

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Die Bundesrepublik Deutschland wurde am 23. Mai 1949 durch die Verabschiedung des Grundgesetzes gegründet. Sie bestand zunächst aus elf Bundesländern: Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein, Württemberg-Hohenzollern, Württemberg-Baden und Baden. Die drei letztgenannten wurden 1952 zu einem Bundesland verschmolzen. Das Saarland kam erst später zur Bundesrepublik (1957) und für West-Berlin galt noch ein Sonderstatus. Der Osten Deutschlands (nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg Sowjetische Besatzungszone) bildete dagegen ab dem 7. Oktober 1949 das Staatsgebiet der Deutschen Demokratischen Republik (DDR).

Mit der Gründung der beiden Staaten wurde die Teilung Deutschlands zur Tatsache. Gleichzeitig war es für das Selbstverständnis der Bundesrepublik elementar, diese Teilung als vorläufig zu betrachten. Das Grundgesetz sollte nicht dauerhaft sein und wurde daher auch nicht als Verfassung bezeichnet. Und als man Bonn, und nicht Berlin, zur Bundeshauptstadt machte, wollte man damit auch den provisorischen Charakter der Bundesrepublik unterstreichen.

Konrad Adenauer und die Westintegration der Bundesrepublik

Die Geschichte der Bundesrepublik zeichnet sich durch eine auffällige Stabilität aus (vor allem, wenn man sie mit den politischen Wirren der Weimarer Republik vergleicht). Zwischen 1949 und 1969 stellte die CDU/CSU den Bundeskanzler. Erster Kanzler (von 1949 bis 1963) wurde Konrad Adenauer. Dieser bekannte sich bereits in seiner Antrittsrede zur Aussöhnung mit dem "Erbfeind" Frankreich und zur europäischen Integration. Die Verankerung der Bundesrepublik in Westeuropa bildete den außenpolitischen Pfeiler seiner Kanzlerschaft. So wurde Westdeutschland 1951 Gründungsmitglied der Montanunion (dem Vorläufer der späteren Europäischen Union) und 1955 Mitglied der NATO. Die Westintegration ging mit einer zunehmenden Abgrenzung zum Osten einher, die die bipolare Weltordnung des Kalten Krieges zementierte.

Wirtschaftswunder

Äußerst bedeutsam für die Bundesrepublik sollte werden, dass sich Konrad Adenauer zum Prinzip der sozialen Marktwirtschaft bekannte. Nachdem die ersten Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg von Hunger und Wohnungsknappheit gezeichnet waren, erlebte die deutsche Wirtschaft ab 1950 einen regelrechten Boom. Während Bruttoinlandsprodukt und Volkseinkommen wuchsen, investierten die Deutschen ihren neuen Reichtum in Möbel und Haushaltswaren, Automobile und Reisen. Technische Geräte wie Telefone, Kühlschranke und Waschmaschinen wurden in den 60er Jahren in immer mehr Haushalten zur Normalität. Dieser "Kaufrausch" markierte gemeinsam mit dem Autoboom und der neuen Reiselust den Weg in die Wohlstands- und Konsumgesellschaft.

Die "Gastarbeiter" kommen

Obwohl in den 1950er Jahren fast zwei Millionen Menschen aus dem Osten zuwanderten und viele Beschäftigte aus der Landwirtschaft in andere Wirtschaftssektoren wechselten, gab es Ende des Jahrzehnts kaum noch Arbeitslosigkeit. Tatsächlich gab es bereits Anfang der 50er Jahre in manchen Berufen einen Arbeitskräftemangel. Das hatte zunächst noch mit den Folgen des Zweiten Weltkriegs zutun: Viele Männer waren im Krieg gestorben, in Kriegsgefangenschaft geraten oder aufgrund von Kriegsverletzungen arbeitsunfähig. Vor allem im Bergbau war das ein Problem. Wirtschaftsminister Ludwig Erhard setzte sich daher dafür ein, ausländische Arbeiter anzuwerben. In den 50er und 60er Jahren wurden so genannte "Anwerbeabkommen" mit verschiedenen europäischen Staaten abgeschlossen. Anders als das Wort "Gastarbeiter" suggerierte, wurde für einen Teil der Zugezogenen Deutschland zur neuen Heimat.

Brüche im Frauenbild und die Sexy Sixties

Viele Unternehmen versuchten, mit Hilfe von Werbung von der wachsenden Kaufkraft der Deutschen zu profitieren. Diese umwarb in den 50er und 60er Jahren besonders die Frau in ihrer Rolle als Ehegattin, Hausfrau und Mutter. Tatsächlich waren die 50er Jahre familienpolitisch eine recht konservative Zeit. Die aus dem Krieg zurückkehrenden Männer drängten Frauen aus den Berufen und zurück ins Heim und an den Herd. Noch 1961 erschwerte die Politik die Ehescheidung per Gesetz. Diese Entwicklung wurde in den 60er Jahren durch die Frauenbewegung gebremst und Ende der 60er Jahre schließlich umgekehrt. Unter anderem entwickelte sich eine Debatte um den Paragraphen 218, der den Schwangerschaftsabbruch unter Strafe stellte. 1976 führte die Regierung eine "Indikationslösung" ein, durch den ein Schwangerschaftsabbruch in Ausnahmefällen straffrei war.

Beeinflusst wurde das Rollenverhalten damals auch durch die 1961 eingeführte Antibabypille. Die Pille löste eine Aufklärungswelle aus, durch die Sexualität entscheidend enttabuisiert wurde. Die Lockerung der Sexualmoral fand auch ihren Niederschlag in einer Strafrechtsreform: Homosexualität und Ehebruch wurde entkriminalisiert und der so genannte Kuppelei-Paragraph gestrichen.

Die 68er-Bewegung

Die späten 60er Jahre waren von gesellschaftlichen Umbrüchen und Konflikten gezeichnet. Seit dem 1. Dezember 1966 regierte in Bonn eine große Koalition aus den Volksparteien CDU/CSU und SPD. Die parlamentarische Opposition, bestehend aus der FDP, brachte es gerade auf 49 Abgeordnete. Diese Situation im Parlament ließ die Außerparlamentarische Opposition (APO) erstarken: Vor allem Studierende und Intellektuelle protestierten gegen die Macht des "verkrusteten" Staates und die Übermacht der Springer-Presse, für mehr Mitbestimmung, eine Aufarbeitung der Nazi-Zeit, aber auch gegen den Krieg der USA in Vietnam. Dabei bedienten sie sich friedlicher Protestformen wie dem Sitzstreik ("Sit-ins"), es kam aber auch zu gewalttätigen Straßenschlachten mit vielen Verletzten.

Am 2. Juni 1967 wurde bei einer Demonstration in Berlin der Student Benno Ohnesorg von einem Polizeibeamten in Zivil erschossen. Ohnesorgs Tod spaltete die Studentenbewegung. Ein Teil radikalisierte sich, was schließlich zur Gründung der RAF und der "Bewegung 2. Juni" führte. Andere blieben auf dem legalen Weg und machte sich auf den "langen Marsch durch die Institutionen".

Die Regierungszeit Willy Brandts

Am 21. Oktober 1969 wählte eine sozialliberale Koalition aus SPD und FDP Willy Brandt zum neuen Bundeskanzler. Brandt war der erste sozialdemokratische Bundeskanzler der Bundesrepublik. Bereits eine Woche nach seiner Wahl verkündete er ein umfangreiches Reformprogramm. Unter seinem Motto "Mehr Demokratie wagen“ erweiterte er die politische Partizipation, z.B. durch ein neues Betriebsverfassungsgesetz und das Herabsenken des Wahlalters von 21 auf 18 Jahre.

Ein Schwerpunkt der sozialliberalen Reformpolitik lag auf der Bildung. Über die Notwendigkeit einer Bildungsreform war man sich über die Parteigrenzen hinweg einig. Damals studierten nur etwa acht Prozent eines Jahrgangs, und Frauen und Kinder aus Arbeiterfamilien waren deutlich unterrepräsentiert. Daher wurden in den späten 60er und frühen 70er Jahren die Hochschulen ausgebaut und vergrößert. Andere Hochschulen wurden neu gegründet (zum Beispiel in Bochum, Bielefeld und Passau).

Außenpolitisch trat Brandt für einen Umgestaltung der Ostpolitik ein. Er erklärte sich zu gleichberechtigten Verhandlungen mit der DDR bereit: Der neue Begriff lautete "Zwei Staaten – eine Nation". Brandts auf einer Reihe von Verträgen (Ostverträge) basierende Entspannungspolitik verlief nicht gradlinig. Dennoch führte sie zu Rüstungsbegrenzungen und zu intensiven wirtschaftlichen und kulturellen Kontakten zwischen Ost und West. Einen Höhepunkt der Entspannungspolitik bildete die Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) von 1973 bis 1975.

Krisen in den 70er Jahren

Eine große Wirtschaftskrise und der Terrorismus der RAF stellten Westdeutschland in den 70er Jahren vor große Herausforderungen. 1974/75 erschütterte eine tiefe Rezession die Bundesrepublik. Das wirtschaftliche Wachstum schrumpfte 1975 um 0,9 Prozent und es kam zum ersten Mal seit langer Zeit zu Massenarbeitslosigkeit. Die Krise hatte verschiedene Gründe. Unter anderem führte ein enormer Anstieg der Rohölpreise zum so genannten "Ölpreisschock", der die Konjunktur stark belastete. Nach 1975 setzte die Bundesrepublik vermehrt auf die eigene Ölproduktion, um weniger abhängig von den arabischen Staaten zu sein. So entstanden viele Bohrinseln in der Nordsee. Aber auch die Entwicklung der Atomenergie wurde von nun an vorangetrieben.

In den 70er Jahren kam es zu einer Reihe grausamer Terroranschläge durch die Rote Armee Fraktion (RAF), die sich gegen führende Repräsentanten des Staates richteten. Zur Bekämpfung des Terrorismus verschärfte die Bundesregierung (die Terroranschläge fielen in die Amtszeit von Kanzler Helmut Schmidt) mehrfach das Strafrecht. Im "Deutschen Herbst" 1977 trat kurzzeitig erstmals die Notstandsverfassung in Kraft, als die RAF den Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer und ein Flugzeug der Lufthansa entführten.

Die Bildung neuer Protestbewegungen

Die Aufbruchstimmung, die Willy Brandts Amtsantritt ausgelöst hatte, wurde durch die Wirtschaftsrezession ausgebremst. Dies führte gemeinsam mit dem Ausbau der Atomenergie zu einer neuen Entfremdung zwischen Bürgern und Regierung. Es bildeten sich Bürgerinitiativen, die sich zunächst vor Ort gegen den Bau von Atomreaktoren wandten. Die Initiativen griffen mehr und mehr auch andere Themen aus dem Bereich der Umweltpolitik und schließlich auch die Rüstungsfrage auf. In zahlreichen Großdemonstrationen kämpfte man (letztlich erfolglos) gegen den NATO-"Doppelbeschluss". Aus der neuen Bürgerbewegung ging 1978 die Partei der Grünen hervor, die 1983 erstmals den Sprung in den Bundestag schaffte.

Deutsche Wiedervereinigung

In den 1980er Jahren beschleunigten friedliche Massendemonstrationen in der Deutschen Demokratischen Republik den Machtzerfall des SED-Regimes. Am 9. November 1989 kam es in der DDR zur "Wende": Die Mauer fiel und es wurden Rufe laut, die deutsche Teilung von 1949 zu überwinden. Bereits ein knappes Jahr später – am 3. Oktober 1990 – wurden die beiden Teile Deutschlands wiedervereinigt und die DDR trat der Bundesrepublik Deutschland bei.

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