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Statistiken zum Nationalsozialismus

Am 30. Januar 1933 ernannte Reichspräsident Paul von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler. Dieser Tag leitete das Ende der Weimarer Republik ein. Die Demokratie existierte offiziell zwar noch, doch Hitlers Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) war nun in einer guten Position, um die politische Konkurrenz einzuschüchtern und zu diskreditieren. Die Reichstagswahlen vom 5. März 1933, aus denen die NSDAP als stärkste Fraktion hervorging, waren so schon keine freien mehr. Im selben Monat noch erließ der neue Reichstag das Ermächtigungsgesetz, mit dem er sich selbst quasi ausschaltete. Die NSDAP wurde zur einzigen Partei im Reich und Adolf Hitler zum Alleinherrscher.

Autoritäre Regime waren dem Europa zwischen den Weltkriegen nichts Fremdes. Die Umwerfungen durch den Ersten Weltkrieg und die Wirtschaftskrise hatten in vielen Ländern Diktaturen, Militärregime oder faschistische Systeme hervorgebracht. Worin sich das NS-Deutschland aber von vielen anderen autoritären Staaten unterschied, war die Brutalität, mit der das Regime seine Führung durchsetzte. Mithilfe von Terror und Propaganda gelang es den Nationalsozialisten, in nur wenigen Wochen eine totalitäre Diktatur zu errichten. Mittelpunkt dieser Diktatur war Hitler, um den ein fanatischer Personenkult gepflegt wurden. Menschen, die gegen ihn waren, bekämpfte er gnadenlos, Meinungsfreiheit existierte nicht: Politische Gegner wurden ausgeschaltet (nicht selten ermordet), kritische Zeitungen verboten, Organisationen mit anderem Weltbild aufgelöst.

Neben Kritikern und Konkurrenten verfolgte Hitler aber auch von Anfang an Menschen, die er für minderwertig hielt: In Deutschland lebten 1933 etwa 500.000 Juden (0,8 Prozent der Gesamtbevölkerung). Sie und alle anderen Juden Europas wollte Hitler vernichten, weil er sie als Bedrohung für das "deutsche Volk" sah. Er befeuerte den ohnehin grassierenden deutschen Antisemitismus, stachelte zu Gewalt an und erlies Gesetze, die jüdische Menschen demütigten und erniedrigten. Jüdische Kinder durften nicht mehr zur Schule gehen, Erwachsene verloren ihre Arbeit. Ab 1941 mussten Juden einen gelben Stern tragen, um für alle erkennbar zu sein.

Juden wurden alleine aufgrund ihrer Abstammung und ihrer Zuordnung zur "jüdischen Rasse" verhaftet und in Konzentrations- und Vernichtungslagergebracht. In diese Lager kamen auch andere Menschen - Sinti und Roma, Menschen mit Behinderungen, Homosexuelle oder sogenannte "Asoziale". Viele wurden direkt nach ihrer Ankunft in den Lagern systematisch ermordet. Andere mussten arbeiten und starben an Erschöpfung oder wurden umgebracht, wenn sie nicht mehr weiter konnten. Insgesamt wurden in Europa bis 1945 mehr als sechs Millionen Juden ermordet. Diesen Völkermord an den Juden nennt man Holocaust. Der Völkermord an den Sinti und Roma (Porajmos) forderte europaweit zwischen 250.000 bis 500.000 Opfer, genaue Zahl sind noch unbekannt.

Wer wählte Hitler?

Noch heute fragen sich Historiker, wie es zu den Verbrechen der Nationalsozialisten kommen konnte. Einig sind sie sich darin, dass der Weg Hitlers zur Macht und schließlich bis nach Auschwitz nichts zwangsläufiges hatte. Es war nicht das "Schicksal" der Deutschen, Völkermorde zu begehen und erneut einen Weltkrieg auszulösen. Vielmehr gab es Wendepunkte, an denen auch andere Entwicklungen möglich gewesen wären. So war es das Zusammentreffen verschiedener Entscheidungen, Personen und Strukturen, die Hitler die Machtergreifung möglich machten. Ohne die Wahlerfolge der NSDAP wäre sie aber unmöglich geblieben. Die Deutschen wählten also buchstäblich die Demokratie ab, indem sie die kleine Splitterpartei NSDAP (2,6 Prozent 1928) zur stärksten politischen Kraft im Deutschen Reich machten.

Während der Reichstagswahlen vom 31. Juli 1932 erreichte die NSDAP das Rekordergebnis von 37,27 Prozent der Wählerstimmen. Noch fataler: Die demokratischen, staatstragenden Parteien der Weimarer Republik verloren bei der selben Wahl viele Stimmen und eroberten gemeinsam nur noch 38,8 Prozent der Parlamentssitze. Meinungsumfragen gab es damals noch nicht, deswegen hat man zu den Motiven der Wähler keine genauen Angaben. Dafür gibt es viele Daten, die erzählen, wer die Wähler waren. Interessant für Historiker ist insbesondere die Frage, wie sich die Arbeiter verhalten hatten. Führten Arbeitslosigkeit und Wirtschaftskrise dazu, dass Arbeiter den Nationalsozialisten in die Arme liefen?

Forschungen zur NSDAP zeigen, dass überproportional viele Mitglieder und Wähler der Partei aus dem (protestantischen) Mittelstand stammten. Die NSDAP war jedoch auch für eine große Zahl von Arbeitern attraktiv: In den Jahren nach der "Machtergreifung" übten mehr als 30 Prozent der Neueintretenden einen Arbeiterberuf aus. Das zeigt, dass es der NSDAP doch auch gelungen ist, weit über die Mittelschicht hinaus Anhänger zu finden. Ein ähnliches Ergebnis liefern Analysen zum Wählerzuwachs, die zeigen, dass die NSDAP neue Wähler aus einem breiten Parteienspektrum gewinnen konnte. Heute beschreibt man die NSDAP daher in der Forschung als eine rechtsradikale Volks- oder Massenpartei, die Wähler aus verschiedenen Milieus an sich binden konnte.

Das Dritte Reich – ein Reich der Jugend?

Von Beginn an verstand sich der Nationalsozialismus als eine dynamische, junge Bewegung. Das Altersprofil von Parteiführung, Mitgliedern und Wählern war auffällig jung. Und tatsächlich hatten die Nationalsozialisten an den Bereichen Schule und Erziehung ein ganz besonderes Interesse: Beim Versuch, die Lebensweise der "Volkes" in allen Bereichen nationalsozialistisch auszurichten, kam der Kontrolle von Kindern und Jugendlichen eine Schlüsselrolle zu.

In der Weimarer Republik hatte es eine vielfältige Jugendbewegung mit zahlreichen Verbänden und Bünden gegeben. Nach 1933 strebte der Reichsjugendführer Baldur von Schirach für die nationalsozialistische Hitlerjugend (HJ) und den Bund Deutscher Mädel (BDM) eine Monopolstellung an – alle Jugendorganisationen wurden verboten oder der HJ eingegliedert. Die Mitgliedschaft blieb zwar zunächst freiwillig, war aber für viele Bereiche des öffentlichen Lebens obligatorisch. Die Zahl der Mitglieder stieg nach 1933 entsprechend beständig an, 1939 waren schließlich rund 85 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in den betreffenden Altersgruppen als Mitglieder registriert . Ab dem 3. März 1939 war die HJ-Mitgliedschaft schließlich für alle Jungen und Mädchen zwischen zehn und 18 Jahren Pflicht, eine Verweigerung konnte geahndet werden.

Es gab Jugendliche, die sich der HJ und dem Nationalsozialismus insgesamt widersetzten. Menschen wie die Geschwister Hans und Sophie Scholl, die mit Flugblättern ihre Mitstudenten der Münchner Universität wachrütteln wollten und ihr Engagement mit ihrem Leben bezahlten: Im Februar 1943 wurden beide von den Nationalsozialisten ermordet. Beim weitaus größten Teil deutscher Jugendlicher aber fruchtete die nationalsozialistische Erziehungsdiktatur. Das lag auch daran, dass HJ und BDM gut an Teile der bürgerlichen Jugendbewegungen der Weimarer Republik anschließen konnten. Hier hatten Bündische Jugendgruppen schon früh Werte wie Gefolgschaft, Ehre und Dienst propagiert und die deutsche Nationalkultur idealisiert. Andere Leitbilder der Weimarer Jungendbewegungen wie Toleranz, Frieden und Menschenwürde wurden dagegen diffamiert. Letztendlich wurden Vertrauen und Tatendrang der Jugendlichen benutzt, um sie im Sinner der nationalsozialistischen Ideologie zu indoktrinieren.

Besonders manifest wurde dieser Missbrauch der Jugend während des Zweiten Weltkrieges. Als nicht mehr genug erwachsene Männer für die Wehrmacht zur Verfügung standen, erklärte 1943 der neue Reichsjugendführer Arthur Axmann den "Kriegseinsatz der deutschen Jugend". Schüler ab 17 Jahren zogen in den Krieg, die meisten von ihnen als sogenannte "Flakhelfer" in der Flugabwehr. Wie viele von ihnen gestorben sind, weiß man bis heute nicht genau. Kurz vor Kriegsende scheuten die Nationalsozialisten nicht davor, selbst 15-Jährige einzusetzen.

Welche Rolle hatten Frauen in NS-Staat?

Der Nationalsozialismus strebte eine militarisierte Männergesellschaft an. Für die Frau sah er die Rolle der Mutter und "Dienerin" des Mannes vor. Gerade um die Mutterschaft gab es einen regelrechten "braunen" Kult (Mutterkreuz und Muttertag). Die Berufstätigkeit von Frauen dagegen wurde von Hitler, aber auch von einem großen Teilen der Bevölkerung, strikt abgelehnt. Dies galt besonders für die Arbeit in der Industrie. Entsprechend wurden nach 1933 Ehen und Geburten politisch und finanziell gefördert. Dadurch sollten die Geburtenzahlen erhöht werden. Allerdings gelang es weder der nationalsozialistischen Ideologie, noch den sozialpolitischen Programmen, den langfristigen Trend sinkender Geburtenraten umzukehren. Nach 1933 stiegen die Zahlen zwar leicht: 1937 bekamen Frauen im Deutschen Reich im Schnitt zwei Kinder. Diese Zahl war allerdings weit entfernt von Hitlers propagierter kinderreichen Großfamilie.

Kinder sollten im Nationalsozialismus zwar möglichst viele geboren werden, allerdings nicht von jeder Frau. Die NS-Propaganda hatte die "germanische, arische" Frau im Blick. Sogenannte "Mischehen" mit Juden waren aus Gründen der "Rassenhygiene" verboten. Und Menschen mit Behinderungen oder psychischen Erkrankungen durften gar keine Familien gründen: Um die "Erbgesundheit" zu schützen, wurden etwa 400.000 Menschen zwangssterilisiert (von denen 5.000 an den Folgen der Operationen starben), viele Tausende wurden systematisch ermordet.

Wie bei der Familienplanung klaffte bei der Frauenarbeit in der NS-Zeit eine Lücke zwischen Anspruch und Realität. Die Berufsstätigkeit von Frauen war in den 1930er Jahren verbreitet und notwendig. Viele Frauen, die in der Industrie arbeiteten, waren außerdem verheiratet. Das war in den 1920er Jahren noch anders gewesen. Von Historikern wird dies als Indiz gewertet, dass Erwerbsarbeit eine immer wichtigere Rolle im Leben der Frauen spielte. Besonders nach 1940 stieg die Zahl der in der Industrie beschäftigten Frauen stark an. Das war nötig, weil immer mehr Männer in den Krieg ziehen mussten. Den Widerspruch zwischen der ideologischen Einstellung gegenüber Frauen und den ökonomischen Notwendigkeiten einer Kriegswirtschaft konnte das NS-Regime nie überwinden.

Wer waren die Täter?

Nach dem Zweiten Weltkrieg wollten viele Deutsche von den Verbrechen der NS-Zeit nichts gewusst haben. Sie sahen sich nicht als Täter, sondern tatsächlich als Opfer: von Hitler bitter getäuscht, von den Alliierten ausgebombt, vertrieben und besiegt. Der Massenmord an den Juden schien auf eine kleine Gruppe Sadisten zurückzugehen, die unter Anleitung einiger Hauptkriegsverbrecher um Hitler im Verborgenen gemordet hatten. So konnte sich die "Mitte der Gesellschaft" nach 1945 ihrer moralischen Verantwortung gut entziehen.

Historiker und andere Experten haben inzwischen Forschungsergebnisse vorgelegt, die die deutsche Bevölkerung in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen. Heute wird die Zahl der Täter aus Deutschland und Österreich auf mindestens 200.000 geschätzt: Es waren ganz normale Menschen, die als Polizisten, KZ-Personal, Wehrmachtssoldaten oder Verwaltungsmitarbeiter an der Vernichtung der Juden arbeiten. Mindestens mehrere zehntausend Deutsche und Österreicher waren außerdem unbeteiligte Augenzeugen des Mordens. Dazu kommen noch einmal rund 200.000 weitere Europäer, die (gezwungen oder freiwillig) am Holocaust beteiligt waren. Die meisten dieser Täter gingen nach dem Krieg straffrei aus. Bis heute hat es in der Bundesrepublik nur knapp 6.500 Verurteilungen gegeben.

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