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Statistiken zur Europäischen Union (EU)

Die "EU steht vor der Zerreißprobe" ist ein vielbemühtes Bild in Medien und Öffentlichkeit, um Gegenwart und Zukunft der Europäischen Union (EU) zu beschreiben. Tatsächlich muss sich die EU im Jahr 2020 diverser Baustellen und Herausforderungen historischen Ausmaßes widmen, die alle bisher dagewesenen Krisen der EU in den Schatten stellen:

Die Corona-Pandemie traf die Europäische Union (EU) Anfang des Jahres unvorbereitet und die einzelnen Mitgliedstaaten in völlig unterschiedlicher Intensität und Geschwindigkeit. In der Anfangszeit der Pandemie (Februar/März) herrschte Panik und die Sorge wuchs, dass nationale Egoismen der Mitgliedstaaten eine gesamteuropäische Lösung verhindern und die Union zerbrechen könnte. Die Erfahrungen aus dem Umgang mit der Schuldenkrise in Europa hat jedoch gezeigt, dass die Europäische Union in der Krise funktionieren kann, lernfähig ist und sich mitunter von ihrer stärksten Seite zeigt. Das von der EU auf den Weg gebrachte Corona-Hilfspaket demonstrierte eine machtvolle und solidarische Krisenreaktion EU, die international auf breite Anerkennung stieß und nicht die Fehler aus der Vergangenheit wiederholte.
Großbritannien, das nach jahrelangem Ringen schlussendlich den Brexit zum 01. Februar 2020 vollzog und die EU verließ, wurden die Nachteile, die der Brexit mit sich bringt, auf drastische Art und Weise vor Auge geführt. Großbritannien verzeichnet noch vor Italien, Frankreich und Spanien die meisten Todesfälle in Zusammenhang mit dem Coronavirus in Europa. Hierfür ist der Brexit keineswegs ursächlich verantwortlich, dass aber der britische Gesundheitsdienst NHS (National Health Service) völlig unterbesetzt dringend auf Arbeitskräfte aus der EU angewiesen ist und die Beendigung der Personenfreizügigkeit ein Hauptanliegen der Brexiteers ist, ist kein Geheimnis. Aber auch hinsichtlich der erhofften wirtschaftlichen Freiheiten nach einem Austritt, haben sich die britischen Hoffnungen bisher nicht erfüllt: Die EU brach in den Brexitverhandlungen nicht auseinander. Im Gegenteil ließen sich die EU-Staaten in den Verhandlungen um den Austritt Großbritanniens und der zu vereinbarenden zukünftigen Zusammenarbeit nicht auseinanderdividieren und agierten mit geeinter Stimme. Auf Seiten Großbritanniens kehrte Ernüchterung ein, nachdem auch die USA in den Verhandlungen um ein bilaterales Freihandelsabkommen den Briten frühzeitig deren schwache Verhandlungsposition verdeutlichten. Der US-Präsident Donald Trump, der unter seinem Motto "Make America Great Again" die Welt mit einem Handelskrieg überzieht, handelt eben auch primär nach der Maxime "America First".
Inwiefern sich das abgekühlte Verhältnis zwischen EU und den USA aber Großbritanniens und der USA wieder verbessern lässt, wird maßgeblich von der im November 2020 stattfindenden US-Präsidentschaftswahl abhängen.

Ohne Zweifel hat auch die nun auf 27 Staaten verkleinerte EU-27 durch den Austritt Großbritanniens eines ihrer wirtschaftlich, militärisch und diplomatisch mächtigsten Mitglieder verloren. Dieser Machtverlust kann auch durch die zukünftigen Beitrittskandidaten einer EU-Erweiterung nicht kompensiert werden. Zuletzt trat Kroatien der Union im Jahr 2013 bei. Litauen trat 2015 als 19. Land der Eurozone bei und führte den Euro als Zahlungsmittel ein.
Mit dem Verlust Großbritanniens fehlt nun auch ein gewichtiger Antreiber für die Gleichstellung von Frauen und Männern in der EU und die reaktionären Kräfte innerhalb der EU um die Visegrád-Gruppe haben an Macht gewonnen.

Wird die Einwohnerzahl der EU steigen?

Derzeit gehören 27 Staaten mit geschätzt rund 446,8 Millionen Einwohnern (2020) zur EU.
Die EU-Länder mit der höchsten Einwohnerzahl sind Deutschland (rund 83,1 Millionen), Frankreich (67,2 Millionen) und Italien (rund 60,3 Millionen). Die Bevölkerungsentwicklung der EU-27 ist insgesamt positiv, die Steigerungsrate ist allerdings gering: Im Jahr 2019 erhöhte sich die Einwohnerzahl der EU um rund 0,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Anzahl der Geburten in der Europäischen Union sinkt Jahr für Jahr. 2019 wurden noch rund 4,86 Millionen neue EU-Bürger geboren. 1970 verzeichneten die Länder der EU rund 7,2 Millionen Neugeborene, obwohl die Gesamtbevölkerung mit 384,3 Millionen Einwohnern um fast 65 Millionen Menschen niedriger lag. Dieser Umstand ist durch die kontinuierlich sinkenden Fertilitätsraten in der EU bedingt. Im Jahr 2018 brachten EU-Bürgerinnen in ihrem Leben durchschnittlich rund 1,6 Kinder zur Welt. Das Bestandserhaltungsniveau - die durchschnittliche Anzahl an Geburten, die notwendig ist um die Einwohnerzahl (den Bestand) zumindest zu erhalten, liegt jedoch bei rund 2,1 Kindern je Frau. Würde die EU nicht kontinuierlich positive Migrationssalden verzeichnen - also innerhalb eines Jahres mehr Menschen ihren Lebensmittelpunkt in die EU verlagern als umgekehrt - würde auch die Gesamtbevölkerung der Europäischen Union Jahr für Jahr sinken.
Aufgrund der langanhaltenden negativen Trends sind auch die Bevölkerungsprognosen der Europäischen Union negativ:
Die EU prognostiziert einen Bevölkerungsrückgang auf rund 441,2 Millionen Einwohner im Jahr 2050 und rund 416,1 Millionen Einwohnern im Jahr 2100. Die größten Städte in der Europäischen Union (jeweils funktionale städtische Gebiete) im Jahr 2019 sind die Hauptstädte Paris (Frankreich) mit rund 12,8 Millionen Einwohnern, Madrid (Spanien) mit rund 6,9 Millionen Einwohnern und Berlin (Deutschland) mit rund 5,3 Millionen Einwohnern.

Einwohnerzahl der EU würde ohne Migration kontinuierlich sinken

Der Migrationssaldo der EU betrug im Jahr 2018 rund 1,5 Millionen Menschen (2,6 Millionen Einwanderern standen rund 1,1 Millionen Auswanderer gegenüber). In den Angaben zur Migration fließen auch die Daten zu erstmaligen Asylbewerbern in den Mitgliedstaaten ein. Die Migrationszahlen orientieren sich allerdings an langfristigen Wanderungsbewegungen. Mit langfristigen Wanderungsbewegungen ist gemeint, dass nur Personen erfasst werden, die ihren Lebensmittelpunkt langfristig - für mindestens ein Jahr - verlagert haben. Ein Asylsuchender, der 2018 einen erstmaligen Antrag auf Asyl stellt, fließt im Folgejahr 2019 als „Einwanderer aus einem Nicht-EU-Staat/Drittstaatsangehöriger“ in die Statistik zu den Migrationszahlen ein. Im Jahr 2019 wurden in der gesamten EU rund 656.920 erstmalige Asylbewerber registriert, von denen auf Deutschland (142.450 Personen), Frankreich (119.915 Personen) und Spanien (115.175 Personen) mit zusammen über 55 Prozent der Löwenanteil entfiel. Gemessen an der Gesamtbevölkerung nehmen allerdings die Inselstaaten Zypern und Malta die meisten Asylbewerber in der EU auf. Im EU-Durchschnitt beträgt die Anzahl der erstmaligen Asylbewerber je eine Million Einwohner in den Mitgliedstaaten im Jahr 2019 rund 1.279 Personen. Während die Slowakei mit 39 Personen je eine Million Einwohner anteilig die wenigsten Asylbewerber aufnimmt, nimmt Zypern mit 14.495 Personen gemessen an der Gesamtbevölkerung die meisten Asylbewerber in der Europäischen Union auf.

Im Jahr 2019 haben rund 4,85 Prozent oder ca. jeder zwanzigste Einwohner der Europäischen Union eine ausländische Staatsangehörigkeit (Nicht-EU-Bürger/Drittstaatsangehöriger). Luxemburg weist 2019 mit rund 47,4 Prozent den insgesamt höchsten Ausländeranteil in der EU auf. Der überwiegende Anteil der ausländischen Bevölkerung in Luxemburg, rund 39,1 Prozent, ist aus einem anderen EU-Land hergezogen, es handelt sich also um EU-Binnenmigranten. Estland und Lettland hingegen weisen mit jeweils rund 13,5 Prozent den höchsten Anteil von Nicht-EU-Ausländern an der Gesamtbevölkerung auf. In den beiden baltischen Mitgliedstaaten gibt es jeweils eine große russische Minderheit. Rumänien hat den geringsten Ausländeranteil aller EU-Staaten – 0,6 Prozent der Einwohner besitzen keine rumänische Staatsangehörigkeit.

Asyl und Flüchtlinge

Die Diskussion um Europa wurde in den letzten Jahren stark von der "Flüchtlingskrise" bestimmt, die die Staatsschuldenkrise in der öffentlichen Wahrnehmung abgelöst hat. Insbesondere die Staaten der Visegrád-Gruppe (V4) lehnen eine gemeinsame europäische Flüchtlingspolitik ab und verweigern sich bindenden europäischen Regelungen zur Umverteilung von Flüchtlingen aus den am stärksten von der "Flüchtlingskrise" betroffenen Staaten Griechenland und Italien.

Dabei sind die illegalen Grenzübertritte in die Europäische Union (EU) seit dem Höchststand 2015 stark zurückgegangen. Auch aktuelle Zahlen zu den illegalen Grenzübertritten in die Europäische Union 2020 zeigen insgesamt niedrigere Flüchtlingszahlen wenngleich die Zahlen von Monat zu Monat schwanken und sich die Routen und Ankunftsländer laufend verschieben: In der gesamten Europäischen Union besaßen im Jahr 2019 rund 513.470 Drittstaatsangehörige kein Aufenthaltsrecht und wurden zur Ausreise aufgefordert. Dieser Wert liegt deutlich unter dem Wert von 2008, also weit vor der "Flüchtlingskrise", deren Beginn allgemein mit dem Jahr 2015 verbunden wird.

Wirtschaftsraum EU

Die 27 EU-Staaten erwirtschafteten 2019 zusammen ein Bruttoinlandsprodukt (BIP) von rund 13,94 Billionen Euro. Großbritannien ist, obwohl es 2019 noch EU-Mitglied war, aus den Werten bereits exkludiert. Die größten Volkswirtschaften der EU sind Deutschland (3,44 Billionen Euro), Frankreich (2,42 Billionen Euro) und Italien (1,79 Billionen Euro).
Das höchste Bruttoinlandsprodukt pro Kopf hingegen hatten Stand 2019 Luxemburg (102.200 Euro), Irland (70.470 Euro) und Dänemark (53.430 Euro); am Ende der Rangliste stehen Bulgarien (8.680 Euro), Rumänien (11.440 Euro) und Kroatien (12.620 Euro).

Corona-Krise führt zu höchstem Wirtschaftseinbruch seit Bestehen der EU

Im Zuge der Euro-Schuldenkrise verringerte sich die Wirtschaftsleistung in der EU 2009 um rund 4,3 Prozent. Nach weiteren,weniger starken Einbrüchen in den Jahren 2012 und 2013 erzielten EU und Eurozone wieder robuste Wachstumsraten.
Nachdem 2019 die Wirtschaftsleistung in der EU-27 noch um rund 1,5 Prozent und in der Eurozone um rund 1,3 Prozent gewachsen ist, wird für das Jahr 2020 die schlimmste Rezession der EU-Geschichte erwartet.
Ausgehend von der derzeit aktuellsten Prognose des European Economic Forecast Summer 2020 (Juli 2020) der EU-Kommission wird das BIP in der EU in diesem Jahr um rund 8,3 Prozent einbrechen und in der Eurozone um rund 8,7 Prozent. Diese Angaben sind sicherlich bereits valider als die BIP-Hochrechnungen zu Beginn der Corona-Pandemie, aber der zukünftige Verlauf der Pandemie und die Implikationen für den Wirtschaftsraum EU sind im Augenblick nicht seriös zu prognostizieren.

Betrachtet man die Veränderung des BIP in den einzelnen EU-Ländern, so verzeichnete 2019 auch das von der Finanzkrise am stärksten getroffene Mitglied der EU, Griechenland (1,9 Prozent), eine robuste Steigerung der Wirtschaftsleistung, während Irland (5,6 Prozent) und Ungarn (4,9 Prozent) die höchsten Wachstumsraten verzeichnen konnten. Italien zeigte 2019 mit einer Wachstumsrate von 0,3 Prozent das geringste Wachstum der EU. Bereits vor Auftreten der Corona-Pandemie wurde für das Land ein Abrutschen in die Rezession erwartet. Italien wurde früh und hart von der Pandemie getroffen und wird 2020 vermutlich den höchsten BIP-Rückgang in der EU zu verzeichnen haben:
Um rund 11,2 Prozent soll das BIP Italiens einbrechen. Kein Mitgliedstaat wird von der Rezession verschont bleiben, aber insbesondere das BIP der Länder der EU-Schuldenkrise (Griechenland, Spanien, Portugal, Zypern, Irland), deren Wirtschaft und Arbeitsmärkte sich gerade erst halbwegs erholt hatten, wird massiv einbrechen und die jeweiligen Ökonomien auf Jahre zurückwerfen.
Die Arbeitslosenquote in der EU lag 2019 durchschnittlich bei 7,6 Prozent; die europäischen Länder mit der höchsten Arbeitslosigkeit sind Spanien mit 15,6 Prozent und Griechenland mit 15,5 Prozent; am niedrigsten ist sie mit 2,6 Prozent in Tschechien sowie Polen mit rund 3 Prozent (Stand: Juni 2020).
In absoluten Zahlen gab es 2019 im Jahresdurchschnitt rund 15,8 Millionen Arbeitslose in der EU, 2013 sind es noch rund 26,3 Millionen gewesen. Insbesondere die Jugendarbeitslosigkeit in Europa ist im Zuge der Finanzkrise 2008 stark gestiegen; sie lag 2013 bei 23,8 Prozent bzw. circa 5,6 Millionen Arbeitslosen, ist aber im Laufe der konjunkturellen Erholung bereits seit 2013 rückläufig und betrug 2019 noch 14,4 Prozent bei 3,2 Millionen arbeitslosen Jugendlichen. Die höchsten Jugendarbeitslosenquoten in der EU erreichen wiederum Spanien, Griechenland aber auch Schweden und Italien mit Werten zwischen 27,6 bis 40,8 Prozent Arbeitslosen in dieser Altersgruppe.
Die Inflationsrate in der Europäischen Union ist hat sich nach Jahren sehr geringer Teuerungsraten zuletzt wieder der Zielmarke von 2 Prozent angenähert und betrug 2019 rund 1,5 Prozent.

EU-Krisenreaktion - Schuldengrenze wird vorläufig aufgehoben

Durch die Regelungen des europäischen Stabilitäts- und Wachstumspakt ist die jährliche Nettoneuverschuldung der EU-Mitgliedstaaten auf maximal drei Prozent ihres jeweiligen Bruttoinlandsproduktes beschränkt und die Staatsverschuldung darf insgesamt nur bis zu 60 Prozent der Wirtschaftskraft betragen. Beide Regelungen wurden von den EU-Finanzministern vorläufig außer Kraft gesetzt, um den Mitgliedstaaten mehr finanziellen Spielraum zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie zu geben. Durch die Kombination von Neuverschuldung und BIP-Rückgang wird sich die absolute Verschuldung und insbesondere die relativen Schuldenquoten der EU-Staaten deutlich erhöhen.
Die Schuldenquote der EU-27 lag 2019 bei 84,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die EU-Länder mit der höchsten Staatsverschuldung gemessen am BIP sind mit Stand 1. Quartal 2020 Griechenland (176,7 Prozent), Italien (137,6 Prozent) und Portugal (120 Prozent). Hinsichtlich der sehr hohen Staatsschuldenquote Griechenlands mehren sich neben dem IWF auch in Europa die Stimmen, die einen Schuldenschnitt für Griechenland für unausweichlich halten. Am niedrigsten ist die Verschuldung in Estland (8,9 Prozent), Bulgarien (20,3 Prozent) und Luxemburg (22,3 Prozent).

Soziale Ungleichheiten haben sich reduziert

Soziale Ungleichheiten sind vielfältig. Allgemein wird darunter die ungleiche Verteilung von materiellen (Einkommen, Vermögen, Grundbesitz etc.) und immateriellen (z.B. Bildungszugang, medizinische Versorgung) Gütern in einer Gesellschaft verstanden. Ziel einer Gesellschaft sollte stets die Reduzierung sozialer Ungleichheiten sein, um den gesellschaftlichen Frieden nicht zu gefährden.
Der Anteil von Menschen in der EU, der von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht ist, hat sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich reduziert. Im Jahr 2018 waren in der EU insgesamt rund 21.9 Prozent der Einwohner von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Innerhalb von acht Jahren hat sich der Anteil somit um rund zwei Prozent reduziert, 2010 waren noch rund 23,8 Prozent aller EU-Bürger bedroht. Von den EU-Ländern sind in Bulgarien (32,8 Prozent), Rumänien (32,5 Prozent) und Griechenland (31,8 Prozent) anteilig an der Gesamtbevölkerung die meisten Menschen von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. In Tschechien ist mit rund 12,2 Prozent, ein geringer Anteil der Einwohner von Einkommensarmut, sozialer Deprivation oder niedriger Erwerbstätigkeit bedroht.
Nachdem die Reallöhne in der Europäischen Union in den vergangenen Jahren stets gestiegen sind, brachen sie 2020 um rund 1,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr ein. Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie werden sich dabei nicht nur in Bezug auf die Reallohnentwicklung erst im kommenden Jahr widerspiegeln. Auch der Anteil prekärer Beschäftigungsverhältnisse wird sich erhöhen.
Prekäre Beschäftigungsverhältnisse begünstigen Armut und soziale Ausgrenzung. 2019 befanden sich im Durchschnitt rund 11,4 Prozent aller Erwerbstätigen in der EU in einem prekären Beschäftigungsverhältnis. Männer sind mit einem Anteil von rund 13,3 Prozent deutlich häufiger von prekärer Beschäftigung betroffen als Frauen mit einem Anteil von rund 9,1 Prozent. Die Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten der EU sind hoch. Während in Griechenland im Jahr 2019 mit 26,5 Prozent mehr als jeder vierte Erwerbstätige prekär beschäftigt ist, trifft dies in Dänemark nur auf jeden zwanzigsten Erwerbstätigen zu (5,1 Prozent).

Gleichstellung von Frauen und Männern in der EU

Ein gewichtiger Aspekt sozialer Ungleichheit ist die ungleiche Behandlung von Frauen und Männern. Frauen in der EU sind zwar weniger oft prekär, aber überproportional häufig in Teilzeit beschäftigt. Fast ein Drittel aller berufstätigen Frauen in der EU war gegen Ende des Jahres 2019 in Teilzeit beschäftigt aber nur rund 8,7 Prozent der Männer. Als Hauptgründe für Frauen einer Teilzeitbeschäftigung nachzugehen nannten die Befragten im Jahr 2019 die "Betreuung von Kindern oder erwerbsunfähiger Erwachsener" und "Konnte keinen ganztägigen Arbeitsplatz finden". Letzterer Grund wurde vor allem von den Befragten in EU-Staaten mit bereits angespanntem Arbeitsmarkt genannt, wie in Griechenland und Italien.
Da Schulen und Kindergärten in vielen EU-Ländern von den Lockdown Maßnahmen betroffen waren, mussten Kinder verstärkt häuslich betreut werden. Die zusätzliche Care Arbeit wurde in erster Linie von Frauen geleistet.

Trotz zweifelloser Verbesserungen ist die Gleichstellung von Frauen und Männern in der Europäischen Union keineswegs erreicht oder abgeschlossen. Tiefergehende Einblicke zum Stand der Gleichstellung von Frauen und Männern in der EU bietet die gleichnamige neue (2020) Themenseite und das Dossier.

Wahlen und Umfragen in der EU

Das politische System der EU besteht aus mehreren Elementen: Die Exekutive der EU bildet die Europäische Kommission; die Judikative der Gerichtshof der Europäischen Union. Während die Regierungen der Mitgliedstaaten im Europäischen Rat und dem Ministerrat vertreten sind, wird das Volk unmittelbar durch das Europäische Parlament repräsentiert. Dieses wird alle fünf Jahre EU-weit gewählt.

Bei der letzten Wahl im Mai 2019 lag die Wahlbeteiligung an der Europawahl in der gesamten EU bei insgesamt 50,62 Prozent. Damit erhöhte sich die Wahlbeteiligung deutlich gegenüber den Europawahlen 2014 mit 42,61 Prozent und es wurde ein langanhaltender Negativtrend gestoppt.

Deutschland hat zurzeit mit 96 Abgeordneten die meisten Sitze im Europäischen Parlament inne; die stärksten der länderübergreifenden Fraktionen im Europaparlament sind die EVP (182 Sitze) und die Sozialdemokraten (154 Sitze). Bereits vor dem Brexit und während der "Flüchtlingskrise" mehrten sich die Stimmen aus ganz Europa, ob dies der Anfang vom Ende der Europäischen Union sei. Antieuropäische und EU-kritische Stimmen sahen unter anderem bereits den Dexit, (Deutschland verlässt die EU) Frexit (Frankreich) und Grexit (Griechenland) am Horizont. Allein, es war eine lautstarke Minderheit, die sich artikulierte. Die und mit einer Zustimmung von 70 Prozent fühlt sich im Herbst 2019 die absolute Mehrheit der europäischen Bevölkerung als Bürger der Europäischen Union. Durch die erfolgreiche europäische Zusammenarbeit in der Corona-Pandemie steigen selbst in den gegenüber der EU kritischer eingestellten Gesellschaften (vor allem Italien und Griechenland) die Zustimmungswerte für die Europäische Union. Die Verhandlungen um den Brexit haben nicht wie befürchtet zu einem Auseinanderbrechen der EU geführt - im Gegenteil, die Europäische Gemeinschaft rückte mit zunehmender Verhandlungsdauer immer enger zusammen.

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