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Statistiken zur Europäischen Union (EU)

Die "EU steht vor der Zerreißprobe" ist ein vielbemühtes Bild in Medien und Öffentlichkeit, um Gegenwart und Zukunft der Europäischen Union (EU) zu beschreiben. Tatsächlich musste sich die EU im Jahr 2020 diverser Baustellen und Herausforderungen historischen Ausmaßes widmen, die alle bisher dagewesenen Krisen der EU in den Schatten stellen:

Die Corona-Pandemie traf die Europäische Union (EU) Anfang des Jahres unvorbereitet und die einzelnen Mitgliedstaaten in völlig unterschiedlicher Intensität und Geschwindigkeit. In der Anfangszeit der Pandemie (Februar/März) herrschte Panik und die Sorge wuchs, dass nationale Egoismen der Mitgliedstaaten eine gesamteuropäische Lösung verhindern und die Union zerbrechen könnte. Die Erfahrungen aus dem Umgang mit der Schuldenkrise in Europa hat jedoch gezeigt, dass die Europäische Union in der Krise funktionieren kann, lernfähig ist und sich mitunter von ihrer stärksten Seite zeigt. Das von der EU auf den Weg gebrachte Corona-Hilfspaket (NextGenerationEU) demonstrierte eine machtvolle und solidarische Krisenreaktion EU, die international auf breite Anerkennung stieß und nicht die Fehler aus der Vergangenheit wiederholte.

Brexit: Großbritannien hat die EU verlassen

Großbritannien, das nach jahrelangem Ringen schlussendlich den Brexit zum 01. Februar 2020 vollzog und die EU verließ, wurden die Nachteile, die der Brexit mit sich bringt, auf drastische Art und Weise vor Auge geführt. Großbritannien verzeichnet noch vor Italien, Frankreich und Spanien die meisten Todesfälle in Zusammenhang mit dem Coronavirus in Europa. Hierfür ist der Brexit keineswegs ursächlich verantwortlich, dass aber der britische Gesundheitsdienst NHS (National Health Service) völlig unterbesetzt, dringend auf Arbeitskräfte aus der EU angewiesen ist und die Beendigung der Personenfreizügigkeit ein Hauptanliegen der Brexiteers ist, ist kein Geheimnis.

Aber auch hinsichtlich der erhofften wirtschaftlichen Freiheiten nach einem Austritt, haben sich die britischen Hoffnungen bisher nicht erfüllt:
Die EU brach in den Brexitverhandlungen nicht auseinander. Im Gegenteil ließen sich die EU-Staaten in den Verhandlungen um den Austritt Großbritanniens und der zu vereinbarenden zukünftigen Zusammenarbeit nicht auseinanderdividieren und agierten mit geeinter Stimme. Auf Seiten Großbritanniens kehrte Ernüchterung ein, nachdem auch die USA in den Verhandlungen um ein bilaterales Freihandelsabkommen den Briten frühzeitig deren schwache Verhandlungsposition verdeutlichten. Der damalige US-Präsident Donald Trump, der unter seinem Motto "Make America Great Again" die Welt mit einem Handelskrieg überzog, handelte eben auch primär nach der Maxime "America First". Auch unter der neuen Regierung um den US-Präsidenten Joe Biden hat sich die Situation für Großbritannien nicht verändert - die Vereinbarung eines bilateralen Handelsabkommens zwischen Großbritannien und den USA wird Jahre zäher Verhandlungen in Anspruch nehmen und seitens der Amerikaner hat das Abkommen keine Priorität.

Ohne Zweifel hat auch die nun auf 27 Staaten verkleinerte EU-27 durch den Austritt Großbritanniens eines ihrer wirtschaftlich, militärisch und diplomatisch mächtigsten Mitglieder verloren. Dieser Machtverlust kann auch durch die zukünftigen Beitrittskandidaten einer EU-Erweiterung nicht kompensiert werden. Zuletzt trat Kroatien der Union im Jahr 2013 bei. Litauen trat 2015 als 19. Land der Eurozone bei und führte den Euro als Zahlungsmittel ein.
Mit dem Verlust Großbritanniens fehlt nun auch ein gewichtiger Antreiber für die Gleichstellung von Frauen und Männern in der EU und die reaktionären Kräfte innerhalb der EU um die Visegrád-Gruppe haben an Macht gewonnen.

Wird die Einwohnerzahl der EU steigen?

Derzeit gehören 27 Staaten mit geschätzt rund 447 Millionen Einwohnern (2021) zur EU.
Die EU-Länder mit der höchsten Einwohnerzahl sind Deutschland (rund 83,2 Millionen), Frankreich (67,4 Millionen) und Italien (rund 59,3 Millionen). Die Bevölkerungsentwicklung der EU-27 ist insgesamt positiv, die Steigerungsrate ist allerdings gering: Im Jahr 2020 erhöhte sich die Einwohnerzahl der EU um rund 0,13 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Anzahl der Geburten in der Europäischen Union sinkt Jahr für Jahr. 2020 wurden noch rund 4,05 Millionen neue EU-Bürger geboren. 1970 verzeichneten die Länder der EU rund 6,3 Millionen Neugeborene, obwohl die Gesamtbevölkerung mit 384,3 Millionen Einwohnern um fast 63 Millionen Menschen niedriger lag.
Dieser Umstand ist durch die kontinuierlich sinkenden Fertilitätsraten in der EU bedingt. Im Jahr 2019 brachten EU-Bürgerinnen in ihrem Leben durchschnittlich rund 1,53 Kinder zur Welt. Das Bestandserhaltungsniveau - die durchschnittliche Anzahl an Geburten, die notwendig ist um die Einwohnerzahl (den Bestand) zumindest zu erhalten, liegt jedoch bei rund 2,1 Kindern je Frau. Würde die EU nicht kontinuierlich positive Migrationssalden verzeichnen - also innerhalb eines Jahres mehr Menschen ihren Lebensmittelpunkt in die EU verlagern als umgekehrt - würde auch die Gesamtbevölkerung der Europäischen Union Jahr für Jahr sinken.
Aufgrund der langanhaltenden negativen Trends sind auch die Bevölkerungsprognosen der Europäischen Union negativ:
Die EU prognostiziert einen Bevölkerungsrückgang auf rund 441,2 Millionen Einwohner im Jahr 2050 und rund 416,1 Millionen Einwohnern im Jahr 2100. Die größten Städte in der Europäischen Union (jeweils funktionale städtische Gebiete) im Jahr 2020 sind die Hauptstädte Paris (Frankreich) mit rund 12,9 Millionen Einwohnern, Madrid (Spanien) mit rund 6,9 Millionen Einwohnern und Berlin (Deutschland) mit rund 5,3 Millionen Einwohnern.

Einwohnerzahl der EU würde ohne Migration kontinuierlich sinken

Der Migrationssaldo der EU hat im Jahr 2019 rund 1,83 Millionen Menschen (2,94 Millionen Einwanderern standen rund 1,1 Millionen Auswanderer gegenüber). In den Angaben zur Migration fließen auch die Daten zu erstmaligen Asylbewerbern in den Mitgliedstaaten ein. Die Migrationszahlen orientieren sich allerdings an langfristigen Wanderungsbewegungen. Mit langfristigen Wanderungsbewegungen ist gemeint, dass nur Personen erfasst werden, die ihren Lebensmittelpunkt langfristig - für mindestens ein Jahr - verlagert haben. Ein Asylsuchender, der 2018 einen erstmaligen Antrag auf Asyl stellt, fließt im Folgejahr 2019 als „Einwanderer aus einem Nicht-EU-Staat/Drittstaatsangehöriger“ in die Statistik zu den Migrationszahlen ein. Im Jahr 2020 wurden in der gesamten EU rund 416.950 erstmalige Asylbewerber registriert, von denen auf Deutschland (102.525 Personen), Spanien (86.380 Personen) und Frankreich (81.790 Personen) mit zusammen über 64 Prozent der Löwenanteil entfiel. Gemessen an der Gesamtbevölkerung nehmen allerdings die Inselstaaten Zypern und Malta die meisten Asylbewerber in der EU auf. Im EU-Durchschnitt beträgt die Anzahl der erstmaligen Asylbewerber je eine Million Einwohner in den Mitgliedstaaten im Jahr 2020 rund 932 Personen. Während Ungarn mit rund 9 Personen je eine Million Einwohner anteilig die wenigsten Asylbewerber aufnimmt, nimmt Zypern mit rund 8.446 Personen gemessen an der Gesamtbevölkerung die meisten Asylbewerber in der Europäischen Union auf.

Im Jahr 2020 haben rund 5,11 Prozent oder ca. jeder zwanzigste Einwohner der Europäischen Union eine ausländische Staatsangehörigkeit (Nicht-EU-Bürger/Drittstaatsangehöriger). Luxemburg weist 2019 mit rund 47,3 Prozent den insgesamt höchsten Ausländeranteil in der EU auf. Der überwiegende Anteil der ausländischen Bevölkerung in Luxemburg, rund 38,7 Prozent, ist aus einem anderen EU-Land hergezogen, es handelt sich also um EU-Binnenmigranten. Estland und Lettland hingegen weisen mit jeweils rund 13,5 Prozent den höchsten Anteil von Nicht-EU-Ausländern an der Gesamtbevölkerung auf. In den beiden baltischen Mitgliedstaaten gibt es jeweils eine große russische Minderheit. Rumänien hat den geringsten Ausländeranteil aller EU-Staaten – 0,7 Prozent der Einwohner besitzen keine rumänische Staatsangehörigkeit.

Asyl und Flüchtlinge in der EU

Die Diskussion um Europa wurde in den letzten Jahren stark von der "Flüchtlingskrise" bestimmt, die die Staatsschuldenkrise in der öffentlichen Wahrnehmung abgelöst hat. Insbesondere die Staaten der Visegrád-Gruppe (V4) lehnen eine gemeinsame europäische Flüchtlingspolitik ab und verweigern sich bindenden europäischen Regelungen zur Umverteilung von Flüchtlingen aus den am stärksten von der "Flüchtlingskrise" betroffenen Staaten Griechenland und Italien.

Dabei sind die illegalen Grenzübertritte in die Europäische Union (EU) seit dem Höchststand 2015 stark zurückgegangen. Auch aktuelle Zahlen zu den illegalen Grenzübertritten in die Europäische Union 2020 zeigen insgesamt niedrigere Flüchtlingszahlen wenngleich die Zahlen von Monat zu Monat schwanken und sich die Routen und Ankunftsländer laufend verschieben: In der gesamten Europäischen Union besaßen im Jahr 2020 rund 396.435 Drittstaatsangehörige kein Aufenthaltsrecht und wurden zur Ausreise aufgefordert. Dieser Wert liegt deutlich unter dem Wert von 2008, also weit vor der "Flüchtlingskrise", deren Beginn allgemein mit dem Jahr 2015 verbunden wird.

Wirtschaftsraum EU

Die 27 Mitgliedstaaten erwirtschafteten 2020 zusammen ein Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Europäischen Union von rund 13,35 Billionen Euro. Die größten Volkswirtschaften der EU sind Deutschland (3,33 Billionen Euro), Frankreich (2,28 Billionen Euro) und Italien (1,65 Billionen Euro).
Das höchste Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in den EU-Ländern hingegen hatten Luxemburg (101.640 Euro), Irland (74.870 Euro) und Dänemark (53.600 Euro); am Ende der Rangliste stehen Bulgarien (8.750 Euro), Rumänien (11.290 Euro) und Kroatien (12.170 Euro).

Corona-Krise: Wie schnell erholt sich die EU?
Nachdem 2019 das Wirtschaftswachstum in der EU-27 noch rund 1,6 Prozent und in der Eurozone rund 1,3 Prozent betragen hat, folgte im ersten Jahr der Corona-Pandemie 2020 der höchste BIP-Rückgang der EU-Geschichte: In der EU-27 sank das reale BIP im Jahr 2020 um rund 6,1 Prozent und in der Eurozone um 6,6 Prozent. Im Zuge der Euro-Schuldenkrise verringerte sich die Wirtschaftsleistung in der EU 2009 um rund 4,3 Prozent. Nach weiteren,weniger starken Einbrüchen in den Jahren 2012 und 2013 erzielten EU und Eurozone wieder robuste Wachstumsraten. Wie schnell wird sich Europas Wirtschaft diesmal erholen?

Der Rückblick auf die Prognosen zur Entwicklung des BIP 2020 zeigt, dass die EU-Länder unterschiedlich stark betroffen waren und wie schwierig es war, im vergangenen Jahr mit ständig neuen Entwicklungen eine seriöse Einschätzung zur Entwicklung der Wirtschaft geben zu können.
Betrachtet man die Wachstum des BIP in den EU-Ländern, so verzeichneten 2020 gerade die EU-Länder die höchsten BIP-Einbrüche, die bereits von der Finanzkrise 2008 betroffen waren, deren Wirtschaft eine hohe Abhängigkeit vom Tourismussektor haben und / oder vor der Pandemie mit strukturellen wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen hatten. Spanien verzeichnete mit rund -10,8 Prozent den höchsten BIP-Rückgang der EU vor Italien (-8,9 Prozent), Griechenland (-8,2 Prozent) und Frankreich -8,1 Prozent), während die Wirtschaft in Luxemburg nur um rund 1,3 Prozent einbrach.

Ausgehend von der derzeit aktuellsten Prognose des European Economic Forecast Spring 2021 (Mai 2021) der EU-Kommission wird das BIP in der EU-27 in diesem Jahr um rund 4,2 Prozent wachsen und in der Eurozone um rund 4,3 Prozent. In den aktuellen Prognosen führender Organisationen und Wirtschaftsinstitute zur Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (BIP), schätzt der Internationale Währungsfond (IWF) das Wirtschaftswachstum der EU in diesem Jahr mit etwa 4,7 Prozent etwas höher ein. Wie bereits 2020 ist durch den zukünftigen Verlauf der Pandemie und die Implikationen, die sich für den Wirtschaftsraum der EU ergeben, eine seriöse Prognose zur Entwicklung des Wirtschaftswachstums in den kommenden Jahren erschwert. Sicher ist, dass es nicht zu V-förmigen Konjunkturerholung in der Mehrzahl der EU-Staaten kommen wird, sondern sie einige Jahre brauchen werden, um wieder das Vorkrisenniveau zu erreichen.

Anstieg der Arbeitslosigkeit geringer als erwartet
Die Arbeitslosenquote in der EU ist im Jahr 2020 gegenüber dem Vorjahr moderat um rund 0,3 Prozent auf 7,8 Prozent gestiegen. Ein sehr geringer Anstieg der Arbeitslosigkeit angesichts der schlimmsten Rezession seit dem Ende des zweiten Weltkrieges. Die Europäische Union hat aus ihren Fehlern der EU-Schuldenkrise gelernt und im Rahmen ihres Aufbauplans "NextGenerationEU" ein riesiges Investionspaket geschnürt, dass auch die gesamteuropäische Aufnahme von Schulden (Coronabonds) zur Finanzierung beinhaltet. Konnten die jeweiligen EU-Staaten bisher nur nationale Staatsanleihen zur Schuldenfinanzierung auflegen, mit je nach Land unterschiedlichen Konditionen, ist der Coronabond eine gesamteuropäische Anleihe, mit verbesserten Konditionen für einen Großteil der EU-Staaten, für die aber auch alle EU-Staaten gemeinsam haften. Zusätzlich haben alle großen Ökonomien der EU wirksame Wirtschafts- und Sozialpakete erlassen, um drohende soziale Härten und einen massiven Anstieg der Arbeitslosigkeit zu verhindern.

Die europäischen Länder mit der höchsten Arbeitslosigkeit sind Spanien und Griechenland mit jeweils 15,1 Prozent, am niedrigsten ist sie mit 2,8 Prozent in Tschechien sowie den Niederlanden mit rund 3,2 Prozent (Stand: Juni 2021).
In absoluten Zahlen gab es im Jahr 2020 im Jahresdurchschnitt rund 14,9 Millionen Arbeitslose in der EU, ein Anstieg um rund 600.000 Arbeitslose gegenüber dem Vorkrisenjahr 2019. Zum Vergleich: 2013 sind es noch rund 23,7 Millionen Arbeitslose gewesen. Insbesondere die Jugendarbeitslosenquote in Europa ist im Zuge der Finanzkrise 2008 stark gestiegen; sie lag 2013 bei 24,4 Prozent bzw. circa 4,7 Millionen arbeitslosen Jugendlichen. Im Zuge der konjunkturellen Erholung sank die Jugendarbeitslosenquote bis 2019 kontinuierlich auf rund 15 Prozent bzw. 2,7 Millionen arbeitslosen Jugendlichen. Die höchsten Jugendarbeitslosenquoten in den EU-Ländern erreichen wiederum Spanien (37,1 Prozent) und Griechenland (30,4 Prozent) aber auch Italien, Portugal und Schweden mit Werten zwischen 25,3 bis 29,4 Prozent Arbeitslosen in dieser Altersgruppe.

Die Angst vor der Inflation kommt zurück
Die Inflationsrate in der Europäischen Union hat sich nach Jahren sehr geringer Teuerungsraten zuletzt wieder der Zielmarke von 2 Prozent angenähert. Im vergangenen Jahr 2020 ist die Inflationsrate in der EU wieder rapide gesunken auf eine geringe Teuerung von rund 0,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In der konjunkturellen Krise sind die Preise nachvollziehbar nicht angezogen, auch weil z.B. in einigen Ländern die Mehrwertsteuersätze zeitlich befristet reduziert wurden, um den Binnenkonsum zu stimulieren. Diese Reduzierungen sind ausgelaufen, gleichzeitig hat der Konsum stark angezogen und es gibt in diversen Bereichen Materialknappheit, was auch zur Verteuerung beiträgt. Im laufenden Jahr 2021 sind die monatlichen Inflationsraten in der EU dementsprechend schnell gestiegen und notieren seit Mai über der Zielmarke von 2 Prozent. Kurzfristig kann sich die Inflation in der EU weiter deutlich erhöhen, es lässt sich aber aufgrund der Vielzahl von Einmaleffekten kein Trend ableiten, kommendes Jahr wird die Teuerungsrate geringer ausfallen.

EU-Krisenreaktion - Schuldengrenze wird vorläufig aufgehoben

Durch die Regelungen des europäischen Stabilitäts- und Wachstumspakt ist die jährliche Nettoneuverschuldung der EU-Mitgliedstaaten auf maximal drei Prozent ihres jeweiligen Bruttoinlandsproduktes beschränkt und die Staatsverschuldung darf insgesamt nur bis zu 60 Prozent der Wirtschaftskraft betragen. Beide Regelungen wurden von den EU-Finanzministern vorläufig außer Kraft gesetzt, um den Mitgliedstaaten mehr finanziellen Spielraum zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie zu geben. Durch die Kombination von Neuverschuldung und BIP-Rückgang hat sich die absolute Verschuldung und insbesondere die relativen Schuldenquoten der EU-Staaten deutlich erhöht

Drastische Steigerung der Neuverschuldung in 2020
Die Schuldenquote der EU-27 stieg binnen einen Jahres von rund 77,5 Prozent in 2019 auf rund bei 98 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2020. Einen Anstieg der Staatsverschuldung von über 20 Prozent der Wirtschaftsleistung hat es in der Geschichte der Europäischen Union vorher nicht gegeben. Die EU-Länder mit der höchsten Staatsverschuldung gemessen am BIP sind mit Stand 1. Quartal 2021 Griechenland (209,3 Prozent), Italien (160 Prozent) und Portugal (137,2 Prozent). Hinsichtlich der sehr hohen Staatsschuldenquote Griechenlands mehren sich neben dem IWF auch in Europa die Stimmen, die einen Schuldenschnitt für Griechenland für unausweichlich halten. Es gibt in der Geschichte keinen Staat, der unter vergleichbaren wirtschaftlichen Voraussetzungen je aus eigener Kraft seine Schulden begleichen konnte. Am niedrigsten ist die Verschuldung in Estland (18,5 Prozent), Bulgarien (25,1 Prozent) und Luxemburg (28,1 Prozent).

Soziale Ungleichheiten haben sich reduziert

Soziale Ungleichheiten sind vielfältig. Allgemein wird darunter die ungleiche Verteilung von materiellen (Einkommen, Vermögen, Grundbesitz etc.) und immateriellen (z.B. Bildungszugang, medizinische Versorgung) Gütern in einer Gesellschaft verstanden. Ziel einer Gesellschaft sollte stets die Reduzierung sozialer Ungleichheiten sein, um den gesellschaftlichen Frieden nicht zu gefährden.

Der Anteil von Menschen in der EU, der von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht ist, hat sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich reduziert. Im Jahr 2019 waren in der EU insgesamt rund 20,9 Prozent der Einwohner von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Seit 2012 hat sich der Anteil somit um rund vier Prozent reduziert. In den von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedrohten Personen in den EU-Ländern sind in Bulgarien (32,5 Prozent), Rumänien (31,2 Prozent) und Griechenland (30 Prozent) anteilig an der Gesamtbevölkerung die meisten Menschen von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. In Tschechien ist mit rund 12,5 Prozent, ein geringer Anteil der Einwohner von Einkommensarmut, sozialer Deprivation oder niedriger Erwerbstätigkeit bedroht.
Nachdem die Reallöhne in der Europäischen Union in den vergangenen Jahren stets gestiegen sind, brachen sie 2020 um rund 1,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr ein. Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie werden sich dabei nicht nur in Bezug auf die Reallohnentwicklung erst im kommenden Jahr widerspiegeln. Auch der Anteil prekärer Beschäftigungsverhältnisse wird sich erhöhen.
Prekäre Beschäftigungsverhältnisse begünstigen Armut und soziale Ausgrenzung. 2020 befanden sich im Durchschnitt rund 10,9 Prozent aller Erwerbstätigen in der EU in einem prekären Beschäftigungsverhältnis. Männer sind mit einem Anteil von rund 12,6 Prozent deutlich häufiger von prekärer Beschäftigung betroffen als Frauen mit einem Anteil von rund 8,8 Prozent. Die Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten der EU sind hoch. Während in Griechenland im Jahr 2020 mit 25,7 Prozent mehr als jeder vierte Erwerbstätige prekär beschäftigt ist, trifft dies in Dänemark nur auf jeden zwanzigsten Erwerbstätigen zu (4,9 Prozent).

Gleichstellung von Frauen und Männern in der EU

Ein gewichtiger Aspekt sozialer Ungleichheit ist die ungleiche Behandlung von Frauen und Männern. Frauen in der EU sind zwar weniger oft prekär, aber überproportional häufig in Teilzeit beschäftigt. Rund 29 Prozent der berufstätigen Frauen in der EU-27 war zu Anfang des Jahres 2021 in Teilzeit beschäftigt aber nur rund 8,3 Prozent der Männer. Als Hauptgründe für Frauen einer Teilzeitbeschäftigung nachzugehen nannten die Befragten im Jahr 2020 die "Betreuung von Kindern oder erwerbsunfähiger Erwachsener" und "Konnte keinen ganztägigen Arbeitsplatz finden". Letzterer Grund wurde vor allem von den Befragten in EU-Staaten mit bereits angespanntem Arbeitsmarkt genannt, wie in Griechenland und Italien. Da Schulen und Kindergärten in vielen EU-Ländern von den Lockdown Maßnahmen betroffen waren, mussten Kinder verstärkt häuslich betreut werden. Die zusätzliche Care Arbeit wurde in erster Linie von Frauen geleistet.

Trotz zweifelloser Verbesserungen ist die Gleichstellung von Frauen und Männern in der Europäischen Union keineswegs erreicht oder abgeschlossen. Tiefergehende Einblicke zum Stand der Gleichstellung von Frauen und Männern in der EU bietet die gleichnamige neue (2020) Themenseite und das Dossier.

Wahlen und Umfragen in der EU

Das politische System der EU besteht aus mehreren Elementen: Die Exekutive der EU bildet die Europäische Kommission; die Judikative der Gerichtshof der Europäischen Union. Während die Regierungen der Mitgliedstaaten im Europäischen Rat und dem Ministerrat vertreten sind, wird das Volk unmittelbar durch das Europäische Parlament repräsentiert. Dieses wird alle fünf Jahre EU-weit gewählt.

Bei der letzten Wahl im Mai 2019 lag die Wahlbeteiligung an der Europawahl in der gesamten EU bei insgesamt 50,62 Prozent. Damit erhöhte sich die Wahlbeteiligung deutlich gegenüber den Europawahlen 2014 mit 42,61 Prozent und es wurde ein langanhaltender Negativtrend gestoppt.

Deutschland hat zurzeit mit 96 Abgeordneten die meisten Sitze im Europäischen Parlament inne; die stärksten der länderübergreifenden Fraktionen im Europaparlament sind die EVP (182 Sitze) und die Sozialdemokraten (154 Sitze). Bereits vor dem Brexit und während der "Flüchtlingskrise" mehrten sich die Stimmen aus ganz Europa, ob dies der Anfang vom Ende der Europäischen Union sei. Antieuropäische und EU-kritische Stimmen sahen unter anderem bereits den Dexit, (Deutschland verlässt die EU) Frexit (Frankreich) und Grexit (Griechenland) am Horizont. Allein, es war eine lautstarke Minderheit, die sich artikulierte. Die und mit einer Zustimmung von 74 Prozent fühlt sich im Winter 2021 die absolute Mehrheit der europäischen Bevölkerung als Bürger der Europäischen Union. Durch die erfolgreiche europäische Zusammenarbeit in der Corona-Pandemie steigen selbst in den gegenüber der EU kritischer eingestellten Gesellschaften (vor allem Italien und Griechenland) die Zustimmungswerte für die Europäische Union. Die Verhandlungen um den Brexit haben nicht wie befürchtet zu einem Auseinanderbrechen der EU geführt - im Gegenteil, die Europäische Gemeinschaft rückte mit zunehmender Verhandlungsdauer immer enger zusammen.

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