Statistiken zum Handelskrieg der USA

Der Handelsstreit zwischen den USA und einigen der engsten politischen und/oder wirtschaftlichen Partner des Landes eskalierte im Laufe des Jahres 2018 zusehends und wird von Medien und internationalen Beobachtern mittlerweile offen als Handelskrieg bezeichnet. Die wichtigsten Protagonisten in diesem Handelskrieg sind die USA auf der einen Seite und die Europäische Union (EU), China, Kanada, Mexiko, Japan, Indien und die Türkei auf der anderen Seite, wenngleich die Weltwirtschaft insgesamt betroffen ist.

Der Ausgangspunkt des Konfliktes ist die seit Jahren negative Handelsbilanz der USA im Güterhandel, die der derzeitige US-Präsident Donald Trump vorzugsweise über Twitter als "not fair" massiv kritisiert. Die USA haben im Jahr 2017 ein Handelsdefizit von rund 862,8 Milliarden US-Dollar im Güterhandel zu beklagen - die USA importieren wesentlich mehr Güter als sie im gleichen Zeitraum Güter exportieren. Die Forderung Trumps an die Handelspartner der USA lautet daher u.a. mehr Waren aus den USA zu importieren, um das Ungleichgewicht im Güterhandel und damit das US-Defizit zu reduzieren. Die Kritik Trumps an diesem Ungleichgewicht im Handel, wird seitens internationaler Ökonomen geteilt. Grundsätzlich sollten Staaten eine ausgeglichene Handelsbilanz anstreben. Weist ein Land dauerhaft hohe Handelsbilanzüberschüsse aus, ist dies zunächst positiv für die Exportindustrie und Konjunktur des Landes. Das Land produziert aber wesentlich mehr Güter, als durch den Binnenmarkt nachgefragt wird. Findet es für diese Güter keine Käufer mehr im Ausland, weil diese Länder die Güter bspw. aufgrund des eigenen hohen Handelsdefizites nicht mehr bezahlen können, bricht die Exportindustrie ein. Rezession und Arbeitslosigkeit sind mögliche Folgen.

Die USA haben daher im Januar 2018 damit begonnen, zunächst einzelne Produkte (Waschmaschinen und Solarpanel) mit Schutzzöllen zu belegen. Präsident Trump initiierte globale Schutzzölle auf Importe von Waschmaschinen in Höhe von rund 1,8 Milliarden US-Dollar und Solarpanel in Höhe von rund 8,5 Milliarden US-Dollar. Zwar galten diese Schutzzölle allgemein, da aber insbesondere die Solarpanel primär in China für den Export hergestellt werden, wurde dies seitens Chinas als Provokation aufgefasst, auf die mit Ausgleichszöllen reagiert wurde. In der Folge wurde eine Spirale aus immer neuen Schutz- bzw. Strafzöllen auf der einen Seite und Ausgleichs- bzw. Vergeltungszöllen auf der anderen Seite in Gang gesetzt, die längst die Weltwirtschaft in Mitleidenschaft gezogen hat und als Handelskrieg bezeichnet werden kann.

Im Jahr 2017 verzeichneten die USA mit ihrem wichtigsten Handelspartnern jeweils ein Handelsbilanzdefizit im Güterhandel. Im Güterhandel mit der Europäischen Union (EU) betrug das Handelsdefizit 2017 rund 152,6 Milliarden US-Dollar, im Handel mit China sind rund 375,9 Milliarden US-Dollar Defizit zu verzeichnen.
Im Hinblick auf die Dienstleistungsbilanz, also dem Handel von Dienstleistungen (z.B. Tourismus oder Finanzdienstleistungen), weisen die USA hingegen mit den wichtigsten Handelspartnern aktive Dienstleistungsbilanzen, also positive Salden auf: Im Dienstleistungshandel mit der Europäischen Union (EU) betrug die aktive Dienstleistungsbilanz der USA im Jahr 2017 rund 51,4 Milliarden US-Dollar, mit China betrug sie rund 40,2 Milliarden US-Dollar und mit Kanada rund 25,4 Milliarden US-Dollar. Insgesamt betrug die aktive Dienstleistungsbilanz der USA im Jahr 2017 geschätzt rund 245,7 Milliarden US-Dollar.

Am 23. März 2018 traten US-Strafzölle auf Stahlimporte (25 Prozent Strafzoll) und Aluminiumimporte (10 Prozent Strafzoll) in Kraft, von denen zunächst einige Staaten ausgenommen waren. Seit dem 01. Juni 2018 sind von diesen Strafzöllen jedoch, bis auf Australien, alle Handelspartner der USA betroffen. Die Europäische Union (EU) ist mit einem Importvolumen von rund 7,7 Milliarden US-Dollar von diesen Strafzöllen betroffen, wovon rund 6,6 Milliarden US-Dollar auf die Stahlerzeugnisse entfallen und rund 1,1, Milliarden US-Dollar auf die Aluminiumerzeugnisse. Kanada ist unter allen Handelspartnern der USA am stärksten von diesen Strafzöllen betroffen: Kanada exportiert Stahlerzeugnisse im Wert von rund 5,5 Milliarden US-Dollar in die USA und Aluminiumerzeugnisse im Wert von rund 6,9 Milliarden US-Dollar.
Die Handelspartner der USA haben auf diese Strafzölle mit Ausgleichszöllen bzw. Vergeltungszöllen gegenüber der Einfuhr von US-Produkten in ihre Märkte reagiert:

Das Kalkül der US-Regierung um den US-Präsidenten Donald Trump, dass durch den Erlass der Strafzölle die Handelspartner einlenken und sich die bilateralen Handelsbilanzen zu Gunsten der USA entwickeln, scheint derzeit nicht aufzugehen. Im Gegenteil, haben die Handelspartner auf die Strafzölle mit Ausgleichszöllen geantwortet. Auch ein weiterer Strategiepunkt um die neue unilaterale US-Handelspolitik scheint sich gegenwärtig nicht zu erfüllen - die Erhöhung der Nettozuflüsse ausländischer Direktinvestitionen (FDI in den USA. Die US-Regierung ging davon aus, dass multinationale Konzerne (inländisch wie auch ausländisch) aus Angst den Zugang zum wichtigen US-Markt zu verlieren, ihre Investitionen in den USA stark erhöhen würden. Daher, so die Annahme, würden die Investitionen in den USA stark zunehmen, mehr Fabriken und Fertigungsstätten gebaut werden, um den US-Importzöllen zu entgehen. Das Gegenteil zeichnet sich derzeit ab - Der Nettozufluss des Investitionskapitals in den USA bricht ein. Im Ersten Quartal 2018 betrug der Nettozufluss ausländischer Direktinvestitionen in die USA rund 51,3 Milliarden US-Dollar; im ersten Quartal 2017 waren es noch 85,6 Milliarden US-Dollar und im ersten Quartal 2016 waren es 146,5 Milliarden US-Dollar.
Insbesondere der Kapitalzufluss aus der Europäischen Union und dem für die USA wichtigen Handelspartner Kanada ging zuletzt stark zurück.

Einer aktuellen Umfrage aus Deutschland (Juni 2018) zufolge sind rund 55 Prozent der Befragten der Meinung, dass es durch die US-Strafzölle nicht zu einem weltweiten Handelskrieg kommen wird. Der Handelskrieg der USA ist jedoch bereits Realität.

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