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Statistiken zur Industriellen Revolution

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts begann in einem kleinen Gebiet Englands ein Prozess, der welthistorische Bedeutung erlangen sollte: In der Grafschaft Lancashire vollzog sich als erstes der Übergang von der Agrargesellschaft zur Industriegesellschaft. Dieser Umbruch veränderte das Leben aller Menschen grundsätzlich. Denn auch wenn er sich zunächst in Teilen Europas und Nordamerikas ereignete, sollte er letztendlich jeden Winkel der Erde berühren.

Die Umwälzungen waren enorm: Jahrhundertelang hatten die Menschen überwiegend von der Landwirtschaft gelebt. Güter waren von Hand oder in Manufakturen erzeugt worden. Mit der Industrialisierung setzten immer mehr Betriebe neu entwickelte Maschinen ein. Die beginnende Massenproduktion in den Fabriken ermöglichte die Herstellung riesiger Warenkontingente und weckte das Interesse an großen Absatzmärkten. Während immer leistungsstärkere Eisenbahnen und Dampfschiffe Güter und Menschen immer schneller über weite Strecken transportierten, schoss der Welthandel in die Höhe.

Was hat die Industrialisierung mit der Sklaverei in den USA zu tun?

Als in den ersten Regionen Englands die Industrialisierung einsetzte, spielten sich die Veränderungen zunächst in einem bestimmten Wirtschaftsbereich ab: Die Textilindustrie wurde zum Motor der "Ersten Industriellen Revolution". Hier gelang es schon früh, durch den Einsatz neuer Maschinen ("Spinning Jenny") die Produktivität enorm zu steigern. Das Vereinigte Königreich, ohnehin schon lange eine bedeutende Handelsmacht, wurde so ab dem späten 18. Jahrhundert zur Textilwerkstatt der Welt.

Das britische Außenhandelsvolumen nahm in Folge gewaltig zu, wobei Baumwolle für die Exporte und für die Importe von großer Bedeutung war. Importiert wurde die Rohbaumwolle zu einem großen Teil aus der Karibik und dem Süden der USA, wo sie auf Plantagen von Sklaven angebaut wurde. Das Wachstum der englischen Textilindustrie und die beständige Nachfrage nach dem Rohstoff Baumwolle führten so unmittelbar zu einem Anstieg der Sklavenarbeit in anderen Weltregionen.

In England wurde die Rohbaumwolle von der neuen Klasse der Fabrikarbeiter zu Kleidern und Stoffen verarbeitet. Da der heimische Markt zu klein war für die nun technisch mögliche Massenproduktion, wurden Baumwollprodukte im großen Stil exportiert: nach Kontinentaleuropa, wo englische Produkte den Markt beherrschten, aber vor allem auch in die britischen Kolonien in Asien. In Indien führte dies zu einer regelrechten Deindustrialisierung. Bis ins späte 18. Jahrhundert war Indien selbst ein wichtiger Lieferant von Textilien gewesen. Durch den massenhaften Import maschinell hergestellter englischer Ware verloren viele indische Textilarbeiter ihre Arbeit.

Welche Wirtschaftszweige beschleunigten die deutsche Industrialisierung?

Im deutschsprachigen Raum setzte die Industrialisierung gegen 1830 ein. Anders als im Vereinigten Königreich war in Deutschland die Textilindustrie keine Schlüsselindustrie. Stattdessen wurden Montanindustrie und Eisenbahnbau zum Motor von Wachstum und Innovationen. Insbesondere der Eisenbahnbau förderte die Entwicklung in den eng verflochtenen Leitbranchen Kohlebergbau (Energie), Metallerzeugung (Schienen) und Maschinenbau (Anlagen und Fahrzeuge). Außerdem beschleunigte er den Transport von Post, Personen und Gütern.

Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts schlug die europäische Industrialisierung eine neue Richtung ein. In dieser "Zweite Industriellen Revolution" war die deutsche Wirtschaft führend ("vom Nachzügler zum Vorreiter"). Hatte sie früher Techniken vor allem aus England importieren müssen, wurde sie nun zum Technologieexporteur. Zu den neuen dominierenden Branchen gehörten neben der Chemischen Industrie und der Elektrotechnik, der Maschinenbau auch die optische Industrie.

Gab es in Deutschland Verlierer der Industrialisierung?

In Russland, China und der Mehrzahl der Kolonien blieb eine Industrialisierung zunächst aus. Diese Länder dienten lediglich als Rohstofflieferanten und als Absatzmärkte für europäische Industrieprodukte. Aber auch in Europa und Nordamerika waren die Gewinne der Industrialisierung sehr ungleich verteilt. Auch wenn die Industrialisierung längerfristig zu einem allgemein höheren Lebensstandard und einer höheren Lebenserwartung führte, waren die sozialen Verwerfungen durch sie enorm.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts hatten in den deutschen Gebieten immer mehr Menschen ihre Heimat verlassen, um in Fabriken für Lohn zu arbeiten. In den wachsenden Städten waren die Lebens- und Wohnverhältnisse jedoch teilweise katastrophal. Auf Grund der miserablen hygienischen Bedingungen kam es immer wieder zu Ausbrüchen von Krankheiten wie der Cholera. Dazu kamen Versorgungsengpässe mit Lebensmitteln. Zwar konnte die Landwirtschaft im 19. Jahrhundert ihre Effizienz deutlich steigern und die wachsende (urbane) Bevölkerung langfristig ernähren. Dennoch kam es auf Grund von Missernten zu temporären Hungersnöten.

Dazu kam, dass die Fabrikbesitzer ihren Arbeitern äußerst niedrige Löhne zahlten, so dass eine wachsende soziale Kluft zwischen den beiden Klassen entstand. Massenarmut ("Pauperismus") und Frauen- und Kinderarbeit waren die Folge. Arbeitszeiten von bis zu 13 Stunden an sechs Tagen waren zu Beginn der Industrialisierung durchaus üblich, und Krankheiten und Unfälle führten schnell zu Arbeitslosigkeit und Armut. Mit ihrer schlechten Bezahlung, den gefährlichen Arbeitsbedingungen und den langen Arbeitstagen gaben sich allerdings immer weniger Menschen zufrieden. Die Arbeiterbewegung mit ihren Gewerkschaften, der Sozialdemokratie und dem Kommunismus entstand.

Kohle – schwarzes Gold oder Klimakiller?

Steinkohle war das "schwarze Gold" der Industrialisierung. Sie bedeutete Antriebsenergie und Prozesswärme, Eisen und Stahl. Ohne sie wären Maschinenbau, Eisenbahn und letztlich die ganze Industrialisierung nicht denkbar gewesen. Durch die Verbrennung von Kohle wurde allerdings die Luft stark belastet. Vor allem in den Zentren der Industrie war diese regelrecht giftig. Menschen, Tiere und Pflanzen starben im 19. und 20. Jahrhundert in Folge der schlechten Luft. Besonders dramatisch waren die Ereignisse um den Great Smog im Dezember1952 in London.

Ein weiteres Umweltproblem im Zusammenhang mit der Kohle entwickelte sich aus dem Bergbau. Die Zechen verursachten Bergsenkungen und produzierten große Mengen an schmutzigem Wasser. In großen Bergbaugebieten wie dem Ruhrgebiet kam es immer wieder zu menschengemachten Erdbeben. Zwar schloss in Bottrop Ende 2018 das letzte deutsche Steinkohlebergwerk. Die Industrie, die ganze Landstriche geprägt hat, hinterlässt jedoch viele Probleme. Der Ewigkeitsschaden aus dem deutschen Steinkohlebergbau wird auf 12,5 bis 13,1 Milliarden Euro geschätzt.

Einen Ewigkeitsschaden anderer Art stellt die Erderwärmung dar. Anders als lange angenommen, ist sie kein Phänomen des 20. und 21. Jahrhundert. Wissenschaftler datieren den Beginn des Klimawandels inzwischen auf die Zeit um 1830: Zu Beginn der Industriellen Revolution wurden zwar nur vergleichsweise geringe Menge von Treibhausgasen ausgestoßen, diese haben dennoch nachweislich zum Einsetzen der Erderwärmung beigetragen.

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