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Wirtschaftskrisen des 21. Jahrhunderts – Vergleich der Finanz- und der Corona-Krise

In einer globalisierten Wirtschaft wirken sich ökonomische Rezessionen und Krisen schnell auf eine Vielzahl von Staaten und Wirtschaftsräumen aus. In den vergangenen 15 Jahren bestimmten bereits zwei globale Wirtschaftskrisen das gesellschaftliche und politische Geschehen – zum einen die Finanz-Krise ab dem Jahr 2008 und die wirtschaftlichen Auswirkungen der globalen Corona-Pandemie – oder auch Corona-Krise – ab dem Jahr 2020. Beide Krisen beeinflussten das wirtschaftliche System maßgeblich, zwischen beiden Krisen existieren Parallelen und Unterschiede.

Die Finanz-Krise – Ausgelöst durch die platzende Immobilienblase in den USA

Die globale Finanz-Krise ist das Ergebnis einer Verzahnung des globalen Bankensystems, dass durch die geplatzte Immobilienblase in den USA kollabierte. Der US-amerikanische Immobilienmarkt galt als sichere Investition, sodass immer mehr Menschen in ein Eigenheim investierten und massive Kredite aufnahmen. Die Standards einer Kreditvergabe wurde kontinuierlich aufgeweicht, die Liquidität am Finanzmarkt nahm dadurch ab, sodass die Refinanzierung der Kredite unmöglich wurde. Nach der Anhebung des Leitzins durch die US-Notenbank Im Jahr 2006 stieg auch der Hypothekenzins: Viele Immobilienbesitzer mussten daraufhin ihr Eigenheim verkaufen, da sie ihre Kredite nicht zurückzahlen konnten. Durch die steigenden Verkäufe sanken die Immobilienpreise drastisch und die Banken erhielten ihr Geld aus den Kreditgeschäften nicht zurück – die Blase platzte. Die namhaften Ratingagenturen trugen einen Großteil zur Vergrößerung der Blase bei, indem sie Kredite falsch bewerteten und somit das System fälschlicherweise stabilisierten. Am 15. September 2008 meldete die Investmentbank Lehman Brothers als erste Bank Insolvenz an. Im Jahr 2009 folgten weitere 140 Bankenpleiten allein in den USA.
Der gesamten Bankensektor stürzte daraufhin in eine tiefe Vertrauenskrise. Investoren und Anleger waren tief verunsichert, sodass immer weniger Banken Kredite an Privatpersonen und Unternehmen vergaben. Auf die Krise des Finanzmarkts folgte eine Wirtschaftskrise im Jahr 2009. Die deutsche Wirtschaft konnte erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg kein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) verzeichnen, die Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit stieg an. Die globalen Preise für Rohstoffe und Lebensmittel stiegen, sodass wirtschaftlich schwächer Volkswirtschaften von der Wirtschaftskrise besonders hart getroffen waren.

Um das Vertrauen in den Finanzsektor zurückzugewinnen und das System zu stabilisieren, sprang in vielen Volkswirtschaften der Staat als finanzielle Sicherung ein. Durch Staatshilfen wurden in vielen Ländern Banken vor der Insolvenz gerettet – in Deutschland umfasste die Bankenrettung u.a. die Hypo Real Estate, die Commerzbank oder unterschiedliche Landesbanken. Durch weitere Konjunkturpakete versuchte die Bundesregierung die stockende Wirtschaft anzukurbeln – prominentes Beispiel war die Zahlung einer Abwrackprämie beim Kauf eines Neu- oder Jahreswagens zur Unterstützung der Automobilindustrie.

Nicht nur Unternehmen oder Privatpersonen litten unter den Unsicherheiten im Finanzsektor, auch hochverschuldete Staaten sahen sich dem Problem konfrontiert, keine neuen Kredite für ihre Staatsfinanzen aufnehmen zu können. Europäische Länder wie Griechenland, Portugal oder Italien galten als nahezu als bankrott. Dies wirkte sich auch auf die gemeinsame Währung des Euros aus, denn das Vertrauen in die nationalen Staatsanleihen anderer Eurostaaten drohte zu erodieren. Somit waren die Währungsgemeinschaft gezwungen, den finanziell geschwächten Euroländern mit bilateralen Krediten auszuhelfen, um die gemeinsame Währung zu stabilisieren. Durch die Einführung des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) rückten die Euroländer fiskalpolitisch enger zusammen, die integrierte Sparpolitik traf in vielen europäischen Ländern jedoch auf harsche Kritik.

Die Corona-Krise – aus gesundheitlicher Vorsorge folgt eine massive Rezession

Ein neuartiger Erreger mit Namen SARS-CoV-2 bestimmt seit dem Jahr 2020 das alltägliche Leben auf der ganzen Welt. Nach dem Auftreten der ersten Fälle im chinesischen Wuhan Ende des Jahres 2019 verbreitete sich das Corona-Virus im Laufe des Jahres 2020 auf dem gesamten Erdball und zwang die Politik zu massiven Einschränkungen, um die Pandemie einzudämmen. Neben den gesundheitlichen Folgen und den gestiegen Todeszahlen – nähere Details zum Coronavirus finden Sie auf unserer Themenseite – waren die wirtschaftlichen Auswirkungen massiv. Von Ende März bis Anfang Mai 2020 gab es mit einem Shutdown verschiedener wirtschaftlichen Branchen die ersten massiven Einschränkungen: Produktionsstopp in der Industrie, Verlegung von Büroarbeiten ins Home Office, Schließung von Gastronomie und Hotellerie, Schließung von Kunst- und Kulturveranstaltungen und vieles mehr – nahezu jede erwerbstätige Person war im Frühjahr 2020 von den Auswirkungen der Pandemie wirtschaftlich betroffen. Im April 2020 stieg die Anzahl der Kurzarbeiter auf ein neues Rekordhoch und löste den bisherigen Rekordwert aus der Finanz-Krise mit einer hohen Deutlichkeit ab. Auch die Arbeitslosenquote stieg im Frühjahr 2020 spürbar an.
Die einschränkten Maßnahmen von Wirtschaft und Gesellschaft wurden durch das Infektionsgeschehen bestimmt, im Laufe des Sommers wurden verschieden Maßnahmen durch sinkende Infektionszahlen gelockert, jedoch unterschieden sich die einschränkten Maßnahmen nach dem Grad der Kontaktaufnahme mit anderen Personen. Die Auslegungen von Infektionsschutzmaßnahmen unterschieden sich im föderalen System Deutschlands auch zwischen den Bundesländern. Diese Unplanbarkeit sorgte im Bereich der Wirtschaft für große Unsicherheit. Die Bundesregierung versuchte durch verschiedene Konjunkturpakete und Hilfszahlungen finanzielle Ausfälle der Wirtschaft zu kompensieren, um Insolvenzen zu verhindern. Auch großen Unternehmen wie die Lufthansa oder der Reiseveranstalter TUI mussten Staatshilfen in Milliardenhöhe in Anspruch nehmen. In der zweiten Jahreshälfte 2020 schraubte der deutsche Staat die Mehrwertsteuer hinunter, um die Binnenkonjunktur anzukurbeln. Ein weiterer Faktor der wirtschaftlichen Unplanbarkeit waren nachhaltige gestörte Produktions- und Lieferketten, bis heute herrschen in vielen Branchen Lieferengpässe von Vor- und Endprodukten. Durch die Knappheit von Produkten stiegen die Preise. Die Inflation stieg in Deutschland so stark wie seit 30 Jahren nicht mehr, neben der Corona-Krise wurde die Inflation durch den steigenden Rohölpreis beschleunigt. Auch der Ausgleich der Mehrwertsteuersenkung 2020 ließ die Inflation im darauffolgenden Jahr 2021 in die Höhe steigen.

Krisen im Vergleich - Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Bei der Entwicklung verschiedener wirtschaftlichen Indikatoren gibt es zwischen den beiden Krisen sowohl einige Gemeinsamkeiten als auch deutliche Unterschiede. Der wirtschaftliche Schaden für die deutsche Volkswirtschaft war bei beiden Krisen massiv, das Bruttoinlandsprodukt ging spürbar zurück, entsprechende Reaktionen der Wirtschaft waren auf dem Arbeitsmarkt sichtbar. Die staatlichen Hilfen durch die Anmeldung von Kurzarbeit wurde während der Corona-Pandemie in neuen Rekordwerten genutzt. Der Außenhandel brach indes während der Finanz-Krise massiver ein, die Ausfälle im Bereich des deutschen Außenhandels waren während der Corona-Krise nur zu Krisenbeginn enorm und konnten sich schnell stabilisieren. Auch der Einzelhandel, der während der Corona-Krise phasenweise komplett geschlossen war, konnte nach den Schließungen schnell das Vorkrisenniveau erreichen, der Einzelhandelsumsatz stieg im Jahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr sogar leicht an. Die Preissteigerungen und die Inflation wurden während der Corona-Krise erst im Jahr 2021 spürbar: Im Jahr 2021 stieg die Inflation um 3,1 Prozent um damit auf den höchsten Wert seit den Jahren der Wiedervereinigung.

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