Statistiken zur Armut in Deutschland

Im Jahr 2016 waren in Deutschland 19,7 Prozent der Menschen von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen. Die Armutsgefährdungsquote ist ein Indikator zur Messung relativer Einkommensarmut und ist definiert als Anteil der Personen mit einem Äquivalenzeinkommen von weniger als 60 Prozent des Bundesmedians der Äquivalenzeinkommen der Bevölkerung in Privathaushalten. Das Äquivalenzeinkommen ist ein auf der Basis des Haushaltsnettoeinkommens berechnetes bedarfsgewichtetes Pro-Kopf-Einkommen je Haushaltsmitglied. Es wird herangezogen, um die Einkommen unterschiedlich großer Haushalte vergleichbar zu machen und ergibt sich aus der Summe der Einkommen aller Haushaltsmitglieder, welche anschließend durch einen Wert dividiert wird, der üblicherweise anhand der "neuen OECD-Äquivalenzskala" bestimmt wird. Die Armutsgrenze liegt bei 60 Prozent des mittleren bedarfsgewichteten Nettoeinkommens der Bevölkerung in Privathaushalten. Auch die Europäische Union benutzt diese Definition. Wer in Deutschland weniger als 12.726 Euro im Jahr verdient, gilt nach dem Stand des Jahres 2016 als armutsgefährdet.


Um eine Mindestsicherung der Menschen in Deutschland zu gewährleisten, gibt es ein System finanzieller Hilfeleistungen des Staates. Dazu gehört die Grundsicherung für Arbeitssuchende. Das Arbeitslosengeld II (Alg II) stellt die Grundsicherungsleistung für erwerbsfähige Hilfebedürftige nach dem SGB II dar und wurde durch das Hartz-IV-Gesetz am Anfang des Jahres 2005 mit der Zusammenlegung der ehemaligen Arbeitslosenhilfe und der Sozialhilfe neu geschaffen. Das Alg II können alle erwerbsfähigen leistungsberechtigten Personen im Alter von 15 Jahren bis zur gesetzlich festgelegten Altersgrenze zwischen 65 und 67 Jahren erhalten. Sozialgeld erhalten nicht erwerbsfähige Leistungsbedürftige, wenn in ihrer Bedarfsgemeinschaft mindestens ein erwerbsfähiger Hilfebedürftiger lebt. Arbeitslosengeld II und Sozialgeld sind Leistungen nach dem SGB II, die eine Grundsicherung des Lebensunterhaltes gewährleisten sollen. Die Personen in Bedarfsgemeinschaften (hierzu gehören die Leistungsberechtigten nach dem SGB II und die nicht Leistungsberechtigten) werden umgangssprachlich oft als Hartz-IV-Empfänger bezeichnet. Im Jahr 2017 erhielten in Deutschland rund 6,15 Millionen Menschen Leistungen nach Hartz IV (Stand Juli 2017). Der Regelsatz betrug zu diesem Zeitpunkt 409 Euro. Im Jahr 2017 gab es durchschnittlich 0,91 Millionen Langzeitarbeitslose in Deutschland. Eine weitere Leistung ist die Sozialhilfe, die als Hilfe zum Lebensunterhalt außerhalb von Einrichtungen und als Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung (SGB XII) dient. Des Weiteren fallen Regelleistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) und laufende Leistungen der Kriegsopferfürsorge nach dem Bundesversorgungsgesetz (BVG) unter die soziale Mindestsicherung.

Betroffen von Armut sind oft auch Kinder und ältere Menschen. Im Jahr 2016 betrug die Armutsgefährdungsquote von Kindern unter 18 Jahren in Deutschland 20,2 Prozent. Im Jahr 2015 lebten 14,7 Prozent der Kinder unter 18 Jahren in Familien mit SGB II Bezug (Bedarfsgemeinschaften). Unter den Personen ab 65 Jahren waren zu diesem Zeitpunkt 14,8 Prozent von relativer Einkommensarmut betroffen. Bei einer negativen Entwicklung des Arbeitsmarktes wird die Armutsgefährdungsquote in den Jahren von 2031 bis 2036 auf 21,7 Prozent prognostiziert.

Wer in Deutschland nicht über einen mietvertraglich abgesicherten Wohnraum verfügt, gilt als wohnungslos. Es gibt jedoch keine bundeseinheitliche Wohnungsnotfall-Berichterstattung, deswegen legt die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) regelmäßig eine Schätzung zur Zahl der Wohnungslosen vor. Für das Jahr 2016 schätzt die BAG Wohnungslosenhilfe die Anzahl der Wohnungslosen in Deutschland auf rund 860.000 Menschen. 436.000 davon sind anerkannte Flüchtlinge, die in Flüchtlingsunterkünften trotz Statuswechsel (vom Asylbewerber zum Flüchtling) zur Unterbringung geduldet werden, weil sie noch nicht über eine Wohnung verfügen. Unter den nicht geflüchteten Personen wird der Anteil der wohnungslosen Personen mit Migrationshintergrund ohne deutsche Staatsangehörigkeit auf rund 29 Prozent geschätzt. Gründe für den Wohnungsverlust sind unter anderem Räumung, meistens wegen Mietschulden oder Kündigung durch den Vermieter.


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Armut in Deutschland - Wichtige Statistiken

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