Statistiken zu den Auswirkungen des Coronavirus auf die Wirtschaft

Auf dieser Seite sind Informationen und Statistiken zu den Auswirkungen des Coronavirus auf die Wirtschaft zusammengestellt. Für detaillierte Informationen zu den aktuellen Fallzahlen und Todesopfern, zur Chronologie des Ausbruchs und der internationalen Verbreitung besuchen Sie bitte unsere Themenseite zum Coronavirus.

Shutdown der Wirtschaft und Lockerung der Maßnahmen

Um die Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland einzudämmen, wurden im März weitreichende Einschränkungen der wirtschaftlichen Tätigkeiten beschlossen und angeordnet. Dieser wirtschaftliche Shutdown aufgrund der Corona-Krise betraf große Teile der Unternehmen und Selbstständigen in Deutschland. Viele Unternehmen, darunter auch etliche kleinere Mittelstandsunternehmen, mussten ihre Geschäftstätigkeit wegen des Coronavirus ganz oder teilweise einstellen. Die großen Autobauer hatten ihre Produktion teilweise ganz eingestellt, was natürlich die gesamte Automobilzulieferer-Branche stark belastete. Einzelhandelsgeschäfte blieben vielerorts geschlossen, wenn sie nicht der Grundversorgung dienen. In einigen Bundesländern wurden zudem alle Bars, Clubs und Restaurants auf Anordnung geschlossen. Auch größere Veranstaltungen wie Messen oder Konzerte wurden untersagt, in sämtlichen Sportarten ruhte der Ligenbetrieb. Die Unternehmen waren grundsätzlich angehalten, sofern möglich, ihre Mitarbeiter in Heimarbeit zu schicken. In allen Bundesländern wurden zunächst alle Schulen, Universitäten, Kindertagesstätten, Museen, Kinos, Schwimmbäder und ähnliche Einrichtungen geschlossen.

Am 15. April haben sich Bund und Länder auf erste Lockerungen dieser strikten Beschränkungen ab dem 20. April geeinigt, wobei es hier durchaus Unterschiede in der konkreten Ausgestaltung in den einzelnen Bundesländern gab. Geschäfte bis zu einer Größe von 800 Quadratmetern Fläche durften ab dem 20. April wieder öffnen. Auch durften sämtliche Buchhandlungen, Auto- und Fahrradhändler, hier unabhängig von der Größe, wieder öffnen. Allerdings gelten für die Geschäfte strenge Hygieneauflagen, um Mitarbeiter und Kunden zu schützen. Ab dem 04. Mai durften Friseure ihre Geschäfte für die Kunden wieder öffnen. Sämtliche Restaurants, Bars, Nachtclubs und ähnliche Unternehmen müssen hingegen weiterhin geschlossen bleiben. Dies gilt auch für Theater und Konzerthäusern. Grundsätzlich sind die Unternehmen weiterhin aufgefordert, ihre Mitarbeiter so weit wie möglich ins Homeoffice zu schicken. Schulen haben ab dem 04. Mai wieder für Teile der Schüler geöffnet, Kitas bleiben vorerst geschlossen. Zudem wurde beschlossen, dass Großveranstaltungen in Deutschland bis mindestens Ende August untersagt bleiben, wobei die Entscheidung, ab welcher Größe dies gilt, bei den einzelnen Bundesländern liegt. In den Sitzungen von Bund und Ländern am 30. April, 06. Mai und 25. Mai wurden weitere Lockerungen beschlossen, auch hier gibt es allerdings Unterschiede in den einzelnen Bundesländern. So haben vielerorts die Schulen teilweise wieder geöffnet, z.B. Museen, Ausstellungen, Galerien, Zoos und ähnliche Einrichtungen konnten wieder öffnen, für die Geschäfte wurde die 800-Quadratmeter-Regelung aufgehoben. Die Bundesliga hat den Spielbetrieb wieder aufgenommen, auch für kulturelle Veranstalter wie z.B. Theatern, Opern und Kinos waren Lockerungen geplant.

Einbruch der Wirtschaftsleistung Deutschlands

Statistik: Veränderung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Deutschland gegenüber dem Vorquartal (preis-, saison- und kalenderbereinigt) vom 1. Quartal 2016 bis zum 1. Quartal 2020 | Statista Der Shutdown belastet die deutsche Wirtschaft sehr schwer. Experten gehen mittlerweile von der größten Rezession in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland aus. Im 2. Quartal 2020 ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gegenüber dem Vorquartal um 10,1 Prozent gesunken. Das ist laut Statistischem Bundesamt der stärkste Rückgang seit Beginn der vierteljährlichen BIP-Berechnung seit dem Jahr 1970. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (auch Wirtschaftsweise genannt) rechnet damit, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt im gesamten Jahr 2020 aufgrund der Corona-Krise und den damit einhergehenden ökonomischen Auswirkungen der weitreichenden gesundheitspolitischen Maßnahmen im Vergleich zum Vorjahr um 6,5 Prozent zurückgehen wird. Im folgenden Jahr 2021 könnten Aufholeffekte und ein statistischer Überhang das BIP wieder um 4,9 Prozent wachsen lassen. Auch das ifo-Institut rechnet in einer am 01. Juli veröffentlichten Prognose mit einer ähnlichen Entwicklung, die Forscher gehen von einem Rückgang der Wirtschaftsleitung von 6,7 Prozent.



Produktion, Aufträge und Außenhandel

Die Produktion im Produzierende Gewerbe ist im April 2020 gegenüber dem Vormonat um 17,6 eingebrochen, schon im März ging die Produktion um 8,8 Prozent zurück. Dies war laut Statistischem Bundesamt der stärkste Rückgang seit Beginn der Zeitreihe im Januar 1991. Auch die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe waren im Vergleich zum Vormonat im April mit 26,1 Prozent sehr stark zurückgegangen (März -15,0 Prozent). Im Mai und Juni wuchs das Volumen der Auftragseingänge des Verarbeitenden Gewerbes gegenüber dem Vormonat dann wieder an. Ähnliche Rekordwerte gibt es auch beim Außenhandel: im April 2020 nahm der Wert der Exporte saison- und kalenderbereinigt gegenüber dem Vormonat um 23,9 Prozent ab (das war laut Statistischem Bundesamt der größte Rückgang gegenüber des Vormonats seit dem Jahr 1990), bevor der Wert im Mai und Juni im Vergleich zum Vormonat wieder um 8,9 bzw. um 14,9 Prozent anstieg. Gegenüber dem Vorjahresmonat gingen die Exporte im April sogar um 31,1 Prozent zurück, dies war der größte Rückgang eines Monats im Vergleich zum Vorjahresmonat seit Beginn der Außenhandelsstatistik im Jahr 1950. Im Mai 2020 ging das Exportvolumen gegenüber Mai 2019 um ca. 29,7 Prozent zurück, im Juni lag das Volumen noch 9,4 Prozent unter dem des Vorjahresmonat.

Konjunkturindikatoren für Deutschland

Natürlich sind die Auswirkungen der Corona-Krise und des Shutdowns anhand wichtiger Konjunkturindikatoren deutlich erkennbar. Der ifo-Geschäftsklimaindex ist im April 2020 auf einen historischen Tiefstand gefallen. Noch nie zuvor gab es einen größeren Rückgang im Vergleich zum Vormonat. Im Mai, Juni und Juli ist der Index allerdings wieder angestiegen. Ebenso waren die Unternehmen in den letzten Monaten im Vergleich zum April nicht mehr ganz so pessimistisch, was die weitere Entwicklung in den nächsten Monaten angeht. Dies bildet der ifo-Geschäftserwartungsindex ab. Im Juli erreichte der Index sogar ein höheres Niveau als vor der Corona-Krise. Der ZEW-Index zur Konjunkturerwartung ist im April, Mai und Juni wieder deutlich angestiegen, nachdem dieser im März den größten Rückgang seit Beginn der Erhebung verzeichnen musste. Im Juli gab der Indexwert wieder leicht nach. Der Einkaufsmanagerindex (EMI) der Industrie in Deutschland, der auf einer Befragung von 400 Industrieunternehmen in Deutschland basiert und sich aus den Indikatoren Produktion, Auftragseingang, Beschäftigung, Lieferzeiten und Lagerbestand zusammensetzt, brach im April ebenfalls ein, bevor dieser sich im Mai, Juni und Juli 2020 wieder erholte. Laut Quelle führten die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus zu einem Rekord-Rückgang der Produktion in Deutschlands Industriesektor. Noch deutlicher ist die Krise am Einkaufsmanagerindex (EMI) der Dienstleistungsbranche in Deutschland erkennbar. Statistik: GfK-Konsumklima-Index von Juli 2019 bis Juli 2020 und Prognose für August 2020 | Statista Dieser Index zeigte im April laut Quelle historische Einbußen bei Geschäftstätigkeit, Auftragseingang und Beschäftigung. Auch die Geschäftsaussichten waren auf ein Rekordtief abgestürzt. Das KfW-ifo-Mittelstandsbarometer im Bereich Geschäftsklima zeigt die schlechte Stimmung im Mittelstand: Im März und April 2020 verzeichnete dieser Indikator einen starken Einbruch, auch hier spricht die Quelle von einem historischen Absturz. Auch dieser Indexwert erholte sich in den Monaten von Mai bis Juli wieder. Die Corona-Krise hat zudem massive Auswirkungen auf die Verbraucherstimmung: der GfK-Konsumklima-Index, der die Konsumneigung der Privathaushalte misst, ist im Mai auf ein Rekord-Tief gefallen und hat sich für Juni und Juli nur leicht, im August schon deutlicher erholt.

Kurzarbeit und Arbeitsmarkt in Deutschland

Während der Corona-Krise waren im Juli laut Berechnungen des ifo-Instituts rund 5,6 Millionen Personen in Kurzarbeit. Damit wurde der bisherige Rekordmonat Mai 2009, als 1,44 Millionen Menschen in Kurzarbeit waren, deutlich übertroffen. Die meisten Kurzarbeiter gab es laut ifo im Verarbeitenden Gewerbe mit ca. 2,12 Millionen Personen. Somit waren ca. 30 Prozent der Beschäftigten im Verarbeitenden Gewerbe in Kurzarbeit. Die Arbeitslosenquote stieg bis Juli auf 6,3 Prozent, im März hatte sie noch bei 5,1 Prozent gelegen. Die Zahl der Arbeitslosen lag im Juli im Vergleich zum Vormonat um über 56.700 höher, gegenüber dem Vorjahresmonat stieg die Zahl der als arbeitslos gemeldeten Menschen sogar um fast 635.000 an. Gleichzeitig ist die Nachfrage nach neuen Arbeitskräften stark zurück gegangen, so sank der Bestand an gemeldeten offenen Arbeitsstellen im Juli im Vergleich zu März um fast 118.000. Im Vergleich zum Juli des letzten Jahres gab es 28,3 Prozent weniger offene Arbeitsstellen. Das ifo-Beschäftigungsbarometer ist im April 2020 auf einen Wert von 86,4 Punkten abgestürzt, hat sich im Mai, Juni und Juli allerdings wieder erholt. Laut ifo-Institut war der April-Wert der niedrigste jemals ermittelte Wert, zudem gab es auch noch nie einen so starken Rückgang des Barometers. Daraus kann man schließen, dass es zu mehr Entlassungen kommen und die Arbeitslosigkeit in Deutschland steigen wird.

Konjunkturpaket, Hilfspaket und Neuverschuldung

Welche Auswirkungen diese drastischen Maßnahmen auf die betroffenen Unternehmen und Branchen mittel- und langfristig haben werden, ist noch kaum abzusehen. Klar ist, dass es zu massiven finanziellen Schäden und zu Entlassungen von Beschäftigten kommen wird.
Um der Corona-Krise zu begegnen, hat sich der Koalitionsausschuss am 03. Juni 2020 auf ein Konjunkturpaket zur Bewältigung der Corona-Krise geeinigt. Das Konjunkturpaket soll mit verschiedenen Maßnahmen die Konsequenzen der Corona-Krise abfedern. Das Paket hat laut Bundesregierung ein Gesamtvolumen in Höhe von rund 130 Milliarden Euro.
Statistik: Ausgewählte Bestandteile des Konjunkturpakets der Bundesregierung zur Bewältigung der Corona-Krise vom 3. Juni 2020 (Finanzbedarf für die Jahre 2020 und 2021 in Milliarden Euro) | Statista Das Paket soll neben dem erhofften wirtschaftlichen Anschub auch Aspekte sozialer Gerechtigkeit sowie ökologischer Nachhaltigkeit berücksichtigen. So sind beispielsweise rund 40 Milliarden Euro für Zukunftsinvestitionen und Investitionen in Klimatechnologien vorgesehen. Rund 9 Milliarden Euro des Konjunkturpakets sind dafür gedacht, junge Menschen und Familien zu unterstützen.
Bereits am 25. März hat der Bundestag als Hilfspaket einen sehr umfangreichen Nachtragshaushalt beschlossen. Auch die Opposition stimmte fast geschlossen für das Haushaltsgesetz, das eine Neuverschuldung in Höhe von 156 Milliarden Euro sowie Garantien in Höhe von 600 Milliarden vorsieht (nur die AfD-Fraktion hat sich bei der Abstimmung enthalten). Einschließlich aller Bürgschaften und vergünstigter KfW-Kredite hatten alle im März beschlossenen Hilfsmaßnahmen zusammen ein Volumen von rund 1,2 Billionen Euro. Um das Vorhaben zu realisieren, musste sogar die im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse ausgesetzt werden. Von den so zur Verfügung stehenden Mitteln sollen direkte Zuschüsse und auch Darlehen vergeben werden, so z. B. über die Förderbank KfW (siehe die Anzahl der Kreditanträge von Unternehmen im Rahmen der KfW-Corona-Hilfe und das Volumen dieser Kredite). Auch Steuerstundungen gehören zu den Maßnahmen, die den betroffenen Unternehmen und Freiberuflern helfen sollen. Hinzu kommen Rettungsschirme einzelner Bundesländer.

Umfragen unter deutsche Unternehmen

Wie bereits weiter oben beschrieben gaben bereits im April mehr als 50 Prozent der in einer Umfrage des ifo-Instituts befragten Unternehmen aus Deutschland an, dass sie nicht länger als 6 Monate überleben werden, wenn die Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie noch für längere Zeit aufrechterhalten werden. Am bedrohlichsten ist der Umfrage zufolge die Lage im deutschen Einzelhandel, von den Unternehmen dieser Branche gaben im April fast 45 Prozent an, bei den derzeitigen Einschränkungen nicht länger als 3 Monate überleben zu können.
Nach einer Ende Juni durchgeführten Blitzumfrage des DIHK unter Unternehmen in Deutschland gehen knapp 80 Prozent der Unternehmen davon aus, dass der Umsatz im Jahr 2020 aufgrund der Krise zurückgehen wird. 20 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, dass sie aufgrund der Pandemie Personal abbauen müssen. 34 Prozent der befragten Unternehmen rechneten noch in diesem Jahr mit einer Rückkehr zur normalen Geschäftstätigkeit. 39 Prozent der Unternehmen gehen davon aus, dass dies erst im Jahr 2021 möglich sein wird, 11 Prozent rechnen sogar mit einer Rückkehr zur normalen Geschäftstätigkeit erst nach dem Jahr 2021.


Interessante Statistiken

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