14,6 Arbeitsunfähigkeitstage je Arbeitnehmer:in hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) im vergangenen Jahr gezählt. Damit liegt dieser Wert auf einem ähnlichen Niveau wie in den Jahren davor. Dagegen waren es noch 2021 mehr als drei Tage weniger. Ähnlich sieht das Bild beim Krankenstand der Gesetzlichen Krankenversicherung aus, wie der Blick auf die Statista-Grafik zeigt. Was ist der Grund für diesen sprunghaften Anstieg?
Im Oktober 2021 wurde die elektronische Krankschreibung eingeführt. Waren vorher die Versicherten selber dafür verantwortlich, die ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) an ihre Krankenasse weiterzuleiten, passiert diese seitdem auf elektronischem Weg. Dadurch werden nun "viele viele Fälle erfasst, die zuvor nicht gemeldet worden waren. Die Deutschen sind also nicht länger krank; es handelt sich vielmehr um einen statistischen Effekt.
Ob der Krankenstand in Deutschland zu hoch ist, wie etwa Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) findet, ist eine andere Frage, aber sicher ist, dass er auch vor 2022 schon deutlich höher lag als in den offiziellen Statistiken angegeben. Auch ist strittig, ob die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung und die AU-Bescheinigung etwas an der Ausfalldauer der Arbeitnehmer:innen ändern kann. Die Kassenärztliche Vereinigung (KBV) ist mit der Neuregelung jedenfalls nicht einverstanden.
Laut einer, wie das Deutsche Ärzteblatt schreibt, konservativen Schätzung der KBV könnte die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung und eine gesetzlich vorgeschriebene AU ab dem ersten Tag zu 30 Millionen zusätzlichen Praxisbesuchen führen. "Bei einer Behandlungsdauer – Untersuchung und Gespräch – von zehn Minuten ergibt das der KBV-Hochrechnung zufolge 208.000 komplette Arbeitstage, die für diese Leistung in der vertragsärztlichen Versorgung aufgewendet werden müssten."




















