Statistiken zum Textil- und Bekleidungseinzelhandel in Deutschland

Veröffentlicht von M. Hohmann, 22.10.2018
Die Deutschen geben jährlich mehr als 70 Milliarden Euro für Bekleidung und Schuhe aus. Bezogen auf die gesamten Konsumausgaben bedeutet dies einen Anteil von rund 4,8 Prozent – im Vergleich zu sechs Prozent im Jahr 2000.

Um dieses Marktvolumen ringen klassische Fachhändler und Ketten, der Versandhandel, Kauf- und Warenhäuser sowie gänzlich branchenfremde Anbieter wie der Lebensmitteleinzelhandel. Die Otto Group aus Hamburg ist der größte Textileinzelhändler Deutschlands. Nach dem Versandhaus folgen die Ketten H&M und C&A auf den Plätzen. Als wertvollste Modemarken weltweit gelten derzeit Nike, Zara (Inditex) und adidas.

Der Facheinzelhandel mit überwiegend Bekleidung kam im Jahr 2016 laut Umsatzsteuerstatistik in Deutschland auf einen Umsatz von netto rund 33 Milliarden Euro. Die Branche beschäftigte in diesem Zeitraum mehr als 370.000 Mitarbeiter – überwiegend Frauen und größtenteils in Teilzeitbeschäftigung.

Im Mix der Vetriebskanäle behauptet sich der Fachhandel (inkl. Ketten, die vorwiegend Bekleidung verkaufen) bisher wacker mit einem Marktanteil von 50 Prozent. Der Grund hierfür ist allerdings vor allem in der schwindenden Bedeutung von Kauf- und Warenhäusern zu suchen. Eine Studie kam 2013 zu dem verheerenden Urteil, dass nur etwa ein Drittel der Warenhausstandorte – vor allem in Großstädten – zukunftsfähig sei. Ihr Anteil am Textil- und Bekleidungsumsatz sank von fast zwölf Prozent im Jahr 2007 auf rund 7,5 Prozent im Jahr 2017. Der vor allem auf preisbewusste Käufer zugeschnittene Textilbereich des Lebensmitteleinzelhandels hat sich nach jahrelangem Wachstum auf knapp unter sieben Prozent des Marktes eingependelt.

Deutschland ist ein Nettoimporteur von Textilien und Bekleidung. Die Produktion der heimischen Textil- und Bekleidungsindustrie deckt nur einen relativ kleinen Teil der Nachfrage. Der Großteil kommt heute aus Niedriglohnländern vor allem in Asien. China, Bangladesch und die Türkei waren im Jahr 2017 die wichtigsten Herkunftsländer für den deutschen Bekleidungsmarkt. Technologische Entwicklungen begünstigen jedoch eine Rückverlagerung der Produktionsstandorte bis 2025 nach Europa.

Katastrophen wie der Fabrikeinsturz in Dhaka in Bangladesch, bei dem im April 2013 über 1.000 Menschen ums Leben kamen, werfen regelmäßig Fragen nach verbindlichen Sozialstandards in der Textilherstellung auf. Lange nur ein Nischenmarkt, scheint in den letzten Jahren Bewegung in das Thema ethischer Modekonsum zu kommen. Der Absatz von Textilien mit Fair-Trade-Siegel nahm in den vergangenen fünf Jahren kontinuierlich und zuletzt stark zu.

Der Textileinzelhandel in Deutschland ist von einem anhaltenden Konzentrationsprozess geprägt. Unternehmen mit einem Jahreserlös von mehr als 100 Millionen Euro können immer größere Marktanteile auf sich vereinen. Die wachsende Dominanz der Ketten lässt sich auch an den gegenläufigen Geraden der (abnehmenden) Anzahl der Unternehmen einerseits und der (zunehmenden) Anzahl der Geschäfte (bzw. örtlichen Einheiten) andererseits ablesen.

Vertikalisierung ist ein weiterer Trend, der die Branche umtreibt und den klassischen, intermediären Fachhandel bedroht. Internationale Ketten wie H&M, Esprit, Zara und Primark, die die komplette Wertschöpfungskette einschließlich der Fertigung kontrollieren, geben den Takt im Bekleidungseinzelhandel vor. Zudem drängen mehr und mehr Hersteller in den Einzelhandel, eröffnen eigene Geschäfte oder erwerben Konzessionsflächen in Partnerläden.

Doch trotz aller Herausforderungen, die mit dem Wechsel der Wertschöpfungsstufe verbunden sind, ist der Schritt mit handfesten Vorteilen verbunden: Flagship-Stores wie die Geschäfte von Adidas dienen einerseits als Marketinginstrument, in denen die eigene Marke in einem hermetischen Umfeld inszeniert werden kann. Andererseits liefert die direkte Tuchfühlung mit dem Verbraucher wertvolles Feedback, eine relevante Ressource in Zeiten immer schnellerer Taktfrequenzen und Sortimentswechsel. Als Branchenbenchmark im „Fast Fashion“-Bereich gilt die zum spanischen Inditex-Konzern gehörende Kette Zara, die ihr Verkaufspersonal als Aushilfs-Marktforscher einsetzt und durch enge Verzahnung dieses Inputs mit Designabteilung und Herstellung innerhalb von zwei bis drei Wochen auf geänderte Vorlieben der KundInnen reagieren kann.

Eine tektonische Verschiebung der Marktgleichgewichte zeichnet sich in der steigenden Bedeutung des Versandhandels ab. Dessen Umsatzanteil lag laut Schätzungen des BTE 2017 bei mehr als 19 Prozent und zuvor bereits bei fast elf Milliarden Euro – und das trotz einer Konsolidierungswelle infolge der weltweiten Finanzkrise ab 2008, die etablierte Traditionshäuser wie Quelle und Neckermann weggespült hat. Der Bundesverband des deutschen Versandhandels (BVH) setzt den Umsatz mit Bekleidung im interaktiven Handel (klassischer Katalogversand und Online) noch höher an und schätzt das Marktvolumen für 2017 auf rund 11,8 Milliarden Euro.

Der E-Commerce ist der Treiber dieser Entwicklung. Von ihr konnten bis jetzt in erster Linie die vertikalen Anbieter, die ihr Angebot einfach auf das Internet ausweiteten, sowie pure Onlineanbieter wie das Berliner Start Up Zalando profitieren.

Um sich des Zangenangriffs auf klassische stationäre Einzelhändler durch vertikale Anbieter von der einen und Internetversender von der anderen Seite zur Wehr zu setzen, ist Kreativität gefragt. Das Stichwort Multichannel-Handel, die Lösung von einzelnen Vertriebskanälen und Hinwendung zu einer plattformübergreifenden Strategie also, fällt oft in diesem Zusammenhang, bleibt zumeist aber ein nicht eingelöstes Versprechen. Die Umsätze klassischer Handelsunternehmen im E-Commerce bewegen sich auf einem anämischen Niveau. Der Umsatzanteil, den Bekleidungseinzelhändler in Online-Shops erzielten, lag 2015, dem letzten Jahr, für das amtliche Zahlen vorliegen, bei für den Einzelhandel insgesamt unterdurchschnittlichen 4,4 Prozent.

Interessante Statistiken

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Textil- und Bekleidungseinzelhandel in Deutschland

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