Statistiken zum Textil- und Bekleidungseinzelhandel in Deutschland

Modekonsumenten gaben in den letzten drei Jahren mehr als 75 Milliarden Euro für Bekleidung und Schuhe in Deutschland aus. Bezogen auf die gesamten Konsumausgaben bedeutet dies einen Anteil von rund 4,5 Prozent – im Vergleich zu sechs Prozent im Jahr 2000.

Um dieses Marktvolumen ringen klassische Fachhändler und Ketten, der Versandhandel, Kauf- und Warenhäuser sowie gänzlich branchenfremde Anbieter wie der Lebensmitteleinzelhandel. Die Otto Group aus Hamburg ist der größte Textileinzelhändler Deutschlands. Nach dem Versandhaus folgen die Ketten H&M und C&A auf den Plätzen. Als wertvollste Modemarken weltweit gelten derzeit Nike, Zara (Inditex) und adidas.

Der Facheinzelhandel mit überwiegend Bekleidung kam im Jahr 2018 laut Umsatzsteuerstatistik in Deutschland auf einen Umsatz von netto rund 31,5 Milliarden Euro. Die Branche beschäftigte in diesem Zeitraum mehr als 350.000 Mitarbeiter – überwiegend Frauen und größtenteils in Teilzeitbeschäftigung.

Im Mix der Vetriebskanäle behauptet sich der Fachhandel (inkl. Ketten, die vorwiegend Bekleidung verkaufen) bisher wacker mit einem Marktanteil von knapp 50 Prozent. Der Grund hierfür ist allerdings vor allem in der schwindenden Bedeutung von Kauf- und Warenhäusern zu suchen. Ihr Anteil am Textil- und Bekleidungsumsatz sank von fast zwölf Prozent im Jahr 2007 auf rund 7,5 Prozent im Jahr 2018. Der vor allem auf preisbewusste Käufer zugeschnittene Textilbereich des Lebensmitteleinzelhandels hat sich nach jahrelangem Wachstum auf knapp unter sieben Prozent des Marktes eingependelt.

Deutschland ist ein Nettoimporteur von Textilien und Bekleidung. Die Produktion der heimischen Textil- und Bekleidungsindustrie deckt nur einen relativ kleinen Teil der Nachfrage. Der Großteil kommt heute aus Niedriglohnländern vor allem in Asien. China, Bangladesch und die Türkei waren im Jahr 2019 die wichtigsten Herkunftsländer für den deutschen Bekleidungsmarkt. Technologische Entwicklungen begünstigen jedoch eine Rückverlagerung der Produktionsstandorte bis 2025 nach Europa.

Katastrophen wie der Fabrikeinsturz in Dhaka in Bangladesch, bei dem im April 2013 über 1.000 Menschen ums Leben kamen, werfen regelmäßig Fragen nach verbindlichen Sozialstandards in der Textilherstellung auf. Lange nur ein Nischenmarkt, kommt in den letzten Jahren deutlich Bewegung in das Thema ethischer Modekonsum - Fair Fashion. Der Absatz von Textilien mit Fair-Trade-Siegel nahm in den vergangenen Jahren kontinuierlich und zuletzt stark zu.

Der Textileinzelhandel in Deutschland ist von einem anhaltenden Konzentrationsprozess geprägt. Unternehmen mit einem Jahreserlös von mehr als 100 Millionen Euro können immer größere Marktanteile auf sich vereinen. Die wachsende Dominanz der Ketten lässt sich auch an der abnehmenden Anzahl der Unternehmen einerseits und der Anzahl der Geschäfte (bzw. örtlichen Einheiten) andererseits ablesen.

Vertikalisierung ist ein weiterer Trend, der die Branche umtreibt und den klassischen, intermediären Fachhandel bedroht. Internationale Ketten wie H&M, Esprit, Zara und Primark, die die komplette Wertschöpfungskette einschließlich der Fertigung kontrollieren, geben den Takt im Bekleidungseinzelhandel vor. Zudem drängen mehr und mehr Hersteller in den Einzelhandel, eröffnen eigene Geschäfte oder erwerben Konzessionsflächen in Partnerläden.

Doch trotz aller Herausforderungen, die mit dem Wechsel der Wertschöpfungsstufe verbunden sind, ist der Schritt mit handfesten Vorteilen verbunden: Flagship-Stores wie die Geschäfte von Adidas dienen einerseits als Marketinginstrument, in denen die eigene Marke in einem hermetischen Umfeld inszeniert werden kann. Andererseits liefert die direkte Tuchfühlung mit dem Verbraucher wertvolles Feedback, eine relevante Ressource in Zeiten immer schnellerer Taktfrequenzen und Sortimentswechsel. Als Branchenbenchmark im „Fast Fashion“-Bereich gilt die zum spanischen Inditex-Konzern gehörende Kette Zara, die ihr Verkaufspersonal als Aushilfs-Marktforscher einsetzt und durch enge Verzahnung dieses Inputs mit Designabteilung und Herstellung innerhalb von zwei bis drei Wochen auf geänderte Vorlieben der KundInnen reagieren kann.

Eine tektonische Verschiebung der Marktgleichgewichte zeichnet sich in der steigenden Bedeutung des Versandhandels ab. Dessen Umsatzanteil lag laut Schätzungen des BTE im Jahr 2018 bereits bei einem Fünftel – und das trotz einer Konsolidierungswelle infolge der weltweiten Finanzkrise ab 2008, die etablierte Traditionshäuser wie Quelle und Neckermann weggespült hat. Der Bundesverband des deutschen Versandhandels (BVH) schätzt den Umsatz mit Bekleidung im interaktiven Handel (klassischer Katalogversand und Online) für 2018 auf rund 12,7 Milliarden Euro.

Der E-Commerce ist der Treiber dieser Entwicklung. Von ihr konnten bis jetzt in erster Linie die vertikalen Anbieter, die ihr Angebot einfach auf das Internet ausweiteten, sowie pure Onlineanbieter wie das Berliner Start Up Zalando profitieren.

Um sich des Zangenangriffs auf klassische stationäre Einzelhändler durch vertikale Anbieter von der einen und Internetversender von der anderen Seite zur Wehr zu setzen, ist Kreativität gefragt. Das Stichwort Multichannel-Handel, die Lösung von einzelnen Vertriebskanälen und Hinwendung zu einer plattformübergreifenden Strategie also, fällt oft in diesem Zusammenhang, bleibt zumeist aber ein nicht eingelöstes Versprechen. Die Umsätze klassischer Handelsunternehmen im E-Commerce bewegen sich auf einem anämischen Niveau. Der Umsatzanteil, den Bekleidungseinzelhändler in Online-Shops erzielten, lag 2018, dem letzten Jahr, für das amtliche Zahlen vorliegen, bei für den Einzelhandel insgesamt unterdurchschnittlichen 4,9 Prozent.

Interessante Statistiken

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Textil- und Bekleidungseinzelhandel in Deutschland

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  • Statista Branchenreport - WZ-Code 13,14
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