Nachdem mindestens vier Schiffe in den letzten Wochen vor der Küste Somalias gekapert wurden, wächst die Angst vor einem Wiederaufleben der Piraterie in der Region vor dem Hintergrund des Iran-Krieges. Während internationale Seestreitkräfte in der Region mit der Blockade der Straße von Hormus beschäftigt sind, ist die Befürchtung, dass Piraten vor Somalia wieder frei walten können. Das Maritime Sicherheitszentrum der EU für den Indischen Ozean rief alle Schiffe, die Gebiet durchfahren, zu erhöhter Wachsamkeit auf, insbesondere zwischen der südlich gelegenen Hauptstadt Mogadischu und Hafun nahe des Horns von Afrika.
Laut Zahlen der Weltschifffahrtsorganisation flammte die Piraterie nach einer Zeit der relativen Ruhe schon Ende 2023 vor Somalia wieder auf. Marinepatrouillen wurden bereits zu dieser Zeit ins Rote Meer verlegt, um Angriffe der Huthis auf Schiffe in der Meerenge von Bab al-Mandab zu unterbinden. Die Miliz erklärte damals, mit den Angriffen die Bevölkerung des Gazastreifens unterstützen zu wollen.
Ein erster aufsehenserrengender Vorfall ereignete sich im Dezember 2023, als Bewaffnete den Massengutfrachter Ruen kaperten und ihn auf die somalische Küste zusteuerten. Die Situation eskalierte, als der Erste Offizier angeschossen wurde. Die Ruen wurde schließlich von einem Kriegsschiff der indischen Marine abgefangen, das alle 35 Piraten festnahm und die Besatzung in Sicherheit brachte.
Im darauffolgenden Jahr stieg die Zahl der gemeldeten Angriffe weiter an. Die IMO registrierte acht Vorfälle, darunter das Kapern von Fischereischiffen. Im Dezember wurde der chinesische Trawler Liao Dong Yu 57 entführt, der Teil der weltweiten Fischereiflotte des Landes ist, die oft illegal oder semi-illegal agiert. Somalische Piraten brachten in den vergangenen Jahren vermehrt ihren Unmut über diesen Umstand zum Ausdruck. Im Jahr 2025 gab es fünf registrierte Vorfälle, während es im Jahr 2026 zwischen Januar and und Anfang Mai bereits vier gab. Unter anderem wurde die Liao Dong Yu 57 ein weiteres Mal entführt.
Somalia blickt auf eine jahrzehntelange Geschichte der Piraterie zurück. Die Angriffe vor der Küste des Landes erreichten 2011 ihren Höhepunkt, als die IMO 286 Vorfälle zählte. Patrouille-Einsätze einer internationalen Koalition führten damals zu einem drastischen Rückgang der Probleme. Die Zahl der registrierte Fälle sank 2012 auf 99 und 2015 auf nur noch 12. In den drei Jahren zwischen 2020 und 2022 wurden keine Vorfälle gemeldet. Während die Grafik nur Fälle vor der Küste Somalias zeigt, agieren somalische Piraten auch in anderen Gewässern, vor allem im indischen Ozean, indem sie größere Schiffe, oft getarnt als Fischerboote, als schwimmende Basen für Attacken nutzen.





















