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Statistiken zum Kolonialismus

Die historische Phase des neuzeitlichen Kolonialismus setzte ein mit den "Entdeckungsfahrten" der europäischen Staaten im späten 15. und im 16. Jahrhundert. Beginnend mit den Amerikareisen von Christoph Kolumbus eroberten zunächst die Königreiche Spanien und Portugal Kolonialreiche in Übersee. Andere europäische Mächte folgten im Laufe der Neuzeit und trieben auf ihrer Suche nach Reichtum, nach Gold, Rohstoffen und Nahrungsmitteln die europäische Expansion immer weiter voran.

Hochimperialismus

Die Industrialisierung verschärfte im 18. und 19. Jahrhundert die kolonialen Bestrebungen. Es setze ein globales Wettrennen um Rohstoffe und Absatzmärkte ein, das in der Phase des Hochimperialismus (1880-1914) gipfelte. In dieser Zeit waren neben wirtschaftlichen Motiven nationale Rivalitäten und Prestige ein wichtiger Motor der Kolonialpolitik. Im "Wettrennen um Afrika" wurde innerhalb weniger Jahre der afrikanische Kontinent von den Kolonialmächten besetzt und aufgeteilt. Um die Jahrhundertwende waren fast alle Gebiete Afrikas und die meisten Gebiete Asiens kolonialisiert. Ein Ringen um die letzten überseeischen Territorien setze ein, insbesondere China weckte Begehrlichkeiten. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, war rund die Hälfte des Festlandes der Erde mit Kolonien bedeckt.

Das deutsche Kolonialreich

Die größte Kolonialmacht war im 19. Jahrhundert das Vereinigte Königreich. Das britische Weltreich ("British Empire") umfasste ein Fünftel der Erde und ein Viertel der Weltbevölkerung. Am kolonialen Wettlauf waren außerdem zahlreiche weitere Länder beteiligt, u.a. die Niederlande, Frankreich, Belgien und Italien. Zur Jahrhundertwende kamen die USA und Japan dazu. In Asien war Russland auf Expansionskurs. Das Deutsche Kaiserreich verfügte zum Zeitpunkt der Reichsgründung über keinen Kolonialbesitz. Nach 1871 formulierte sich aber sehr bald der Wunsch nach einem "Platz an der Sonne" (Bernhard von Bülow 1897). Kolonien sollten Deutschland zu "Weltgeltung" verhelfen. Unter dem Druck von nationalistischen Interessengruppen wie den gut vernetzten Kolonialgesellschaften begann der Aufstieg des Kaiserreichs zur Kolonialmacht.

Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg erzwang der Versailler Vertrag von 1919 die Abtretung aller deutschen Überseebesitzungen an die Siegermächte. Die mit dem Kolonialbesitz verknüpften Erwartungen hatten sich nie erfüllt. Die Kolonien waren für das Kaiserreich ein Zuschussgeschäft geblieben, für den Außenhandel hatten sie kaum eine Rolle gespielt. Die erhoffte Migration in die Kolonien war ausgeblieben, dafür war es zu blutigen Kriegen und innenpolitischen Spannungen gekommen. Trotzdem wurde in der Weimarer Republik und während des Nationalsozialismus der Verlust der Kolonien instrumentalisiert und ideologisiert.

Entkolonialisierung und Aufarbeitung

Global betrachtet war das Ende des Kolonialismus so wenig ein geradliniger Prozess wie seine Entstehung. Ein Teil der europäischen Besitzungen in der "Neuen Welt" hatten sich bereits zwischen 1776 und 1825 emanzipiert. Nach 1945 erkämpften sich die Länder Afrikas und Asiens schrittweise ihre Unabhängigkeit ("Wind of change"). Die Muster kolonialer Herrschaft wirken hier allerdings bis heute nach.

Die meisten Historiker betrachten die Kolonialgeschichte heute kritisch, denn sie war vor allem eine Geschichte der globalen Ausbeutung und der Gewalt gegenüber den indigenen Bevölkerungen. Die Wirtschaft in den Kolonien beruhte häufig auf Zwang und es kam immer wieder zu Aufständen (z.B. den Maji-Maji-Aufstand 1905-1907), auf welche die Kolonialmächte mit Brutalität reagierten. Die Europäer rechtfertigten Herrschaft und Gewalt durch rassistische Theorien. Die europäische Kultur galt als einzigartig und überlegen, während die indigene Bevölkerung als "rassisch" unterlegen dargestellt wurde. Sklaverei, Völkermord und andere Formen der Gewalt galten so als legitim.

In Deutschland setze eine Auseinandersetzung mit der eigenen Kolonialgeschichte erst relativ spät ein. Lange Zeit dominierten die nationalsozialistische Vergangenheit und der Holocaust den Diskurs. Inzwischen rückt der deutsche Kolonialismus allmählich in den Fokus. In den letzten Jahren erhielten Debatten um Restitutionen, Reparationen und Straßenumbenennungen immer mehr Aufmerksamkeit.

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