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Aktuelle Daten und Fakten zum Krieg in der Ukraine

Seit der Annexion der Krim im Jahr 2014 und den darauf folgenden Kämpfen im Osten des Landes herrschten bereits in den vergangenen Jahren instabile Verhältnisse in der Ukraine. Im Februar 2022 dann die endgültige Eskalation: In der Nacht des 24. Februars greifen Putins Truppen erste Gebiete und Städte in der Ukraine an. Das Resultat: Aus dem einstigen Konflikt zwischen Russland und der Ukraine wird ein Krieg mitten in Europa.

Die Lage seit Kriegsausbruch - Ausgewählte Ereignisse

Die erste Phase des Krieges war geprägt von militärischen Angriffen, erfolgslosen Friedensverhandlungen und enormen Fluchtbewegungen: Waren es zunächst Städte wie die Hauptstadt Kyiv (Kiew), Charkiw oder die Hafenstadt Mariupol, die aufgrund ihrer strategischen Bedeutung besonders im Fokus der russischen Streitkräfte standen, meldeten bald Städte in fast allen Landesteilen der Ukraine Attacken der russischen Armee (siehe dazu die Anzahl der Bodenkämpfe und Luftangriffe beider Armeen). Zunehmend wurden dabei militärische Stützpunkte ins Visier genommen, um eine Schwächung der ohnehin unterlegenen Ukraine zu erzielen. Die zahlreichen Friedensverhandlungen der kommenden Wochen zwischen Vertreter:innen der russischen und ukrainischen Seite sowie internationale Vermittlungsversuche endeten nahezu erfolglos. Lediglich die Schaffung von humanitären Korridoren konnte als sichtbares Resultat gewertet werden. Die Nichteinhaltung oder gar der Beschuss einiger dieser Korridore schmälerten jedoch auch diesen Erfolg. Zusätzlich wurde vielen Hilfskonvois mit Lebensmitteln und Medikamenten der Zugang zu Gebieten über solche Routen verwehrt, was die ohnehin katastrophale Versorgungslage in vielen Städten ins Unermessliche verschlimmerte. Neben einer täglich steigenden Anzahl ziviler Verletzter und Todesopfer flüchteten Millionen Menschen aus der Ukraine.

Nachdem das vermutete Ziel Russlands – eine schnelle Eroberung der Ukraine – als gescheitert galt, entwickelte sich der Krieg immer mehr zu einem Abnutzungs- und Stellungskrieg, in welchem die Ukraine ab der fünften Kriegswoche erste Rückgewinne von Territorium vermeldete. Der Rückzug der geschwächten russischen Streitkräfte aus Kyiv (Kiew) und dem Norden der Ukraine sowie eine Verstärkung russischer Truppen in den östlichen Gebieten im Gegenzug läuteten schließlich die zweite Kriegsphase ein. In dieser Phase startete Russland eine Großoffensive im Osten und Süden des Landes. Die Artillerie- und Luftangriffe konzentrierten sich ab diesem Zeitpunkt überwiegend auf die Donbas-Region, zu welcher unter anderem die Oblaste Donezk und Luhansk gehören. Nach der Hafenstadt Mariupol fielen trotz enormen ukrainischen Widerstands nach und nach weitere Städte. Spätestens mit dem Rückzug ukrainischer Kräfte aus den durch einen Fluss getrennten Zwillingsstädten Sjewjerodonezk und Lyssytschansk verlor die Ukraine de facto die Kontrolle über den Oblast Luhansk.

Anfang September startete die ukrainische Armee eine Gegenoffensive, wobei einige Tausend Quadratkilometer zuvor russisch besetzter Gebiete im Osten und Südosten der Ukraine zurückerobert und mehr als 20 Ortschaften befreit wurden. Dies kann als dritte Kriegsphase eingeordnet werden. Dabei häuften sich die Medienberichte, dass russische Truppen in einigen Gebieten immer weiter zurückgedrängt werden. Insbesondere in der Region um Charkiw rückte die ukrainische Armee schnell vor, in der Folge hatten sich die russischen Soldaten fluchtartig zurückgezogen und dabei teilweise auch schweres Kriegsgerät zurückgelassen. Expert:innen vermuten, dass die am 20. September verkündete Teilmobilmachung der Versuch ist, mit mehr Soldaten wieder die Oberhand in den Gebieten zu erlangen.

Scheinreferenden und Teilmobilmachung

Nachdem die Ukraine insbesondere im September 2022 militärische Erfolge vermeldete, der russischen Armee herbe Verluste zufügte und mehrere Tausend Quadratkilometer zuvor russisch besetzter Gebiete zurückerobert und die Frontlinie Richtung Osten verschoben hat, wurde von den Separatisten und von russischer Seite am 20. September die Durchführung von Scheinreferenden in den Donbas-Regionen Donezk und Luhansk sowie in den umkämpften Gebieten um Cherson und Saporischschja über einen Anschluss der ukrainischen Gebiete an Russland angekündigt. Einen Tag später, am 21. September, ordnete Wladimir Putin eine Teilmobilmachung der russischen Streitkräfte an, bei der rund 300.000 Reservisten eingezogen werden sollten. Putin sagte in einer TV-Ansprache, es gehe darum, russische Gebiete zu verteidigen und die ostukrainische Region Donbas zu befreien. Zudem sprach Putin von einem direkten Angriff des Westens auf Russland - Expert:innen deuten diese Rhetorik als Versuch, die Teilmobilmachung der Reservisten innenpolitisch bzw. in der russischen Bevölkerung zu legitimieren.

Im Oktober stimmte die UN-Vollversammlung über die Gültigkeit der russischen Referenden in den vier ukrainischen Gebieten ab und verurteilten die Annexion als Bruch des Völkerrechts. Mit Belarus, Syrien, Nicaragua, Nordkorea und der Konfliktpartei Russland votierten lediglich fünf Staaten gegen den UN-Beschluss. Die Abstimmung der UN-Vollversammlung zog zwar keine verbindlichen Konsequenzen nach sich, zeigte jedoch die globale Interessenverteilung und untermauerte die isolierte Position Russlands in der internationalen Politik.

Militärstärke im Vergleich - Ukraine (theoretisch) massiv unterlegen

Obwohl die ukrainischen Verteidigungsfähigkeiten sich seit 2014 erheblich gesteigert haben, war Russland der Ukraine zu Kriegsbeginn aus militärischer Perspektive zahlenmäßig klar überlegen (siehe dazu: Vergleich der Militärstärke im Jahr 2022). Bezüglich der Luft- und Seestreitkräfte war ein klarer Vorteil Russlands gegenüber der Ukraine abzulesen. Gleiches galt für das Verteidigungsbudget beider Länder (siehe dazu die Militärausgaben von Russland und der Ukraine). Entgegen dieser Zahlen stockte der russische Vormarsch ins Land überraschenderweise bereits wenige Tage nach erster Invasion. Zurückzuführen ist dies auf verschiedene Gründe, etwa Ortskenntnisse der ukrainischen Streitkräfte sowie die Bereitschaft der Zivilbevölkerung, selbst zu den Waffen zu greifen.

Internationale militärische und finanzielle Unterstützung

Auf der ganzen Welt löste der Krieg tiefe Bestürzung aus, viele Länder leisteten daraufhin finanzielle, humanitäre und militärische Hilfe. Angesichts des militärischen Ungleichgewichts zwischen Russland und der Ukraine richtete sich der Fokus zahlreicher Länder jedoch klar auf die militärische Unterstützung des osteuropäischen Landes. Deutschland lehnte die Forderung der Ukraine nach solchen Waffenlieferungen lange ab, lieferte nach Vollzug eines Paradigmenwechsels in der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik dann aber doch (schwere) Waffen aus dem Bestand der Bundeswehr an die Ukraine. Bis Mitte November wurden unter anderem 14 Panzerhaubitzen 2000, 500 Fliegerabwehrraketen STINGER und 2.700 Fliegerfäuste STRELA geliefert (eine vollständige Auflistung bietet unsere Statistik zu geliefertem militärischen Material von Deutschland an die Ukraine). Zu Beginn des Jahres 2023 wurde zudem beschlossen, Schützenpanzer des Typ "Marder" sowie Kampfpanzer des Typ "Leopard 2" zu liefern. Besonders die Lieferung von Kampfpanzern hatte zuvor für Diskussionen gesorgt und wurde von der Bevölkerung geteilt beurteilt. Auch andere Länder wie etwa Polen entschieden sich für Kampfpanzerlieferungen an die Ukraine (siehe dazu unsere Statistik zur Verfügbarkeit von Leopard-Kampfpanzern in europäischen und NATO-Ländern).

Auswirkungen und Folgen der russischen Invasion

Der Krieg in der Ukraine lässt kaum einen Themenbereich unberührt. Sowohl national als auch global machen sich die Auswirkungen und Folgen des Krieges schmerzlich bemerkbar:

  • Fluchtbewegungen
  • Als Folge der Angriffe flohen mehrere Millionen Menschen aus der Ukraine. Nach Angaben des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge wurden bis Ende August offiziell bereits insgesamt rund 970.000 Flüchtlinge in Deutschland gezählt. Bis zum 17. Januar 2023 betrug die Anzahl der aus der Ukraine Geflüchteten laut Schätzungen insgesamt über 17 Millionen. Da viele Ukrainer:innen bereits in ihr Heimatland zurückkehrten, ist die genaue Zahl jedoch nur schwer zu beziffern. Auch innerhalb des Landes führte der Krieg zu einer Vielzahl an Binnenflüchtlingen. Mehr Informationen zu Geflüchteten in Deutschland bieten unsere Statistiken zur Familien- und Haushaltsstruktur ukrainischer Geflüchteter, zu ukrainischen Geflüchteten nach Art der Unterkunft sowie zu den Unterstützungsbedarfen ukrainischer Geflüchteter.

  • Energiepreise und Versorgungssicherheit
  • Der Krieg in der Ukraine hat großen Einfluss auf die Energieversorgung in Deutschland. Begonnen mit der Diskussion um ein Ende der Erdgaspipeline Nord Stream 2 zu Beginn des Krieges sah sich Deutschland im Verlauf der letzten Monate mit einer Vielzahl energiepolitischer Fragestellungen rund um den Bezug russischer Energie und einen Ausweg aus dieser Abhängigkeit konfrontiert. Die gegenwärtig hohen Energiepreise stiegen in Reaktion auf den Krieg nochmals extrem an (siehe dazu u.a. den durchschnittlichen Preis für Erdgas in Europa und den Verbraucherpreisindex für Erdgas in Deutschland). Laut einer Umfrage aus September 2022 befürworteten rund 70 Prozent der Befragten jedoch die Ukraine auch dann zu unterstützen, wenn dies mit höheren Energiepreisen in Deutschland verbunden sei.
    Als Konsequenz der deutlich geminderten Gaslieferungen aus Russland rief Wirtschaftsminister Robert Habeck am 23. Juni 2022 die zweite Stufe des Notfallplans Gas aus, nachdem Ende März bereits die Frühwarnstufe ausgerufen wurde. Konfrontiert mit einer potenziellen Krise der Versorgungssicherheit wurde auf Ebene der Europäischen Union Anfang August zudem eine Verordnung zur Senkung des Gasverbrauchs im nächsten Winter um 15 Prozent erlassen.

  • Lebensmittelversorgung
  • Sowohl Russland als auch die Ukraine sind führende Erzeuger- und Exportländer wichtiger Agrargüter und gehören zu den wichtigsten Getreideexporteuren, nicht umsonst trägt die Ukraine den Titel „Kornkammer Europas“. Durch Angriffe auf die Verkehrsinfrastruktur der Ukraine sowie die Blockade ukrainischer Häfen wird die Ausfuhr von Lebensmitteln aus der Ukraine seit Kriegsbeginn jedoch erschwert. Damit wirkt sich die russische Invasion auch auf die weltweite Ernährungssicherheit und die Erschwinglichkeit von Lebensmitteln aus. Für einige asiatische und afrikanische Staaten stellt diese Verknappung eine akute Bedrohung dar. Weitere Informationen zu den Folgen des Ukraine-Krieges für die Lebensmittelversorgung sind auf der entsprechenden Themenseite zu finden.

  • Reaktionen der internationalen Politik
  • Nach Beginn des russischen Angriffskrieges teilte sich die internationale Staatengemeinschaft in „Putin-Gegner“ und „Putin-Unterstützer“. Bereits einen Tag nach Kriegsausbruch stimmten die Vereinten Nationen über eine Resolution zur Beendigung der russischen Militäroffensive gegen die Ukraine ab. Da Russland die Abstimmung mit seinem Veto blockierte, wurde daraufhin eine Dringlichkeitssitzung der UN-Generalversammlung einberufen, welche mit einer überwältigenden Mehrheit von 141 Stimmen für eine Verurteilung stimmte.
    Als Reaktion auf die mehr als angespannte Weltsicherheitslage beantragten sowohl Finnland als auch Schweden nach rund drei Monaten Krieg offiziell den Beitritt zur NATO - in beiden Ländern stimmte ein Großteil der Bevölkerung für diesen historischen Schritt.
    Auf Ebene der Europäischen Union wurde der Ukraine der Kandidatenstatus verliehen. Ohne direkte Auswirkungen wurde dieser primär symbolische Schritt dennoch als wichtiges Zeichen an Russland gewertet.

  • Cyberangriffe
  • Als Merkmal der modernen Kriegsführung mehren sich seit Kriegsausbruch Berichte über russische Cyberangriffe gegen die Ukraine sowie weitere EU-Länder. Auch auf deutsche Netze und Behörden ist laut Bundesinnenministerium eine Zunahme von Hackerangriffen zu beobachten.

  • Sanktionen
  • Aufgrund des Angriffskrieges auf die Ukraine kündigten zahlreiche Institutionen, Organisationen und Verbände harte Sanktionen gegen Russland an, welche Schritt für Schritt umgesetzt wurden. Ende Juli einigte sich etwa die Europäische Union auf das mittlerweile siebte Sanktionspaket, welches Gold-Importe aus Russland verbietet. Das sechste Paket hatte zuvor unter anderem ein Teil-Embargo für russisches Öl beschlossen. Umfangreiche Informationen zu den Sanktionen gegen Russland finden Sie auf unserer Themenseite.



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