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Aktuelle Daten und Fakten zum Krieg in der Ukraine

Seit der Annexion der Krim im Jahr 2014 und den darauf folgenden Kämpfen im Osten des Landes herrschten bereits in den vergangenen Jahren instabile Verhältnisse in der Ukraine. Im Februar 2022 dann die endgültige Eskalation: In der Nacht des 24. Februars greifen Putins Truppen erste Gebiete und Städte in der Ukraine an. Das Resultat: Aus dem einstigen Konflikt zwischen Russland und der Ukraine wird ein Krieg mitten in Europa.


Die Lage seit Kriegsausbruch - Ausgewählte Ereignisse

Am 22. Februar 2022 verlautete die internationale Presse, Putin habe russische Truppen in die Ukraine entsandt. Einige Expert:innen und Militärs bezeichneten diesen Entsendungsbefehl als ersten Schritt zum vollständigen Einmarsch. Zeitgleich wurden die Separatistengebiete und seit 2014 selbsternannten Volksrepubliken Luhansk und Donezk als unabhängige Staaten anerkannt - ein klarer Bruch des Minsker Abkommens und ein schwerer Schlag für alle diplomatischen Bemühungen. In der Nacht des 24. Februars 2022 griffen Putins Truppen schließlich erste Gebiete und Städte in der Ukraine an. Bereits einen Tag nach Kriegsausbruch stimmten die Vereinten Nationen über eine Resolution zur Beendigung der russischen Militäroffensive gegen die Ukraine ab. Da Russland die Abstimmung mit seinem Veto blockierte, wurde daraufhin eine Dringlichkeitssitzung der UN-Generalversammlung einberufen.

Die erste Phase des Krieges war geprägt von militärischen Angriffen, erfolgslosen Friedensverhandlungen und enormen Fluchtbewegungen: Waren es zunächst Städte wie die Hauptstadt Kiew, Charkiw oder die Hafenstadt Mariupol, die aufgrund ihrer strategischen Bedeutung besonders im Fokus der russischen Streitkräfte standen, meldeten bald Städte in fast allen Landesteilen der Ukraine Attacken der russischen Armee. So wurden etwa zwei Wochen nach Kriegsstart erste Luftangriffe nahe Lwiw im Westen der Ukraine verzeichnet. Zunehmend wurden dabei militärische Stützpunkte ins Visier genommen, um eine Schwächung der ohnehin unterlegenen Ukraine zu erzielen. Am 28. Februar, vier Tage nach dem russischen Einmarsch, begannen erste von beiden Seiten bestätigte Friedensverhandlungen an der ukrainisch-belarussischen Grenze. In den kommenden Wochen folgten zahlreiche Verhandlungsrunden zwischen Vertreter:innen der russischen und ukrainischen Seite sowie internationale Vermittlungsversuche, welche meist erfolglos endeten. Lediglich die Schaffung von humanitären Korridoren konnte als sichtbares Resultat gewertet werden. Die Nichteinhaltung oder gar der Beschuss einiger dieser Korridore schmälerten jedoch auch diesen Erfolg. Zusätzlich wurde vielen Hilfskonvois mit Lebensmitteln und Medikamenten der Zugang zu Gebieten über solche Fluchtrouten verwehrt, was die ohnehin katastrophale Versorgungslage in Städten wie etwa Mariupol ins Unermessliche verschlimmerte. Als Konsequenz der Angriffe flohen mehrere Millionen Menschen aus der Ukraine. Nach Angaben des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge wurden bis Ende April offiziell bereits insgesamt rund 610.000 Flüchtlinge in Deutschland gezählt. Bis zum 19. Juli betrug die Anzahl der aus der Ukraine Geflüchteten laut Schätzungen insgesamt bereits rund 9,5 Millionen. Die Anzahl der zivilen Verletzten und Todesopfer durch den Krieg steigt unterdessen täglich an. Schockierende Berichte und Bilder über Kriegsverbrechen und Gräueltaten beispielsweise in Butscha sowie die Entdeckung zahlreicher Massengräber in weiteren Städten zeigten jedes Mal aufs neue die Abscheulichkeit des von Putin gestarteten Angriffskrieges.

Nachdem das vermutete Ziel Russlands – eine schnelle Eroberung der Ukraine – als gescheitert galt, entwickelte sich der Krieg immer mehr zu einem Abnutzungs- und Stellungskrieg, in welchem die Ukraine ab der fünften Kriegswoche erste Rückgewinne von Territorium vermeldete. Der Rückzug der geschwächten russischen Streitkräfte aus Kiew und dem Norden der Ukraine sowie eine Verstärkung russischer Truppen in den östlichen Gebieten im Gegenzug läuteten schließlich die zweite Kriegsphase ein. In dieser Phase startete Russland eine Großoffensive im Osten und Süden des Landes. Die Artillerie- und Luftangriffe konzentrierten sich ab diesem Zeitpunkt überwiegend auf die Donbas-Region, zu welcher unter anderem die Oblaste Donezk und Luhansk gehören. Nach der Hafenstadt Mariupol, welche besonders aufgrund des wochenlang unter Beschuss stehenden Asow-Stahlwerkes in den Medien präsent war, fielen trotz enormen ukrainischen Widerstands nach und nach weitere Städte. Spätestens mit dem Rückzug ukrainischer Kräfte aus den durch einen Fluss getrennten Zwillingsstädte Sjewjerodonezk und Lyssytschansk verlor die Ukraine de facto die Kontrolle über den Oblast Luhansk. Nun setzen die russischen Streitkräfte ihre Angriffe in der Region Donezk weiter fort, um auch diese vollends unter ihre Kontrolle zu bringen.

Als Reaktion auf die mehr als angespannte Weltsicherheitslage beantragten sowohl Finnland als auch Schweden nach rund drei Monaten Krieg offiziell den Beitritt zur NATO - in beiden Ländern stimmte ein Großteil der Bevölkerung für diesen historischen Schritt. Unterdessen mehren sich in dieser Kriegsphase Berichte über russische Cyberangriffe gegen die Ukraine sowie weitere EU-Länder.

Militärstärke im Vergleich - Ukraine (theoretisch) massiv unterlegen

Obwohl die ukrainischen Verteidigungsfähigkeiten sich seit 2014 erheblich gesteigert haben, war Russland der Ukraine zu Kriegsbeginn aus militärischer Perspektive zahlenmäßig klar überlegen (siehe dazu: Vergleich der Militärstärke im Jahr 2022). So verfügte die Ukraine vor der russischen Invasion über etwa 200.000, Russland hingegen über mehr als das Vierfache an Soldat:innen. Auch bezüglich der Luft- und Seestreitkräfte war ein klarer Vorteil Russlands gegenüber der Ukraine abzulesen. Gleiches galt für das Verteidigungsbudget beider Länder (siehe dazu die Militärausgaben von Russland und der Ukraine). Entgegen dieser Zahlen stockte der russische Vormarsch ins Land überraschenderweise bereits wenige Tage nach erster Invasion. Die ukrainischen Streitkräfte zeigten und zeigen ein erstaunliches Maß an Widerstandsfähigkeit, womit von russischer Seite nicht zu rechnen war. Zurückzuführen ist dies auf verschiedene Punkte, etwa Ortskenntnisse der ukrainischen Streitkräfte sowie die Bereitschaft der Zivilbevölkerung, selbst zu den Waffen zu greifen. Auch die Aufstockung der Streitkräfte seit der Annexion der Krim im Jahr 2014 kam und kommt der Ukraine zugute, ebenso wie strategische Fehler Moskaus.

Waffenlieferungen, Energie aus Russland und Sanktionen - Kontroversen und Reaktionen auf den Krieg

Auf der ganzen Welt löste der Krieg tiefe Bestürzung aus, viele Länder leisteten und leisten daraufhin finanzielle, humanitäre und militärische Hilfe. Angesichts des militärischen Ungleichgewichts zwischen Russland und der Ukraine richtete sich der Fokus zahlreicher Länder jedoch klar auf die militärische Unterstützung des osteuropäischen Landes. Deutschland lehnte die Forderung der Ukraine nach solchen Waffenlieferungen lange ab. In einer Sondersitzung des Bundestages am 27. Februar, wenige Tage nach der Invasion, verkündete Kanzler Scholz dann die 180-Grad-Wendung, welche nicht weniger als einem Paradigmenwechsel in der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik gleichkam: Als Konsequenz aus den Angriffen auf die Ukraine versprach die Bundesregierung Waffenlieferungen aus den Beständen der Bundeswehr. Rund zwei Monate und zahlreiche politische Diskussionen später folgte dem ersten Bundestagsbeschluss ein zweiter, welcher auch die Lieferung sogenannter schwerer Waffen (z.B. Kampfpanzer, Kampfflugzeuge und Kriegsschiffe) ermöglichte. In der Bevölkerung erfuhr dieser Entschluss ein geteiltes Votum, in einer Umfrage Ende April sprachen sich je 45 Prozent der Befragten dafür und dagegen aus. Bis Mitte Juli wurde bereits zahlreiches Material in die Ukraine geliefert, darunter unter anderem sieben Panzerhaubitzen 2000, 500 Fliegerabwehrraketen STINGER und 2.700 Fliegerfäuste STRELA (eine vollständige Auflistung bietet unsere Statistik zu geliefertem militärischen Material von Deutschland an die Ukraine).

Ein weiteres Thema hitziger Diskussionen war lange Zeit der Umgang mit der umstrittenen Erdgaspipeline Nord Stream 2. Deutschland hielt sich mit einer Entscheidung bis kurz vor russischer Invasion zurück, nicht zuletzt, da es einen großen Teil seines Erdgas aus Russland bezieht. Angesichts des russischen Vorgehens in der Ukraine wurde das Genehmigungsverfahren für Nord Stream 2 wenige Tage vor Kriegsbeginn jedoch auf Eis gelegt. Im Laufe des Krieges folgte auf Nord Stream 2 eine Vielzahl energiepolitischer Fragestellungen rund um den Bezug russischer Energie und einen potenziellen Ausweg aus dieser Abhängigkeit. Die gegenwärtig ohnehin hohen Energiepreise stiegen in Reaktion auf den Krieg nochmals extrem an (siehe dazu u.a. den durchschnittlichen Preis für Erdgas in Europa und den Verbraucherpreisindex für Erdgas in Deutschland). Als Konsequenz der deutlich geminderten Gaslieferungen aus Russland rief Wirtschaftsminister Robert Habeck am 23. Juni 2022 die zweite Stufe des Notfallplans Gas aus. Laut einer Umfrage aus Juli 2022 befürworteten rund 70 Prozent der Befragten jedoch die Ukraine auch dann zu unterstützen, selbst wenn dies mit höheren Energiepreisen in Deutschland verbunden sei.

Aufgrund des Angriffskrieges auf die Ukraine kündigten zahlreiche Institutionen, Organisationen und Verbände harte Sanktionen gegen Russland an, welche Schritt für Schritt umgesetzt wurden. Ende Mai einigte sich etwa die Europäische Union auf das mittlerweile sechste Sanktionspaket, welches ein Teil-Embargo für russisches Öl vorsieht. Dieses soll für einen großen Teil der Einfuhren per Schiff gelten. Umfangreiche Informationen zu den Sanktionen gegen Russland finden Sie auf unserer Themenseite.



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