Bürgerkriege

Bei einem Bürgerkrieg handelt es sich um einen bewaffneten Konflikt innerhalb eines Staates, bei dem Teile der Bevölkerung gewaltsam eine Veränderung der Verhältnisse des betroffenen Landes erzwingen wollen. Häufig sind die Gründe politischen, gesellschaftlichen oder auch religiösen Ursprungs. In einem Bürgerkrieg bekämpfen sich in der Regel zwei Gruppen, wobei eine Gruppierung - oft als Rebellen bezeichnet - zum Ziel hat, ihre Regierung zu stürzen. Die Abspaltung eines Teils der Bevölkerung vom Staat wird als Separatismus bezeichnet. Anders als bei zwischenstaatlichen Konflikten bzw. Kriegen finden die Auseinandersetzungen bei einem Bürgerkrieg innerhalb der Ländergrenzen eines Staates statt. Insbesondere in den 90er Jahren stieg die Zahl der Konflikte an, was unter anderem an den sogenannten Jugoslawienkriegen nach dem Staatszerfall lag. In den letzten Jahren ist die Zahl der Bürgerkriege zurückgegangen und lag im Jahr 2016 bei 31. Gleichzeitig kommt es seit der Jahrtausendwende vermehrt zu Einmischungen externer Staaten in Bürgerkriege.


Bürgerkriege heute: Internationalisiertes Gefecht

Zivile Konflikte sind innerhalb der letzten Jahre zunehmend komplexer geworden, was unter anderem auf eine zunehmende Internationalisierung zurückzuführen ist. Wenn externe Staaten in innerstaatliche Angelegenheiten einer Bürgerkriegsnation intervenieren, dann beruht dies meist auf der offiziellen Begründung des Schutzes der Zivilbevölkerung vor Menschenrechts- und Kriegsverbrechen. Jedoch soll die Souveränität aller Staaten davor schützen, dass sich externe Akteure in fremde Staatsangelegenheiten einmischen. Vorwürfe gegen den Machthaber Bashar al-Assad, Giftgas gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt zu haben, brachen 2018 für viele Akteure den Souveränitätsanspruch Syriens und legitimierten somit Militärangriffe externer Staaten. Doch stellt sich die Frage, inwieweit eine solche Maßnahme zum direkten Schutz von Menschenleben beiträgt oder die Situation womöglich weiter verschärft und mehr Leben kostet. So gaben bei einer im April 2018 durchgeführten Umfrage 90 Prozent der Befragten an, dass sie die Drohungen eines Raketenangriffs durch die US-amerikanische Regierung für nicht richtig hielten. Auch in puncto deutscher Beteiligung an Militäreinsätzen in Syrien gab es ein eindeutiges Stimmungsbild: 63 Prozent der Befragten waren der Meinung, Deutschland sollte sich aus westlichen Militärangriffen gegen Syrien heraushalten. Doch nicht nur durch Militärinterventionen kann ein Bürgerkrieg beeinflusst werden. Oft haben Waffenlieferungen, Geldspenden und andere Faktoren einen wenig transparenten, doch sehr deutlichen Einfluss auf Bürgerkriege. So werden im jemenitischen Bürgerkrieg die Huthi Rebellen schon seit Jahren finanziell, logistisch und zunehmend mit Lieferung von Waffen durch den Iran unterstützt.


Stellvertreterkriege: Wenn ein Land zum Opfer fremder Interessen wird

Bei Bürgerkriegen besteht die Gefahr, dass eine Einmischung externer Nationen weniger aus Gründen des Menschenrechtsschutzes, sondern aufgrund von strategischen Interessen oder Feindbildern stattfindet. In Syrien handelt es sich beispielsweise bei Weitem nicht mehr um einen Konflikt zwischen Regierung und Rebellen. Während innerhalb Syriens verschiedenste Milizen gegeneinander kämpfen, ist das Land zur Arena internationaler Akteure geworden: Russland und die USA stehen sich als altbewehrte Gegner im international ausgetragenen Konflikt gegenüber. Zudem ringen der Iran und Saudi Arabien um die regionale Vormachtstellung. Auch aus dem Bürgerkrieg in Libyen im Jahr 2011 ist mittlerweile ein Stellvertreterkrieg geworden. Involvierte Länder verfolgen dort unterschiedliche Interessen und nehmen somit starken Einfluss auf die verschiedenen Akteure innerhalb des Landes. Obgleich die potentiell negativen Auswirkungen einer Beteiligung externer Akteure wiederholt erkenntlich wurden, gaben 51 Prozent befragter Personen weltweit an, dass Staaten in anderen Staaten intervenieren sollten, um Kriegsverbrechen zu stoppen.


Die verheerenden Folgen von Bürgerkriegen

Die Zahl der Personen, die vor Krieg und Gewalt flüchten, hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt und hat im Jahr 2018 einen Höchststand erreicht. Das UN-Flüchtlingshilfswerk registrierte zuletzt über 20,4 Millionen Flüchtlinge. Die meisten Menschen stammen aus Syrien, Afghanistan, dem Südsudan, Myanmar und Somalia. In diesen Ländern wurden zahlreiche interne Konflikte und Bürgerkriege verzeichnet. In einigen Fällen kommt es nach einem Bürgerkrieg zu einem Machtvakuum oder einer fehlenden einheitlichen Regierung. Beispielhaft hierfür sind die Bürgerkriege in Libyen und in Somalia, in welchen die Machthaber durch Rebellen gestürzt wurden. Die darauffolgenden Verwaltungen haben es versäumt, die Milizen der Länder zu kontrollieren, welche die eigentliche Macht ausüben. Im Ranking der fragilsten Staaten der Welt befindet sich Somalia auf dem zweiten Rang. Als Indikatoren berücksichtigt der Fragile States Index neben Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit auch Spannungen zwischen Gruppen sowie Armut.


Kennzahlen zu ausgewählten Bürgerkriegsschauplätzen

Jemen (seit 2014)
Geschätzte Todesopfer: 100.000
Der Bürgerkrieg im Jemen ist ein ethnisch-religiöser Konflikt zwischen der sunnitischen Regierung der Mehrheitsbevölkerung Jemens und den schiitischen Huthi-Rebellen. Der jemenitische Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi flüchtete deshalb ins Exil, während Saudi-Arabien seit März 2015 zusammen mit anderen arabischen Staaten die Huthi-Rebellen angreift. Neben einem der fatalsten Cholera-Ausbrüche der Geschichte, Hungersnot und Gewalt, ist die humanitäre Situation im Jemen mangelhaft. Im Jahr 2019 befand sich der Jemen im Ranking der fragilsten Staaten weltweit auf Rang 1.

Libyen (2011)
Geschätzte Todesopfer: 2.500 bis 25.000
In Libyen brach mit dem Arabischen Frühling im Jahr 2011 eine Rebellion gegen den damaligen Machthaber Muammar al-Gaddafi aus, welche von dessen Regierungstruppen gewaltsam unterdrückt wurde. Der eskalierende Kampf zwischen den Rebellen der Libyschen Nationalen Befreiungsarmee und Gaddafis Militär führte zu internationalem Aufsehen und dem Entscheid zu einer militärischen Intervention durch die NATO gegen Libyens Regierung. Muammar al-Gaddafi wurde am 22. August 2011 gestürzt und einige Monate später getötet. Bis heute ist die Situation instabil und teilweise gewaltvoll.

Kosovo (1998 bis 1999)
Geschätzte Todesopfer: 13.000
Als Folge des Staatszerfalls Jugoslawiens gab es bewaffnete Auseinandersetzung um die Kontrolle des Kosovo. Die albanische paramilitärische Organisation UÇK („Befreiungsarmee des Kosovo“), welche für die Unabhängigkeit des Kosovo stand, und die serbisch-jugoslawischen Armee führten einen bewaffneten Konflikt. Im Jahr 1999 mischten sich die Streitkräfte der NATO ein, welche unter der Leitung der USA eine militärische Intervention durchführten, um den Rückzug der Armee aus dem Kosovo zu erzwingen. Legitimiert wurde dies mit dem Schutz vor Menschrechtsverletzungen durch die Regierung Miloševićs und dessen Militär. Jugoslawien hingegen stand für den Schutz der serbischen Minderheit und wehrte sich gegen die Einmischung und den Angriff durch externe Staaten der NATO.

Afghanistan (1989 bis 2001)
Während Afghanistan seit 1978 und bis heute von vielen gewaltsamen Konflikten geprägt ist, begann der offizielle Bürgerkrieg, nachdem die sowjetische Armee im Jahr 1989 aus dem Land abzog. Die sowjetisch gestützte Regierung blieb vorerst bestehen, bis der Präsident Nadschibullah drei Jahre später von den amerikanisch gestützten Mudschahedinparteien aus seinem Amt gedrängt wurde. Ein Machtvakuum, das durch den Rückzug der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion entstand, sowie das zunehmende Wegschauen der internationalen Gemeinschaft trugen zur Eskalation der Kämpfe bei. Nach den Anschlägen des 11. September 2001 kam es im Oktober 2001 schließlich zu einer US-geführten Intervention, die zum Sturz der Talibanregierung führte.

Somalia (seit 1988)
Geschätzte Todesopfer: 500.000
In Somalia gibt es seit dem Sturz der ehemaligen Diktatur des Machthabers Siad Barre 1991 in großen Teilen des Landes keine funktionierenden staatlichen Strukturen mehr. Warlords und Milizen liefern sich Machtkämpfe und gefährden täglich die Zivilbevölkerung. Auch die 1992 durchgeführte Mission der Vereinten Nationen und ihre Nachfolgemissionen hatten keinen nachhaltigen Einfluss auf die Stabiltät staatlicher Strukturen. In den vergangenen 20 Jahren war die radikalislamische Miliz Al-Schabaab ein gewichtiger Faktor in Somalia. Sie gilt als Ableger von Al-Qaida und kontrolliert große Teile im Süden des Landes. Aufgrund dieser langanhaltenden Konfliktsituation mit all ihren Folgen für die Wirtschaft sowie Sicherheit und Demographie des Landes zählt Somalia zu den fragilsten Staat weltweit.

Sri Lanka (1983 bis 2009)
Geschätzte Todesopfer: 80.000 bis 100.000
Der Bürgerkrieg in Sri Lanka war ein langjähriger ethnischen Konflikt zwischen den zu großen Teilen buddhistischen Singhalesen und der meist hinduistischen tamilischen Minderheit. Tamilische Separatisten, vor allem als Teil der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE), kämpften für einen von Sri Lanka unabhängigen Staat im Norden und Osten der Insel. Beendet wurde der Konflikt mit der Kapitulation der Rebellen und dem Sieg sri-lankischer Regierungstruppen.

Libanon (1975 bis 1990)
Geschätzte Todesopfer: 150.000
Der Bürgerkrieg im Libanon war gezeichnet von komplizierten geographischen Gegebenheiten sowie der sozialen Situation des Landes und den ständig wechselnden Fronten, unter anderem auch aufgrund der Einmischung externer Staaten wie Israel und Syrien. Anfangs bekämpften sich insbesondere die Nationalistische Bewegung, die aus muslimischen, linken und palästinensischen Gruppierungen bestand, und die hauptsächlich christliche Libanesische Front. Ab 1979 kam es zudem zu gewaltvollen Konflikten zwischen sunnitischen und schiitischen Milizen, wie auch zwischen libanesischen und palästinensischen sowie prosyrischen und proiranischen Gruppen.

• Vereinigte Staaten „Civil War“ (1861 bis 1865)
Geschätzte Todesopfer: 600.000
Der Bürgerkrieg der Vereinigten Staaten ist historisch einer der bekanntesten und forderte mehr Menschenleben als jeder andere Krieg in der US-amerikanischen Geschichte. Zentraler Konfliktpunkt war die Sklavenhaltung. Mit der Kapitulation der „Konföderierten Staaten von Amerika“ haben sich elf Südstaaten, die sich für die Sklaverei ausgesprochen hatten, vom Rest der USA abgespalten. Damit entstand ein Verbot der Sklavenhaltung sowie das Bürger- und Wahlrecht für Afro-Amerikaner.



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