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Statistiken zum Amerikanischen Bürgerkrieg

Im Amerikanischen Bürgerkrieg (auch Sezessionskrieg genannt) kämpften die nördlichen Bundesstaaten der USA (Unionsstaaten) gegen die südlichen Bundesstaaten (Konföderationsstaaten). Er war einer der blutigsten Konflikte des 19. Jahrhunderts, mehr als 600.000 Menschen verloren ihr Leben. Der Bürgerkrieg entzündete sich an der Frage der Sklaverei: Im Süden der USA gab es damals sehr viele Sklaven und dort wollte man ein Verbot der Sklavenhaltung um jeden Preis verhindern. Die Fronten waren so verhärtet, dass der Konflikt 1861 mit der Abspaltung des Südens eskalierte. Nach vier verheerenden Jahren endete der Bürgerkrieg 1865 mit dem Sieg des Nordens, mit der Wiederherstellung der staatlichen Einheit und mit der Befreiung aller Sklaven.

Sklaven in einem demokratischen Land

Als die USA am 17. September 1787 ihre Verfassung verabschiedeten, lebten etwa 700.000 schwarze Sklaven in den Vereinigten Staaten. Das war eine große Zahl, insgesamt gab es in den USA damals knapp 4 Millionen Menschen (die Ureinwohner nicht mitgerechnet). Das System der Sklaverei war brutal und basierte zu einem guten Teil auf roher Gewalt: Die amerikanischen Sklaven (oder ihre Vorfahren) waren gegen ihren Willen aus Afrika verschleppt worden, besaßen keine Rechte und waren der Willkür ihrer "Herren" absolut ausgeliefert. Die Ideen der Aufklärung und die religiös motivierte Ablehnung durch die Pietisten führten dann auch dazu, dass die Sklaverei immer mehr unter Rechtfertigungsdruck geriet. Die nördlichen US-Bundesstaaten schafften sukzessive die Sklaverei ab. Dies war ökonomisch leicht zu realisieren, denn Sklaven spielten dort für die Wirtschaft keine wichtige Rolle. Die Abschaffung erfolgte dennoch nur stufenweise, der Weg in die vollständige Emanzipation war auch in den so genannten "freien Staaten" sehr lange.

Im Süden der USA war man dagegen überhaupt nicht bereit, die Sklaven aufzugeben. Ende des 18. Jahrhunderts hatte hier ein Baumwollboom eingesetzt, der dazu führte, dass die Sklaverei sich weiter ausbreitete als jemals zuvor: Auf immer größeren Plantagen bauten immer mehr Sklaven das "weiße Gold" an, das die Textilfabriken Englands und Preußens am Laufen hielt. In den 1850er Jahren produzierten die USA etwa Dreiviertel der weltweiten Rohbaumwolle. Die Besitzer der Baumwollplantagen brachten es zu enormem Reichtum. Sie stiegen zur herrschenden Klasse auf ("Pflanzeraristokratie") und dominierten das politische und wirtschaftliche Leben des Südens fast uneingeschränkt.

Auf diese Art entwickelten sich Wirtschaft und Gesellschaft im Norden und Süden der USA auf sehr unterschiedliche Weisen. Während im Norden kleine Farmer und Lohnarbeiter vorherrschten und im Laufe des 19. Jahrhunderts die Industrialisierung immer stärkere Fortschritte machte, blieb der Süden landwirtschaftlich geprägt. Im Jahr 1861 waren 84 Prozent aller Beschäftigten der späteren Konföderation in der Landwirtschaft tätig, nur wenige Menschen lebten in Städten. Im Norden waren dagegen nur 40 Prozent in der Landwirtschaft beschäftigt und die Urbanisierungsrate betrug bereits 26 Prozent. Als der Bürgerkrieg ausbrach, lebten 92 Prozent aller Fabrikarbeiter der USA in den Nordstaaten und es gab dort 110.000 Fabriken. Der Süden besaß lediglich 18.000 Fabriken.

Der Konflikt eskaliert

Die amerikanische Gesellschaft vor dem Bürgerkrieg war sehr dynamisch: Bevölkerungswachstum, Westexpansion, Immigration und Frühindustrialisierung brachten enorme Veränderungen und auch einen Anstieg an Kriminalität mit sich. Insbesondere Gewalt und Unruhen nahmen in den Jahrzehnten vor dem Krieg zu. Zeitungen berichteten regelmäßig über Straßenkämpfe in den Städten, Lynchjustiz auf dem Lande und Handgreiflichkeiten in den Parlamenten. Historiker erklären dieses Aufflammen von Gewalt mit der Auflösung sozialer Bindungen, aber auch der Polarisierung zwischen Nord und Süd in der Sklavereifrage. Tatsächlich ging es bei vielen Krawallen um die Sklaverei, wenn zum Beispiel Mobs Sklavereigegner attackierten oder (vermeintliche) Sklavenverschwörungen niederschlugen.

Dabei verhärteten sich die Fronten zwischen Nord und Süd immer mehr. Im Norden mobilisierte die kleine, aber lautstarke Antisklavereibewegung (Abolitionist Movement) mit der Parole "Slavery is sin"; der 1852 erschienene Roman "Onkel Toms Hütte" von Harriet Beecher Stowe wurde hier innerhalb kürzester Zeit zum Bestseller. Im Süden beharrten die Sklavenbesitzer darauf, dass Schwarze minderwertige Menschen und keine amerikanischen Staatsbürger seien. Eine Abschaffung der Sklaverei wurde von ihnen apokalyptisch beschrieben: Horden entfesselter "Wilder" würden plündernd und mordend über das Land ziehen. Eine Verständigung der beiden Seiten schien kaum mehr möglich.

Die Situation wurde weiter angeheizt durch die Westexpansion der USA. Im frühen 19. Jahrhundert vergrößerten die USA ihr Territorium beständig und es wurden eine Reihe neuer Bundesstaaten gegründet: 1821 gab es 24 Bundesstaaten; als der Bürgerkrieg ausbrach, waren es bereits 34. Eine Weile war es noch gelungen, eine Balance zu halten, indem man bei der Aufnahme neuer Staaten darauf achtete, das politische Gleichgewicht zwischen Sklavenhalterstaaten und Staaten ohne Sklaverei aufrechtzuhalten. Als im November 1860 jedoch der Republikaner Abraham Lincoln zum Präsidenten gewählt wurde, implodierte der prekäre politische Frieden (die Republikaner waren damals die Partei der Sklavereigegner).

Sezession und Amerikanischer Bürgerkrieg

In den Sklavenhalterstaaten des Südens hatte Lincoln kaum Stimmen erhalten: In zehn Bundesstaaten war er gar nicht erst zur Wahl angetreten, in Kentucky hatten lediglich 0,9 Prozent der Wähler für Lincoln gestimmt, in Virginia waren es 1,1 Prozent. Als Lincoln dennoch zum Präsidenten gewählt wurde, reagierte der Süden prompt. Zunächst sieben, kurz darauf weitere vier Südstaaten erklärten ihren Austritt aus den USA ("Sezession") und proklamierten einen eigenen souveränen Staat, die "Konföderierten Staaten von Amerika".

Für Lincoln war die Sezession eine Rebellion, die er als Präsident beenden musste. Als Truppen der Konföderation 1861 den Kommandanten einer militärischen Befestigungsanlage des Bundes (Fort Sumter in South Carolina) zur Kapitulation zwangen, ordnete er die Rekrutierung von Milizionären an und verhängte eine Seeblockade über die Häfen des Südens. Damit hatte der Krieg begonnen.

Zu Beginn der Kämpfe rechneten beide Seiten mit einem raschen Sieg. Das sollte sich als gewaltiger Irrtum herausstellen: Der Amerikanische Bürgerkrieg wurde vier Jahre lang mit äußerster Härte und Brutalität geführt. Er wurde zu einem umfassenden Vernichtungskrieg, der sich auch gegen die Zivilbevölkerung und die gegnerische Wirtschaft richtete. Mehr als 600.000 Menschen (die genauen Zahlen sind bis heute umstritten) verloren in Kampfhandlungen ihr Leben, noch viele mehr starben an den indirekten Folgen des Krieges (tausende Soldaten starben zum Beispiel an Krankheiten wie der Ruhr).

Während des Krieges stieg im Norden der USA die Stimmung gegen die Sklaverei weiter an. Lincoln machte sich dies zunutze und erklärte am 22. September 1862 das Ende der Sklaverei zum offiziellen Kriegsziel des Nordens ("Emanzipationsproklamation") . Damit wurde auch nach Außen deutlich, dass sich in den USA zwei konkurrierende Gesellschaftsordnungen bekämpften. Den europäischen Großmächten und insbesondere England (das mit dem Süden durch den Baumwollimport wirtschaftlich eng verflochten war) wurde es damit moralisch unmöglich, die Konföderation anzuerkennen.

Auf Dauer machte sich die Überlegenheit des Nordens an Ressourcen bemerkbar. Die Schlacht von Gettysburg im Juli 1863 leitete die Wende im Bürgerkrieg ein. Nach weiteren Erfolgen des Nordens mussten die Südstaaten am 9. April 1865 kapitulieren. Wenige Tage später, am 14. April 1865, wurde Lincoln in einem Theater in Washington von einem Verschwörer aus den Südstaaten erschossen. Das Attentat war der erste Mordanschlag, dem ein Präsident der USA zum Opfer fiel

Reconstruction und das Ende der Sklaverei

Die Zeit nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg nennen Historiker "Reconstruction". In dieser Phase wurden die Südstaaten wieder der Union eingegliedert. Außerdem wurde die Sklavenbefreiung in der Verfassung verankert und die Macht des Bundes wurde gegenüber den Einzelstaaten gestärkt. Dies war für amerikanische Verhältnisse ein Novum, bisher hatten Verfassungszusätze darauf gezielt, die Macht der Zentralregierung zu begrenzen. Die staatliche Einheit der Nation wurde damit zügig wieder hergestellt, ökonomisch und kulturell blieb die USA jedoch gespalten. Während sich der Norden nach 1965 immer rascher industrialisierte, litt der Süden noch Jahrzehnte unter der Verwüstung und den Verlusten des Krieges.

Unter der weißen Bevölkerung der Südstaaten verbreitete sich nach 1865 eine revisionistische Interpretation der Bürgerkriegsgeschichte ("The Lost Cause"), die bis heute wirkungsmächtig bleibt: Nach dieser sind die Männer des Südens im Kampf für eine gerechte Sache der Übermacht des Nordens unterlegen. Noch bis heute vermeidet man in den USA nach Möglichkeiten die Darstellung, es sei im Amerikanischen Bürgerkrieg in erster Linie um die Sklaverei und damit um "Gut" und "Böse" gegangen. In der offiziellen Version kämpfte der Norden um den Erhalt der Union, der Süden um das Recht auf seine Lebensweise.

Die Lage der schwarzen Bevölkerung verbesserte sich nach dem Bürgerkrieg nur sehr allmählich und keinesfalls kontinuierlich. Tatsächlich wurde die Sklaverei durch neue Formen der Abhängigkeit und Diskriminierung ersetzt, an dem Rassismus der Weißen änderte sich kaum etwas. Terror und rassistische Gesetze ("Black Codes" und Jim Crow-Gesetze) sorgten über Jahrzehnte dafür, dass Afroamerikaner eine unterdrückte Bevölkerungsgruppe blieben. Dies begann sich erst mit den Erfolgen der Bürgerrechtsbewegung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts allmählich zu ändern.

Gespaltenes Amerika heute

2012 konnte mit Barack Obama erstmals ein schwarzer Präsident ins Weiße Haus ziehen. In fast allen Bundesstaaten der ehemaligen Konföderation hatte allerdings Obamas politischer Gegner Mitt Romney gesiegt. Sind die USA damit ähnlich zerrissen wie zur Zeit Abraham Lincolns? Anders als 1860 haben auch in den Südstaaten viele Menschen Obama gewählt. Tatsächlich hat die Immigration den Süden der USA in den letzten Jahrzehnten bunter und heterogener werden lassen, ein großer Teil der Bevölkerung kann dort mit der Nostalgie des "Grand Old South" nicht mehr viel anfangen.

Dennoch warnen Journalisten und Kommentatoren in den letzten Jahren immer wieder vor einem neuen (kalten) Bürgerkrieg in den USA. In Umfragen zeigen sich Wähler besorgt über die Zerrissenheit des Landes. Und vieles erinnert heute durchaus an die Zeit vor 1861: Da ist zum einen die Unversöhnlichkeit, mit der sich die politischen Lager gegenüberstehen, und die immer wieder Politik und Verwaltung blockiert. Zum anderen findet sich auch im aufgeheizten gesellschaftlichen Klima und der weiten Verbreitung von Gewalt eine Parallelen zur ersten Hälft des 19. Jahrhundert.

Neben dem Kulturkrieg um religiös aufgeladene Themen wie Homosexualität oder Abtreibung entzündet sich ein großer Teil der (gewaltsamen) Konflikte um die "Rassenfrage". Bis in die heutige Zeit ist die schwarze Bevölkerung der USA härter von Armut, Arbeitslosigkeit und Krankheit betroffen. Der "Krieg gegen Drogen" hat die Gefängnisse der USA bis zum Bersten mit afroamerikanische Männern gefüllt, diese sind auch besonders häufig Opfer von Polizeigewalt. Im Sommer 2020 kam es nach dem Tod des unbewaffneten Afroamerikaners George Floyd während eines brutalen Polizeieinsatzes zu weltweiten und friedlichen Demonstrationen, aber auch zu teils schweren Auseinandersetzungen. Zahlreiche Städte verhängten nächtliche Ausgangssperren und mehrere Bundesstaaten mobilisierten die Nationalgarde.

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Wichtige Kennzahlen

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