Daten und Fakten zum Thema Kinderarmut

Im Jahr 2017 lebten auf der Erde insgesamt 356 Millionen Kinder in absoluter Armut. Damit waren weltweit mehr Kinder von Armut betroffen, als die USA Einwohner hat. Ein positiver Trend ist, dass die Zahl in den letzten Jahren rückläufig war. Zwischen 2013 und 2017 ist die Kinderarmutsquote um zwei Prozentpunkte zurückgegangen. Doch die Corona-Pandemie droht aktuell, diese Erfolge wieder zunichtezumachen. Prognosen gehen von einem starken Anstieg der Kinderarmut aus. Alleine die Schulschließungen im Zuge der Pandemie-Bekämpfung haben die Situation für viele Kinder verschärft: nicht nur aufgrund verpasster Bildungschancen, sondern zum Beispiel auch, weil kostenloses Schulessen nicht mehr verteilt werden konnte.

Wann genau gilt ein Kind als arm?

Grundsätzlich wird zwischen absoluter und relativer Armut unterschieden.
  • Absolute Armut bedeutet, dass ein Mensch nicht in der Lage ist, seine Grundbedürfnisse zu befriedigen. Als finanzielles Minimum, das ein Mensch zum Überleben braucht, hat die Weltbank einen Betrag festgelegt: Wem weniger als 1,90 US-Dollar pro Tag zur Verfügung stehen, gilt als extrem arm. Er leidet sehr wahrscheinlich unter Hunger oder ist mangelernährt, kann sich keine Medikamente leisten und muss vielleicht in einem Slum leben.

  • Von relativer Armut spricht man, wenn das Einkommen eines Menschen unter dem durchschnittlichen Einkommen eines Landes liegt. Relative Armut orientiert sich also am sozialen Umfeld eines Menschen (soziale Ungleichheit). Armut in Deutschland (auch Kinderarmut) gilt grundsätzlich als relative Armut, weil arme Menschen hier immer noch mehr Geld zur Verfügung haben als arme Menschen in anderen Ländern. Ihnen fehlen aber die Mittel, um am soziokulturellen Leben teilzuhaben, also zum Beispiel Kino, Theater oder Schwimmbad zu besuchen. Als Grenze zur Armut gelten Einkommen von weniger als 60 Prozent des mittleren Nettoeinkommens. Eine zweite übliche Methode, um Armut zu erfassen, ist die Orientierung an der Anzahl der Personen, die in einer SGB-II-Bedarfsgemeinschaft leben ("Harz IV-Haushalte").

  • Mit Blick auf Kinderarmut betonen Experten allerdings, dass Definitionen die speziellen Grundbedürfnisse von Kindern mehr berücksichtigen sollten: Kinder benötigen zum Beispiel eine ausgewogene Ernährung, Bildung, Freizeitmöglichkeiten und Gesundheitsvorsorge, um sich altersgerecht entwickeln zu können. Diese verschiedenen Bereiche sind nicht zwangsläufig an das Einkommensniveau der Familie gekoppelt. Viele Organisationen und Studien verwenden inzwischen daher das Konzept der "mehrdimensionalen Kinderarmut", um die Situation von Kindern besser dokumentieren und analysieren zu können. Ein Kind gilt als mehrdimensional arm, wenn es in mindestens zwei grundlegenden Bereichen unterversorgt ist.


Kinderarmut weltweit: Wie viele Kinder sind von Armut betroffen?

Nach der absoluten Armutsdefinition der Weltbank sind weltweit rund 710 Millionen Menschen von Armut betroffen. Etwa 50 Prozent hiervon sind Kinder: Jeder zweite arme Mensch auf der Welt ist unter 18 Jahre alt - und dies obwohl nur rund 30 Prozent der Weltbevölkerung minderjährig sind. Die Armutsquote bei Kindern ist dementsprechend deutlich höher als beim Rest der Bevölkerung. Während rund acht Prozent aller Erwachsenen von Armut betroffen sind, liegt die Kinderarmutsquote mit 17,5 Prozent mehr als doppelt so hoch. Regional leben die meisten betroffenen Kinder in Subsahara-Afrika. Fast jedes zweite Kind muss dort mit weniger als 1,90 US-Dollar am Tag auskommen.

Kinderarmut in Deutschland

Wie in den meisten Industrienationen gibt es auch in Deutschland wenige Kinder, die nach absoluter Armutsdefinition von Armut betroffen sind. Maßnahmen zur Existenzsicherung wie Hartz IV schützen vor existenziellen Nöten, nicht aber vor relativer Armut. Der Hartz IV-Regelsatz ist häufig nicht ausreichend, um Kindern eine soziale Teilhabe zu ermöglichen. Beispielsweise fehlen mehr als einem Viertel aller Kinder, die von Hartz IV leben, die finanziellen Mittel, um Freunde nach Hause einzuladen. Deutschlandweit lebten 2020 13 Prozent aller Kinder in Bedarfsgemeinschaften mit SGB-II-Bezug. Die Armutsgefährdungsquote von Kindern erreichte im Jahr 2019 den höchsten Stand seit 15 Jahren: 20,5 Prozent der deutschen Minderjährigen waren in diesem Jahr von relativer Einkommensarmut bedroht gewesen. Das Risiko für Kinder, von Armut betroffen zu sein, ist dabei nicht gleichmäßig über die Gesellschaft verteilt. Kinder aus bestimmten Regionen oder Bevölkerungsgruppen sind mit größerer Wahrscheinlichkeit ärmer als andere Kinder: zum Beispiel, wenn sie in Bremen oder Sachsen-Anhalt leben, einen Migrationshintergrund haben oder aus bildungsfernen Familien stammen.



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Wichtige Kennzahlen

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Kinderarmut weltweit

Kinderarmut in Deutschland

Kinderarmut in Europa

Folgen von Kinderarmut: Mangelernährung

Folgen von Kinderarmut: Kinderarbeit

Folgen von Kinderarmut: Soziale Exklusion

Interessante Statistiken

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Armut in Deutschland

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Daten und Fakten zum Thema Kinderarmut

Im Jahr 2017 lebten auf der Erde insgesamt 356 Millionen Kinder in absoluter Armut. Damit waren weltweit mehr Kinder von Armut betroffen, als die USA Einwohner hat. Ein positiver Trend ist, dass die Zahl in den letzten Jahren rückläufig war. Zwischen 2013 und 2017 ist die Kinderarmutsquote um zwei Prozentpunkte zurückgegangen. Doch die Corona-Pandemie droht aktuell, diese Erfolge wieder zunichtezumachen. Prognosen gehen von einem starken Anstieg der Kinderarmut aus. Alleine die Schulschließungen im Zuge der Pandemie-Bekämpfung haben die Situation für viele Kinder verschärft: nicht nur aufgrund verpasster Bildungschancen, sondern zum Beispiel auch, weil kostenloses Schulessen nicht mehr verteilt werden konnte.

Wann genau gilt ein Kind als arm?

Grundsätzlich wird zwischen absoluter und relativer Armut unterschieden.
  • Absolute Armut bedeutet, dass ein Mensch nicht in der Lage ist, seine Grundbedürfnisse zu befriedigen. Als finanzielles Minimum, das ein Mensch zum Überleben braucht, hat die Weltbank einen Betrag festgelegt: Wem weniger als 1,90 US-Dollar pro Tag zur Verfügung stehen, gilt als extrem arm. Er leidet sehr wahrscheinlich unter Hunger oder ist mangelernährt, kann sich keine Medikamente leisten und muss vielleicht in einem Slum leben.

  • Von relativer Armut spricht man, wenn das Einkommen eines Menschen unter dem durchschnittlichen Einkommen eines Landes liegt. Relative Armut orientiert sich also am sozialen Umfeld eines Menschen (soziale Ungleichheit). Armut in Deutschland (auch Kinderarmut) gilt grundsätzlich als relative Armut, weil arme Menschen hier immer noch mehr Geld zur Verfügung haben als arme Menschen in anderen Ländern. Ihnen fehlen aber die Mittel, um am soziokulturellen Leben teilzuhaben, also zum Beispiel Kino, Theater oder Schwimmbad zu besuchen. Als Grenze zur Armut gelten Einkommen von weniger als 60 Prozent des mittleren Nettoeinkommens. Eine zweite übliche Methode, um Armut zu erfassen, ist die Orientierung an der Anzahl der Personen, die in einer SGB-II-Bedarfsgemeinschaft leben ("Harz IV-Haushalte").

  • Mit Blick auf Kinderarmut betonen Experten allerdings, dass Definitionen die speziellen Grundbedürfnisse von Kindern mehr berücksichtigen sollten: Kinder benötigen zum Beispiel eine ausgewogene Ernährung, Bildung, Freizeitmöglichkeiten und Gesundheitsvorsorge, um sich altersgerecht entwickeln zu können. Diese verschiedenen Bereiche sind nicht zwangsläufig an das Einkommensniveau der Familie gekoppelt. Viele Organisationen und Studien verwenden inzwischen daher das Konzept der "mehrdimensionalen Kinderarmut", um die Situation von Kindern besser dokumentieren und analysieren zu können. Ein Kind gilt als mehrdimensional arm, wenn es in mindestens zwei grundlegenden Bereichen unterversorgt ist.


Kinderarmut weltweit: Wie viele Kinder sind von Armut betroffen?

Nach der absoluten Armutsdefinition der Weltbank sind weltweit rund 710 Millionen Menschen von Armut betroffen. Etwa 50 Prozent hiervon sind Kinder: Jeder zweite arme Mensch auf der Welt ist unter 18 Jahre alt - und dies obwohl nur rund 30 Prozent der Weltbevölkerung minderjährig sind. Die Armutsquote bei Kindern ist dementsprechend deutlich höher als beim Rest der Bevölkerung. Während rund acht Prozent aller Erwachsenen von Armut betroffen sind, liegt die Kinderarmutsquote mit 17,5 Prozent mehr als doppelt so hoch. Regional leben die meisten betroffenen Kinder in Subsahara-Afrika. Fast jedes zweite Kind muss dort mit weniger als 1,90 US-Dollar am Tag auskommen.

Kinderarmut in Deutschland

Wie in den meisten Industrienationen gibt es auch in Deutschland wenige Kinder, die nach absoluter Armutsdefinition von Armut betroffen sind. Maßnahmen zur Existenzsicherung wie Hartz IV schützen vor existenziellen Nöten, nicht aber vor relativer Armut. Der Hartz IV-Regelsatz ist häufig nicht ausreichend, um Kindern eine soziale Teilhabe zu ermöglichen. Beispielsweise fehlen mehr als einem Viertel aller Kinder, die von Hartz IV leben, die finanziellen Mittel, um Freunde nach Hause einzuladen. Deutschlandweit lebten 2020 13 Prozent aller Kinder in Bedarfsgemeinschaften mit SGB-II-Bezug. Die Armutsgefährdungsquote von Kindern erreichte im Jahr 2019 den höchsten Stand seit 15 Jahren: 20,5 Prozent der deutschen Minderjährigen waren in diesem Jahr von relativer Einkommensarmut bedroht gewesen. Das Risiko für Kinder, von Armut betroffen zu sein, ist dabei nicht gleichmäßig über die Gesellschaft verteilt. Kinder aus bestimmten Regionen oder Bevölkerungsgruppen sind mit größerer Wahrscheinlichkeit ärmer als andere Kinder: zum Beispiel, wenn sie in Bremen oder Sachsen-Anhalt leben, einen Migrationshintergrund haben oder aus bildungsfernen Familien stammen.



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