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Daten und Fakten zu Antisemitismus

Antisemitismus beschreibt die Diskriminierung von Jüdinnen und Juden und ist ein weltweit verbreitetes Problem, welches auch in Deutschland präsent ist. Antisemitische Einstellungen und Vorurteile sind hierzulande bis heute, auch rund 70 Jahre nach der Ermordung von sechs Millionen Jüdinnen und Juden durch den Holocaust, in Teilen der Gesellschaft vertreten und stellen damit eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung dar.

Betroffene von Antisemitismus – Demographische Daten zum Judentum

Von Antisemitismus Betroffene gehören primär dem Judentum an. Im Vergleich zu anderen Religionen wie etwa dem Islam wuchs das Judentum in den letzten Jahrzehnten nur sehr gering, die Anzahl der Jüdinnen und Juden weltweit erhöhte sich von rund 11 Millionen im Jahr 1945 auf rund 14,8 Millionen im Jahr 2020. Die größten jüdischen Populationen finden sich in Israel und den USA. Dort leben zusammen rund 85 Prozent aller Jüd:innen weltweit. In Deutschland sinkt die Anzahl der Jüd:innen seit mehr als 15 Jahren kontinuierlich. Laut Zentralrat der Juden lag sie im Jahr 2021 bei rund 92.000. Regional am stärksten vertreten ist das Judentum in Deutschland im Landesverband Nordrhein.

Definition von Antisemitismus - Traditioneller und moderner Antisemitismus

Antisemitismus ist ein vielschichtiges Phänomen. Im Mai 2016 formulierte die International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) folgende Arbeitsdefinition: Antisemitismus ist eine bestimmte Wahrnehmung von Jüdinnen und Juden, die sich als Hass gegenüber Jüdinnen und Juden ausdrücken kann. Der Antisemitismus richtet sich in Wort oder Tat gegen jüdische oder nichtjüdische Einzelpersonen und/oder deren Eigentum sowie gegen jüdische Gemeindeinstitutionen oder religiöse Einrichtungen.
Grundsätzlich kann zwischen traditionellen und modernen Formen von Antisemitismus unterschieden werden. Im Gegensatz zu älteren christlichen Überlieferungsformen von Antisemitismus, in denen Juden oft die Schuld am Tod Christi angelastet wurde, werden antisemitische Mythen in modernen Erscheinungsformen eher über Umwege kommuniziert:
  • Struktureller Antisemitismus: Form einer verkürzten Kapitalismuskritik, Juden als kleine und einflussreiche Elite, die gierig nach Geld strebt.
  • Sekundärer Antisemitismus: Unterstellung, Jüd:innen würden die Shoah nutzen, um Deutschland und die nationale Identität kleinzuhalten und Wiedergutmachungszahlungen an die israelische Regierung zu sichern.
  • Israelbezogener Antisemitismus: Dieser flammte speziell im Mai 2021 im Zuge der erneuten Eskalation im Nahost-Konflikt zwischen Israel und den Hamas auf und führte zu vermehrtem Antisemitismus auf sozialen Medien sowie antisemitischen Vorfällen im gesamten Bundesgebiet. Auch er ist ein aus Stereotypen gespeister Hass auf Jüd:innen, der als vermeintlich legitime Kritik an staatlichem Handeln Israels verschleiert wird.

Erscheinungsformen - Fokus Alltagsantisemitismus

Antisemitismus hat viele Gesichter und äußert sich in Erscheinungsformen, die nicht immer per se strafbar sind. Besonders verbreitet ist ein gewisser Alltagsantisemitismus. Dieser äußert sich oftmals in Bemerkungen oder der Verwendung von Stereotypen und Verhaltensweisen, die ein ablehnendes Verhalten gegenüber Jüdinnen und Juden widerspiegeln. Dazu gehören auch Symbole oder Chiffren, die benutzt werden, um das vermeintliche Tun und Sein sowie vermeintliche Intentionen von Jüd:innen abzubilden. Dabei sind bestimmte historische Narrationen meist negativ konnotiert. Und selbst, wenn sie positiv gemeint sind, bestehen sie meist aus Stereotypen. In einer 2022 veröffentlichten Umfrage zu antisemitischen Vorfällen im Alltag gaben rund 30 Prozent der Befragten an, bereits mehrmals „Witze“ mit antisemitischen Inhalten oder Vorurteilen zum Judentum in Alltagssituationen erlebt oder beobachtet zu haben. Rund 15 Prozent derselben Befragten äußerten zudem, dass es in ihrem Bekannten- und Freundeskreis gelegentlich vorkommt, das schlecht oder abfällig über Jüd:innen und/oder das Judentum gesprochen wird, eine gewisse Judenfeindlichkeit im Bekanntenkreis daran also zu beobachten ist. Die Tatorte, an denen es zu antisemitischen Vorfällen kommt können dabei stark variieren. Aufgrund der gefühlten Anonymität sind es häufig die sozialen Netzwerke, die zu Tatorten werden. Doch auch in Bildungseinrichtungen oder an öffentlichen Orten kann Antisemitismus beobachtet werden. Ein Vorfall von Antisemitismus der jüngsten Vergangenheit ereignete sich Ende Juni 2022 auf der in Kassel stattfindenden Kunstausstellung "documenta". Auf dieser Ausstellung wurde ein Bild eines indonesischen Künstlerkollektivs mit antisemitischen Inhalten identifiziert und infolge dessen erst abgehangen und schließlich komplett entfernt.

Statistik: Wo haben Sie schon mal antisemitische


Antisemitische Vorfälle und Straftaten in Deutschland

Im Jahr 2021 zählte das BMI über 3.000 antisemitische Delikte in Deutschland. Im Vergleich zum Vorjahr zeichnete sich damit eine signifikante Steigerung ab. Bei diesen Zahlen ist darauf hinzuwesien, dass lediglich das Hellfeld, sprich offiziell bekannt gewordene und registrierte Vorfälle, abgebildet werden. Es ist davon auszugehen, dass die Summe aller Fälle höher liegt. Die meisten der erfassten Delikte können bereits seit vielen Jahren dem Spektrum der rechten Kriminalität zugeordnet werden. Laut dem Bundesverband Rias ist der mit Abstand häufigste Vorfalltyp der des „verletzenden Verhaltens“. Unter diesem werden sowohl sämtliche antisemitische Äußerungen und Kommentare gegenüber jüdischen oder israelischen Personen oder Institutionen gefasst als auch gegenüber anderen Personen oder Institutionen. Dieser Vorfalltyp stellt somit einen Graubereich zwischen Alltagsantisemitismus und strafbaren Tätigkeiten dar. Weitere Delikte sind die gezielte Sachbeschädigung, Massenzuschriften, Bedrohungen bis hin zu Angriffen und extremer Gewalt. Massenzuschriften konnten besonders während der Pandemie auf Versammlungen gegen die Corona-Maßnahmen beobachtet werden. Insgesamt wurden im ersten Pandemiejahr (April 2020 bis März 2021) rund 320 Versammlungen mit antisemitischen Ausdrucksformen erfasst. Ein Vorfall extremer Gewalt, der vielen bis heute im Gedächtnis ist, ereignete sich am 09. Oktober 2019 in Halle an der Saale. An diesem Tag versuchte ein Rechtsextremist in eine Synagoge einzudringen, um einen mutmaßlichen Massenmord an den dort versammelten Jüd:innen zu verüben. Nachdem ihm dieses Vorhaben misslang, tötete er scheinbar wahllos zwei Passanten auf der Straße und verletzte weitere.

Antisemitismus weltweit

Laut dem Antisemitism Worldwide Report konnten im Jahr 2020 rund 370 schwerwiegende gewaltsame antisemitische Vorfälle weltweit registriert werden. Diese Zahl reflektiert laut Quelle alle Fälle von extremer Gewalt, wie Brandstiftung, Angriffe mit Waffen, schwerwiegende Bedrohungen, Vandalismus and Schändungen direkt gegenüber Jüd:innen oder jüdischen Institutionen wie etwa Synagogen oder Gemeindezentren. In rund 30 Prozent der Fälle waren Personen Zielgegenstand gewaltsamer Vorfälle. In der größten jüdischen Gemeinde außerhalb Israels, den USA, ereigneten sich im Jahr 2021 rund 2.700 antisemitische Vorfälle, in Großbritannien waren es laut Antisemitism Worldwide Report 2.255 Vorfälle im entsprechenden Jahr. Laut Antisemitism Worldwide Report stieg die Anzahl antisemitischer Vorfälle innerhalb der letzten beiden Pandemiejahre in nahezu allen Ländern mit großer jüdischer Population.

Statistik: Anzahl der registrierten schwerwiegenden gewaltsamen antisemitischen Vorfälle weltweit von 1989 bis 2020 | Statista


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