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Nationalsozialismus: Wissensstand und Gedenken

Die Zeit des Nationalsozialismus (auch NS-Zeit und NS-Diktatur genannt) beschreibt die Zeitspanne von 1933 bis 1945 in der die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) unter Adolf Hitler regierte. Die NS-Zeit begann am 30. Januar 1933 mit der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler und endete am 8. Mai 1945 mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht vor den Alliierten und ihren Verbündeten und kennzeichnete damit das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa.
Während ihrer zwölfjährigen Herrschaft errichteten die Nationalsozialisten eine totalitäre Diktatur in Deutschland. Begründet durch die menschenverachtende NS-Ideologie wurden Jüd:innen, politisch Andersdenkende und andere Gruppen und Ethnien systematisch verfolgt, vertrieben und ermordet. Im Jahr 1939 begann mit dem Überfall auf Polen der Zweite Weltkrieg, an dessen Ende schätzungsweise mehr als 70 Millionen Menschen ihre Leben verloren hatten. Der geplante und industriell betriebene Genozid an den europäischen Jüdinnen und Juden (auch Holocaust genannt) ist einer der größten Zivilisationsbrüche der Geschichte. Während des Krieges verübte die Wehrmacht zahlreiche Kriegsverbrechen. Unter anderem wurden rund sieben Millionen sowjetische Zivilist:innen ermordet, weitere drei Millionen Soldaten der Sowjetunion starben in deutscher Kriegsgefangenschaft.

Wie viel wissen die Deutschen über die NS-Zeit?

Laut der Studie "MEMO Multidimensionaler Erinnerungsmonitor" aus dem Jahr 2021 schätzen rund 14 Prozent der befragten Deutschen ihr eigenes Wissen über die Zeit des Nationalsozialismus als sehr gut ein. Knapp die Hälfte bewertet ihren eigenen Wissensstand zu diesem Thema als eher gut. Die Quellen zur Informationsbeschaffung sind dabei vielfältig, wobei die häufigste Form der Auseinandersetzung mittels Spiel- oder Dokumentarfilme stattfindet. Gespräche mit Familienangehörigen, sowie das Lesen von Texten und Anschauen von Videos im Internet sind in diesem Kontext ebenfalls beliebt. Die Thematisierung des Nationalsozialismus im Schulunterricht bietet eine weitere Möglichkeit diese Thematik zu behandeln und zu verstehen. Heute sind besonders Schulen zu einem wichtigen Ort der Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit und Vermittlung von Erinnerungskultur geworden.
Laut einer Studie des rheingold Instituts aus dem Jahr 2021 begegnet die Generation Z, die zum Zeitpunkt der Befragung aus Personen im Alter von 16 bis 25 Jahren bestand, dem Thema Nationalsozialismus mit Interesse: Rund drei Viertel der Befragten gab an, dass die NS-Verfolgung ein spannendes Thema ist, welches sie interessiert. Rund 78 Prozent sprachen in diesem Zusammenhang von einer großen Bedeutung für die Gegenwart und die Zukunft, während rund 73 Prozent gegenüber der eigenen Generation eine Informationspflicht aussprachen. Zu einer umfassenden Auseinandersetzung mit der NS-Zeit gehört auch die Aufarbeitung der eigenen Familiengeschichte in Bezug auf den Nationalsozialismus. Etwa ein Viertel der 15- bis 26-Jährigen gab an, dass sie sich mit dieser Thematik viel beschäftigt hat, während sich knapp die Hälfte der jungen Erwachsenen im Rahmen ihrer bisherigen Auseinandersetzungen mit der NS-Zeit überhaupt nicht oder wenig mit der Geschichte ihrer Familie befasst hat.

Im Rahmen einer Umfrage, welche von "Die Zeit" in Auftrag gegeben wurde, sagten rund 36 Prozent der befragten Deutschen aus, dass das Wissen über die Vergangenheit verhindern kann, dass Verbrechen, wie sie im Namen des Nationalsozialismus verübt wurden, wieder passieren. Rund ein Viertel gab an, dass sie aus der NS-Geschichte gelernt haben und infolgedessen sensibel für Ausgrenzung und Ungerechtigkeit geworden sind.
Das Wissen um die Geschehnisse in der Vergangenheit bildet zudem die Grundlage für eine umfassende Erinnerungskultur. Der Begriff Erinnerungskultur bezeichnet den Umgang des Einzelnen und der Gesellschaft mit ihrer Vergangenheit und ihrer Geschichte.

Der Staat und die Erinnerungskultur

Die Funktion des Staates im Rahmen der Erinnerungskultur besteht heute in ihrer ideellen und finanziellen Unterstützung. Zur Aufgabe des Staates gehört außerdem die Schaffung des rechtlichen Gestaltungsrahmens, zum Beispiel durch Gesetze zum Denkmalschutz. Ein aktiver staatlicher Eingriff in die Erinnerungskultur besteht, wenn Gebäude beseitigt werden, die als mögliche Erinnerungsorte geeignet wären. Eine Besonderheit ist die rechtliche Grenzsetzung für inhaltliche Aussagen im Fall der Holocaustleugnung dar, denn diese ist in Deutschland als Strafdelikt definiert.

Doch bevor es in Deutschland soweit war, galt die NS-Zeit in Westdeutschland lange als Tabuthema, während die DDR jede Verantwortung für die nationalsozialistische Vergangenheit ablehnte. Erst mit dem Aufkommen der Student:innen-Bewegung in den 60er-Jahren, die unter anderem die Aufarbeitung der Nazi-Vergangenheit forderte, wurde der Grundstein für die heutige Erinnerungskultur gelegt.

Zur Aufarbeitung gehörte unter anderem die rechtliche Verurteilung der Täter:innen der NS-Zeit sowie die Entschädigung der Opfer. Die Bundesrepublik Deutschland hat für die Opfer des Nationalsozialismus bis zum Ende des Jahres 2021 Entschädigungszahlungen in Höhe von rund 80,53 Milliarden Euro geleistet. Mit rund 48,7 Milliarden Euro wurde der größte Teil der Zahlungen in Folge des Bundesentschädigungsgesetzes (BEG) entrichtet. Außerhalb des Bundesentschädigungsgesetzes leisteten die deutschen Bundesländer weitere Wiedergutmachungszahlungen. Außerdem schloss die Bundesrepublik Deutschland in den Jahren 1959 bis 1964 mit verschiedenen Staaten Verträge (Globalabkommen) zur Wiedergutmachung ab.

Ein wichtiges Zeichen setzte der damalige Bundespräsident Roman Herzog im Jahr 1996 als er den 27. Januar als Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus einführte. Seitdem findet jährlich eine Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus im Deutschen Bundestag statt. 2005 erklärten die Vereinten Nationen den 27. Januar zum Internationalen Tag zum Gedenken an die Opfer des Holocausts. Anlass für diese beiden Gedenktage: Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrationslager Auschwitz von sowjetischen Truppen befreit.

Nationalsozialismus: Wie findet Erinnern und Gedenken in Deutschland statt?

Neben Gedenktagen gibt es zahlreiche weitere Formen des Gedenkens und der Erinnerung: Gedenkstätten, Mahnmale sowie Museen und Archive stellen eine wichtige Komponente für die Aufarbeitung der Geschichte dar. Ebenfalls der Besuch von wichtigen historischen Schauplätzen und Gebäuden sowie der Besuch einer KZ-Gedenkstätte können beim Lernen und Verstehen helfen. Daneben gibt es noch andere Formate des Gedenkens, wie die sogenannten „Stolpersteine“, im Boden verlegte kleine Gedenktafeln, die an jüdische Schicksale erinnern sollen, - sie sind das größte dezentrale Mahnmal der Welt. Aber besonders die Begegnungen mit Zeitzeug:innen und Menschen, die die Verfolgung durch die Nationalsozialisten überlebt haben, halten die Erinnerung an die NS-Zeit und deren Opfer im kollektiven Bewusstsein wach und nehmen eine wichtige Rolle für die Aufarbeitung ein. Des Weiteren werden digitale Formate des Gedenkens immer bekannter und beliebter. Beispiele sind Podcasts, virtuelle Rundgänge durch Gedenkstätten und Museen, digitale Ergebnispräsentationen von Rechercheprojekten sowie Hologramme von Zeitzeug:innund eren, die von der NS-Zeit berichten.

Im Rahmen einer Umfrage in Deutschland aus dem Jahr 2020 gaben 39 Prozent der Befragten an, dass es für uns Deutsche Pflicht ist, dafür zu sorgen, dass die Geschichte des Nationalsozialismus und der Holocaust nicht vergessen werden und ebenfalls 39 Prozent sind der Meinung, dass die Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nationalsozialismus angesichts jüngster Entwicklungen heute so wichtig ist wie eh und je. Denn fast 80 Jahre nach dem Ende der Terrorherrschaft des Nationalsozialismus gehören Antisemitismus, Rassismus und Diskriminierung noch immer zum Alltag in Deutschland. Und obwohl rund die Hälfte der Deutschen Vertrauen in die demokratischen Institutionen hat, sind der Staat und die Gesellschaft weiterhin in der Pflicht, anhaltende Erinnerungsarbeit und Aufarbeitung zu leisten, sodass sich etwas wie der Nationalsozialismus im heutigen Deutschland nicht wiederholen kann.

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