Laut Daten der Barmer-Krankenkasse leiden in Deutschland über 146 von 1.000 Frauen unter Depressionen und bei den Männern
auf rund 82 Fälle je 1.000 Personen. Zudem weisen in der Bundesrepublik geschlechterübergreifend rund 37 Prozent der Menschen
auf. Während es sich bei Depressionen um ein definiertes Krankheitsbild mit verschiedenen Diagnoseschlüsseln im Rahmen der Gruppe der affektiven Störungen (ICD-10 F30-39) handelt, ist das Phänomen Burn-out weit weniger eindeutig umrissen und taucht in der 10. internationalen Klassifikation von Krankheiten (ICD) nur als Zusatzdiagnose auf (ICD-10 Z73). Die offizielle Definition lautet: „Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung inklusive Ausgebranntsein“. Aufgrund dieses Unterschieds lässt sich eine Depression anhand von definierten Symptomen diagnostizieren, wobei den Ursachen wenig Gewicht zugemessen wird. Beim Burn-out hingegen spielt der Grund fürs Ausbrennen eine zentrale Rolle. Häufig wird die Entstehung des Syndroms in mehreren Phasen der emotionalen Erschöpfung dargestellt, und im letzten Stadium des Prozesses liegt meist ebenfalls eine Depression vor. Auch in der seit 2022 in Kraft getretenen Nachfolgefassung ICD-11 wird das Burn-out Syndrom weiterhin nicht als Krankheit klassifiziert, sondern als „Faktor, der den Gesundheitszustand beeinflusst“. Nach Einstufung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Burn-out damit ein Risikofaktor für Krankheiten wie Depression oder Sucht – und nicht Depression oder Sucht ein Symptom für Burn-out. Das Syndrom wird in der ICD-11 allerdings genauer definiert und soll zukünftig ausschließlich für berufliche Zusammenhänge verwendet werden. Wann die neue Version der ICD in den klinischen Alltag in Deutschland überführt werden wird, ist derzeit noch offen.
Verbreitung von Depressionen

Über alle
Altersgruppen hinweg zeigt sich, dass Frauen deutlich häufiger betroffen sind als Männer: So leiden beispielsweise von den 45- bis 49-Jährigen rund 14,3 Prozent der Frauen und knapp 8,6 Prozent der männlichen Bevölkerung unter Depressionen. Zudem erhöht eine Depression die Wahrscheinlichkeit, dass die Betroffenen auch unter
anderen Krankheitsbildern leiden. Im
OECD-Vergleich belegt Deutschland bei der Depressions-Prävalenz ein Platz im Mittelfeld. Spitzenreiter sind Österreich, Kanada und die Vereinigten Staaten. Dabei existiert eine große Bandbreite verschiedener depressiver Erkrankungen, für die zahlreiche und teilweise konkurrierende genetische, medizinische, psychologische und soziologische Erklärungsansätze herangezogen werden. Gemeinsam ist diesen Erkrankungen, dass sie affektive Störungen beschreiben, deren Hauptelement anhaltende Zustände psychischer Niedergeschlagenheit und Traurigkeit sind - bis hin zu Suizidgedanken.
Modeerkrankung Burn-Out-Syndrom?

Eng mit der Diagnose Depressionen verbunden ist das vormals als „Modeerkrankung“ verschriene Burn-out-Syndrom, das einen Zustand der totalen körperlichen und geistigen Erschöpfung beschreibt. Nach Angaben der AOK hat sich die
Krankheitslast aufgrund von Burn-out-Diagnosen von 2004 bis 2022 fast verzwanzigfacht. In der Forschung wird Burn-out immer wieder mit einer hohen Belastung in Arbeit und Privatleben in Verbindung gebracht. Vor allem
Berufsgruppen mit hoher sozialer Interaktion sind von Burn-out-Erkrankungen betroffen.
Trotz einer zunehmenden gesellschaftlichen
Sensibilisierung für das Thema psychische Gesundheit im Allgemeinen und Depressionen im Besonderen muss nach wie vor von einer hohen Dunkelziffer an Betroffenen ausgegangen werden. Erschwerend bei der Behandlung von psychischen Erkrankungen kommt hinzu, dass die
Wartezeit für ein psychotherapeutisches Erstgespräch häufig mehrere Monate beträgt. Vor diesem Hintergrund ist also in naher Zukunft nicht mit einer Trendumkehr zu rechnen.
Arbeitsunfähigkeit auf Rekordhoch

Das
Arbeitsunfähigkeitsvolumen aufgrund von Depressionen ist seit dem Jahr 2014 um rund ein Viertel angestiegen: Während 2014 auf 1.000 BKK-Versicherte noch 781 AU-Tage kamen, waren es acht Jahre später bereits 980 AU-Tage. Die
Fallhäufigkeit ist im gleichen Zeitraum ebenfalls angestiegen und belief sich zuletzt auf rund 16 Fälle je 100 Versicherte. Dieser Anstieg ist dabei vor dem Hintergrund einer generell stark gestiegenen Bedeutung psychischer Erkrankungen zu sehen: sowohl
AU-Volumen als auch
Fallhäufigkeit haben sich in den letzten zwei Jahrzehnten vervielfacht. Psychische Erkrankungen sind mittlerweile die
drittwichtigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit in Deutschland. Die Erklärungshypothesen reichen dabei von einem immer anspruchsvolleren und schnelllebigeren Alltags- und Arbeitsgeschehen über eine gestiegene ärztliche
Sensibilisierung für das Thema bis zu einer geringer gewordenen Stigmatisierung der Betroffenen.
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können Statistiken einen aktuelleren Datenstand aufweisen.