10.02.2026 Grauzone KI-Bewerbung: Mehrheit nutzt Künstliche Intelligenz im Bewerbungsprozess, doch nur ein Drittel glaubt an die Akzeptanz dessen beim Arbeitgeber

  • Neue Umfrage* zeigt: 58 Prozent der Beschäftigten setzen bereits auf KI im Bewerbungsprozess. Innerhalb der Gen Z und Berufsgruppen mit körperlicher Arbeit liegt der Anteil mit 73 Prozent und 61 Prozent sogar noch höher.
  • Dennoch herrscht Unsicherheit: Nur jeder Dritte (32 Prozent) glaubt, dass Unternehmen den KI-Einsatz im Bewerbungsprozess befürworten.
  • Gemischte Gefühle zeigen sich auch beim Blick auf den Arbeitgeber: 44 Prozent der Befragten fühlen sich wohl damit, wenn Unternehmen KI zur Bewertung von Bewerbungen einsetzen. Knapp jeder Vierte (24 Prozent) hingegen nicht.

Hamburg, 10. Februar 2026 – ChatGPT als Ghostwriter für das Anschreiben, Kickresume für den automatisch generierten Lebenslauf und DeepL für die englischsprachige Bewerbung. Was vor wenigen Jahren undenkbar schien, ist heute Realität. Mehr als jeder zweite deutsche Beschäftigte (58 Prozent), der sich in den vergangenen 24 Monaten auf einen neuen Job beworben hat, nutzte dabei Künstliche Intelligenz. Innerhalb der Gen Z und Berufsgruppen mit körperlich-praktischer Arbeit lag der Anteil mit 73 Prozent und 61 Prozent sogar noch höher. Das geht aus einer aktuellen repräsentativen Umfrage von Statista+ hervor.

Vom Anschreiben bis zum Vorstellungsgespräch: Wofür KI zum Einsatz kommt

Am häufigsten griffen Bewerbende bei Anschreiben und Motivationsschreiben auf KI zurück (51 Prozent), gefolgt von der Erstellung und Gestaltung des Lebenslaufs (39 Prozent). Doch die Technologie unterstützt längst auch in anderen Phasen: 29 Prozent nutzten KI, um E-Mails an potenzielle Arbeitgeber zu verfassen, 28 Prozent zum Suchen und Filtern von Stellenangeboten. Jeder Fünfte (20 Prozent) bereitete sich mithilfe von KI auf Assessments, Online-Tests oder Interviews vor – ebenso viele simulierten damit sogar Vorstellungsgespräche. Für weitere 30 Prozent der Bewerbenden übernahm KI zudem die Rolle eines digitalen Karrierecoachs, der während des gesamten Bewerbungsprozesses als professionelle Unterstützung diente.

Die Gründe für den KI-Einsatz sind vielfältig. An erster Stelle nennen Befragte Zeitersparnis (39 Prozent) sowie den Wunsch, die Bewerbung besser auf die jeweilige Stelle zuzuschneiden (38 Prozent). Etwa ein Drittel (33 Prozent) erhoffte sich dadurch insgesamt bessere Chancen im Bewerbungsprozess. 32 Prozent gaben an, unsicher gewesen zu sein, wie eine „moderne" Bewerbung heute aussehen sollte. Neben praktischen Gründen spielten auch Sorgen vor möglichen Wettbewerbsnachteilen eine Rolle: Knapp jeder Sechste (16 Prozent) hatte die Befürchtung, ohne den Einsatz von KI nicht mehr konkurrenzfähig zu sein. In der Gen Z und der Gen X ist diese Sorge noch ausgeprägter (Gen Z: 20 Prozent; Gen X: 22 Prozent). Gleichzeitig sind mehr als die Hälfte (60 Prozent) der Meinung, dass der Einsatz von KI im Bewerbungsprozess möglichst unerkannt bleiben sollte.

„Damit zeigt sich ein zentrales Dilemma: KI wird zunehmend als Wettbewerbsfaktor wahrgenommen, gleichzeitig herrscht Ungewissheit darüber, wie Arbeitgeber diesen Einsatz bewerten. Das führt dazu, dass viele Bewerbende sich in einem gefühlten Graubereich bewegen. Für Unternehmen ist das ein Appell mit Handlungsaufforderung: Statt den Einsatz von KI zu verbieten, was weder sinnvoll noch kontrollierbar ist, sollten Arbeitgeber Klarheit schaffen. Dazu gehört es offen zu kommunizieren, welche KI-Nutzung sie im Bewerbungsprozess erwarten”, sagt Annika in der Beek, Chief People Officer bei Statista. „Bewerber:innen rate ich, KI im Bewerbungsprozess gezielt einzusetzen – denn „viel hilft viel“ ist hier der falsche Ansatz. Dazu lohnt es sich vorab zu fragen, wo die eigenen Stärken und die vermeintlichen Schwächen liegen, und entlang dessen zu entscheiden, wo KI im Prozess einen tatsächlichen Mehrwert leisten kann. Denn egal ob beim Anschreiben, im Assessment oder in der Vorbereitung auf das Gespräch, KI kann in jeder Phase unterstützen. Wichtig zu verstehen ist aber: Sie ist ein Werkzeug und kein Ersatz für die eigene Auseinandersetzung mit dem Job."

Entgegen dem Trend: Warum (noch) nicht alle auf KI setzen

Doch nicht alle springen auf den KI-Zug auf: 41 Prozent der Befragten haben im Bewerbungsprozess bewusst auf KI verzichtet. Die Gründe dafür ergeben sich aus mehreren Spannungsfeldern. So vertraut ein Drittel (34 Prozent) den eigenen Fähigkeiten mehr als der Technologie. Nahezu ebenso viele (32 Prozent) sind der Überzeugung, dass in Bewerbungsprozessen die eigenen Kenntnisse und Fähigkeiten im Fokus sollten – KI könnte dies verfälschen. Hinzu kommt die Befürchtung, dass Arbeitgeber die Nutzung ablehnen (22 Prozent). Vorhandene Wissenslücken im Umgang mit KI, spielen ebenfalls eine Rolle: Jeder Fünfte (22 Prozent) weiß nicht, welche KI-Tools man im Bewerbungsprozess einsetzen kann. Hinzu kommt die Angst, dass die neue Technologie Inhalte erfindet oder Fehler macht (18 Prozent).

KI auf beiden Seiten des Tisches: Wenn auch Arbeitgeber Algorithmen einsetzen

KI verändert den Bewerbungsprozess nicht nur auf Seiten der Arbeitnehmenden. Auch Unternehmen setzen zunehmend auf automatisierte Systeme. Bewerbende sehen diese Entwicklung zwiegespalten: 44 Prozent der Befragten fühlen sich wohl bei dem Gedanken, dass ein potenzieller Arbeitgeber KI zur Sichtung und Bewertung von Bewerbungen einsetzt. Knapp jeder Vierte (24 Prozent) fühlt sich hingegen unwohl. Ihre Bedenken: Der persönliche Kontakt zum Unternehmen könnte verloren gehen (65 Prozent) und Fehlentscheidungen im KI-System nicht korrigiert werden (55 Prozent). Weitere 46 Prozent sorgen sich, dass ihre Unterlagen durch Vorsortierung nie von einem Personalverantwortlichen gesehen werden. Und 44 Prozent vermuten, dass KI Bewerbende bevorzugen könnte, die KI-optimierte Unterlagen einreichen – ein Szenario, das den ohnehin wachsenden Druck zur KI-Nutzung weiter verstärken dürfte.

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*Methodik: Umfrage von Statista+. Die Daten basieren auf einer Online-Befragung im Access-Panel. Für diese Befragung wurden im Zeitraum vom 15. bis 23.01.2026 insgesamt 503 Erwerbstätige in Voll- und Teilzeit in Deutschland zwischen 18 und 67 Jahren befragt, die sich in den letzten 24 Monaten auf einen Job beworben haben. Die Ergebnisse sind repräsentativ für diese Zielgruppe in Deutschland.

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