Die Arbeitsproduktivität ist ein Maß für die Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft, ihre Entwicklung bestimmt wesentlich den materiellen Wohlstand. Zur Messung der Arbeitsproduktivität setzen Experten das reale Bruttoinlandsprodukt in Verhältnis zur Zahl der Erwerbstätigen einerseits und zu den geleisteten Arbeitsstunden der Erwerbstätigen. Anschließend wird daraus jeweils ein Index gebildet. Wie die Statista-Grafik mit Daten der Deutschen Bundesbank zeigt, stagnieren beide Indizes weitgehend seit dem Jahr 2018.
Außerdem ist erkennbar, dass beide Indizes ab 1960 längere Zeit parallel zueinander liefen und sich seit Ende der 1980er Jahre immer weiter angenähert haben. Grund dafür ist, dass sich die durchschnittliche Arbeitszeit je Erwerbstätigem im Zeitverlauf deutlich verringert hat. Während früher viele Beschäftigte länger arbeiteten, haben Teilzeitmodelle, kürzere Wochenarbeitszeiten und mehr Urlaubszeiten dazu geführt, dass pro Kopf weniger Stunden geleistet werden. Da sich das Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigem aus der Produktivität pro Stunde und der geleisteten Arbeitszeit zusammensetzt, wirkt sich diese Entwicklung direkt auf den Abstand zwischen beiden Kennzahlen aus. Sinkt die durchschnittliche Arbeitszeit, wird der Unterschied zwischen „pro Kopf“ und „pro Stunde“ automatisch kleiner. Die Annäherung der Linien bedeutet daher nicht, dass sich die Produktivität angleicht, sondern dass die Arbeitszeit als Differenzfaktor an Bedeutung verloren hat.
Als ein wichtiger Grund für die gebremste Produktivitätsentwicklung in Deutschland wird - neben dem rein rechnerischen Faktor einer seit 2023 leicht rückläufigen Wirtschaftsleistung - laut Destatis der Strukturwandel der Wirtschaft hin zu den Dienstleistungsbereichen genannt. Vermutet würde, dass die meisten Tätigkeiten im Dienstleistungsbereich tendenziell weniger Potenzial für Produktivitätswachstum bieten als dies im Produzierenden Gewerbe der Fall sei. Oftmals dürften Produktionsprozesse im Dienstleistungsbereich eher arbeitsintensiv und in geringerem Umfang mit Technik zu ersetzen sein.
Neue digitale Technologien wie „Industrie 4.0.“, „Big Data“ oder „Internet der Dinge“ lassen zwar ein großes Potenzial für Produktivitätssteigerungen vermuten. Destatis konstatiert allerdings, dass mit der Digitalisierung der Wirtschaft offenbar keine signifikanten Produktivitätsfortschritte einhergehen. Diese Beobachtung wird häufig als „Produktivitätsparadoxon“ bezeichnet.
















