Religion in der Schweiz
Römisch-katholische Kirche
Die absolute Zahl der römisch-katholischen Christen in der Schweiz ist seit 2014 rückläufig. Die Anzahl der Austritte aus der römisch-katholischen Kirche lag im Jahr 2023 bei etwa 67.000. Aufgrund vermehrter Austritte und einer stagnierenden Zahl der Kircheneintritte hat ihr Bevölkerungsanteil in den letzten Jahren abgenommen; von 38,6 Prozent im Jahr 2010 auf 30,7 Prozent im Jahr 2023. 1970 waren sogar noch 46,7 Prozent der Schweizer katholisch gewesen. Im Hinblick auf die Kantone war ihr Anteil mit knapp 70 Prozent in Appenzell Innerrhoden am höchsten und mit 13,5 Prozent in Bern und Basel-Stadt am niedrigsten.Evangelisch-reformierte Kirche
Bei der evangelisch-reformierten Kirche ist die Anhängerzahl ebenfalls deutlich zurückgegangen: Sie verlor allein seit 2010 rund 400.000 Gläubige und kam 2023 noch auf 1,44 Millionen. Der Bevölkerungsanteil sank in diesem Zeitraum von 28 auf unter 20 Prozent; 1970 hatte er noch 48,8 Prozent betragen. Den höchsten Zuspruch haben die Reformierten im Kanton Bern mit 44,2 Prozent, am geringsten ist ihr Anteil im Kanton Tessin mit 3,2 Prozent. Die Abnahme hat zum einen demografische Gründe (mehr Sterbefälle als Taufen), verweist jedoch auch auf eine bewusste Abwendung von der Kirche: So traten allein im Jahr 2023 fast 40.000 Personen aus der evangelisch-reformierten Kirche aus.Islam
Besonders dynamisch hat sich der Islam in der Schweiz entwickelt: Lebten 1970 lediglich rund 11.000 Angehörige islamischer Glaubensgemeinschaften im Land, waren es im Jahr 2010 bereits über 293.000 und 2023 circa 445.000. Der Bevölkerungsanteil der Muslime stieg zwischen 1970 und 2023 von 0,2 auf sechs Prozent. Auch hier sind allerdings wieder kantonale Unterschiede zu beachten: Ihr Anteil war 2023 mit 9,4 Prozent in Glarus am höchsten und mit 1,6 Prozent in Uri am niedrigsten.Judentum
Die jüdische Gemeinschaft in der Schweiz war mit rund 18.000 Anhängern und 0,2 Prozent Bevölkerungsanteil im Jahr 2023 relativ klein. Unter den Kantonen war ihr Anteil in Genf mit 0,9 Prozent am höchsten. Im Zuge des Wiederauffachens des Nahost-Konflikts nach dem Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 steigt auch der Antisemitismus: Im Jahr 2023 wurden allein in der Deutschschweiz 1.013 antisemitische Aussagen gemeldet.Sekten
Neben den etablierten Glaubensgemeinschaften gibt es auch Anhänger von Sekten. Diese Thematik lässt sich annäherungsweise über die Anfragen bei infoSekta, einer Schweizer Beratungsstelle für Sektenfragen, erschließen. Dabei zeigt sich, dass die Anzahl der Anfragen zu Sekten in den letzten Jahren zugenommen hat. Die meist thematisierte Gruppe war im Jahr 2023 die Zeugen Jehovas; die Mehrzahl der Kontakte verteilte sich allerdings auf zahlreiche kleinere Vereinigungen. Der weltanschauliche Hintergrund war überwiegend christlich oder esoterisch.Konfessionslose
Immer mehr Schweizer leben außerhalb von Religionsgemeinschaften: 2023 gab es rund 2,65 Millionen Konfessionslose; 2010 waren es noch 1,31 Millionen und 1970 sogar nur 57.000 gewesen. Ihr Bevölkerungsanteil stieg dementsprechend von 1,2 Prozent 1970 auf nunmehr 33,6 Prozent an und übertrifft damit jenen der Evangelisch-Reformierten als auch der Katholiken. Die höchste Verbreitung hat die Konfessionslosigkeit im Kanton Basel-Stadt mit 56,5 Prozent; die geringste im Kanton Appenzell Innerrhoden mit 27,8 Prozent. Allerdings ist Konfessionslosigkeit nicht zwangsläufig mit Ungläubigkeit oder Atheismus gleichzusetzen; es kann sich hierbei auch um eine Ablehnung kirchlicher Organisationen, aber nicht unbedingt der Religion an sich handeln.Ausgewählte Daten zu gegenwärtigen Geschehnissen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft in der Schweiz finden Sie auf unserer Themenseite zu aktuellen Trends und Themen des Landes.