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Statistiken zu den Folgen des Ukraine-Krieges für die Lebensmittelversorgung

Der Russland-Ukraine-Krieg hat weltweit für folgenreiche Unterbrechungen in Lieferketten gesorgt, von denen die verschiedensten Branchen betroffen sind. Auch der internationale Handel und die Produktion von Lebensmitteln und Agrargütern sind hierbei Einschränkungen unterworfen. Zum einen sind Russland und die Ukraine beim Export von Agrargütern wie Weizen oder Sonnenblumenöl von zentraler Bedeutung. Zum anderen sorgen gestiegene Preise und Engpässe bei Düngemitteln sowie Energieträgern für Schwierigkeiten bei der internationalen Landwirtschaft sowie in der Ernährungsindustrie. Folgen hiervon sind Engpässe sowie steigende Erzeuger- und Verbraucherpreise bei Lebensmitteln. Insbesondere in einigen Regionen Asiens und Afrikas stellen diese Engpässe sogar eine Bedrohung für die Ernährungssicherheit dar.

Weizenengpass insbesondere für asiatische und afrikanische Staaten ein Problem

Russland und die Ukraine sind beide führende Erzeuger- und Exportländer für wichtige Agrargüter. So ist Russland das führende Anbau- und Exportland für Weizen und Weizenprodukte weltweit – mit einem Anteil von rund 20 Prozent an den weltweiten Exporten. Auch die Ukraine gehört als „Kornkammer Europas“ zu den bedeutendsten Lieferländern des Getreides (rund 8,5 Prozent der Exporte). Weizen gehört als Grundnahrungsmittel zu den wichtigsten Getreidesorten weltweit. Dieses Getreide ist beispielsweise Grundzutat für Brot und Teigwaren (z. B. Nudeln) und wird auch als Futtermittel in der Nutztierhaltung verwendet.
Statistik: Anteil von Russland und der Ukraine am weltweiten Export von Agrarprodukten

Trotz der hohen Bedeutung der Ukraine und Russlands bei der weltweiten Weizenversorgung ist Deutschland nicht von Weizenimporten aus besagten Ländern abhängig. Denn: Gerade beim Weichweizen ist Deutschland ein Selbstversorger und nicht auf Importe aus dem Ausland angewiesen. Insbesondere für Afrika sowie den Nahen und Mittleren Osten befürchten Experten jedoch eine weitere Verknappung und Lieferengpässe von Weizen, etwa aufgrund von Produktionsrückgängen sowie blockierter Transportwege in der Ukraine.
Neben den Versorgungsengpässen hat der Krieg in der Ukraine insgesamt zu einer angespannten Lage im globalen Weizenmarkt geführt. So hat der Krieg bisher einen deutlichen Anstieg der Weizenpreise verursacht. So müssen die durch den Krieg induzierten Ausfälle durch Importe aus anderen Regionen kompensiert werden. Auch dies kann zu einem Anstieg der Weizenpreise hierzulande beitragen. Dabei kam es jedoch bereits im Vorjahr auf dem Getreidemarkt insgesamt zu Preissteigerungen. Die Corona-Krise, logistische Probleme, steigende Energiepreise sowie eine stark anziehende Nachfrage bei gleichzeitig niedrigen Erntemengen trugen zu dieser Entwicklung bei.

Preise für Speiseöle sind explodiert

Neben Weizen ist die Ukraine auch ein wichtiges Erzeuger- und Exportland für Sonnenblumenöl. Im Jahr 2020/21 kam die Ukraine auf einen Marktanteil von nahezu 47 Prozent an den weltweiten Exporten des beliebten Speiseöls. Russland folgte mit einem Anteil von 29 Prozent auf dem zweiten Rang. Anders als beim Weizen war die Ukraine bisher ein wichtiger Lieferant von Sonnenblumenöl für Deutschland. So gehört das Land, zusammen mit den Niederlanden und Ungarn, zu den führenden Importeuren von Sonnenblumenöl. Wie beim Weizen ließ sich ein kräftiger Anstieg der Sonnenblumenölpreise am Weltmarkt beobachten. Auch bei anderen pflanzlichen Ölen, wie etwa Rapsöl, sind die Preise angezogen. Dies lässt sich ebenfalls auf die angespannte Lage auf dem Sonnenblumenölmarkt zurückführen. Denn die Nachfrage nach Alternativen zum Sonnenblumenöl ist durch den Russland-Ukraine-Krieg gestiegen.

Folgen von gestiegenen Kosten für Energieträger und Düngemittel

Doch nicht nur der Rückgang der russischen und ukrainischen Agrarproduktion und des -exports stellt eine Herausforderung für die Landwirtschaft und die Ernährungsindustrie dar. Auch gestiegene Preise und Versorgungsengpässe bei Energieträgern wie Gas und Kraftstoffen (z. B. Benzin und Diesel) sowie Düngemittel erhöhen die Kosten für die Landwirte und Unternehmen in der Ernährungsindustrie.

Energie- und Transportkosten

Die Ernährungsbranche gehört zu den größten Verbrauchern von Erdgas in Deutschland. In der Ernährungsindustrie wird Gas dabei insbesondere als sogenannte Prozessenergie gebraucht – sei es zum Trocknen, Kochen, Garen oder Abkühlen von Zutaten, Lebensmitteln oder Futtermitteln. Einige Branchen, wie etwa Bäckereien, Mühlen, Molkereien sowie Schlachthöfe sind dabei verstärkt auf Erdgas angewiesen. Darüber hinaus ist Gas ebenfalls ein wichtiger Rohstoff zur Herstellung von Düngemitteln sowie Verpackungen (z. B. Glas, Karton, Aluminium).
Des Weiteren ist auch der Betrieb und Unterhalt für landwirtschaftliche Maschinen und Anlagen sowie der Transport von Nahrungsmitteln durch die gestiegenen Kraftstoff- und Energiepreise teurer geworden. Laut einer Umfrage unter Mittelständlern aus dem Februar/ März 2022 gaben vor allem Unternehmen aus der Ernährungs- und Agrarbranche an, dass die gestiegenen Strompreise, Kraftstoffpreise sowie Gaspreise das Geschäft spürbar beeinträchtigen. In der deutschen Landwirtschaft sind die Erzeugerpreise für landwirtschaftliche Produkte innerhalb eines Jahres um über 39 Prozent gestiegen (Stand: April 2022). Besonders stark war zuletzt der Anstieg bei den Erzeugerpreisen für Ölsaaten (wie Raps) sowie Getreide (wie Roggen, Gerste, Mais und Weizen).

Düngemittel

Auch der internationale Markt für Düngemittel ist durch den Russland-Ukraine-Krieg ins Wanken geraten. Russland gehört zu den führenden Produzenten und Exporteuren von Düngemitteln weltweit. Durch russische Exportbeschränkungen sowie diverse Sanktionen gegen Russland sind die Preise für Düngemittel zuletzt gestiegen und es kommt auch vermehrt zu Knappheiten auf dem zuvor schon angespannten Düngemittelmarkt. Auf dem Exportmarkt für Düngemittel konnte Russland im Jahr 2020 noch einen Marktanteil von rund 23 Prozent auf sich vereinen. Unter den russischen Düngemitteln waren dabei insbesondere Kaliumchlorid und Harnstoff (Urea) die Exportschlager. Wichtigstes Abnehmerland von Düngemitteln aus Russland war zuletzt Brasilien. Auch für Deutschland gehört Russland zu den wichtigsten Lieferländern von Düngemitteln. Knapp zwölf Prozent des chemischen und mineralischen Düngers stammte im Jahr 2021 aus der Russischen Föderation.
Düngemittel sind für das Wachstum und die Erträge von pflanzlichen Agrarerzeugnissen (wie Getreide) elementar. Somit ist nicht nur die Unterversorgung des Weltmarktes mit ukrainischem und russischem Getreide ein Problem für die Ernährungssicherheit, sondern auch ein Mangel an Düngemitteln stellt eine große Herausforderung für die Erträge der Landwirtschaft dar.

Der Ukraine-Krieg führt erneut zu Hamsterkäufen in Deutschland

Die Verbraucherstimmung fiel seit Ausbruch des Krieges in der Ukraine, aufgrund der erhöhten Inflationsrate und der Unsicherheit durch den Krieg, weitgehend negativ aus. Viele sind durch die steigenden Preise besorgt. Im Juni 2022 gaben rund 47 Prozent der Befragten an, dass die steigenden Preise für Strom, Gas, Treibstoff und viele Waren des täglichen Bedarfs sie stark bis sehr stark in ihrem Alltag einschränken würden. Bei Personen mit einem Haushalts-Nettoeinkommen von bis zu 1.500 Euro pro Monat lag der Anteil sogar bei 77 Prozent.
Unter den Konsumgütern haben die Verbraucher insbesondere bei Lebensmitteln Preissteigerungen in den letzten Wochen wahrgenommen. Aus diesem Grund ziehen es viele Konsumenten vor, weniger Produkte und Dienstleistungen bei höheren Preisen zu kaufen. Lebensmittel, bei denen Versorgungsengpässe befürchtet wurden, landeten jedoch vermehrt in den Einkaufswägen. Durch „Hamsterkäufe“ zeichneten sich in den Geschäften des Einzelhandels leere Regale bei Produkten wie Mehl und Speiseöl ab.

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