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Daten und Fakten zu Afghanistan

Afghanistan ist ein Binnenstaat, der an die Regionen Zentralasien, Südasien und Vorderasien angrenzt. Der Großteil des Landes besteht aus Gebirge und ist schwer zugänglich. Das Land ist in seiner jüngeren Geschichte von Konflikten geprägt. Nach der letztlich gescheiterten Invasion der Sowjetunion im Jahr 1979 kamen nach einem internen Konflikt die Taliban an die Macht. Das Taliban-Regime wurde nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 von den USA gestürzt. Ein zwei Jahrzehnte andauernder Militäreinsatz folgte, zunächst unter der Fahne der Internationalen Stabilisierungsmission (ISAF) bis 2014 und ab 2015 unter der NATO-Mission Resolute Support, die im August 2021 mit dem Abzug internationaler Truppen endete. Seitdem regieren die Taliban erneut und riefen das Islamische Emirat Afghanistan aus. Seit der erneuten Übernahme des Landes durch die Taliban ist die Situation im Land zunehmend unübersichtlich. Trotz Versprechungen der Taliban hat sich die humanitäre Situation im Land verschlechtert, Frauenrechte werden deutlich beschränkt.

Bevölkerung

Die Bevölkerung von Afghanistan betrug 2020 circa 32,94 Millionen Menschen. Afghanistans Bevölkerungswachstum hat sich in den letzten Jahren zwar leicht verlangsamt ist mit rund 2,3 Prozent im Jahr 2021 aber noch vergleichsweise hoch. Das hängt unter anderem mit der hohen Fertilitätsrate zusammen. Im Jahr 2021 zählte sie etwa 4,6 Kinder je Frau und ist damit doppelt so hoch wie das Niveau, das gebraucht wird, um ein stabiles Bevölkerungswachstum zu ermöglichen. Afghanistan hat jedoch eine hohe Kindersterblichkeit. Rund 5,8 Prozent der geborenen Kinder sterben vor dem 5. Lebensjahr. Insgesamt ist die Lebenserwartung in Afghanistan mit rund 62 Jahren (2021) niedrig, steigt in den letzten Jahren jedoch ununterbrochen an. Dementsprechend besitzt Afghanistan eine sehr junge Altersstruktur: Der Altersmedian liegt bei 16,7 Jahren; in der Liste der Länder mit dem niedrigsten Durchschnittsalter belegt Afghanistan damit Rang 13 (2022).

Wirtschaftsdaten

Vorbemerkung: Aufgrund der unübersichtlichen politischen und wirtschaftlichen Lage in Afghanistan nach der Übernahme der Taliban im August 2021 geben einige Wirtschaftsinstitute, wie auch der Internationale Währungsfonds (IMF) derzeit keine Prognosen zur afghanischen Wirtschaft heraus.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) von Afghanistan betrug 2020 circa 20,1 Milliarden US-Dollar. Umgerechnet auf die Einwohnerzahl ergibt sich ein Bruttoinlandsprodukt pro Kopf von geschätzt etwa 611,3 US-Dollar (2020). Zwar erzielte das Land zeitweise ein hohes Wirtschaftswachstum - 2012 waren es rund 14 Prozent - dieses sank jedoch anschließend rapide. Im Jahr 2019 konnte die Wirtschaft noch um rund 3,9 Prozent wachsen, für das Jahr 2020 ergibt sich laut Schätzungen ein negatives Wachstum von etwa 2,35 Prozent. Die stark schwankende Inflationsrate betrug im Jahr 2020 5,61 Prozent. Der höchste Wert der letzten zehn Jahre geht auf das Jahr 2008 zurück, in dem die Teuerung rund 26,4 Prozent betrug. Die Arbeitslosigkeit im Land beträgt seit Jahren zwischen knapp 11 und 12 Prozent (2020: 11,71 Prozent) und wird in den kommenden Jahren zunächst deutlich ansteigen und dann wieder fallen.

Außenhandel und Opiumproduktion

Im Jahr 2021 exportierte Afghanistan Waren im Wert von geschätzt circa 1 Milliarde US-Dollar und importierte Güter für geschätzt rund 5,04 Milliarden US-Dollar. Seit Jahren verzeichnet das Land entsprechend ein hohes Defizit in der Handelsbilanz. Die wichtigsten Handelspartner für Afghanistan im Export sind die Vereinigten Arabischen Emirate, Pakistan und Indien. Die wichtigsten Importländer sind ebenfalls die VAE, Pakistan und Indien. Jedoch bezieht Afghanistan im Jahr 2020 auch große Teile seiner Importe aus Zentralasien (Kasachstan und Usbekistan) sowie den USA und China. Mit einer erzeugten Menge von rund 6.800 Tonnen Opium im Jahr 2019 ist Afghanistan das wichtigste Herkunftsland für Opium weltweit; der Anteil an der globalen Produktion beträgt über 80 Prozent.

Die Internationale Sicherheitsuntersützungstruppe (ISAF)

Auf Initiative der USA waren von Herbst 2001 bis Ende 2014 ausländische Truppen in Afghanistan, um im Zuge der sogenannten ISAF-Mission das bis dahin herrschende islamistische Taliban-Regime abzusetzen und das Ziel verfolgte, gemeinsam mit der neuen afghanischen Regierung das Land zu stabilisieren. Auch die deutsche Bundeswehr war daran beteiligt. Größte Truppensteller dieser ISAF-Mission unter Führung der NATO waren die USA (28.970 Soldaten), Großbritannien (3.906 Soldat:innen) und Deutschland (1.599 Soldat:innen; alle Angaben Stand September 2014). Seit Beginn des Einsatzes 2002 kamen in Afghanistan 3.705 Soldat:innen westlicher Staaten ums Leben, davon 53 Bundeswehr-Soldaten. Mit Ablauf des 31. Dezember 2014 ist der ISAF-Einsatz offiziell beendet. Seit dem 1. Januar 2015 existiert die NATO-Folgemission Resolute Support, wobei die USA im Jahr 2021 den Abzug aller ihrer Truppen bis zum 11. September 2021 ankündigten. 2021 starben in Afghanistan rund 2.091 Zivilist:innen bei Kampfhandlungen, circa 5.309 wurden verletzt.

Die Rückkehr der Taliban

Der Abzug der internationalen Truppen erfolgte seit dem 29. April 2021, die letzten Soldat:innen der US-Armee verließen Afghanistan am 30. August 2021. Bereits seit Beginn des Rückzugs internationaler Truppen begannen die Taliban damit Distrikte und wichtige Grenzübergänge in Afghanistan zu erobern. Ab August 2021 fokussierten sich die Taliban auf das Erobern von Provinzhauptstädten und nahmen schließlich am 15. August die Hauptstadt Kabul ein. Der überstürzte Abzug der Truppen überraschte viele internationale Kräfte vor Ort. Als die Taliban bereits Kabul einnahmen befanden sich noch internationale Truppen am Flughafen. Im Zuge des überstürzten Abzugs kam es vermehrt zu internationaler Kritik am Vorgehen der USA und weiterer Länder, da zahlreiche afghanische Ortskräfte, die für internationale Organisationen oder Armeen tätig waren, nicht aus dem Land evakuiert werden konnten. Die Ortskräfte befürchten Repressalien des Taliban-Regimes. Befragte aus einer Vielzahl an Ländern waren gespalten bezüglich der Bewertung des Truppenabzugs der USA. Eine Mehrzahl befand jedoch, dass die USA den Truppenabzug schlecht gehandhabt haben, unabhängig von einer allgemeinen Bewertung des Truppenabzugs.

Humanitäre Lage in Afghanistan

Afghanistan ist seit Jahren im Fokus internationaler Hilfsorganisationen. Besonders die militärischen Entwicklungen und Kämpfe zwischen der afghanischen Armee und den Taliban im Jahr 2021 haben die Situation im Land verschlechtert. Während die Anzahl der Menschen in Not Ende 2017 einen Tiefststand von etwa 3,3 Millionen erreicht hat, betrug sie im Januar 2022 etwa 24,4 Millionen. Rund die Hälfte davon sind Kinder und etwa 18,8 Millionen sind von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen. Nach wie vor gibt es nicht nur in Europa eine hohe Anzahl von Flüchtlingen aus Afghanistan. Auch in den Nachbarländern sind im Jahr 2022 über zwei Millionen Flüchtlinge registriert, die meisten davon in Pakistan und dem Iran. Ersten Berichten zufolge sind allein seit Januar 2021 rund 180.000 Flüchtlinge in die Nachbarländer geflohen. Die Anzahl der Flüchtlinge, die nach Afghanistan zurückkehren ist stark zurückgegangen, im Jahr 2022 (Stand: August) waren es 1.576. Die Wahrnehmung der Afghan:innen ist ebenso negativ. Laut einer Befragung vom August 2021 wollen etwa 53 Prozent der Befragten das Land verlassen, im Jahr 2018 lag der Wert noch bei rund 41 Prozent. Etwa 75 Prozent der Befragten gaben an, nicht genug Geld für Essen zu haben.

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