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Daten & Fakten zu den Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Russland

Die Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Russland haben eine lange Geschichte. Im Zuge der Wiedervereinigung Deutschlands wurden die Beziehungen zu Russland (zunächst noch der Sowjetunion) über den Zwei-Plus-Vier Vertrag und den Vertrag über gute Nachbarschaft, Partnerschaft und Zusammenarbeit zwischen der BRD und der UdSSR vom 9. November 1990 geregelt. In den späten 90er Jahren fanden regelmäßige Regierungskonsultationen auf hoher Ebene statt und russisch-deutsche Wirtschaftsbeziehungen florierten. Im November 2011 wurde die erste Nord Stream-Pipeline eingeweiht, die russisches Erdgas direkt nach Deutschland transportierte. Die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen verschlechterten sich jedoch im Anschluss an die russische Annexion der Krim im Jahr 2014, als unter anderem Sanktionen der EU folgten. Die Sanktionen wurden in den darauffolgenden Jahren mehrfach verlängert. Der Russland-Ukraine Konflikt eskalierte schließlich endgültig in der Nacht zum 24. Februar 2022, als russische Truppen die Ukraine angriffen. Im Anschluss an die russische Invasion der Ukraine wurden verschärfte Sanktionen gegen Russland erlassen.

Allgemeine Wirtschaftskennzahlen zu Deutschland und Russland

Deutschlands Bruttoinlands war mit etwa 3,8 Billionen US-Dollar im Jahr 2020 mehr als doppelt so groß wie Russlands Wirtschaft mit rund 1,5 Billionen US-Dollar. Deutschlands BIP pro Kopf ist jedoch mehr als viermal so groß, als das russische pro Kopf BIP , das im Jahr 2020 bei etwa 10.115 US-Dollar lag. Deutschland gehört damit zu den Ländern mit dem höchsten Bruttoinlandsprodukt und BIP pro Kopf. Russland ist gemessen am gesamten BIP auf Platz 11 der 20 größten Länder, während Deutschland den 4. Platz belegt. Sowohl Russland als auch Deutschland gehören zu den mächtigsten Staaten der Welt. Russland ist zudem das flächenmäßig größte Land der Welt und war im Jahr 2021 eines der 10 bevölkerungsreichsten Länder der Welt. Der Energiesektor in Russland ist essentiell für das wirtschaftliche Wachstum des Landes. Russland verfügte im Jahr 2020 über die größten Erdgasreserven weltweit und war nach den USA das Land mit der größten Erdölförderung im Jahr 2021. Daher ist der Außenhandel von der Entwicklung der Energiepreise abhängig.

Der Außenhandel zwischen Deutschland und Russland in Zahlen

Der Außenhandel zwischen Deutschland und Russland blickt auf lange Jahre der Kooperation zurück. Nach der Finanzkrise im Jahr 2008 stieg das Handelsvolumen zwischen den beiden Staaten auf die höchsten Werte des letzten Jahrzehnts an. Im Jahr 2012 importierte Deutschland Waren im Wert von etwa 42,8 Milliarden Euro aus Russland und exportierte gleichzeitig Waren im Wert von rund 38 Milliarden Euro. Der bilaterale Handel brach jedoch in den Jahren 2015 und 2016 im Nachgang an die Annexion der Krim durch Russland stark ein. Im Jahr 2016 importierte Deutschland wenig mehr als die Hälfte an Warenwert im Vergleich zu 2012 - im Exportbereich sah es ähnlich aus. Nichtsdestotrotz stieg das Handelsvolumen nach 2016 schnell an, um etwa 20 Prozent im Jahr 2017 im Vergleich zum Vorjahr. Nach 2018 sank das Handelsvolumen jedoch erneut und erreichte im Jahr 2020 seine niedrigsten Werte seit der Finanzkrise. Grund dafür waren neben den Auswirkungen der Corona-Krise die Strukturschwächen der russischen Wirtschaft. Außerdem sanken Öl- und Gaspreise nach 2018 kurzzeitig deutlich, was in Verbindung mit der Abwertung des Rubels die Einnahmen Russlands durch den Energiehandel und damit seine Kaufkraft verminderte. Im Jahr 2021 erholte sich der Außenhandel zwischen Russland und Deutschland. Vor allem die Importe aus Russland in 2021 stiegen aufgrund hoher Energiepreise an.

Deutschland ist ein wichtiger Exportmarkt für Russland

Deutschland und Russland nehmen für den jeweiligen Außenhandel eine wichtige Position ein, obwohl sie nicht zu den wichtigsten Handelspartnern gehören. Durch die hohe Bedeutung der USA, China und der EU für den deutschen Exporthandel ist Russland auf Platz 14 der wichtigsten Handelspartner Deutschlands, gemessen am Exportvolumen im Jahr 2021. Im Bereich der Einfuhren ist Russland auf Platz 12. Deutschland spielt jedoch eine deutlich bedeutendere Rolle für den russischen Außenhandel und war im Jahr 2019 nach China der wichtigste Bezugsmarkt für Güter. Statistik: Russland: Wichtigste Exportländer im Jahr 2019 | Statista Im Exportbereich war Deutschland 2019 der viertwichtigste Handelspartner nach China, den Niederlanden und Weißrussland. Obwohl Russland für Deutschland nicht unter den fünf wichtigsten Handelspartnern gemessen am Handelsvolumen ist, ist Russland aufgrund der Bedeutung seiner Energieexporte für Deutschland ein essentieller Handelspartner. Über die Abhängigkeit Deutschlands von russischen Energieimporten wurde auch nach der Annexion der Krim durch Russland im Jahr 2014 und den anschließenden Sanktionen in Deutschland kein breiter Diskurs geführt. Die Aufrechterhaltung von Handelsbeziehungen zu Russland wurde als wichtig angesehen, um politisch und diplomatisch Einfluss üben zu können. Diese Haltung wurde von Verbündeten, wie den USA, teils kritisiert im Zusammenhang mit dem Bau einer zweiten Pipeline, Nord Stream 2, die direkt von Russland nach Deutschland Erdgas liefern würde. Seit der russischen Invasion in die Ukraine nehmen in Deutschland Forderungen zu, sich von russischen Gaslieferungen unabhängiger zu machen. Im Jahr 2019 hat Russland etwa ein Viertel seiner Importe aus China bezogen, das damit zum wichtigsten Handelspartner Russlands geworden ist.

Welche Produkte werden exportiert und importiert?

Für den russischen Markt ist Deutschland ein wichtiges Herkunftsland für Güter. Dabei werden besonders Erzeugnisse aus Maschinenbau, Elektrotechnik und Fahrzeugbau importiert, was im Jahr 2021 einen Anteil von über 50 Prozent der Importe Russlands aus Deutschland ausmachte. Dabei sind besonders Maschinen und Fahrzeuge sowie Fahrzeugteile wichtig für Russland. Chemische Erzeugnisse aus Deutschland bilden mit rund 23 Prozent Anteil die zweite wichtige Warengruppe deutscher Exporte nach Russland ab. Der Wert der deutschen Exporte nach Russland konnte sich zuletzt nach einem schwachen Jahr 2020 auf etwa 26,6 Milliarden Euro erhöhen. Die deutschen Importe aus Russland lagen im Jahr 2021 bei rund 33 Milliarden Euro und überstiegen damit die Exporte nach Russland. Die wichtigsten Exportgüter für Russland nach Deutschland sind Rohstoffe, insbesondere Erdöl und Erdgas. Insgesamt machen mineralische Brennstoffe und Schmiermittel etwa 75 Prozent der russischen Exporte nach Deutschland aus.

Energieimporte bestimmen den russischen Export nach Deutschland

Russlands Exportwirtschaft ist abhängig von Energiepreisen, da Rohstoffe wie Erdöl und Erdgas einen großen Teil der russischen Ausfuhren ausmachen. Deutschland jedoch ist auch stark von Energieimporten abhängig. Im Jahr 2020 importierte Deutschland rund 64 Prozent seines Energiebedarfs. Dieser Wert lag in den letzten zwei Jahrzehnte stets um die 60 Prozent. Deutschland deckte dabei etwa 55 Prozent seiner Erdgasbezüge über Pipelines aus Russland. Laut Prognosen zur Verteilung der Erdgasimporte mit und ohne Russland im Jahr 2035 könnte die Lücke lediglich durch Importe von Flüssiggas aus den USA gefüllt werden, wofür es derzeit noch nicht ausreichende Terminals in Deutschland gibt. Deutschland bildet auch für Russland einen wichtigen Absatzmarkt dar. Von insgesamt etwa 168 Milliarden Kubikmetern Erdgas, die Russland im Jahr 2020 nach Europa lieferte, gingen alleine rund 56 Milliarden Kubikmeter nach Deutschland. Der nächstgrößere Anteil wurde mit etwa 20 Milliarden Kubikmetern von Italien importiert. Darüber hinaus importierte Deutschland etwa die Hälfte seiner gesamten Steinkohle Einfuhren im Jahr 2019 aus Russland.

Auswirkungen der Sanktionen gegen Russland durch den Russland-Ukraine Konflikt bis 2022

Nach der Krim Annexion durch Russland im Jahr 2014 hat sich der Handel zwischen Russland und der EU sowie Deutschland zunächst merklich reduziert. Sowohl Importe als auch Exporte zwischen der EU und Russland sind gesunken, stiegen aber in den zwischen 2018 und 2020 wieder an. Einzelne Sektoren wurden aber auch langfristig betroffen. Während im Jahr 2012 die Anzahl von Deutschland nach Russland exportierter Personenkraftwagen noch über 150.000 betrug, waren es im Jahr 2015 nur noch etwa ein Drittel davon und im Jahr 2020 etwa 32.300. Auch die Agrarindustrie wurde betroffen. Als Reaktion auf die Wirtschaftssanktionen des Westens verhing Russland Sanktion gegen den europäischen Agrarsektor. Beispielsweise fiel der Export von Fleisch aus Deutschland nach Russland gegen null nach 2014. Im Jahr 2010 hatte Deutschland noch über 400.000 Tonnen Fleisch nach Russland exportiert.
Der Russland-Ukraine Konflikt wirkte sich jedoch auch auf die Meinung in Deutschland zu russischen Gasimporten aus. In einer Umfrage im Nachgang an die Annexion der Krim waren etwa 64 Prozent der Befragten der Meinung, dass Russland ein verlässlicher Gaslieferant sei. Im Januar 2022, noch vor der russischen Invasion der Ukraine, gingen noch etwa 55 Prozent der Befragten einer weiteren Umfrage davon aus, dass Russland weiterhin zuverlässig Gas liefern würde.
Im Anschluss an den kriegerischen Angriff auf die Ukraine wurden verschärfte Sanktionen gegen Russland erlassen, die besonders darauf abzielten den russischen Zugang zum europäischen Finanzmarkt zu beschränken. Die Sanktionen umfassen zu diesem Zeitpunkt folgende Bereiche:
  • Finanzen: Eine Reihe russischer und belarussischer Banken wurden vom internationalen Finanz-Kommunikationssystem SWIFT ausgeschlossen. Weitere Sanktionen richteten sich gegen die russische Zentralbank und Vermögenswerte russischer Super-Reicher in der EU, den USA und dem Vereinigten Königreich.
  • Energie: Die EU verbot den Handel mit bestimmten Gütern zur Ölveredelung. Die USA beschlossen am 8. März ein komplettes Importverbot von russischem Öl und Gas.
  • Sonstige: Eine Reihe weiterer Sanktionen wurde verhängt. Diese beinhalteten eine weitgehende Sperrung der Lufträume der EU, USA und Kanada, dem Verbot bestimmter russischer Staatsmedien in der EU und Sanktionen im Bereich Kultur, Sport und Wissenschaft.
Viele Unternehmen unter anderem aus Deutschland, der EU und den USA, wie beispielsweise Daimler, BMW oder Puma haben ihrerseits Handel, Produktion oder Dienstleistungen in Russland beendet. Wie sich die Sanktionen langfristig auf die Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Russland auswirken werden ist derzeit noch unklar.

Deutschland ist ein wichtiger Investor auf dem russischen Markt

Die Verflechtung von russischen und deutschen Unternehmen ist auf einem ähnlichen Niveau wie der Außenhandel. Direktinvestitionen aus Russland in Deutschland machten mit rund 0,5 Prozent im Jahr 2019 einen relativ geringen Anteil ausländischer Investitionen in Deutschland aus. Unternehmen in Deutschland deren Hauptsitz in Russland liegt machten 2019 einen Umsatz von rund 28,7 Milliarden Euro, was einem Anteil von etwa 1,7 Prozent der gesamten Umsätze ausländischer Unternehmen in Deutschland entsprach. Deutsche Direktinvestitionen in Russland waren 2019 um ein vielfaches höher und entsprachen dabei etwa 1,3 Prozent der deutschen Direktinvestitionen im Ausland. Auch der Jahresumsatz von Unternehmen in Russland mit deutscher Investorenbeteiligung war 2019 deutlich höher als das der russischen Unternehmen in Deutschland. Insgesamt ist Deutschland ein wichtiger Investor für Russland. Russische Investitionen in Deutschland waren in den vergangenen Jahren auf einem stabilen Niveau, entsprechen aber einem relativ geringen Anteil aller Direktinvestitionen aus dem Ausland.

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