Die größten Verdienstunterschiede zwischen Männern und Frauen gibt es in Deutschland vor allem in hochbezahlten Dienstleistungs‑ und Wissensberufen wie Beteiligungsunternehmen, Luftfahrt, Arzt‑ und Zahnarztpraxen sowie in der Rechtsberatung. Das zeigen Daten des Statistischen Bundesamts zu durchschnittlichen Bruttostundenverdiensten in einzelnen Wirtschaftszweigen.
Wie lassen sich diese hohen Differenzen erklären? In Beteiligungsgesellschaften etwa sind viele Spitzenpositionen (Partner, Managing Directors, Investment‑Manager) männlich dominiert. Frauen sind dagegen häufiger in Assistenz, Backoffice oder juristischen/administrativen Rollen mit niedrigeren Gehaltsniveaus vertreten. Auch in der Luftfahrt schaut es ähnlich aus: Die bestbezahlten Jobs (Co-Piloten, Flugkapitäne, beide vor allem auf der Langstrecke) werden überwiegend von Männern ausgeübt, während Frauen häufiger in Kabine, Service, Bodenabfertigung oder Administration arbeiten, die deutlich schlechter vergütet werden.
In Arzt‑ und Zahnarztpraxen sind Männer häufiger Praxisinhaber oder in hochspezialisierten Fächern tätig (z.B. operative Disziplinen) - Frauen sind dagegen häufiger angestellt, arbeiten in Teilzeit oder in schlechter vergüteten Versorgungsbereichen tätig. In Anwaltskanzleien erreichen Männer eher Partner‑Status und Führungspositionen mit hohen Umsatz‑ und Gewinnanteilen. Frauen arbeiten häufiger in angestellten Positionen, in Teilzeit oder wechseln früher aus der Kanzlei und sind dadurch im Nachteil: Lange Arbeitszeiten, Präsenzkultur und informelle Netzwerke (Mandatsakquise, Business Development) begünstigen nämlich meist Karrieren von Personen, die Vollzeit und ohne längere Auszeiten arbeiten können.
Es gibt aber auch Branchen, in denen Frauen (etwas) mehr verdienen als Männer, wie die Statista-Grafik außerdem zeigt. Hierzu zählen klassisch männlich dominierte Bereiche wie Erdöl‑/Erdgasgewinnung, Forstwirtschaft oder Abfallwirtschaft. Hier sind Frauen einerseits zahlenmäßig deutlich in der Minderheit und andererseits aber auch meist in höher qualifizierten, besser bezahlten Positionen tätig. Männer hingegen sind hier auf viele – auch niedrig entlohnte – Tätigkeiten verteilt. Die kleine Frauengruppe besteht also überdurchschnittlich aus höher Qualifizierten, während die Männergruppe alle Qualifikationsstufen umfasst. Dies treibt den durchschnittlichen Verdienst von Frauen in die Höhe.


















