Auch wenn sich Demokraten und Republikaner derzeit in kaum einer Frage einig sind, herrscht doch seltene parteiübergreifende Einigkeit darüber, dass die Einwohner von Minneapolis das Recht haben, friedlich gegen den Großeinsatz der Einwanderungsbehörde ICE in ihrer Stadt zu protestieren. Laut einer vom 16. bis 19. Januar durchgeführten Umfrage von YouGov/The Economist sprachen sich 77 Prozent der Erwachsenen in den USA dafür aus, dass friedliche Proteste gegen ICE erlaubt sein sollten, darunter 93 Prozent der Demokraten und 63 Prozent der Republikaner.
Das war es dann jedoch auch schon mit der Einigkeit, denn schon die Frage nach der Natur der Proteste spaltet Demokraten und Republikaner wie fast jede Frage, die sich momentan in den USA stellt. Während 72 Prozent der demokratischen Befragten die Proteste, die Minneapolis seit Anfang Januar erschüttern, als die Trump-Regierung mehr als 2.000 ICE-Beamte in die Stadt entsandte, als überwiegend friedlich bezeichnen, bewerten zwei Drittel der Republikaner die Proteste als überwiegend gewaltsam.
Es ist nur eines von vielen Beispielen für die Zerrissenheit des Landes, in dem man sich schon seit längerem nicht mehr auf einfachste Fakten einigen kann. So sprechen Vertreter der Trump-Regierung und deren Sprachrohre von „radikalen, linken Randalierern“, die die Stadt in Schutt und Asche legen und unbescholtene Bundesbeamte bei der Arbeit stören. Der Rest des Landes und große Teile der europäischen Öffentlichkeit sehen dagegen sorgenvoll zu wie eben diese Bundesbeamte vermummt, enthemmt und scheinbar ohne Rechenschaftspflicht in eine Stadt einreiten und dort Angst und Schrecken verbreiten.












