Airbus hat Boeing 2026 bei den Netto-Flugzeugbestellungen wieder überholt. Mit 1.105 Bestellungen liegt der europäische Hersteller vor dem US-Konzern, der 686 Bestellungen verzeichnet. Damit hat sich die Rangfolge im Duell der beiden größten Flugzeugbauer innerhalb eines Jahres erneut gedreht. Noch 2025 führte Boeing mit 1.175 zu 1.000 Bestellungen. Nach den Sicherheits- und Qualitätskrisen bei Boeing zeigen die Zahlen für das Jahr 2025 einen sichtbaren Turnaround mit deutlich steigenden Auslieferungen, was für ein zunehmendes Vertrauen in Boeings Fähigkeit zur Stabilisierung und Skalierung der Produktion zeigt. Zudem ist die Nachfrage nach modernen Langstreckenjets derzeit sehr hoch, und Boeing war in diesem Segment mit 787 und 777X für viele Airlines attraktiver positioniert als Airbus.
2024 lagen beide Hersteller deutlich niedriger: Airbus kam auf 878, Boeing auf 553. Zugleich zeigen die vergangenen Jahre starke Schwankungen. 2023 erreichte Airbus mit 2.094 Bestellungen einen Höchstwert der Reihe, während Boeing 1.445 Bestellungen verbuchte. Die ständigen Führungswechsel unterstreichen den intensiven Wettbewerb um neue Aufträge von Fluggesellschaften.
Boeing hatte zuvor öfter Probleme bei der Produktion und Qualitätskontrollen. Zudem litt der Hersteller eine Zeit lang stark unter den Stornierungen des Modells 737 Max. Dieses war im März 2019 nach zwei Abstürzen mit 346 Toten aus dem Verkehr gezogen worden, weil es Probleme mit einer Steuerungssoftware gab. Ende 2020 bzw. Anfang 2021 (Europa) erfolgte dann die Wiederzulassung für den Flugbetrieb. Airbus ist zudem bei der Herkunft seiner Top-Kunden diverser aufgestellt als Boeing.
Für Flugzeugproduzenten wie Airbus und Boeing ist ein großer Auftragsbestand vor allem wichtig, weil sie damit ihre Produktion über Jahre planen und finanzieren können. Flugzeuge haben lange Entwicklungs- und Fertigungszeiten; verlässliche Aufträge helfen, Produktionslinien auszulasten, Zulieferer einzuplanen und Investitionen in Personal und Anlagen zu rechtfertigen. Außerdem kann eine gut ausgelastete Produktion die Kosten pro Flugzeug senken. Viele Aufträge stärken zudem die Verhandlungsposition gegenüber Zulieferern und zeigen, welche Modelle am Markt gefragt sind. Auch das Thema Kundenbindung spielt eine Rolle: Wer eine Airline mit Flugzeugen, Ersatzteilen und Wartungsangeboten beliefert, hat oft auch bei künftigen Flottenentscheidungen gute Chancen.
Die gezeigten Daten bilden die Nettobestellungen ab. Hierbei wurden Stornierungen von Aufträgen dem Jahr zugeordnet, in dem sie ursprünglich aufgegeben wurden ("net in year of order"). Boeing gibt außerdem einen zweiten Nettowert an, der Stornierungen dem Jahr zuordnet, in welchem sie getätigt wurden ("net in year of cancellation"). Hier besteht allerdings die Gefahr, dass das jeweilige Jahr stark verzerrt wird – zum Beispiel in Krisen wie der COVID-Pandemie oder den Problemen mit dem Modell 737 Max, weil es hier viele Stornierungen von älteren Aufträgen gab.














