Folgt auf die bipolare Zeit des Kalten Krieges und der sich anschließenden unipolaren, durch die USA dominierten Zeit, nun eine multipolare Weltordnung? Wissenschaftler sind sich bei der Beantwortung dieser Frage uneins. Da objektive Kriterien wie Forschungsarbeiten zur Beurteilung der Polarität keine eindeutigen Ergebnisse liefern, könnte das entscheidende Kriterium sein, wie viele Staaten von anderen als Großmächte wahrgenommen werden.
Unter allen Befragten des diesjährigen Munich Security Index glaubt etwa ein Drittel, dass wir in einer Welt leben, in der die USA immer noch die dominierende Supermacht sind. Ein weiteres Drittel glaubt, dass wir in einer Welt leben, in der die USA und China dominieren. Etwa ein Viertel glaubt, dass wir in einer Welt leben, in der Mächte jenseits der USA und Chinas einen starken und unabhängigen Einfluss auf globale Angelegenheiten haben können.
Nach Ländern aufgeschlüsselt zeigen sich mitunter deutliche Abweichung vom gemittelten Gesamtergebnis. Während die alleinige Vormachtstellung der USA vor allem in Japan (45 Prozent), Indien (42 Prozent) und in den Vereinigten Staaten selbst (38 Prozent) durch einen hohen Anteil der Befragten als sehr groß eingeschätzt wird, sind in Frankreich (23 Prozent), Italien (23 Prozent) und Deutschland (27 Prozent) deutlich weniger Befragte dieser Ansicht. In Frankreich und Deutschland sind dagegen jeweils deutlich mehr Befragte der Meinung, dass die Welt von den USA und China gemeinsam dominiert wird.
In den meisten Ländern fällt der Anteil der Befragten, die meinen, dass in der heutigen Weltordnung auch Mächte außer China und den USA großen Einfluss haben können, am geringsten aus. Lediglich in Brasilien und Italien liegt dieser Anteil bei über 30 Prozent.