29.07.2026 Droht eine Leistungsillusion? Mehr als jeder Dritte zweifelt am Leistungsprinzip im Job
- Neue Umfrage* zeigt: 39 Prozent der deutschen Erwerbstätigen sind der Ansicht, dass sich Leistung im Job nicht lohnt.
- Zugleich ist die Bereitschaft, mehr zu leisten, als formal erwartet wird, begrenzt. Die Gründe dafür liegen vor allem in fehlender Gegenleistung.
- Parallel dazu gewinnt Lebenszeit an Bedeutung. 54 Prozent der Beschäftigten sind offen für eine Reduzierung ihrer Arbeitszeit oder planen dies bereits konkret. Besonders groß ist die Zustimmung in der Gen Z (63 Prozent).
Deutschland, Hamburg – Wer sich im Job anstrengt, soll dafür belohnt werden – so das Versprechen der Leistungsgesellschaft. Dieses Prinzip wird jedoch zunehmend infrage gestellt: 39 Prozent der Beschäftigten glauben, dass sich Leistung im Job in Deutschland nicht lohnt. Nur eine Minderheit von 19 Prozent stimmt der Aussage uneingeschränkt zu. Das zeigt eine aktuelle repräsentative Umfrage von Statista+, für die 1.000 Erwerbstätige in Deutschland befragt wurden.
Vor dem Hintergrund verwundert es nicht, dass mehr als jeder Fünfte (22 Prozent) aktuell nicht motiviert ist, mehr zu leisten als das, was formal von ihm erwartet wird. Die Gründe dafür liegen vor allem in fehlender Gegenleistung: 41 Prozent sagen, dass zusätzlicher Einsatz finanziell gar nicht oder nicht ausreichend vergütet wird, 34 Prozent fühlen sich nicht genügend anerkannt oder wertgeschätzt. Jeder Vierte (26 Prozent) sieht darin für sich zudem keine besseren Karrierechancen beim aktuellen Arbeitgeber oder arbeitet bereits an seiner persönlichen Belastungsgrenze (23 Prozent).
„Wenn Leistung nicht mehr als verlässlich belohnt wahrgenommen wird, hat das direkte Auswirkungen auf Motivation und Engagement“, sagt Annika in der Beek, Chief People Officer bei Statista. „Für Unternehmen bedeutet das, Leistung transparenter zu bewerten und konsequent mit nachvollziehbarer Gegenleistung zu verknüpfen, etwa durch klare Gehaltsentwicklungen, echte Anerkennung im Alltag und verlässliche Entwicklungsperspektiven.”
Doch nicht nur die fehlende Gegenleistung gilt als Hürde für mehr Leistungsbereitschaft. Auch die eigene Freizeit (36 Prozent) und Lebensqualität (31 Prozent) spielen eine wichtige Rolle und sollen vor zusätzlicher Belastung geschützt werden.
Lebenszeit gewinnt an Bedeutung
Das zeigt eine klare Verschiebung in den Prioritäten vieler Beschäftigter: Arbeitszeit wird zunehmend neu bewertet zugunsten der eigenen Lebenszeit. Diese Haltung spiegelt sich auch in der Einstellung zur eigenen Arbeitszeit wider. So können sich zwei Drittel der Erwerbstätigen (66 Prozent) eine Reduzierung der Arbeitszeit mindestens vorstellen. Darunter haben 12 Prozent ihre Arbeitszeit bereits bewusst reduziert, 20 Prozent planen dies konkret innerhalb der nächsten 12 Monaten oder danach zu tun. Besonders ausgeprägt ist diese Offenheit bei der Gen Z (74 Prozent), von der 11 Prozent ihre Arbeitszeit bereits reduziert haben und 32 Prozent eine Reduzierung konkret planen. Die Beweggründe dafür sind hauptsächlich im Privatleben verankert: Knapp jeder Zweite (47 Prozent) möchte mehr Zeit für Freizeit und Familie haben sowie das Leben insgesamt mehr genießen (44 Prozent). Gleichzeitig nennen 32 Prozent eine zu hohe Arbeitsbelastung als entscheidenden Faktor für eine Arbeitszeitreduzierung. Es geht also weniger um einen reinen Rückzug von der Arbeit, sondern um eine bewusstere Balance im Alltag, die mehr Zeit für Familie, Hobbys oder Erholung zulässt.
Zwischen Wunsch nach Freizeit und finanzieller Sicherheit
Trotz dieser Entwicklung bleibt die Entscheidung komplex. Denn der Wunsch nach mehr Lebenszeit steht häufig im Spannungsfeld mit finanziellen Bedürfnissen. So zeigt sich im direkten Vergleich zwischen mehr Gehalt und mehr Freizeit ein ambivalentes Bild: Mehr als die Hälfte der Befragten (55 Prozent) kann oder will sich nicht festlegen und bewertet beides als gleich wichtig – mit einer Tendenz Richtung mehr Gehalt und mehr Arbeitszeit (27 Prozent im Vergleich zu 18 Prozent für weniger Gehalt und weniger Arbeitszeit). Ähnlich ausgeglichen ist die Reaktion auf die Frage nach einer Beförderung mit entsprechender Gehaltserhöhung, wenn diese mit mehr Arbeitszeit verbunden ist: 53 Prozent würden diese aktuell eher ablehnen, 47 Prozent eher annehmen.
Es entsteht ein Zielkonflikt, der die aktuelle Arbeitsrealität vieler Beschäftigter prägt: zwischen finanzieller Sicherheit und dem Wunsch nach mehr Zeit für das eigene Privatleben.
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*Methodik: Umfrage von Statista+. Die Daten basieren auf einer standardisierten Online-Befragung im Access-Panel. Für diese Befragung wurden im Zeitraum vom 24.06.2026 bis 06.07.2026 insgesamt 1.000 Erwerbstätige in Voll- und Teilzeit in Deutschland zwischen 18 und 65 Jahren befragt. Die Ergebnisse sind repräsentativ für diese Zielgruppe in Deutschland. Die Teilnahme erfolgte freiwillig und anonym.
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