Welche wirtschaftlichen Aktivitäten zählen zur Schattenwirtschaft?

Die Schattenwirtschaft ist der Umfang aller wirtschaftlicher Tätigkeiten und Leistungen, die nicht in die Berechnung des Sozialprodukts eingehen. Bei dieser Art des Wirtschaftens wird also auf legale oder illegale Weise Einkommen bezogen, welches nicht in der offiziellen Wirtschaftsstatistik erfasst oder vom Staat besteuert wird. Tätigkeiten im Bereich der Schattenwirtschaft werden bewusst verheimlicht, um staatliche Regulierung zu vermeiden. Die Schattenwirtschaft besteht aus zwei Säulen: Einem illegalen Teil, der auch als Untergrundwirtschaft bezeichnet wird und der Selbstversorgungswirtschaft. Der legale Teil umfasst Tätigkeiten wie häusliche Pflege und ehrenamtliche Leistungen. Beispiele hierfür sind die freiwillige Feuerwehr, Nachbarschaftshilfe oder Selbsthilfegruppen. Folgend wird überwiegend auf den illegalen Teil, der Untergrundwirtschaft eingegangen.


Typische rechtswidrige Erscheinungsformen der Schattenwirtschaft sind die Schwarzarbeit und der Schwarzmarkt, auf dem mit verbotenen Gütern wie Drogen oder Waffen gehandelt wird. Allein der Umsatz durch Schwarzarbeit in der Bauindustrie wurde für das Jahr 2016 mit nahezu 128 Milliarden Euro beziffert. Um gegen illegale Beschäftigung vorzugehen wurde im Jahr 2004 die Finanzkontrolle Schwarzarbeit vom deutschen Zoll ins Leben gerufen. Rund 111.000 Ermittlungsverfahren wurden allein 2018 in Deutschland eingeleitet. In Europa betrugen die Verluste durch Steuerhinterziehung im Jahr 2013 rund 1,51 Billionen US-Dollar. Die am stärksten von Steuerhinterziehung betroffenen Länder weltweit waren die USA (347,4 Mrd. US-Dollar) und Brasilien (mehr als 280 Mrd. US-Dollar), gefolgt von Italien.

Kaum ein Teil der Untergrundwirtschaft ist so lukrativ wie der Drogenhandel. Hier sind die Profite enorm und der Wert einer Droge steigt auf dem Weg zu den Konsumenten häufig um ein Vielfaches. Während ein Kilogramm Kokain im Produktionsland zwischen 2.000 und 3.000 Euro kostet, liegt der Preis in den europäischen Metropolen am Ende der Reise bei rund 30.000 bis 45.000 Euro. Die Ausprägungen der Untergrundwirtschaft haben durch die Digitalisierung ebenfalls an Dynamik gewonnen und illegale wirtschaftliche Tätigkeiten verlagern sich zum Beispiel ins Darknet. Hier gibt es in (vermeintlich) anonymen Shops von Drogen, über Medikamente bis hin zu Falschgeld und Waffen alles zu kaufen. Allein aus Deutschland wurden laut einer Erhebung aus dem Jahr 2016 mindestens 225 Händler von illegalen Drogen im Darknet gezählt, denen monatliche Umsätze in Höhe von rund 1,2 Millionen US-Dollar zugeordnet wurden.

Klassischerweise werden in der Schattenwirtschaft die Gewinne jedoch meist in Form von Bargeld erwirtschaftet, welches anschließend durch Geldwäscherei in den legalen Finanz- und Wirtschaftskreislauf eingeschleust wird. Geldwäsche ist mit zahlreichen anderen Straftaten der Schattenwirtschaft wie Drogenhandel oder Menschenhandel verbunden. Das Ausmaß der Geldwäsche ist nur schwer zu beurteilen. Dennoch wird von den Vereinten Nationen geschätzt, dass weltweit jedes Jahr zwischen 800 Milliarden und 2 Billionen US-Dollar illegales Geld gewaschen wird, um auf den legalen Markt zu kommen. Die Länder Tadschikistan, Mosambik, Afghanistan, Laos und Guinea-Bissau gelten hinsichtlich der Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung als besonders risikoreich und weisen allesamt Anti-Money Laundering Indexwerte von mehr als 8 auf. Das Volumen der deutschen Schattenwirtschaft wurde für das Jahr 2019 auf nahezu 320 Milliarden Euro taxiert. Deutschland ist ein beliebtes Ziel für Geldwäsche. Nach Schätzungen wurden alleine im Jahr 2018 mehr als 30 Milliarden Euro im Immobiliensektor gewaschen.

Geldwäscherei wird häufig von Gruppen organisierter Kriminalität genutzt, zu der Organisationen wie die Hells Angels oder die Mafia zählen. Aber auch im rahmen der sogenannten Clankriminalität verüben Banden Straftaten wie beispielsweise Menschenhandel oder Raubüberfalle. Die Hauptaktivität von Gruppen der italienisch organisierten Kriminalität wie der Mafia ist der Rauschgifthandel und -Schmuggel (Stand: 2017). Zudem waren italienische Verbrecherorganisationen in den Bereichen Geldwäsche, Erpressung sowie Raub tätig. Im Jahr 2017 richteten sich sieben Verfahren in Deutschland gegen Mitglieder der Mafia-Organisation 'Ndrangheta, die nach Schätzungen 53 Milliarden Euro pro Jahr umsetzt. Alleine in Deutschland existieren über 700 Chapter mit ungefähr 10.000 Angehörigen von Rockergruppierungen, wobei sich im Jahr 2017 hierzulande 17 Strafverfahren gegen Angehörige der Hells Angels richteten. In Deutschland macht der Rauschgifthandel bzw. –Schmuggel den größten Teil aller Verfahren im Bereich der Organisierten Kriminalität aus. Alleine in Nordrhein-Westfalen treiben laut Polizei 104 kriminelle Clans ihr Unwesen. In diesem Bundesland gab es rund 4.600 Straftaten in Zusammenhang mit Clankriminalität (Stand: 2018).

Interessante Statistiken

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Wichtige Kennzahlen

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Organisierte Kriminalität

Illegale Arbeit und Dienstleistungen

Fokus: Geldwäsche

Drogenhandel