Statistiken zum Arbeitsmarkt in der Schweiz

Veröffentlicht von Martin Mohr, 23.07.2019
Die Arbeits- bzw. Erwerbslosigkeit in der Schweiz kann auf unterschiedliche Weise gemessen werden. Für die nationale Arbeitslosenzahl werden sämtliche bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) gemeldeten Personen gezählt, die keine Stelle haben und sofort vermittelbar sind. Nach dieser Definition gab es in der Schweiz im Jahr 2018 durchschnittlich rund 118.100 Arbeitslose und damit weniger als im Vorjahr mit circa 143.140. Daneben gibt es eine Erhebung nach den einheitlichen Standards der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), die auf hochgerechneten Umfragen beruht. Demnach waren 2018 etwa 231.000 Personen erwerbslos, was ebenfalls einen Rückgang zum Vorjahr (234.000) bedeutete. Die entsprechende Arbeitslosenquote lag bei 2,6 Prozent nach nationaler bzw. 4,7 Prozent nach internationaler Definition und damit jeweils unter dem Vorjahreswert. Regional betrachtet ist die Arbeitslosenquote in der französischsprachigen Westschweiz am höchsten und in den kleinen Kantonen der Zentral- und Ostschweiz am niedrigsten. Für 2019 sagen erste Prognosen eine Arbeitslosenquote um 2,5 Prozent voraus und somit einen weiteren leichten Rückgang. Laut einer Umfrage hielten im Jahr 2018 85 Prozent der Schweizer Berufstätigen ihren Arbeitsplatz für sicher.

Höher als die Arbeitslosenzahl ist die der bei den RAV registrierten Stellensuchenden, die zusätzlich auch nichtarbeitslose Personen einschließt. Im Jahr 2018 waren in der Schweiz durchschnittlich rund 191.010 Personen offiziell auf Stellensuche; weniger als noch 2017 (206.150). Dem standen circa 23.040 bei den RAV gemeldete offene Stellen gegenüber. Diese Kennzahl umfasst allerdings nicht den gesamten Stellenmarkt, dessen Entwicklung auch über die Zahl der veröffentlichten Stellenangebote gemessen werden kann. Ein wichtiges Thema ist der Fachkräftemangel: In einer Erhebung gaben Anfang 2019 49 Prozent der befragten Schweizer Unternehmen an, Schwierigkeiten bei der Personalsuche zu haben.

Die Erwerbsbevölkerung der Schweiz, d.h. die Anzahl der Personen, die dem Arbeitsmarkt grundsätzlich zur Verfügung stehen (inkl. sofort verfügbare Arbeitslose), betrug 2018 rund 4,91 Millionen Personen. Tatsächlich erwerbstätig waren im Land 2018 circa 5,06 Millionen Personen; die höhere Zahl erklärt sich durch die in den Nachbarstaaten wohnhaften Grenzgänger. Die Erwerbstätigenquote lag bei 65,3 Prozent der über 15-jährigen ständigen Wohnbevölkerung. Sie ist in den letzten Jahren merklich gestiegen, was vor allem auf eine zunehmende Erwerbstätigkeit der Frauen zurückzuführen ist. Diese liegt allerdings mit 59,7 Prozent weiter klar unter jener der Männer mit 71 Prozent. Im Branchenvergleich arbeiteten die meisten Erwerbstätigen 2018 im Gesundheits- und Sozialwesen (698.000), gefolgt vom Verarbeitenden Gewerbe (658.000) und dem Handel (603.000). Auf diese drei Branchen entfielen zusammen 38,7 Prozent der Erwerbstätigen.

Im Jahr 2018 arbeiteten insgesamt rund 1,72 Millionen Erwerbstätige in der Schweiz in Teilzeit, d.h. mit einem Beschäftigungsgrad von unter 90 Prozent. Die Teilzeitquote, also der Anteil an allen Erwerbstätigen, steigt seit Jahren an und betrug 36,8 Prozent. Dabei arbeiten Frauen mit 59 Prozent wesentlich häufiger in Teilzeit als Männer mit 17,6 Prozent. Das gesamte Arbeitsvolumen in der Schweiz lag 2017 bei rund 7,9 Milliarden Stunden, davon entfielen circa 4,8 Milliarden auf die Männer und etwa 3 Milliarden Stunden auf die Frauen. Die durchschnittliche tatsächliche Wochenarbeitszeit pro Arbeitsstelle betrug 32,1 Stunden, wobei Männer mit 37,1 Stunden wiederum länger arbeiteten als Frauen mit 26,4. Insgesamt ist die mittlere Arbeitszeit seit Jahren rückläufig; 2007 hatte sie noch bei 33,2 Stunden gelegen.

Die Reallöhne, also unter Berücksichtigung der Preisentwicklung, sanken in der Schweiz im Jahr 2017 um -0,1 Prozent, während sie 2016 noch um 1,1 Prozent gestiegen waren. Dies war der erste Reallohnverlust seit 2008. Der durchschnittliche Bruttomonatslohn lag 2016 - neuere Zahlen liegen noch nicht vor - bei rund 6.500 Schweizer Franken, wobei es je nach Region, Branche und Ausbildung deutliche Unterschiede gibt. Auch zwischen den Geschlechtern zeigt sich eine Lohnlücke: Der (unbereinigte) sog. Gender Pay Gap betrug im Jahr 2017 in der Schweiz 17 Prozent des durchschnittlichen Bruttostundenverdienstes der Männer. Dies zeigt sich auch in der Gehaltszufriedenheit: Während bei einer im Sommer 2018 durchgeführten Befragung 58,5 Prozent der Männer angaben, mit ihrem Lohn zufrieden zu sein, waren es bei den Frauen nur 47,7 Prozent. Die im internationalen Vergleich relativ hohen Löhne in der Schweiz sind auch ein wesentlicher Bestandteil der Arbeitskosten. Diese lagen im Jahr 2016 - auch hier gibt es noch keine aktuelleren Werte - bei circa 60 Schweizer Franken je geleisteter Stunde.

Laut einer Umfrage aus dem Frühjahr 2018 sind 79 Prozent der Beschäftigten in der Schweiz mit ihrer Arbeit zufrieden; 54 Prozent fühlen sich gegenüber ihrem Arbeitgeber stark verbunden. Gemäß einer weiteren Erhebung aus dem Sommer 2018 gefällt Schweizer Berufstätigen an ihrem Job vor allem die abwechslungsreiche Tätigkeit (27 Prozent), gefolgt von Freiheiten bei der Arbeit (25 Prozent) und dem Kontakt mit Menschen (24 Prozent). Negative Aspekte sind hingegen Stress (15 Prozent), ein schlechtes Gehalt (13 Prozent) und die Arbeitszeiten (11 Prozent). Die besten Arbeitgeber in der Schweiz waren laut einem Anfang 2018 erstellten Ranking der Uhrenhersteller Rolex, die Versicherungsgesellschaft Mobiliar und das Verkehrsunternehmen Rhätische Bahn.

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