Statistiken zu Nordmazedonien

Nordmazedonien ist bereits seit 2005 offizieller Beitrittskandidat der Europäischen Union (EU). Das Land legte den jahrelangen Streit mit seinem Nachbarstaat Griechenland bei, indem das es seinen Staatsnamen im Februar 2019 in Nordmazedonien änderte. Somit erfüllte der südosteuropäische Staat die zentrale Bedingung Griechenlands, um den EU-Beitritt Nordmazedoniens nicht zu blockieren. Das Staatsgebiet Nordmazedoniens umfasst den nördlichen Teil der historischen Region Makedonien, deren Hauptgebiet heute griechisches Staatsgebiet ist. Griechenland bestand, aus Sorge vor territorialen Ansprüchen Mazedoniens, auf einer klaren Abgrenzung zu seiner gleichnamigen Provinz.

Die Bevölkerung von Nordmazedonien beträgt 2020 circa 2,1 Millionen Menschen. Die Bevölkerungsentwicklung war in den letzten Jahren stets geringfügig positiv. 2019 wuchs die Gesamtbevölkerung Nordmazedoniens um rund 0,02 Prozent gegenüber dem Vorjahr, das entspricht einem Wachstum um ca .400 bis 500 Einwohner.
Die Fertilitätsrate betrug zuletzt rund 1,42 Kinder je Frau (2018). Mit dieser Rate gehört Nordmazedonien zwar nicht zu den 20 Ländern mit den niedrigsten Fertilitätsraten weltweit, aber sie ist so gering, dass das kontinuierliche Bevölkerungswachstum nur auf den positiven Migrationssaldo/Wanderungssaldo Nordmazedoniens zurückzuführen ist. 2019 betrug der positive Migrationssaldo 2.349 Personen. Es verließen 798 Personen dauerhaft das Land, während im gleichen Zeitraum 3.147 Personen dauerhaft nach Nordmazedonien einwanderten.

Die Lebenserwartung in Nordmazedonien lag 2018 bei rund 75,69 Jahren. Dies ist zwar weniger als der Durchschnitt der Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) mit 81 Jahren aufweist, aber höher als in den Mitgliedstaaten Rumänien, Lettland und Bulgarien.
Nordmazedonien weist im regionalen Vergleich eine auffallend hohe Kindersterblichkeit auf. Im Jahr 2018 lag die Kindersterblichkeit in Nordmazedonien bei rund einem Prozent. Zum Vergleich: In Kroatien betrug die Kindersterblichkeit rund 0,47 Prozent und in Griechenland rund 0,45 Prozent. Das Preisniveau für Verbrauchsgüter und Dienstleistungen in Mazedonien ist sehr niedrig und betrug 2019 rund 48,4 Prozent des EU-Durchschnitts.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Nordmazedonien lag 2019 bei circa 12,7 Milliarden US-Dollar. Umgerechnet auf die Einwohnerzahl beträgt das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in Nordmazedonien circa 6.096 US-Dollar. Das Wirtschaftswachstum in Nordmazedonien betrug 2019 rund 3,55 Prozent. Die Arbeitslosenquote von Nordmazedonien sinkt seit 2005 kontinuierlich, sie ist dennoch sehr hoch und betrug 2019 noch ca.17,25 Prozent - eine der höchsten Arbeitslosenquoten weltweit. Auch die Jugendarbeitslosenquote in Nordmazedonien ist sehr hoch - mit rund 39,1 Prozent in 2019 waren zwei von fünf arbeitswilligen Jugendlichen ohne Arbeit. Die Inflationsrate betrug 2019 rund 0,8 Prozent.

Im Jahr 2019 exportierte Nordmazedonien Waren im Wert von rund 7,2 Milliarden US-Dollar und importierte Waren für rund 9,5 Milliarden US-Dollar. Die Handelsbilanz war somit negativ; das Defizit lag bei rund 2,3 Milliarden US-Dollar. Der wichtigste Handelspartner für Nordmazedonien sowohl im Export als auch im Import ist Deutschland. Die Staatsverschuldung von Nordmazedonien lag 2019 bei circa 40,75 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Das Staatsdefizit von Nordmazedonien betrug 2019 circa 1,95 Prozent des BIP.

Nordmazedoniens Attraktivität für Unternehmer hat sich im vergangenen Jahren verschlechtert. Im Doing Business Ranking belegte Nordmazedonien für 2020 den 17. Platz unter insgesamt 190 Volkswirtschaften weltweit.

Hängepartie um die EU-Beitrittsverhandlungen

Nach der Namensänderung schien der Weg in die Europäische Union offen. Das Land hatte in den vergangenen Jahren seine Hausaufgaben gemacht und sämtliche Voraussetzungen und Reformen zur Aufnahme der Beitrittsverhandlungen erfüllt. Überraschend verweigerten jedoch Frankreich, die Niederlande und Dänemark im Oktober 2019 die nötige Zustimmung, da aus ihrer Sicht u.a. bestimmte rechtsstaatliche Voraussetzungen nicht erfüllt seien.
Tatsächlich gibt es keinen eindeutigen Trend in der rechtsstaatlichen Entwicklung:
Die Bewertung der Demokratie und Marktwirtschaft Nordmazedoniens nach dem Bertelsmann Transformationsindex (BTI) verschlechterte sich im Zeitraum 2010 bis 2018 nachdem das Land in den Jahren zuvor deutliche Fortschritte erzielte. Im BTI 2020 ist wieder ein Positivtrend sichtbar und das Land wird bewertet als "defekte Demokratie" mit "gutem" politischen Management und einer "funktionsfähigen Marktwirtschaft".
Im Fragile State Index 2020 ist der Trend für Nordmazedonien eindeutig positiv und der Staat wird als relativ stabil eingeschätzt. Auch die Entwicklung der Pressefreiheit in Nordmazedonien ist positv. In der Bewertung von wahrgenommener Korruption nach dem Corruption Perceptions Index (CPI) hat sich Nordmazedonien hingegen in den letzten Jahren massiv verschlechtert.

Ob das Land sich nun von der EU abwenden wird ist unklar. Die letztmalige Befragung danach wie verbunden sich die Nordmazedonier mit der Europäischen Union fühlen, wurde im Juni 2019 durchgeführt, also nach der Umbenennung und vor der Absage der Beitrittsverhandlungen. Damals fühlte sich eine Mehrheit von 57 Prozent ziemlich oder sehr verbunden mit der EU.



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