Prognose zur Staatsverschuldung in den EU-Ländern bis 2020

Laut der aktuellen Prognose der Europäischen Kommission zum Schuldenstand in den Mitgliedsstaaten wird die durchschnittliche Schuldenquote der Europäischen Union bis zum Jahr 2020 auf rund 78,8 Prozent des BIP sinken. Tritt die Prognose ein, würde der durchschnittliche Schuldenstand der EU-Mitgliedsstaaten ungefähr das Niveau der Staatsverschuldung von 2010 erreichen.

Im Schatten der Schuldenkrise

Konjunkturprognosen unterliegen allerdings aufgrund der Vielzahl relevanter Variablen stets laufenden Korrekturen und Anpassungen. Der Brexit und der Handelskrieg sind dabei nur zwei Ereignisse, deren Ausgang die Weltwirtschaft und im Zuge dessen auch die staatlichen Schuldenquoten, negativ beeinflussen können. Wie weitreichend und langfristig Ereignisse dieser Art die nationalen Haushalte beeinflussen können, hat die internationale Banken- und Finanzkrise von 2008 gezeigt. Insgesamt sinkt die Schuldenquote in EU und Euro-Zone zwar seit 2015, das Vorkrisenniveau ist aber noch lange nicht erreicht. Dies trifft insbesondere zu, wenn nicht die EU als Ganzes, sondern einzelne Länder in den Fokus gerückt werden, die besonders stark betroffen waren.

Staatsverschuldung verständlich erklärt

Die Staatsverschuldung wird in absoluter Höhe der Landeswährung ausgedrückt. Die Schuldenquote/Staatsschuldenquote bezeichnet das Verhältnis der Staatsverschuldung zum Bruttoinlandsprodukt (BIP). Übersteigen die Staatsausgaben die Staatseinnahmen, wird dies als Haushaltsdefizit bezeichnet (Gegenteil: Haushaltsüberschuss).
Der Staat benötigt Fremdkapital, um die Ausgaben finanzieren zu können. Dieses Fremdkapital versucht sich der Staat über die Ausgabe von Staatsanleihen am Kapitalmarkt zu leihen. Staatsanleihen sind verzinste Wertpapiere. Die Höhe der Verzinsung wird maßgeblich durch die Bonität (Kreditwürdigkeit) des Staates bestimmt. Die Kreditwürdigkeit wird von Ratingagenturen eingeschätzt, die den Staaten Bonitätsnoten verleihen. Je zuverlässiger der jeweilige Staat von den Ratingagenturen eingeschätzt wird, desto höher ist sein Bonitätsranking und folglich desto geringer die Verzinsung seiner Wertpapiere (Je sicherer die Anlage, desto geringer die Verzinsung).

Europäische Union: Prognose zur Staatsverschuldung in den Mitgliedsstaaten von 2018 bis 2020

201820192020
Estland8,4%8,5%8,5%
Bulgarien22,6%20,5%18,4%
Luxemburg21,4%20,7%20,3%
Tschechien32,7%31,7%31,1%
Dänemark34,1%33%32,5%
Schweden38,8%34,4%32,4%
Rumänien35%36%38,4%
Lettland35,9%34,5%33,5%
Litauen34,2%37%36,4%
Malta46%42,8%40,2%
Slowakei48,9%47,3%46%
Polen48,9%48,2%47,4%
Niederlande52,4%49,1%46,7%
Deutschland60,9%58,4%55,6%
Finnland58,9%58,3%57,7%
Irland64,8%61,3%55,9%
Slowenien70,1%65,9%61,7%
Kroatien47,6%70,9%67,6%
Ungarn70,8%69,2%67,7%
Österreich73,8%69,7%66,8%
EU81,5%80,2%78,8%
EuroZone87,1%85,8%84,3%
Großbritannien86,8%85,1%84,2%
Spanien97,1%96,3%95,7%
Frankreich98,4%99%98,9%
Zypern102,5%96,4%89,9%
Belgien102%101,3%100,7%
Portugal121,5%119,5%116,6%
Italien132,2%133,7%135,2%
Griechenland181,1%174,9%168,9%
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Quelle

European Commission

Veröffentlichungsdatum

Mai 2019

Region

EU

Erhebungszeitraum

2019

Hinweise und Anmerkungen

Die Angaben beziehen sich auf den Gesamtstaat und beinhalten die Schulden des Zentralstaats, der Länder, der Gemeinden und Kommunen sowie der Sozialversicherungen.

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