Statistiken zu den Auswirkungen des Coronavirus auf die Luftfahrt

Aufgrund der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Grenzschließungen sowie Reisebeschränkungen ist der Passagierflugverkehr in vielen Ländern fast zum Erliegen gekommen. So gab es in der Woche vom 13. April 2020 weltweit rund 64 Prozent weniger geplante Flüge als in der Vorjahreswoche. Gemäß einer Prognose wird es im Jahr 2020 rund 38 Prozent weniger Flugpassagiere geben als ursprünglich erwartet. Alleine in Deutschland könnte es zu einem Rückgang von etwa 84 Millionen Passagieren kommen. Auch der Luftfrachtverkehr ist von der Krise betroffen: Der weltweite Export ist stark zurückgegangen und durch den Ausfall von Passagierflügen fällt eine bedeutende Menge Frachtkapazität weg. Weltweit nahmen die angebotenen Frachttonnenkilometer des Flugverkehrs im Februar 2020 gegenüber dem Vorjahresmonat um mehr als vier Prozent ab.

Die meisten Unternehmen der Luftfahrtindustrie müssen mit großen Umsatzeinbußen rechnen. Der Dachverband der Fluggesellschaften IATA prognostiziert für die weltweiten Airlines einen Umsatzverlust von 252 Milliarden US-Dollar im Jahr 2020. Deutsche Airlines könnten 15 Milliarden US-Dollar weniger Umsatz generieren. Experten befürchten, dass es eine Pleitewelle bei Fluggesellschaften geben wird. Beispielsweise die Liquidität der Airline Norwegian würde während der Krise– ohne staatliche Unterstützung oder Neuaufnahme von Krediten – schätzungsweise nur für neun Wochen reichen. Um die Liquidität der Airlines während der Krise zu stützen, haben die 41 Mitgliedstaaten der europäischen Flugsicherungs-Organisation Eurocontrol beschlossen, den Airlines in den kommenden Monaten Flugsicherungskosten im Umfang von rund 1,1 Milliarden Euro zu stunden. Die Lufthansa Group rechnet auch für die Zeit nach der Coronavirus-Krise mit einem starken Rückgang der Nachfrage nach Flugreisen. Deshalb stellte der Konzern den Betrieb von Germanwings ein und kündigte an die Kapazitäten bei beinahe allen Flugbetrieben zu verringern sowie die Verwaltung zu verkleinern.

Auch die Auswirkungen auf die weltweiten Flughäfen sind enorm. Sie werden gemäß einer Prognose Umsatzeinbußen von insgesamt knapp 77 Milliarden US-Dollar verbuchen müssen. Der Flugbetrieb des Airport Stuttgart ist zurzeit komplett eingestellt und zum Beispiel am Flughafen Berlin-Tegel gab es am 19. April 2020 fast 95 Prozent weniger Flüge (als am 21. April 2019). Der Flughafenverband ADV forderte im April 2020 schnelle staatliche Unterstützung in Form von Liquiditätshilfen und Kostenübernahmen. Denn Airlines und Flughäfen würden zurzeit Rückholflüge sowie die Aufrechterhaltung der Logistikketten und die Versorgung mit lebenswichtigen Gütern ermöglichen und seien deshalb besonders schützenswert. Es gibt jedoch auch Kritik an den staatlichen Hilfen und manche Experten warnen davor, dass Luftfahrtunternehmen nun in Zukunft mit Verweis auf ihre wirtschaftlichen Schwierigkeiten Bemühungen für mehr Klimaschutz in Frage stellen könnten.

Diverse Airlines und Flughäfen schickten ihre Mitarbeiter aufgrund der Coronavirus-Krise in Kurzarbeit, um ihre Personalkosten zu reduzieren. Beispielsweise die Lufthansa meldete Kurzarbeit für 87.000 Mitarbeiter an (Stand: 1. April 2020). Sollte es drei Monate andauernde strenge Reisebeschränkungen geben, so sind gemäß dem Verband IATA 25 Millionen Arbeitsplätze in der Luftfahrt und verwandten Branchen potentiell gefährdet. In Deutschland seien bei Airlines schätzungsweise 400.000 Jobs potentiell in Gefahr.

Der europäische Flugzeughersteller Airbus reduzierte seine weltweite Jet-Produktion um rund ein Drittel aufgrund der Effekte der Krise auf seine Kunden. Für das Jahr 2019 hatte Airbus ursprünglich eine Dividende von 1,80 Euro je Aktie vorgesehen, die nun jedoch gestrichen wurde. Insgesamt erhöhte das Unternehmen seine Liquiditätsreserven um rund zehn Milliarden Euro, um für die nächsten Monate gewappnet zu sein. Auch der US-amerikanische Flugzeugbauer Boeing setzte seine Dividendenzahlung bis auf Weiteres aus. Außerdem erhalten der Vorstandschef Dave Calhoun und der Verwaltungsratsvorsitzende Larry Kellner bis zum Jahresende keine Bezahlung mehr und das Unternehmen lässt sein Aktienrückkaufprogramm weiter ruhen. Die Arbeit in den Boeing-Werken in der Region Puget Sound und Moses Lake im US-Bundesstaat Washington war für ein paar Wochen stillgelegt. Gründe dafür waren die Ausbreitung von Covid-19 (die Region ist eines der größten Epizentren in den USA) und Unterbrechungen bei den Lieferketten. Am 20. April startete Boeing mit der schrittweisen Wiedereröffnung des Betriebes in diesen Fabriken.

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