Statistiken zur Bankenbranche in Österreich

Die Bankenbranche in Österreich zeichnet sich durch eines der dichtesten Bankennetze in Europa aus. Ende 2015 gab es 739 Bankhauptanstalten und 4.096 Zweiganstalten. Seit 1990 nimmt die Zahl allerdings ab, da es zu Fusionen und Einsparungen kam. Unterschieden wird zwischen Banken mit ein- und mehrstufigen Sektoren, sowie nach Rechtsform und Zugehörigkeit zum jeweiligen Fachverband der Institute.


Zu den einstufigen Sektorbanken gehören die Aktienbanken, Landes-Hypothekenbanken, Bausparkassen und Sonderbanken. Die zweistufigen Sektorbanken umfassen die Sparkassen und Volksbanken. Die Raiffeisenbanken werden den dreistufigen Sektorbanken zugeordnet. Innerhalb der mehrstufigen Sektoren nimmt ein Zentral- bzw. Spitzeninstitut für den angeschlossen Bereich die Koordinierungs- und Geldausgleichsfunktion wahr.

Aufgrund der geografischen Lage Österreichs als mitteleuropäischer Binnenstaat sowie der historischen und kulturellen Beziehungen zu den Ländern Zentral-, Ost- und Südosteuropas wurden die Bankgeschäfte nach dem Fall des Eisernen Vorhangs im Jahr 1989 auf diese Regionen ausgedehnt. Dadurch konnten die österreichischen Banken erstmalig auch im Ausland relevante Geschäftstätigkeiten aufbauen, was ihnen in den damals wirtschaftlich überlegenen westeuropäischen Ländern nicht gelungen war.

Die zehn größten Banken Österreichs hatten im Jahr 2015 eine Bilanzsumme von insgesamt 809,72 Milliarden Euro. An erster Stelle stand die Erste Group Bank AG mit 199,74 Milliarden Euro, gefolgt von der UniCredit Bank Austria AG mit 193,64 Milliarden Euro und der Raiffeisen Zentralbank Österreich AG mit 138,43 Milliarden Euro. Die Bilanzsumme generell stellt das Unternehmensvermögen (Aktiva) der Summe aus Eigen- und Fremdkapital (Passiva) gegenüber. Bei einer Bankbilanz umfassen die Aktiva alle Posten, die das Kreditgeschäft betreffen, das Wertpapierportfolio, die liquiden Mittel (Barreserven und Geldanlagen bei anderen Kreditinstituten) sowie die langfristigen Vermögenswerte (Grundstücke und Beteiligungen). Dabei wird nicht zwischen Anlage- und Umlaufvermögen unterschieden. In den Passiva werden alle das Einlagengeschäft betreffenden Posten, das gezeichnete Kapital, Rücklagen und nachrangige Verbindlichkeiten erfasst. Die Summe der Aktiva bzw. Passiva der Banken in Österreich belief sich im Jahr 2016 auf rund 832,3 Milliarden Euro, wobei die Raiffeisen- und Aktienbanken mit 258,48 bzw. 228,19 Milliarden Euro deutlich vor den anderen Bankengruppen lagen.

Das Betriebsergebnis der österreichischen Banken, d.h. der Saldo aus den Betriebserträgen und -aufwendungen, belief sich im Jahr 2015 auf rund 7,04 Milliarden Euro. Auch hier lagen die Raiffeisen- (2,19 Milliarden Euro) und die Aktienbanken (2,09 Milliarden Euro) deutlich vor den anderen Bankengruppen. Im Jahr 2015 zählte das österreichische Bankwesen insgesamt 75.034 Beschäftigte. Mit rund 80 Prozent verteilte sich der Großteil davon auf die Bankengruppen Raiffeisenbanken (24.155), Aktienbanken (20.982) und Sparkassen (14.985).

Im folgenden werden ausgewählte Informationen und Kennzahlen zu den einzelnen Bankengruppen dargestellt.

Die Aktienbanken haben die Rechtsform einer Aktiengesellschaft (AG) oder einer Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA). Im Jahr 2015 gab es in Österreich 1.024 Haupt- und Zweiganstalten von Aktienbanken, die 20.982 Beschäftigte hatten. Das Betriebsergebnis erreichte 2015 eine Höhe von 2,09 Milliarden Euro. Die Summe der Aktiva/Passiva betrug im Jahr 2016 rund 228,19 Milliarden Euro.

Die Landes-Hypothekenbanken sind spezialisiert auf die Gewährung von Hypotheken- bzw. Kommunaldarlehen und die Ausgabe von Pfandbriefen. Im Jahr 2015 gab es in Österreich 156 Haupt- und Zweiganstalten von Landes-Hypothekenbanken, die 3.791 Beschäftigte hatten. Das Betriebsergebnis erreichte 2015 eine Höhe von 385,04 Millionen Euro. Die Summe der Aktiva/Passiva betrug im Jahr 2016 rund 56,22 Milliarden Euro.

Die Bausparkassen sind aufgrund einer Konzession nach dem Bankwesengesetz (BWG) berechtigt zur Entgegennahme von Bausparer-Einlagen und zur Gewährung von Gelddarlehen für Bausparer aus den angesammelten Beträgen für wohnungswirtschaftliche sowie Bildungs- und Pflegemaßnahmen. Im Jahr 2015 gab es in Österreich 85 Haupt- und Zweiganstalten von Bausparkassen, die 1.299 Beschäftigte hatten. Das Betriebsergebnis erreichte 2015 eine Höhe von 155,11 Millionen Euro. Die Summe der Aktiva/Passiva betrug im Jahr 2016 rund 23,85 Milliarden Euro.

Die Sonderbanken sind zumeist Kapitalgesellschaften, die spezielle Aufgaben erfüllen, wie beispielswiese die Finanzierung von Exportgeschäften oder die Verwaltung von Investmentfonds. Im Jahr 2015 gab es in Österreich 83 Haupt- und Zweiganstalten von Sonderbanken, die 3.400 Beschäftigte hatten. Das Betriebsergebnis erreichte 2015 eine Höhe von 411,29 Millionen Euro. Die Summe der Aktiva/Passiva betrug im Jahr 2016 rund 69 Milliarden Euro.

Die Sparkassen sind spezialisiert auf die Sammlung von Spareinlagen und die Gewährung von Darlehen und Krediten. Unterschieden wird zwischen Vereinssparkassen (von Privatpersonen gegründet) und Gemeindesparkassen (von Gemeinden gegründet). Sparkassen werden mehr und mehr als Aktiengesellschaften geführt. Im Jahr 2015 gab es in Österreich 949 Haupt- und Zweiganstalten von Sparkassen, die 14.985 Beschäftigte hatten. Das Betriebsergebnis erreichte 2015 eine Höhe von 1,62 Milliarden Euro. Die Summe der Aktiva/Passiva betrug im Jahr 2016 rund 147,74 Milliarden Euro.

Die Volksbanken sind Kreditgenossenschaften, die hauptsächlich Finanzdienstleistungen für Handel und Gewerbe anbieten. Im Jahr 2015 gab es in Österreich 472 Haupt- und Zweiganstalten von Volksbanken, die 5.562 Beschäftigte hatten. Das Betriebsergebnis erreichte 2015 eine Höhe von 71,84 Millionen Euro. Die Summe der Aktiva/Passiva betrug im Jahr 2016 rund 32,08 Milliarden Euro.

Die Raiffeisenbanken bilden den dreistufigen Sektor. Auf der 1. Stufe stehen die selbständigen lokalen Raiffeisenbanken. Diesen übergeordnet sind auf der 2. Stufe die Raiffeisenlandesbanken, deren Haupteigentümer die Raiffeisenbanken des jeweiligen Bundeslandes sind. Die 3. Stufe bildet das Spitzeninstitut der Bankengruppe, die Raiffeisen Zentralbank Österreich AG (RZB). Diese wurde am 18. März 2017 mit ihrer Tochter Raiffeisen Bank International (RBI) fusioniert, wobei letztere die weitergeführte Einheit ist. Damit gingen alle Rechte und Pflichten auf die RBI über. Im Jahr 2015 gab es in Österreich 2.032 Haupt- und Zweiganstalten von Raiffeisenbanken, die 24.155 Beschäftigte hatten. Das Betriebsergebnis erreichte 2015 eine Höhe von 2,19 Milliarden Euro. Die Summe der Aktiva/Passiva betrug im Jahr 2016 rund 258,48 Milliarden Euro.

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