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Zoonosen - Keime aus dem Tierreich

Etwa 60 Prozent aller heute bekannten Infektionskrankheiten sind Zoonosen. Bei neu entstandenen Infektionskrankheiten, den sogenannten Emerging Infectious Diseases, wird die Zahl sogar noch höher geschätzt (75 Prozent). Zoonosen sind Krankheiten, die durch einen Erreger ausgelöst werden, der vom Tier auf den Menschen übertragbar ist. Die Bandbreite zoonotischer Erreger ist sehr groß. Zu ihnen gehören das HI-Virus, die Malaria auslösenden Plasmodien-Parasiten und das durch Zecken übertragbare FSME-Virus. Auch die Erreger von COVID-19 und den Affenpocken sind zoonotisch.

Übertragungswege und Pandemierisiko

  • Lebensmittelbedingte Zoonosen: Menschen können sich indirekt über verseuchte Lebensmittel oder Trinkwasser mit einer Zoonose infizieren. Häufige Erreger einer lebensmittelbedingten Zoonose sind die Bakterien Campylobacter, Salmonella, Yersinia und Listeria.
  • Andere Zoonosen werden durch die unmittelbare Nähe des infizierten Tieres übertragen. In Deutschland stecken sich zum Beispiel jedes Jahr Menschen über den Kontakt mit Nagetieren mit dem Hantavirus an. Auch die Ansteckung mit Tollwut erfolgt über den direkten Kontakt zum kranken Tier.
  • Bei einigen Zoonosen verläuft die Ansteckung auch über biologische Vektoren wie Zecken oder Stechmücken. Beispiele für vektorübertragene Zoonosen sind Borreliose, FSME und Malaria.
  • Die meisten verbreiteten Zoonosen in Deutschland werden nicht oder nur in seltenen Fällen von Mensch zu Mensch übertragen. Sie besitzen kein "Seuchen-Potential". In den letzten Jahrzehnten sind aber weltweit immer wieder Krankheiten aufgetaucht, die ursprünglich aus dem Tierreich stammten, um dann in der humanen Bevölkerung zu zirkulieren. Durch die Menschen zu Mensch-Übertragung haben diese Krankheiten das Potential, sich schnell auszubreiten und eventuell eine Pandemien auszulösen. Zu ihnen gehören HIV/AIDS, Ebola, SARS-CoV-1, die Schweinegrippe, SARS-CoV-2 und die Affenpocken.

Spillover

Wissenschaftler schätzen, dass es im Tierreich Hunderttausende Erreger gibt, die das Potential in sich tragen, auch Menschen zu befallen. Der Moment, in dem ein tierischer Krankheitserreger auf Menschen überspringt, wird als Spillover bezeichnet. Die Wahrscheinlichkeit für einen Spillover wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Sie ist zum Beispiel besonders hoch, wenn ein enger Kontakt zu infizierten Tieren besteht. Laut einer Analyse von über 800 Wildtierviren trägt aktuell das Lassa-Virus das höchste Spillover-Risiko für Menschen. Bei dem Lassa-Virus handelt es sich um eine bestätigte Zoonose, in der Vergangenheit hat es bereits Menschen befallen.

Die häufigsten Zoonosen in Deutschland

Statistik: Zoonosen: Anzahl der gemeldeten Fälle in Deutschland nach ausgewählten Infektionen im Jahr 2021 | Statista In Deutschland sind viele der nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) meldepflichtigen Krankheiten Zoonosen. Alleine auf die zoonotische bakterielle Durchfallerkrankung Campylobacter-Enteritis entfielen im Jahr 2021 über 48.000 gemeldete Fälle. Sie war damit, wenn man COVID-19 beiseite lässt, die häufigste meldepflichtige Zoonose in Deutschland. Wie die Salmonellose, die dritthäufigste Zoonose in Deutschland, ist Campylobacter-Enteritis eine lebensmittelbedingte Infektion: Die Bakterien werden über Tierprodukte (zum Beispiel Geflügelfleisch oder Rohmilch) übertragen. Tendenziell sind die gemeldeten Campylobacter-Fälle über die letzten Jahre gestiegen. Warme Temperaturen begünstigen grundsätzlich eine Ausbreitung der Krankheit - ob der Klimawandel das Infektionsgeschehen beeinflusst, ist aber noch nicht belegt. Eine weitere in Deutschland häufig vorkommende Zoonose ist die Borreliose. Für das Jahr 2021 wurden dem RKI insgesamt 11.059 Fälle gemeldet. Die tatsächlichen Fallzahlen dürften deutlich höher liegen: Borreliose ist in nur neun Bundesländern meldepflichtig. Die COVID-19-Pandemie hat in Deutschland zu einem Rückgang bei vielen gemeldeten Zoonosen geführt. Gründe für diese Entwicklung werden unter anderem in einer verbesserten Hygiene gesehen.

Risikofaktoren für die Ausbreitung von Zoonosen

Viele Experten gehen davon aus, dass gesellschaftliche und ökologische Veränderungen wie Bevölkerungswachstum, zunehmende Mobilität, Massentierhaltung und Klimawandel dazu führen, dass Zoonosen immer mehr an Bedeutung gewinnen.
  • Durch die Zerstörung von Lebensräumen, zum Beispiel durch Entwaldung, und den Handel mit Wildtieren erhöhen sich die Kontakte zwischen Menschen, Nutztieren und Wildtieren, so dass bisher unbekannte Wildtierviren mit einer höheren Wahrscheinlichkeit auf Nutztiere und Menschen überspringen.
  • Viele biologische Vektoren profitieren vom Klimawandel. Von Zecken und Stechmücken übertragbare Krankheiten wie FSME und Malaria können sich dadurch neue Territorien erobern. In tropischen Gebieten wurde außerdem ein Zusammenhang zwischen Entwaldung und einem Anstieg von Malariafällen nachgewiesen.
  • Die Massentierhaltung mit ihrem übermäßigen Einsatz von Antibiotika begünstigt die Entwicklung von resistenten Bakterien, so dass viele bakterielle Zoonosen für Menschen an Gefährlichkeit gewinnen.


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