Corporate-Lösungen testen?
+49 (40) 284841-968
kundenservice@statista.com

Infektionskrankheiten: Welche Erreger drohen im 21. Jahrhundert?

Fortschritte in Medizin und Hygiene erweckten lange den Eindruck, übertragbare Krankheiten seien weitgehend besiegt. Doch nicht erst COVID-19 hat die Aufmerksamkeit der Welt auf die fatalen Folgen gelenkt, die Infektionskrankheiten auch noch heute über die Menschen bringen können. Das Aufkommen immer neuer Seuchen (AIDS, Ebola, Lassa-Fieber) und die Hartnäckigkeit alter Plagen (Tuberkulose, Malaria) zeigen, dass der Kampf gegen die Mikroben noch lange nicht gewonnen ist.

Was versteht man unter einer Infektionskrankheit?

Infektionskrankheiten sind Erkrankungen, die durch Erreger ausgelöst werden. Es werden folgende klassische Erregertypen unterschieden: Viren, Bakterien, Protozoen (Einzeller mit Zellkern, zum Beispiel der Erreger der Malaria), Würmer und Pilze. In jüngerer Zeit erhalten außerdem Krankheiten eine besondere Aufmerksamkeit, die durch die noch recht rätselhaften Prionen verursacht werden. Prionen sind Eiweiße und stecken zum Beispiel hinter der Rinderseuche BSE. Den Infektionskrankheiten gegenüber stehen nichtübertragbare Krankheiten, etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs oder chronische Atemwegserkrankungen.

Ansteckungsrisiko und die Basisreproduktionszahl

Viele Infektionskrankheiten können von einem Menschen zum anderen übertragen werden (in manchen Fällen geschieht dies indirekt, zum Beispiel über Mückenstiche). Die sogenannte Basisreproduktionszahl drückt aus, wie viele weitere Menschen eine infizierte Person durchschnittlich ansteckt (wenn keine weitere Immunität in der Bevölkerung vorhanden ist). Eine besonders ansteckende Krankheit, die auch in Europa vorkommt, sind zum Beispiel die Masern. Bei einer nicht immunisierten Bevölkerung führt jeder Masernfall theoretisch zu neun weiteren Erkrankten (die Zahlen variieren etwas von Quelle zu Quelle). Zum Vergleich: die Basisreproduktionszahl von SARS-CoV-2 lag nach Schätzung der Weltgesundheitsorganisation ursprünglich bei 1,95.

Das Seuchen-Trio

Infektionskrankheiten können endemisch, epidemisch und pandemisch auftreten.
  • Von einer Endemie wird gesprochen, wenn eine Infektion konstant in der Bevölkerung zirkuliert. In vielen afrikanischen Ländern ist Malaria endemisch. Ein Beispiel für eine endemische Krankheit in Deutschland ist die Borreliose.
  • Wenn eine Krankheit zeitlich und räumlich gehäuft auftritt, nennt man dies Epidemie. In Deutschland kommt es zum Beispiel immer wieder zu epidemischen Masernausbrüchen.
  • Überschreitet ein Krankheitsausbruch Ländergrenzen und breitet sich weitläufig aus, spricht man von einer Pandemie. Beispiele für eine Pandemie sind der SARS-CoV-2-Ausbruch ab 2020, die AIDS-Pandemie seit den 1980er Jahren oder die Spanische Grippe zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Bis 2020 waren Infektionskrankheiten global als Todesursache rückläufig

Bis 2020 haben die durch Infektionskrankheiten verursachten Todesfälle weltweit abgenommen. Nichtübertragbare Krankheiten waren 2019 im globalen Durchschnitt deutlich häufiger Todesursache als übertragbare Krankheiten. Allerdings gab es große regionale Unterschiede. In Ländern mit niedrigem Einkommensniveau stellten Infektionskrankheiten nach wie vor ein großes gesundheitliches Risiko dar. Alle 15 Länder, die eine besonders hohe Todesrate durch Infektionskrankheiten aufwiesen, befanden sich auf dem afrikanischen Kontinent.

Meilensteine im Kampf gegen Krankheiten

Die erreichten Fortschritte werden umso deutlicher, je weiter man zurückblickt. Heute sind viele Krankheiten, die in der Vergangenheit schlimme Leiden auslösten, behandelbar (etwa durch den Einsatz von Antibiotika). Andere Krankheiten sind, zumindest aus den westlichen Industrieländern, weitgehend verschwunden (zum Beispiel Diphtherie und Typhus).
Zwei Beispiele für die erfolgreiche Eindämmung von Infektionskrankheiten:
  • Die Pocken, bis ins 20. Jahrhundert hinein eine der fatalsten Krankheiten weltweit, wurden als bislang einzige Krankheit durch eine globale Impfpflicht ausgerottet. Das konnte gelingen, weil Mensch das einzige Reservoir dieser Krankheit waren – Tiere werden nicht von Pocken befallen. In den 1970er Jahren traten die letzten Pockenfälle auf, 1980 erklärte die WHO die Welt als pockenfrei.
  • Kindersterblichkeit: Noch heute spielen Infektionskrankheiten eine große Rolle bei der Kindersterblichkeit. Dies gilt sowohl für Kleinkinder als auch ältere Kinder. Dennoch wurden hier in den letzten Jahren große Fortschritte erzielt. Im Jahr 2016 starben 1,6 Millionen Kleinkinder an den impfpräventablen Krankheiten Tetanus und Masern, an Meningitis, Enzephalitis, einer Durchfallerkrankung oder an einer akuten Infektion der unteren Atemwege. Im Jahr 2000 waren es (trotz des Wachstums der Weltbevölkerung im 21. Jahrhundert) noch fast vier Millionen gewesen.

Reemerging diseases: die Rückkehr historischer Seuchen

Trotz der medizinischen Erfolge gibt es auch einige kritische Entwicklungen. Viele Krankheiten, die in den westlichen Industrieländern eher mit dem 19. Jahrhundert assoziiert werden, haben in den letzten Jahren durch steigende Zahlen Aufmerksamkeit erregt. Man spricht in solchen Fällen von reemerging diseases: Krankheiten, die in der Vergangenheit bereits erfolgreich bekämpft wurden, aktuell aber wieder an Bedeutung gewinnen.
  • Ein Beispiel ist die Tuberkulose. Obwohl der Erreger der Lungenerkrankung schon lange bekannt ist, ist sie bis heute eine der tödlichsten Krankheiten weltweit (an zweiter Stelle nach COVID-19 und noch deutlich vor HIV/AIDS). Eine Komplikation im Zusammenhang mit Tuberkulose ist, dass Menschen, die mit HIV leben, deutlich häufiger an Tuberkulose erkranken als andere. In vielen Regionen Afrikas ist es daher durch die HIV-Pandemie im 20. Jahrhundert zu einem starken regionalen Anstieg der Fallzahlen gekommen. In den letzten Jahren ist die Inzidenz in Afrika deutlich zurückgegangen. Dafür ist weltweit die Zahl der Menschen gestiegen, die sich mit einem resistenten Tuberkuloseerreger infizierten (mehr als 157.000 Menschen haben im Jahr 2020 weltweit eine multiresistente Tuberkulose entwickelt). Von einer Resistenz betroffene Patient:innen müssen teure, oft weniger wirksame Ausweichmedikamente einnehmen (mit meist schwerwiegenden Nebenwirkungen). Je mehr Resistenzen sich entwickeln, desto geringer sind die Chancen auf einen Behandlungserfolg.
  • In Ländern mit hohem Einkommensniveau ist dank hoher Durchimpfungsraten die stark ansteckende Krankheit Diphtherie nahezu in Vergessenheit geraten. Wie schnell es aber aufgrund von nachlassenden Impfungen zu Diphtherie-Epidemien kommen kann, zeigt ein Blick in die 1990er Jahre: Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion breitete sich durch Impflücken im Osten Europas die Diphtherie rasend schnell aus. In den letzten Jahren war dagegen in Afrika ein Anstieg der Diphtheriefälle zu beobachten. Das Jahr 2019 verzeichnete die global höchsten Fallzahlen seit rund 20 Jahren. Aktuell gehen Expert:innen davon aus, dass sich die Situation weiter negativ entwickeln wird: COVID-19 hat die Impfpläne in vielen Ländern aus dem Takt gebracht, so dass seit 2020 Fortschritte beim Impfen verloren gingen.


Emerging diseases: Wann kommt die nächste Pandemie?

Altbekannte Krankheiten, die sich immer wieder der Kontrolle entziehen, sind nicht das einzige Problem: In den vergangenen Jahrzehnten tauchten immer wieder neue Erreger auf, die bei Menschen Infektionen, in manchen Fällen auch Epidemien und Pandemien auslösten. Die Gründe für das Auftauchen neuer Krankheiten (emerging diseases) sind vielfältig: Zu ihnen gehören Innovationen in der Mikrobiologie, die es ermöglichen, bekannte, aber bisher unerklärte Krankheitsbilder auf Infektionserreger zurückzuführen. Aber auch Naturzerstörung, Massentierhaltung und der Klimawandel tragen dazu bei, dass bisher unbekannte Erreger Menschen befallen.

Ein Beispiel für eine neuartige Krankheit ist die SARS-Epidemie, die im Frühjahr 2003 in Ostasien ausbrach. Auslöser war ein Coronavirus, das bisher nur Tiere infiziert hatte. Vermutlich hatte es aufgrund einer Mutation die Fähigkeit erlangt, auch Menschen zu befallen. Wie das SARS-Coronavirus stammen sehr viele neu auftretende Krankheitserreger (schätzungsweise 75 Prozent) ursprünglich aus dem Tierreich. Zu diesen so genannten Zoonosen zählen schwerverlaufende Krankheiten wie AIDS und Ebola, aber auch die Grippe. Grippeviren gelten als ein potentieller Herd für zukünftige Pandemien und werden deshalb sehr genau überwacht. Ihre Gefährlichkeit beruht darauf, dass sie in unterschiedlichen Subtypen bei Tieren verbreitet sind – und dort in sehr kurzen Abständen mutieren. Wenn eine neue Varianten es schafft, auf den Menschen überzuspringen, besteht das Risiko einer Pandemie. Das ist zum Beispiel 2009 mit der global Ausbreitung der Schweinegrippe passiert.



Kontakt

Sie haben noch Fragen? Wir helfen gerne.
Statista Locations
Kontakt Jens Weitemeyer
Jens Weitemeyer
Customer Relations

Mo - Fr, 9:30 - 17:00 Uhr (CET)

Kontakt Vianny Gutierrez-Cruz
Vianny Gutierrez-Cruz
Sales Manager– Kontakt (Vereinigte Staaten)

Mo - Fr, 9:00 - 18:00 Uhr (EST)

Kontakt Ziyan Zhang
Ziyan Zhang
Customer Relations– Kontakt (Asien)

Mo - Fr, 11:30 - 22:00 Uhr (IST)

Kontakt Kisara Mizuno
Kisara Mizuno
Customer Success Manager– Kontakt (Asien)

Mo - Fr, 9:30 - 17:30 Uhr (JST)

Kontakt Lodovica Biagi
Lodovica Biagi
Director of Operations– Kontakt (Europa)

Mo - Fr, 9:30 - 17:00 Uhr (GMT)

Kontakt Carolina Dulin
Carolina Dulin
Associate Director - LAC– Kontakt (Lateinamerika)

Mo - Fr, 9:00 - 18:00 Uhr (EST)