Daten und Fakten zur Bankenaufsicht in Europa

Ein stabiles Bankensystem ist die Grundlage einer funktionierenden Volkswirtschaft. Die Bankenaufsicht hat deshalb die Aufgabe, die Geschäftstätigkeit von Kreditinstituten zu überwachen und auf diesem Wege die Effizienz und Stabilität des Bankensystems sicherzustellen. Das Aufsichtsrecht gibt den rechtlichen Rahmen vor, den die Institute bei ihrer Gründung und beim Betreiben von Geschäften zu beachten haben. Die Überwachung der Einhaltung dieses rechtlichen Rahmens teilen sich in Deutschland die Bundesbank und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Überdies sind ebenfalls das Bundesministerium der Finanzen (BMF) sowie Wirtschaftsprüfer und Prüfungseinrichtungen der Bankenverbände beteiligt. Als Folge der Finanzkrise wurde 2011 ein europäisches Aufsichtssystem installiert. Im November des Jahres 2014 wurde die europäische Bankenaufsicht um den Einheitlichen Aufsichtsmechanismus (Single Supervisory Mechanism – SSM) erweitert und die Europäische Zentralbank (EZB) wurde zur zentralen Aufsichtsbehörde im Euroraum.

Über den Einheitlichen Bankenaufsichtsmechanismus

Der einheitliche europäische Aufsichtsmechanismus stellt bedeutende Großbanken der teilnehmenden Länder unter die direkte Aufsicht der EZB – aktuell sind dies mehr als 110 Institute. Er ist Teil der europäischen Bankenunion und setzt sich aus der EZB und den nationalen Aufsichtsbehörden der Euro-Länder zusammen. Mitgliedstaaten außerhalb des Euroraums können auf freiwilliger Basis am SSM teilnehmen. Die Entscheidung, ob eine Bank oder Bankengruppe als bedeutend gilt, wird auf der Grundlage einer Reihe von Kriterien getroffen. Zu diesen Kriterien gehören u. a. die Größe der Institute gemessen an der Bilanzsumme (über 30 Milliarden Euro), das Verhältnis der Bilanzsumme im Vergleich zur Wirtschaftsleistung eines Landes oder auch die Frage, ob das Institut in der Vergangenheit Finanzhilfen durch den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) beantragt oder erhalten hat. In Deutschland fallen derzeit folgende Banken bzw. Bankengruppen (unter die Aufsicht fallen auch alle Tochterunternehmen) unter die direkte Aufsicht der EZB:

  • Aareal Bank AG
  • BayernLB
  • Commerzbank AG
  • DekaBank Deutsche Girozentrale
  • Deutsche Apotheker- und Ärztebank eG
  • Deutsche Bank AG
  • Deutsche Pfandbriefbank AG
  • Erwerbsgesellschaft der S-Finanzgruppe mbH & Co. KG (Berlin Hyp, Landesbank Berlin u.a.)
  • Goldman Sachs Bank Europe SE
  • HASPA Finanzholding
  • Hamburg Commercial Bank AG
  • J.P. Morgan AG
  • LBBW
  • Helaba
  • Münchener Hypothekenbank eG
  • Morgan Stanley Europe Holding SE
  • NordLB
  • State Street Europe Holdings Germany S.à.r.l. & Co. KG
  • UBS Europe SE
  • Volkswagen Bank GmbH
Banken, die nicht als bedeutend eingestuft werden, werden als „weniger bedeutende“ Institute bezeichnet. Sie werden weiterhin von den nationalen Aufsichtsbehörden beaufsichtigt, in enger Zusammenarbeit mit der EZB.

Wichtige Stabilitätskennzahlen der laufenden Aufsicht

Zur Einschätzung, ob die Solvenz- und Liquiditätslage der beaufsichtigten Institute sowie deren Risikosituation angemessen ist, dienen den Bankenaufsehern verschiedene Kennzahlen. So müssen die Banken beispielsweise eine adäquate Höhe an Eigenmitteln aufweisen. Eine wichtige diesbezügliche Kennzahl ist die harte Kernkapitalquote (CET1-Quote). Diese sollte einen Wert von 4,5 Prozent nicht unterschreiten. Aktuell wird diese Marke in keinem beaufsichtigten Land unterschritten – die aggregierte CET1-Quote der bedeutenden Institute liegt in jeweils jedem Land sogar bei über 10 Prozent.
Darüber hinaus prüft die Bankenaufsicht, ob die Liquidität ausreichend ist. Das heißt, es wird überwacht, ob die Institute ihre Mittel so anlegen, dass jederzeit eine ausreichende Zahlungsfähigkeit gewährleistet ist. Dies geschieht anhand der Liquiditätsdeckungsquote (Liquidity Coverage Ratio, kurz LCR). Hier sollte ein Wert von 100 Prozent nicht unterschritten werden. Im Ländervergleich bewegen sich die Quoten derzeit in einer Spanne von ungefähr 130 bis mehr als 350 Prozent.

Weiterhin wird untersucht, ob die Qualität der Aktiva ausreichend ist. Eine wichtige Kennzahl zur Prüfung des Vermögensniveaus ist die Quote notleidender Kredite (Non performing loans – NPL). Gemäß Definition der BaFin wird ein Kredit als notleidend bezeichnet, wenn seine Rückzahlung unwahrscheinlich erscheint und für die Bank daher ein Einzelwertberichtigungsbedarf entsteht oder eine wesentliche Verbindlichkeit des Schuldners mindestens 90 Tage in Verzug ist. Die beaufsichtigten Banken Griechenlands weisen derzeit die höchste Kreditausfallwahrscheinlichkeit auf – hier sind über ein Drittel der Kredite als notleidend einzustufen.



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