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Statistiken zu Äthiopien

Der ostafrikanische Vielvölkerstaat Äthiopien ist zwar eines der größten Länder der Welt (27. Platz), aber neun afrikanische Staaten weisen ein noch größeres Staatsgebiet auf. Gleichzeitig ist das Land aber auch der bevölkerungsreichste Binnenstaat der Welt – Äthiopien besitzt seit der Unabhängigkeit der ehemaligen äthiopischen Provinz Eritrea im Jahr 1993 keinen Meereszugang mehr.

Die Gesamtbevölkerung von Äthiopien beträgt geschätzt rund 101,3 Millionen Einwohner:innen (2022), womit das Land auch in der Liste der Länder mit der größten Einwohnerzahl (14. Platz) vertreten ist. Die Hauptstadt Addis Abeba ist mit ca. 5,3 Millionen Einwohner:innen (2022) die bevölkerungsreichste Stadt Äthiopiens sowie die zehntgrößte Stadt auf dem afrikanische Kontinent.

Bevölkerungswachstum von Äthiopien verlangsamt sich

Die Bevölkerungsentwicklung von Äthiopien ist positiv, wenngleich sich das Bevölkerungswachstum seit dem Höhepunkt 2012 und der fortschreitenden Entwicklung des Landes verringert: Im Jahr 2020 wuchs die Gesamtbevölkerung von Äthiopien um rund 2,54 Prozent gegenüber dem Vorjahr - 2012 sind es noch rund 2,83 Prozent gewesen. Das positive Bevölkerungswachstum in Äthiopien ist primär auf das natürliche Bevölkerungswachstum (Geburten) zurückzuführen und nicht auf Einwanderung. Da die Fertilitätsrate in Äthiopien sinkt und im Jahr 2019 noch rund 4,15 Kinder je Frau betragen hat, verringert sich auch das allgemeine Bevölkerungswachstum im Land.

Gegenwärtig weist das Land aber noch eine sehr junge Bevölkerungsstruktur auf, die abschwächende Bevölkerungsentwicklung spiegelt sich jedoch auch in den Prognosen zur Entwicklung des Durchschnittsalters wider. Zur Jahrtausendwende hat der Altersmedian der äthiopischen Bevölkerung rund 16,6 Jahre betragen - eine Hälfte der Bevölkerung ist jünger als 16,6 Jahre die andere Hälfte der Bevölkerung ist älter. Der Altersmedian steigt seitdem kontinuierlich auf ca. 19,5 Jahre im Jahr 2020 und prognostiziert rund 27,3 Jahre bis zum Jahr 2050. Zum Vergleich: In Deutschland, das eines der Länder mit der ältesten Bevölkerung weltweit ist, beträgt der Altersmedian im Jahr 2020 rund 45,7 Jahre.
Zwei weitere Indikatoren, die die zunehmende Entwicklung Äthiopiens zeigen, sind die stetig steigende Lebenserwartung im Land und die kontinuierlich sinkende Kindersterblichkeit. Innerhalb von 10 Jahren ist die Lebenserwartung in Äthiopien von rund 60,65 Jahren (2009) auf rund 66,6 Jahre in 2019 gestiegen. Die Kindersterblichkeit in Äthiopien ist von rund 82 Todesfällen je 1.000 Lebendgeburten im Jahr 2010 auf rund 48,7 Todesfälle je 1.000 Kinder im Jahr 2020 gesunken.

Dire größten ethnischen Volksgruppen im Vielvölkerstaat Äthiopiens (2022) sind die Oromo mit einem Bevölkerungsanteil von rund 35,8 Prozent, die Amhara mit einem Anteil von rund 24,1 Prozent, sowie Somali (7,2 Prozent) und Tigray (5,7 Prozent). Auch hinsichtlich der Religionsgemeinschaften ist das Land divers: Im Jahr 2010 waren geschätzt rund 52 Millionen Äthiopier:innen Anhänger einer christlichen (zumeist äthiopisch-orthodox) und rund 28,7 Millionen Äthiopier:innen Anhänger einer muslimischen Glaubensgemeinschaft (zumeist Suniten).

Äthiopiens Wirtschaft

Äthiopien erwirtschaftete im Jahr 2021 ein Bruttoinlandsprodukt (BIP) von rund 99,3 Milliarden US-Dollar. Für 2022 wird ein Anstieg des BIP auf rund 105,3 Milliarden US-Dollar erwartet. Äthiopien ist eine der größten Volkswirtschaften in Afrika. Umgerechnet auf die Einwohnerzahl ergibt sich für Äthiopien im Jahr 2021 ein BIP pro Kopf von rund 996 US-Dollar, für 2022 wird mit einem Anstieg auf rund 1.040 US-Dollar gerechnet, womit das Land jedoch weiterhin nicht in der Rangliste der Länder Afrikas mit dem höchsten Bruttoinlandsprodukt pro Kopf vertreten sein wird.

Das Wirtschaftswachstum in Äthiopien ist seit 2004 positiv mit teils zweistelligen Wachstumsraten, die typisch für Schwellenländer in der Transformation sind: Im Jahr 2021 ist die Wirtschaft Äthiopiens um rund 6,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr gewachsen, für 2022 wird ein BIP-Wachstum von rund 3,8 Prozent erwartet. Die Inflationsrate in Äthiopien ist mit rund 26,8 Prozent (2021) hoch und soll im Jahr 2022 auf rund 34,5 Prozent steigen, bevor für die kommenden Jahre ein Absinken der Teuerungsrate prognostiziert wird. Die Arbeitslosenquote von Äthiopien steigt seit 2019 an und erreichte im Jahr 2021 rund 3,7 Prozent. Für 2022 wird ein weiterer Anstieg auf bis zu 4 Prozent erwartet.

Äthiopien in der Transformation: Vom Agrarstaat zum Schwellenland

Äthiopien ist zwar eine der größten Volkswirtschaften Afrikas, aber anders als u.a. Nigeria, Südafrika oder Angola keine Rohstoffökonomie, sondern (noch) ein Agrarstaat. Mehr als ein Drittel der gesamten Wirtschaftsleistung des Landes wird in der Landwirtschaft generiert. Die Landwirtschaft hat 2020 rund 35,45 Prozent zu der volkswirtschaftlichen Wertschöpfung beigetragen, die Industrie rund 23,1 Prozent und der tertiäre Dienstleistungssektor rund 36,8 Prozent. Das Land unternimmt enorme Anstrengungen, um den Wandel zum Schwellenland mit eigener Industrieproduktion voranzutreiben und erzielte bereits enorme Fortschritte auf diesem Weg. Innerhalb von 10 Jahren haben sich die Anteile der Wirtschaftssektoren am Bruttoinlandsprodukt (BIP) von Äthiopien insbesondere zugunsten der Industrie verschoben, die 2010 rund 9,4 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt des Landes beigetragen hat.

Außenhandel (Export/Import) von Äthiopien

Im Jahr 2021 exportierte Äthiopien Güter im Wert von rund 4 Milliarden US-Dollar. Im gleichen Jahr importierte Äthiopien Waren im Wert 15,7 Milliarden US-Dollar. Die Handelsbilanz von Äthiopien ist dementsprechend im Jahr 2021 negativ gewesen. Das Handelsbilanzdefizit von Äthiopien hat im Jahr 2021 rund 11,7 Milliarden US-Dollar betragen.

Die wichtigsten Importgüter für Äthiopien sind Erdöl, Erdölerzeugnisse und verwandte Waren (SITC Abschnitt 33). Mit einem Importwert von rund 1,6 Milliarden US-Dollar entfallen im Jahr 2020 rund 11,6 Prozent der gesamten Importe nach Äthiopien auf die Güter Erdöl, Erdölerzeugnisse und verwandte Waren. Der Import von Straßenfahrzeugen (SITC Abschnitt 78) ist mit einem Importanteil von rund 7,1 Prozent für Äthiopien die zweitwichtigste Warengruppe im Einfuhrhandel des Jahres 2020, gefolgt von Getreide und Getreideerzeugnissen (SITC Abschnitt 04) mit einem Importanteil von rund 6,8 Prozent. Insbesondere die steigenden Weltmarktpreise für Getreide werden das Land vor eine Herausforderung stellen.

Die wichtigsten Exportländer für Äthiopien sind Somalia mit einem Exportanteil von rund 11,6 Prozent, gefolgt von den USA mit einem Exportanteil von rund 10,2 Prozent und den Niederlanden, auf die rund 7,5 Prozent der gesamten äthiopischen Ausfuhren entfallen (jeweils 2020).
Bei den wichtigsten Importpartnern für Äthiopien dominiert China als wichtigster Handelspartner: Rund 29,5 Prozent der gesamten Importe nach Äthiopien entfallen auch China, gefolgt von Indien mit einem Importanteil von rund 10,5 Prozent und der Türkei mit einem Importanteil von rund 5,7 Prozent (jeweils 2020).

Im Ursprungsland des Kaffee - wichtigstes Exportgut von Äthiopien
Äthiopien gilt als Wiege des Kaffees und dessen Kultivierung. Auch heute noch ist Kaffee das wichtigste Exportgut Äthiopiens, dessen Anteil an den gesamten Exporten des Landes im Jahr 2020 rund 32,1 Prozent betragen hat. Äthiopien hat auch heute noch eine wichtige Bedeutung im weltweiten Kaffeeanbau- und Handel: Insgesamt entfallen rund 80 Prozent der äthiopischen Exporte auf landwirtschaftliche Produkte.

Der Konflikt um das Nilwasser: Der Bau des Grand Ethiopian Renaissance Dam (GERD)

Ohne eine gesicherte Wasserversorgung wäre die landwirtschaftliche Produktion nicht möglich. Mehr als 90 Prozent des äthiopischen Wasserverbrauches entfällt auf die Landwirtschaft. Äthiopien ist in der glücklichen Lage über große erneuerbare Wasserressourcen zu verfügen und diese Ressourcen auch zur Energiegewinnung nutzen zu wollen. Mit dem Grand Ethiopian Renaissance Dam (GERD) hat Äthiopien einen der größten Stauseen Afrikas errichtet, dessen Wasserkraftwerk auch das größte seiner Art Afrikas ist. Für Äthiopien bietet der GERD enorme Chancen zur Entwicklung und Elektrifizierung des Landes, für andere afrikanische Staaten stellt die Stauung des blauen Nils jedoch eine Bedrohung dar, die zu Konflikten mit Äthiopien führen:
Auch in Ägypten besitzt der Agrarsektor eine herausragende nationale Bedeutung. Rund 79,2 Prozent des Gesamtwasserverbrauchs in Ägypten entfällt auf die Landwirtschaft. Anders als in Äthiopien besitzt Ägypten jedoch nur über marginale interne erneuerbare Wasserressourcen - Ägyptens Wasserversorgung ist komplett abhängig vom Zufluss des externen Nilwassers.
Dementsprechend sieht die ägyptische Regierung insbesondere die schnelle Stauung des Nils in Äthiopien, und folgend dem geringeren Durchfluss nach Ägypten als eine Bedrohung der nationalen Sicherheit. Ägypten ist eine regionale Militärmacht und hat bereits erste Drohungen lanciert notfalls auch mit einer Bombardierung des GERD den Wasserzufluss des Nils durch den Sudan nach Ägypten zu gewährleisten, falls sich die Durchflussmenge zu sehr verringern sollte. Diese Drohung ist ernstzunehmen, da Ägypten einerseits tatsächlich zwingend auf das Nilwasser angewiesen ist und andererseits auch über die militärischen Fähigkeiten verfügt diese Drohung wahr werden zu lassen. Der Vergleich der militärischen Stärke zwischen Ägypten und Äthiopien (2022) dokumentiert die allgemein deutliche militärische Überlegenheit der ägyptischen Streitkräfte gegenüber Äthiopien. Entscheidend wären im konkreten Konfliktfall Kräfteverhältnisse im Luftkampf und insbesondere im Vergleich der Luftstreitkräfte der Nil Anrainerstaaten Ägypten, Uganda, Sudan und Äthiopien zeigt sich die deutliche Luftüberlegenheit des ägyptischen Militärs. Hinzu kommt, dass Äthiopien durch die Bürgerkriegszustände in seiner nördlichen Provinz Tigray bereits militärisch gebunden ist und die Gefahr droht, dass sich der teilweise ethnisch-politisch begründete Konflikt auf das gesamte Land auszuweiten droht. Im Hinblick auf die Rechtstaatlichkeit in Äthiopien zeigen sich bereits negative Entwicklungen.

Rechtsstaatlichkeit in Äthiopien

Die Analysten des Freedom in the World Freiheitsindex für Äthiopien bewerten das Land derzeit als "nicht frei", obschon seit 2018 geringfügige Verbesserungen registriert wurden. Für das Jahr 2022 erzielt das Land 11 von 60 möglichen Punkten in der Bewertung der bürgerlichen Rechte und 12 von 40 Punkten im Bereich der politischen Rechte.
In den zweijährlich veröffentlichten Ergebnissen des Bertelsmann Transformationsindex (BTI) für Äthiopien, der die Qualität von Demokratie, Marktwirtschaft und politischem Management in 137 Entwicklungs- und Transformationsländern untersucht, zeigt sich in der Bewertung von 2022 eine deutliche Verschlechterung Äthiopiens im Zuge des Tigray-Konfliktes im Jahr 2020.
Diese Entwicklung wird auch im Fragile States Index (FSI) für Äthiopien bestätigt. Insgesamt verschlechterte sich Äthiopien von Platz 21 im Jahr 2020 auf Platz 11 von 178 Staaten im Jahrgang 2021, womit die Stabilität des äthiopischen Staates mit "Alert" (Alarm) kritisch bewertet wird.

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