Statistiken zur Atomkatastrophe von Tschernobyl

Veröffentlicht von Statista Research Department, 29.04.2016
Am 26. April 1986 ereignete sich in Block 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl ein schwerer Atomunfall.
Ausgelöst wurde dies durch die Simulation eines vollständigen Stromausfalls, infolge dessen der Atomreaktor außer Kontrolle geriet. Nach einem unkontrollierten Leistungsanstieg erhöhte sich der Druck im Reaktor durch Aufheizung und Verdampfung so stark, dass es zwei Explosionen kam, bei denen Teile des Reaktors und des Reaktorgebäudes zerstört wurden. Die Explosionen setzten sehr große Mengen an Radioaktivität frei, sodass Teile der Ukraine, Weißrusslands und Russlands kontaminiert wurden. Aufgrund der damals vorherrschenden Windrichtung traten in Schweden so hohe Strahlungswerte auf, dass zunächst ein Störfall im schwedischen AKW Forsmark vermutet wurde. Im Laufe der nächsten Tage verbreitete sich radioaktiver Staub in ganz Europa.
Um die Folgen des Unfalls einzudämmen, wurde versucht, den Reaktor zu löschen und abzudecken. Nachdem das Hineinpumpen von Wasser in den Reaktorkern fehlschlug, versuchte man in der Folge, mit Hilfe von Hubschraubern Blei, Bor, Sand und Lehm über dem Reaktor abzuwerfen. Unter Kontrolle war der Brand am Reaktor allerdings erst einige Tage später, als man es schaffte, den Reaktor mit Stickstoff zu kühlen. In den darauf folgenden Monaten wurde ein sogenannter Sarkophag aus Beton um den Reaktor gebaut, um zu verhindern, dass weiterhin Radioaktivität an die Umwelt abgeben wird. Die Lebensdauer dieses Sarkophags war allerdings auf 20 bis 30 Jahre beschränkt, sodass im Jahr 1997 der Bau einer neuen Schutzhülle beschlossen wurde, die mindestens 100 weitere Jahre halten soll. Im April 2016, 30 Jahre nach der Katastrophe, war diese neue Schutzhülle noch nicht fertiggestellt.
Es dauerte 1,5 Tage, bis die in dem Ort Pripjat lebende Bevölkerung aus der Gegend um den Reaktor evakuiert wurden. Alle Menschen, die innerhalb eines 30-km-Radius um das AKW herum lebten, mussten schlagartig ihre Heimat verlassen. In den folgenden Jahren vergrößerte sich die Speerzone immer weiter. Bei den Aufräumarbeiten und dem Bau des Sarkophags waren Schätzungen zufolge zwischen mehrere hunderttausend Männer beteiligt. Diese sogenannten Liquidatoren waren bei ihrem Einsatz - trotz der Vorgabe, nur 45 Sekunden am Einsatzort zu verbleiben - teilweise extrem hohen Strahlenbelastung ausgesetzt.

Ein weiteres schweres Atomunglück ereignete sich im März 2011 im japanischen Fukushima. Nach einem schweren Seebeben vor der Küste Japans wurde die externe Stromzufuhr des Atomkraftwerkes zerstört, sodass die Kühlwasserpumpen mittels einer Notstromversorgung betrieben werden mussten. Die in der Folge des Bebens entstandenen Tsunamiwellen trafen das AKW und zerstörten wenig später auch die Notstromversorgung. Einige Tage später kam es aufgrund der fehlenden Kühlung zu Kernschmelzen in drei Atomreaktoren, woraufhin es zu mehreren Wasserstoffexplosionen kam. Diese zerstörten die äußeren Schutzhüllen von insgesamt vier Reaktoren, radioaktive Teilchen traten aus. Das für die Kühlung in die Reaktoren geleitete Meerwasser wurde radioaktiv verseucht und floss zurück in die Umwelt und gelangte auch in das Grundwasser. Erst im Mai wurde durch den Kraftwerkbetreiber Tepco die erfolgreiche Abdichtung gemeldet, die ein weiteres Ablaufen des radioaktiven Wassers verhindern sollte. Nach einer Ummantelung des Reaktorgebäudes meldete die japanische Regierung im Dezember 2011, dass nur noch wenig Radioaktivität aus dem AKW austrete. Umweltschutzorganisationen bezweifelten dies jedoch. Wegen der hohen Strahlungswerte in der Region um Fukushima mussten ca. 120.000 Menschen ihre Heimat verlassen.

Als weiterer schwerer Zwischenfall ist der Unfall in Harrisburg (Pennsylvania, USA) im März 1979 zu nennen, bei dem es zu einer partiellen Kernschmelze kam.


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