Reaktorneubauten
Was kostet ein AKW?
Ursula von der Leyen bedauerte kürzlich den gesunkenen Anteil an Atomkraft am europäischen Energiemix. Mehr noch: Die EU-Kommissionspräsidentin bezeichnete diese Entwicklung als einen "strategischen Fehler". Ob Fehler oder nicht, die Zeit zurückzudrehen wäre ein kosten- und zeitintensives Unterfangen. Der dritte Reaktorblock des Kernkraftwerks Flamanville sollte beispielsweise in fünf Jahren hochgezogen werden und rund 3,3 Milliarden Euro kosten. Daraus wurden laut ingenieur.de 17 Jahre und fast 24 Milliarden Euro.
Nicht ganz so enorm war der finanzielle Mehraufwand beim Neubau des finnischen Reaktors Olkiluoto 3 - aber bei der Bauzeit ist die Entwicklung durchaus vergleichbar mit dem französischen Projekt, wie der Blick auf die Statista-Grafik zeigt. Und auch bei der einzigen derzeit aktiven Reaktorbaustelle Westeuropas, Hinkley Point C im Vereinigten Königreich, zeichnet sich eine ähnliche Entwicklung ab. Zuletzt wurde hier im Februar laut IWR Online die geplante Inbetriebnahme auf das Jahr 2030 verschoben - sollte es dabei bleiben würde sich die Bauzeit am Ende auf 13 Jahre belaufen. Gleichzeitig haben sich die geplanten Kosten bislang mehr als verdoppelt.
Diese wenigen Neubauten werden so oder so wenig an dem von von der Leyen beklagten Bedeutungsverlust der Kernkraft ändern. Denn das Durchschnittsalter der westeuropäischen Reaktorflotte beläuft sich laut World Nuclear Industry Status Report auf über 40 Jahre. Von 93 Meilern sind 47 mindestens 41 Jahre alt. Sie nähern sich damit dem Ende ihrer Lebensdauer. Auch die Nuklearprogramme im Osten des Kontinents werden eher keine Trendwende einleiten können. Aktuell bauen Ungarn (seit Februar 2026) und die Slowakei (seit 1986, fast fertig) jeweils einen Reaktor. Darüber hinaus will Polen 2028 in in Lubiatowo-Kopalino mit dem Bau eines Atomkraftwerks beginnen.
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