IWF-Report
Weltweit mehr US-Aktien in den Depots
Anleger rund um den Globus haben ihre Auslandsportfolios zwischen Juni 2022 und Juni 2026 so stark auf US-Aktien konzentriert wie nie zuvor. In allen acht untersuchten Volkswirtschaften stieg der Anteil von US-Aktien an den gesamten im Ausland gehaltenen Geldanlagen. Am extremsten ist die Entwicklung in Mexiko: Dort machen US-Aktien inzwischen 92,5 Prozent sämtlicher Auslandsanlagen aus, mehr als doppelt so viel wie noch 2022 (37,6 Prozent) und der mit Abstand höchste Wert im Vergleich. Auch Südkorea (64,9 Prozent) und das Vereinigte Königreich (48,7 Prozent) liegen inzwischen auf hohem Niveau. Einzig Brasilien bewegt sich kaum: Der Anteil stieg dort nur marginal von 29,1 auf 30,2 Prozent – ein auffälliger Gegenpol zum globalen Muster.
Die Zahlen stammen aus dem Global Financial Stability Report des Internationalen Währungsfonds (IWF) vom Oktober 2026 und beruhen auf einer IWF-Berechnung, die zwei unterschiedliche Datenquellen zusammenführt: Die US-Aktienbestände werden aus dem Treasury International Capital System (TIC) des US-Finanzministeriums erfasst, während die gesamten Auslandsportfolioinvestitionen aus dem Coordinated Portfolio Investment Survey (CPIS) stammen. Wichtig für die Einordnung: "Auslandsportfolioinvestitionen" umfasst nicht nur Aktien, sondern auch Anleihen und andere Schuldverschreibungen. Der tatsächliche Vergleichswert ist also breiter gefasst, als der Name vermuten lässt. Ebenso wenig lässt sich aus den Daten ablesen, welcher Anteil auf private oder institutionelle Anleger entfällt: Die Werte bilden alle Anlegergruppen einer Volkswirtschaft zusammen ab: von Zentralbanken und Pensionsfonds über Banken und Unternehmen bis zu Privathaushalten.
Der IWF selbst ordnet den Anstieg als Folge eines globalen "AI chasing" ein: Anleger weltweit hätten ihre Portfolios verstärkt auf US-Technologiekonzerne und sogenannte Hyperscaler ausgerichtet, die von der Investitionswelle im Bereich Künstliche Intelligenz profitieren. Das birgt nach Einschätzung des IWF ein Risiko für die globale Finanzstabilität – und zwar auch für Volkswirtschaften, deren eigene Börsen kaum auf Schwankungen bei KI-Aktien reagieren, etwa den Euroraum oder das Vereinigte Königreich. Denn im Krisenfall würde sich ein Kurseinbruch bei US-KI-Aktien nicht über die heimischen Börsen, sondern über die Auslandsportfolios der jeweiligen Anleger direkt auf diese Volkswirtschaften übertragen.
Beschreibung
Die Grafik zeigt den Anteil von US-Aktien in Portfolios von Investoren in ausgewählten Ländern und Regionen.
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