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Statistiken zu sozialer Ungleichheit in Österreich

Es gibt zwei Indikatoren, um die soziale Ungleichheit einer Gesellschaft zu messen: Das Einkommen, also den materiellen Zufluss, und das Vermögen, also den materiellen Bestand. Dabei liegen zum Einkommen mehr und genauere Daten vor, da es in Österreich - im Gegensatz zum Vermögen - der Besteuerung unterliegt. Mit Blick auf die Einkommensgruppen zählten in Österreich im Jahr 2021 15 Prozent der Bevölkerung zur Unterschicht, d.h. sie hatten weniger als 60 Prozent des Medianeinkommens. 76 Prozent gehörten demnach zur Mittelschicht (60 bis 180 Prozent des Medianeinkommens) und 9 Prozent zur Oberschicht (ab 180 Prozent des Medianeinkommens). Diese soziale Schichtung hat sich in den letzten zehn Jahren kaum verändert; dementsprechend ist auch die Einkommensungleichheit nach dem Gini-Index recht konstant geblieben und lag 2021 bei 26,7 Punkten, wobei ein Wert von 0 absolute Gleichheit bedeutet und ein Wert von 100 absolute Ungleichheit. Dennoch waren bei einer im Frühjahr 2018 durchgeführten Umfrage 84 Prozent der Österreicher der Meinung, die Einkommensunterschiede im Land seien zu groß. Hinsichtlich der Vermögensgruppen betrug der Anteil der Bevölkerung mit einem Besitz im Wert von weniger als 10.000 US-Dollar im Jahr 2021 14,3 Prozent und war damit auf einem sehr niedrigen Niveau. Der Anteil der höheren Vermögen ab 100.000 US-Dollar hingegen hat im langfristigen Vergleich zugenommen und lag nunmehr bei 46,3 Prozent, was allerdings einen Rückgang gegenüber den beiden Vorjahren bedeutete. Die Vermögensungleichheit nach dem Gini-Index ist 2021 gestiegen und betrug geschätzt 74,2 Punkte. Damit ist die Vermögensungleichheit wesentlich stärker ausgeprägt als die Einkommensungleichheit.

Reichtum

Statistik: Reichste Österreicher | Statista Im Jahr 2021 besaßen in Österreich geschätzt 271.000 Erwachsene ein Vermögen von über 1 Million US-Dollar. Damit sank die Anzahl der US-Dollar-Millionäre deutlich gegenüber dem Vorjahr; gleiches gilt für ihren Bevölkerungsanteil von 3,7 Prozent (zuvor 4,8 Prozent). Dabei verfügten die meisten österreichischen Millionäre über ein Vermögen zwischen 1 und 5 Millionen US-Dollar; es gab jedoch auch 33 Personen mit einem Besitz von mehr als 500 Millionen US-Dollar. Der reichste Österreicher war Stand März 2022 der mittlerweile verstorbene Red Bull-Gründer Dietrich Mateschitz mit 27,4 Milliarden US-Dollar, was ihn auf Platz 51 der Liste der reichsten Menschen der Welt brachte. In Österreich gibt es seit 2008 bzw. 1993 keine Erbschafts- oder Vermögenssteuer mehr; in einer Umfrage aus dem September 2019 sprachen sich 43 Prozent der Teilnehmer für eine Wiedereinführung dieser beiden Steuern aus.

Armut

Statistik: Armutsquoten in Österreich | Statista Am anderen Ende der sozialen Skala waren in Österreich im Jahr 2021 rund 1,6 Millionen Menschen armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. Als armutsgefährdet gelten jene Personen, deren äquivalisiertes Nettohaushaltseinkommen unter der Armutsgefährdungsschwelle von 60 Prozent des Medians liegt; hinzu kommen noch Haushalte mit keiner oder sehr niedriger Erwerbsintensität sowie mit erheblicher materieller Deprivation. Die entsprechende Armutsquote lag bei 18,4 Prozent der Bevölkerung und stieg damit das zweite Jahr in Folge. Besondere Armutsrisiken sind Langzeitarbeitslosigkeit, der hauptsächliche Bezug von Sozialleistungen sowie das alleinige Aufziehen eines Kindes. Doch auch Erwerbstätigkeit schützt angesichts teilweise niedriger Löhne nicht unbedingt vor Armut: 297.000 Menschen zählten 2021 zu den sog. Working poor. Die wohl schlimmste und sichtbarste Form von Armut ist die Wohnungslosigkeit: Im Jahr 2020 wurden in Österreich circa 19.900 Wohnungslose registriert, womit ihre Zahl zumindest das vierte Jahr in Folge sank. Allerdings ist von einer Dunkelziffer nicht erfasster Obdachloser auszugehen.

Sozialsystem

Statistik: Sozialausgaben in Österreich | Statista Es gehört zu den Aufgaben des Staates, soziale Not zu mildern und für einen gewissen sozialen Ausgleich zu sorgen. Im Jahr 2021 wurden in Österreich rund 132,2 Milliarden Euro für Sozialleistungen ausgegeben; das war so viel wie noch nie zuvor und entsprach einer Sozialquote von 32,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), die damit leicht zurückging. Beim Blick auf die einzelnen Sozialschutzsysteme wurde mit circa 49,5 Milliarden Euro das meiste Geld über die gesetzliche Pensionsversicherung gezahlt, gefolgt von der gesetzlichen Krankenversicherung mit etwa 20,9 Milliarden Euro. Trotz dieser Summen waren Ende 2019 immerhin 48 Prozent der Österreicher in Bezug auf die Verfügbarkeit von Sozialleistungen pessimistisch eingestellt. Ein radikales Modell zum Umbau des Sozialsystems ist das bedingungslose Grundeinkommen (BGE), das die Österreicher recht verschieden betrachten: Bei einer Umfrage aus dem Frühjahr 2021 standen 38,2 Prozent der Befragten dieser Idee positiv gegenüber; 31,8 Prozent hingegen lehnten sie ab und 30 Prozent nahmen einen Standpunkt zwischen den beiden Positionen ein.

Soziale Gerechtigkeit

Statistik: Soziale Gerechtigkeit in Österreich | Statista Zur länderübergreifenden Messung der sozialen Gerechtigkeit existiert ein Index, der einen aggregierten Wert aus Kategorien wie Armutsprävention, Bildungsgerechtigkeit und Arbeitsmarktzugang ermittelt und von 0 = sehr niedrig bis 10 = sehr hoch reicht. Für Österreich lag er nach den letzten verfügbaren Daten im Jahr 2019 bei 6,33 Punkten, womit es dort etwas ungerechter zuging als noch im Vorjahr. Dabei gibt es durchaus verschiedene Definitionen von "Sozialer Gerechtigkeit". Die Österreicher selbst verstehen darunter in erster Linie, dass jeder verdient, was seiner Leistung entspricht (87 Prozent Zustimmung), sowie, dass die Kluft zwischen Arm und Reich nicht zu groß wird (85 Prozent Zustimmung). Mit Blick auf den zweiten Punkt empfanden im September 2020 55 Prozent die bestehenden sozialen Unterschiede im Land als ungerecht; nur 13 Prozent hingegen sahen sie als gerechtfertigt an. Allerdings waren im Frühjahr 2018 auch 62 Prozent der Meinung, sie selbst bekämen durchaus ihren gerechten Anteil, während sich 35 Prozent benachteiligt fühlten. Dass in Österreich Chancengleichheit herrsche, also jeder Mensch die Möglichkeit zum sozialen Aufstieg habe, glaubten wiederum im September 2020 nur 22 Prozent; 49 Prozent hingegen sahen dies nicht als gegeben an.

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