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Statistiken zur Urbanisierung

Wie urban ist unsere Welt?

Immer mehr Menschen leben in Städten – das ist in Deutschland so, aber auch in den meisten anderen Ländern der Erde: Im Jahr 1950 waren noch mehr als zwei Drittel aller Menschen weltweit in ländlichen und weniger als ein Drittel in städtischen Gebieten beheimatet. Heute sieht die Situation ganz anders aus: Im Jahr 2015 war mehr als die Hälfte (rund 54 Prozent) aller Menschen in einer Stadt Zuhause. Diese Entwicklung bezeichnen Wissenschaftler als Verstädterung. Sie wird mit einer Messgröße beschrieben, die Verstädterungsgrad genannt wird. Der Verstädterungsgrad 2015 in Deutschland betrug 77,2 Prozent. Das bedeutet, dass in diesem Jahr 77,2 Prozent der Einwohner Deutschlands in einer Stadt lebten. Damit liegt der Verstädterungsgrad in Deutschland zwar über dem weltweiten Durchschnitt von 54 Prozent (siehe oben), es gibt aber noch viele Länder mit einem höheren Grad: In Europa hat zum Beispiel Belgien mit 98 Prozent einen extrem großen Anteil an Stadtbewohnern.

Ein anderer Indikator für Verstädterung ist das Wachstum von Städten. Vor knapp 100 Jahren war mit einer Einwohnerzahl von 8,4 Millionen New York die größte Stadt der Welt. Heute hat New York 18,8 Millionen Einwohner – und ist damit nur halb so groß wie Tokio, die aktuelle Nummer Eins in den Top 10 der globalen Städte. Besonders dynamisch ist das Städtewachstum in Indien, China und auf dem afrikanischen Kontinent: Prognosen für Afrika gehen davon aus, dass es im Jahr 2030 auf dem Kontinent 111 Städte mit einer Einwohnerzahl von über einer Million geben wird. Im Jahr 2015 waren es 63.

An die Verstädterung ist ein Prozess gekoppelt, der Urbanisierung genannt wird. Darunter versteht man die Ausbreitung städtischer Lebensweisen über die Grenzen der Städte hinaus. In Europa hatten Dorf und Stadt lange Zeit Gegensätze dargestellt. Heute ist in hochentwickelten Ländern wie Deutschland die alte Dichotomie Stadt-Land weitgehend aufgehoben. Städtische Lebensformen haben sich mehr und mehr auch auf dem Lande durchgesetzt. In vielen Ländern des globalen Südens verläuft Verstädterung allerdings auch heute unabhängig von einer Urbanisierung.

Primary Cities, Megacities und Global Cities

Neben dem Verstädterungsgrad erzählt die Verstädterungsstruktur sehr viel darüber, wie der Verstädterungsprozess in einer Region verläuft. Zum Beispiel wurde bereits erwähnt, dass in Belgien besonders viele Menschen in der Stadt leben. Sieht man sich die Zahlen genauer an, fällt allerdings auf, dass die meisten Belgier tatsächlich in Kleinstädten und Vororten wohnen. Nur knapp 30 Prozent (das ist unter EU-Durchschnitt) sind in größeren Städten Zuhause. Die deutsche Städtestruktur ist der belgischen relativ ähnlich. Weil es in Deutschland außerdem mehrere große urbane Zentren gibt, wird die deutsche Städtestruktur auch als polyzentrisch beschrieben.

In vielen anderen Ländern konzentriert sich die Bevölkerung dagegen sehr stark auf eine einzige Stadt. Eine solche Stadt nennen Experten Primatstadt oder Primary City. Der Abstand zur Zweitstadt kann sehr groß sein. Ein Beispiel für eine Primatstadt in Südamerika ist die Hauptstadt Chiles: Santiago de Chile hatte im Jahr 2017 eine Einwohnerzahl von 6,2 Millionen. Das bedeutet, dass etwa ein Drittel aller Chilenen dort lebte. Die zweitgrößte Stadt Chiles (Valparaiso) hatte im selben Jahr 900.000 Einwohner. Auch in Europa gibt es Länder mit einem großen Abstand zwischen Erst- und Zweitstadt. Besonders ausgeprägt ist dieser zum Bespiel im Vereinigten Königreich.

Das Entstehen dominanter Primatstädte ist ein globales Phänomen, dass auch als Metropolisierung bezeichnet wird. Diese führt dazu, dass es auf der Erde immer mehr und immer größere Metropolen gibt. Metropolen sind Städte, die nicht nur eine überragende Größe besitzen, sondern außerdem das Land wirtschaftlich, politisch und kulturell dominieren. Häufig, aber nicht zwangsläufig, sind Metropolen Hauptstädte. Besonders große Metropolen werden auch als Megastädte bezeichnet. Wachsen mehrere Millionenstädte zusammen, wird dieses Gebiet Megalopolis genannt. Dieser Begriff wird zum Bespiel für das 1.000 Kilometer lange verstädterte Gebiet an der Ostküste der USA (von Boston über New York bis nach Washington) verwendet

Von Metropolen und Megastädten müssen noch einmal Weltstädte oder Global Cities unterschieden werden. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass sie als Steuerungszentren der Weltwirtschaft und Weltpolitik fungieren. In Global Cities finden sich internationale Finanzzentren, bedeutende multinationale Konzerne und internationale Institutionen. Es gibt verschiedene Rankings für Weltstädte, die häufig von den Städten New York, London, Paris und Tokio angeführt werden. Für den Aufstieg zur Global City ist die Stadtgröße kein ausschlaggebendes Kriterium. Dies macht die große Zahl der Millionen- und Megastädte in Asien und Afrika deutlich, die keine Rolle im globalen Netzwerk spielen.

Was ist eine "Stadt"?

Vergleiche von Städten sind nicht ganz unproblematisch, denn die Definitionen von "städtischer Bevölkerung" und "städtischer Fläche" schwanken stark, sowohl historisch als auch von Land zu Land. Am häufigsten arbeiten Stadtdefinitionen mit Mindesteinwohnerzahlen. Aber auch in diesen Fällen variieren die benutzten Schwellenwerte. Im Mittelalter galten Städte mit mehr als 6.000 Einwohnern bereits als Großstädte, um 1800 reichte hierfür eine Einwohnerzahl von 20.000. In Deutschland werden Städte zwischen 2.000 und 5.000 Einwohnern heute als Landstadt, zwischen 5.000 und 20.000 Einwohnern als Kleinstadt, zwischen 20.000 und 100.000 Einwohnern als Mittelstadt und ab 100.000 Einwohnern als Großstadt bezeichnet.

Städte sind allerdings mehr als nur eine Ansiedlung vieler Menschen auf wenig Raum. In der Regel unterscheiden sie sich auch "funktional" von Dörfern: Während Dörfer häufig agrarisch sind, sind Städte vom sekundären und tertiären Sektor geprägt. Städte haben auch eine eigene "Ökologie" – gerade größere Städten weisen zum Beispiel klimatische Unterschiede zum Land auf. Man spricht von einem eigenen Stadtklima: In Städten ist es im Durchschnitt wärmer als im Umland, es regnet häufiger und die Windgeschwindigkeit ist niedriger.

Warum leben immer mehr Menschen in Städten?

Die Verstädterungstendenz der Gegenwart (und der Zukunft) basiert vor allem auf dem enormen Städtewachstum des globalen Südens. Verschiedene Push-Faktoren (z.B. Armut und Arbeitslosigkeit auf dem Land) und Pull-Faktoren (Hoffnung auf ein besseres Leben in der Stadt, Arbeitschancen und bessere medizinische Versorgung) lösen in vielen Gegenden der so genannten Dritten Welt eine regelrechte "Landflucht" aus. Die Metropolen des Südens wachsen dadurch so rasch, dass die Stadtentwicklung nicht mehr Schritt halten kann. Folgen sind das Entstehen riesiger Elendsviertel am Stadtrand und von Slums im Stadtgebiet, Arbeitslosigkeit, eine überlastete Infrastruktur und eine ausufernde Umweltverschmutzung.

Die Stadtentwicklung in den Industrieländern ist heute dagegen geprägt durch den Prozess der Suburbanisierung. Suburbanisierung setzte zunächst in den Vereinigten Staaten ein. Etwa ab 1945 begannen die Menschen, aus den belasteten Innenstädten ("Downtowns") in die sich ausdehnenden Suburbs zu ziehen. Der Ausbau des Verkehrsnetzes, die Motorisierung, aber auch die Kosten für Wohnungen in den Städten führten mit etwas Verspätung auch in Europa zu einer Verlagerung der Wohnorte in das Umland der Städte. Suburbanisierung führt zu einem Verschwimmen der Grenzen zwischen Stadt und Umland. Gegenläufig ist der Trend der Reurbanisierung: In letzter Zeit werden die Innenstädte wieder zu attraktiveren Wohnorten. Dabei sind es besonders junge Menschen ohne Kinder und mit hohen Einkommen, die ihren Wohnort in die Innenstädte verlagern.



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Wichtige Kennzahlen

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Verstädterung weltweit

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