Tourismus

Schwarzwald der Gewinner der Saison<br>Foto: lauren keith, flickr/cc Schwarzwald der Gewinner der Saison
Foto: lauren keith, flickr/cc

Die deutsche Tourismusbranche kann aufatmen. Trotz Verunsicherung und Zukunftssorgen wollen die Deutschen auch 2010 ihrem Ruf als Reiseweltmeister wieder gerecht werden. 42 Prozent der Deutschen sitzen gedanklich bereits auf gepackten Koffern und planen fest, 2010 wenigstens eine Reise zu unter-nehmen. Jeder neunte Bürger (11 %) will sogar zwei oder mehr Reisen in der kommenden Saison machen. Konstant bleibt die große Anzahl der Unentschlossenen: Mehr als jeder dritte Befragte (35 %) äußert sich zurückhaltend bei seiner Planung und bleibt vorerst im Wartestand. Dies geht aus der 26. Deutschen Tourismusanalyse der BAT Stiftung für Zukunftsfragen hervor, in der 4.000 Bundesbürger ab 14 Jahren nach ihrem Urlaubsverhalten 2009 und ihrer Reiseabsicht für 2010 befragt wurden.

Reiseintensität 2009: Nur jeder zweite Deutsche war im Urlaub

„Die Reiselust der Bundesbürger ist ungebrochen und die Talsohle im Tourismus überwunden. Gleichwohl ist die Urlaubsreise kein Gut mehr für alle Bürger“, so Dr. Ulrich Reinhardt, der Tourismusexperte der Stiftung. Im Durchschnitt verreiste noch jeder zweite Bundesbürger fünf Tage oder länger (50 %), damit lag die Reiseintensität auf demselben Niveau wie 2008. Dennoch zog sich eine fast schon dramatische Spaltung durch die Gesellschaft. Dieses verdeutlicht u.a. ein Vergleich von Berufsgruppen: So leisteten sich vier Fünftel aller Beamten eine Reise (80 %), bei den Arbeitern waren es dagegen nur etwa halb so viele (41 %). Eine noch größere Kluft zeigt sich beim Einkommen: Die Besserverdienenden (Haushaltsnettoeinkommen über 3.500 €) verreisten ganz selbstverständlich in die Ferien. Für drei Viertel von ihnen ist die jährliche Reise fast obligatorisch (74 %) und zwei Fünftel (39 %) dieser Einkommensgruppe gönnten sich 2009 sogar zwei und mehr Reisen. Davon können die Geringverdienenden (Haushaltsnettoeinkommen unter 1.000 €) nur träumen: Nur jeder Fünfte (20 %) konnte sich einen Urlaub leisten. „Es hat sich eine Zwei-Klassen-Gesellschaft in Mobile und Immobile herausgebildet. Die einen machen sich mehr Gedanken um Reiseziele als um das Reisebudget, während die anderen immer öfter rechnen und sparen müssen und ihren Urlaub oftmals auf Balkonien oder in Bad Meingarten verbringen“, so Reinhardt.

Inlandsreiseziele 2009: Schwarzwald der Gewinner der Saison

Deutschland bleibt mit großem Abstand das beliebteste Urlaubsziel der Bundesbürger. Fast zwei von fünf Reisen (37 %) fanden zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen statt. Vor allem der demographische Wandel stützt diese Entwicklung und wird gleichzeitig zu nachhaltigen Veränderungen der Reisebranche führen. Reinhardt: „Die Senioren von heute und morgen wollen mehr als Sonne, Spaß und Strand. Auch Unterhaltung, Abwechslung und Attraktionen allein reichen auf Dauer nicht aus, um diese reiseerfahrene Gruppe für sich zu begeistern. Der Urlaub muss ihnen vor allem einen Mehrwert bieten: Service und Qualität, Kommunikation und Geselligkeit, Gemütlichkeit und Atmosphäre – weiche Urlaubsfaktoren also, die sie die Zeit vergessen und den Urlaub genießen lassen. Das suchen und erwarten die älteren Reisenden“.

Bei der Verteilung der Reiseströme büßten die beiden Spitzenreiter der Vergangenheit Anteile ein. So verringerte sich der Anteil der Bayernurlauber auf 8,1 Prozent (2008: 8,7 %). Ebenso ging die Zahl der Reisenden nach Mecklenburg-Vorpommern zurück (6,8 %; 2008: 7,3 %). Konstant zeigten sich die Küstenbundesländer Schleswig-Holstein (5,6 %) und Niedersachsen (4,3 %). Gewinner im deutschen Verteilungskampf war 2009 Baden-Württemberg mit seinen Reisezielen rund um den Schwarzwald und Bodensee, die ihren Anteil von 2,9 Prozent in 2008 deutlich auf 3,7 Prozent erhöhen konnten.

Auslandsreiseziele 2009: Spanien bleibt Spitzenreiter, Türkei und Italien fast gleichauf

Ungebrochen ist die Popularität der Urlaubsdestination Spanien für die Bundesbürger. Mehr als jede achte Reise (13,2 %) führte in das Territorium der Iberischen Halbinsel. Von solchen Gästezahlen kann selbst das zweitplazierte Italien (6,9 %) nur träumen, das zudem immer mehr die Konkurrenz der Türkei (6,6 %) spürt. Die Türkei hat Österreich (4,1 %), Griechenland (3,3 %), Skandinavien (2,1 %) und Frankreich (1,8 %) deutlich hinter sich gelassen und kann sich auf weitere Zuwächse einstellen. Der große Vorteil der Türkei liegt in ihrer Vielfalt: natürliche Ressourcen, Sonnengarantie und Strände, Kultur-highlights von der Hagia Sophia bis zu den Kalksteinterrassen von Pamukkale, dazu noch ein hohes Maß an Gastfreundschaft und viel Serviceorientierung. Dieses Angebot spricht breite Zielgruppen an und erfreut sich bei den jungen Erwachsenen (9,9 %) und kinderlosen Paaren (8,5 %) einer ebenso großen Beliebtheit wie bei Familien mit Kindern (8,1 %) und Familien mit Jugendlichen (10,0 %).
Verluste verzeichnete der Fernreisemarkt, der etwa zehn Prozent weniger Gäste als im Vorjahr auf sich vereinte. Insgesamt führte jede zehnte Reise die Bundesbürger außerhalb Europas (2009: 10,2 % – 2008: 11,1 %). Besonders beliebt erwiesen sich hierbei Pauschalreisedestinationen in Nordafrika wie Ägypten, Tunesien und Marokko (3,7 %) sowie Ziele in Nordamerika (1,4 %). Asien wartet dagegen weiter auf seinen touristischen Durchbruch. So kann der gesamte ferne Osten von Indien über Thailand bis nach China und Hongkong „nur“ 1,5 Prozent der deutschen Urlauber für sich begeistern – weniger als die Schweiz allein (1,8 %)